Personalaufwand 2025 in Deutschland laut Geschäftsbericht, umgerechnet auf 251 Arbeitstage – im Konzern weltweit 81.100 Euro, IG Metall fordert 5 Prozent mehr
Das Wichtigste in Kürze
- Die Gewerkschaft IG Metall fordert für den Haustarif der Volkswagen AG 5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate; Volkswagen hat am 30. September 2026 mehrere Tarifverträge zum 31. Dezember 2026 gekündigt.
- Die Volkswagen AG in Deutschland wendete 2025 laut Geschäftsbericht 10,99 Milliarden Euro für ihre Belegschaft auf – rechnerisch rund 103.600 Euro je Beschäftigten oder rund 413 Euro je Arbeitstag, davon rund 68.700 Euro Direktentgelt. Im gesamten Konzern weltweit sind es rechnerisch rund 81.100 Euro.
- Die letzte Tariferhöhung bei VW gab es im Mai 2024; 2026 und 2027 entfällt der gewinnabhängige Teil der Ergebnisbeteiligung.
Bei Volkswagen steht die nächste harte Auseinandersetzung um Geld und Arbeitszeit bevor. Die Gewerkschaft IG Metall verlangt für die rund 100.000 Tarifbeschäftigten der Volkswagen AG in Deutschland 5 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, dazu eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen. Volkswagen lehnt das ab und hat seinerseits mehrere Tarifverträge fristgerecht zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Doch was verdienen VW-Beschäftigte eigentlich – und wie viel ist von früheren Extras noch übrig?
Was die IG Metall fordert
Die Forderung orientiert sich nach Angaben der IG Metall an der Tarifrunde der deutschen Metall- und Elektroindustrie. VW hat einen eigenen Haustarifvertrag, der sich eng an diese Abschlüsse anlehnt. Die Gewerkschaft begründet ihre Forderung vor allem damit, dass die Tabellenentgelte bei VW zuletzt im Mai 2024 gestiegen sind. Seit Ende 2024 verzichteten die Beschäftigten nach Rechnung der IG Metall jährlich auf rund 1,5 Milliarden Euro.
Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und Verhandlungsführer bei VW, nannte die Kündigung der Tarifverträge auf der Gewerkschaftsseite ein „übles Foul an der Belegschaft“. Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo rechnet dort mit einer heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel.
Was Volkswagen dagegenhält
Volkswagen hält die Forderung laut seiner Pressemitteilung vom 30. September 2026 für nicht passend zur Lage des Unternehmens und der Branche. Personalvorstand Arne Meiswinkel verweist auf chinesische Hersteller, die mit günstigen Exporten nach Europa drängen: „Diese Marktveränderungen sind strukturell und tiefgreifend.“ Beide Seiten haben zudem die Revisionsklausel des Zukunftstarifvertrags gezogen, um über dessen Grundlagen neu zu sprechen.
Gekündigt sind nach Angaben der IG Metall unter anderem der Entgelttarifvertrag, der Manteltarifvertrag (er regelt etwa Arbeitszeit und Urlaub), der Tarifvertrag zur Eingruppierung, der Vertrag über eine tarifliche Zusatzvergütung sowie Teile des Ausbildungstarifvertrags. Volkswagen selbst nennt in seiner Mitteilung keine einzelnen Verträge. Nicht betroffen ist der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2030. Für die Beschäftigten ändert sich vorerst nichts: Die gekündigten Verträge wirken laut Volkswagen nach, bis neue Regeln vereinbart sind.
So viel kostet ein Beschäftigter der Volkswagen AG
Eine offizielle Entgelttabelle des VW-Haustarifs veröffentlichen weder Volkswagen noch die IG Metall frei zugänglich. Belastbar sind dagegen die Zahlen, die Volkswagen im Geschäftsbericht 2025 für die Volkswagen AG veröffentlicht – also die Gesellschaft mit den deutschen Stammwerken wie Wolfsburg, Hannover und Emden, für die der Haustarif gilt.
| Volkswagen AG (Deutschland) 2024 | Volkswagen AG (Deutschland) 2025 | Konzern global 2024 | Konzern global 2025 | |
|---|---|---|---|---|
| Personalaufwand insgesamt | 12,25 Mrd. € | 10,99 Mrd. € | 49,79 Mrd. € | 49,08 Mrd. € |
| Löhne und Gehälter¹ | 9,19 Mrd. € | 8,62 Mrd. € | 40,01 Mrd. € | 39,48 Mrd. € |
| Soziale Abgaben | 1,60 Mrd. € | 1,52 Mrd. € | 7,41 Mrd. € | 7,54 Mrd. € |
| Altersversorgung | 1,46 Mrd. € | 0,85 Mrd. € | 2,37 Mrd. € | 2,06 Mrd. € |
| Beschäftigte² | 112.091 | 106.123 | 614.523 | 605.346 |
| Personalaufwand je Beschäftigten | rund 109.300 € | rund 103.600 € | rund 81.000 € | rund 81.100 € |
| Löhne und Gehälter je Beschäftigten | rund 82.000 € | rund 81.200 € | rund 65.100 € | rund 65.200 € |
| Umsatzerlöse | 94,08 Mrd. € | 97,97 Mrd. € | 324,66 Mrd. € | 321,91 Mrd. € |
| Betriebliche Gesamtkosten³ | 93,95 Mrd. € | 96,10 Mrd. € | 320,57 Mrd. € | 326,66 Mrd. € |
| Anteil Personalaufwand an den Gesamtkosten | 13,0 % | 11,4 % | 15,5 % | 15,0 % |
| Anteil Personalaufwand am Umsatz | 13,0 % | 11,2 % | 15,3 % | 15,2 % |
| Personalaufwand je Arbeitstag (251 Arbeitstage)⁴ | rund 435 € | rund 413 € | – | – |
Der Vergleich zeigt, wie stark der Wert vom Land abhängt: Ein Beschäftigter der deutschen Volkswagen AG kostet das Unternehmen rechnerisch rund 22.500 Euro mehr als der Durchschnitt aller Beschäftigten des Konzerns weltweit. Dass der Personalanteil an den Kosten der Volkswagen AG 2025 auf 11,4 Prozent gesunken ist, liegt vor allem an niedrigeren Aufwendungen für die Altersversorgung, nicht an niedrigeren Löhnen: Löhne und Gehälter je Beschäftigten blieben mit rund 81.200 Euro nahezu auf Vorjahresniveau. Die eigentliche Schwachstelle zeigt sich ohnehin auf der Ertragsseite – dazu mehr im nächsten Abschnitt.
So rechnet NETZ-TRENDS: Woher die Zahlen kommen
- Volkswagen AG (Deutschland) – Fundstelle: Geschäftsbericht 2025, Konzernlagebericht, Kapitel „Volkswagen AG“, Seite 129 (PDF Konzernlagebericht, dort PDF-Seite 59; Online-Fassung). Der Personalaufwand steht in der Tabelle „Leistungen an die Belegschaft der Volkswagen AG“, Zeile „Gesamtaufwand“: 10.990 Millionen Euro (Vorjahr 12.249). Die Beschäftigtenzahl steht im Absatz „Gesamtbelegschaft“ direkt darunter: „An den Standorten der Volkswagen AG waren zum 31. Dezember 2025 – ohne die Beschäftigten, die für Tochtergesellschaften tätig sind – insgesamt 106.123 (112.091) Personen beschäftigt“.
- Volkswagen AG – Rechenweg: 10.990 Millionen Euro geteilt durch 106.123 Beschäftigte ergibt 103.559 Euro, gerundet 103.600 Euro. Volkswagen selbst weist keinen Wert je Beschäftigten aus; die Division hat die Redaktion vorgenommen.
- Konzern global – Fundstelle und Rechenweg: Konzernanhang, Seite 598, Anhangangabe 42 „Personalaufwand“: 49.080 Millionen Euro; Seite 599, Anhangangabe 43 „Im Jahresdurchschnitt beschäftigte Mitarbeitende“: 605.346 Beschäftigte ohne chinesische Gemeinschaftsunternehmen (PDF Konzernanhang). 49.080 Millionen Euro geteilt durch 605.346 ergibt 81.078 Euro, gerundet 81.100 Euro.
- Warum nicht 73.600 Euro: Teilt man den Personalaufwand durch die oft genannte Gesamtzahl von 667.164 Beschäftigten (Konzernlagebericht, Seite 103, „Gesamtbelegschaft“; Fünf-Jahres-Übersicht, Seite 666, PDF), ergeben sich rund 73.600 Euro. Darin stecken aber 61.818 Beschäftigte der chinesischen Gemeinschaftsunternehmen, deren Personalkosten nicht im Konzern-Personalaufwand enthalten sind. Der Wert wäre daher zu niedrig.
- Je Arbeitstag: 103.559 Euro geteilt durch 251 Arbeitstage ergibt rund 413 Euro. Die 251 Tage sind alle Wochentage 2025 abzüglich der gesetzlichen Feiertage in Niedersachsen und Hessen. Weil Urlaubstage nicht abgezogen sind, ist der Wert eher niedrig angesetzt. Nicht verwechseln mit den rund 428 Euro je Achtstundentag in der Stundenkosten-Tabelle weiter unten: Das ist ein Wert für den Konzern weltweit, anders berechnet.
- Was „kostet“ bedeutet: Der Personalaufwand ist mehr als das Gehalt. Er umfasst Löhne und Gehälter einschließlich bezahlter Ausfallzeiten wie Urlaub und Krankheit, die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung sowie die Altersversorgung. Allein das Direktentgelt der Volkswagen AG ergibt rund 68.700 Euro je Kopf.
- Für welches Land: Die Werte der Volkswagen AG betreffen die deutsche Muttergesellschaft mit ihren Werken in Wolfsburg, Hannover, Emden, Braunschweig, Kassel und Salzgitter. Ausländische Werke gehören zu eigenen Tochtergesellschaften und sind dort nicht enthalten; einen ausdrücklichen Länderausweis enthält der Bericht an dieser Stelle nicht. Der Konzernwert umfasst alle vollkonsolidierten Gesellschaften weltweit, auch die deutschen.
- Wer bei der Volkswagen AG mitgezählt ist: alle Beschäftigten zum Jahresende, darunter laut Geschäftsbericht 3.749 Auszubildende, 7.602 Beschäftigte in der passiven Phase der Altersteilzeit und 8.565 Teilzeitkräfte – außerdem außertarifliche Führungskräfte, deren Bezüge ebenfalls im Personalaufwand stecken.
- Wer nicht mitgezählt ist: die Beschäftigten eigenständiger Konzerngesellschaften in Deutschland, etwa Audi, Porsche, MAN, Volkswagen Sachsen (Zwickau, Dresden, Chemnitz – dort gilt der Haustarif erst seit 2026), Volkswagen Osnabrück und Volkswagen Group Services, sowie Leiharbeitskräfte. Der Konzern hatte 2025 im Jahresdurchschnitt 286.505 Beschäftigte im Inland (Konzernlagebericht, Seite 103); für sie alle zusammen veröffentlicht Volkswagen keinen Personalaufwand.
- Was die Zahlen nicht sind: kein Bruttogehalt und kein Wert für eine typische Vollzeitstelle. Bei der Volkswagen AG nennt Volkswagen nur die Kopfzahl zum Jahresende, beim Konzern einen Jahresdurchschnitt; beide Werte sind deshalb Näherungen und nur eingeschränkt direkt vergleichbar. Weil Auszubildende, Teilzeitkräfte und Beschäftigte in Altersteilzeit mitzählen, läge der Wert je aktiver Vollzeitstelle höher. Zudem mischt der Konzernwert deutsche Werke mit Standorten in Ländern mit deutlich niedrigerem Lohnniveau.
- Entwicklung: Bei der Volkswagen AG lag der rechnerische Wert 2024 bei rund 109.300 Euro. Der Rückgang geht vor allem auf niedrigere Aufwendungen für die Altersversorgung zurück (0,85 statt 1,46 Milliarden Euro); einen Grund nennt Volkswagen an dieser Stelle nicht.
Die IG Metall verweist darauf, dass die Personalaufwandsquote – der Anteil der Personalkosten am Umsatz – von 17,5 Prozent im Jahr 2021 auf 15,2 Prozent im Jahr 2025 gesunken sei. Die Werte decken sich mit dem Geschäftsbericht des Konzerns (Seite 667, Tabelle „Finanzwirtschaftliche Kennzahlen“, PDF). Eine Halbierung der Tariflöhne würde Fahrzeuge nach Rechnung der Gewerkschaft nur um rund 5 Prozent verbilligen.
Was vom VW-Extra-Geld noch übrig ist
VW-Beschäftigte galten lange als besonders gut gestellt. Mit dem Tarifkompromiss vom Dezember 2024 wurden mehrere Leistungen gekürzt oder ausgesetzt. Nach Angaben der IG Metall gilt derzeit:
- Tariferhöhung ausgesetzt: Die gut 5 Prozent aus dem Flächentarif von November 2024 fließen bis 2030 in einen Fonds, etwa für Altersteilzeit. Erst ab 1. Januar 2031 steigt die Entgelttabelle um diesen Betrag. Neue Tarifrunden sind ab 2027 möglich.
- Ergebnisbeteiligung: Neben zwölf Monatsentgelten gibt es eine Ergebnisbeteiligung mit einem Mindestbetrag von 1.879,50 Euro, der im November ausgezahlt wird. Der gewinnabhängige zweite Teil im Mai entfällt 2026 und 2027 vollständig und wird ab 2028 schrittweise wieder aufgebaut.
- Anerkennungsprämie 2026: Als Ersatz einigten sich Gesamtbetriebsrat und Vorstand auf einmalig 1.250 Euro brutto, ausgezahlt im Mai 2026; Teilzeitkräfte anteilig, Auszubildende und dual Studierende erhielten 500 Euro.
- Urlaubsentgelt: Das erhöhte Urlaubsentgelt von rund 1.290 Euro ist gestrichen.
- Jubiläen: Statt des 1,45-fachen beziehungsweise 2,9-fachen Monatsentgelts gibt es nach 25 Jahren pauschal 6.000 Euro und nach 35 Jahren 12.000 Euro.
- Arbeitszeit: Seit 1. Juli 2025 arbeiten alle vor 2005 Eingestellten einheitlich 35 Stunden pro Woche statt bisher 33 oder 34 Stunden.
- Management: Der Bonus der außertariflichen Führungskräfte („Tarif Plus“) sank von rund 50 auf rund 35 Prozent des Jahresbonus der untersten Entgeltgruppe. Vorstand und Management verzichten laut IG Metall bei Volkswagen 2025 auf 11 und 2026 auf 8 Prozent ihrer Bezüge.
Fünf Prozent mehr – in welcher Lage?
Die Forderung der IG Metall fällt in eine Phase, in der Volkswagen kaum noch Geld verdient. Laut Geschäftsbericht 2025 sank das Ergebnis nach Steuern des Konzerns von 12,39 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 6,90 Milliarden Euro (Fünf-Jahres-Übersicht, Seite 666). Die operative Umsatzrendite halbierte sich von 5,9 auf 2,8 Prozent (Seite 667). Von 100 Euro Umsatz blieben dem Konzern im operativen Geschäft also weniger als 3 Euro.
Hinzu kommt der Standortnachteil. Eine Arbeitsstunde kostete Arbeitgeber in Deutschland 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Schnitt 45,00 Euro, rund 29 Prozent mehr als im Durchschnitt der Europäischen Union (34,90 Euro). Im deutschen Verarbeitenden Gewerbe, zu dem die Autoindustrie gehört, waren es 49,50 Euro, 17,9 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Volkswagen-Personalvorstand Arne Meiswinkel verweist zugleich auf chinesische Hersteller, die mit günstigen Exporten nach Europa drängen und den Preisdruck nach seinen Worten enorm erhöhen.
Wie steht Volkswagen im Vergleich dazu da? Aus dem Geschäftsbericht lässt sich ein Wert je geleisteter Arbeitsstunde für den gesamten Konzern ableiten. Im Nachhaltigkeitsbericht nennt Volkswagen 9.917 meldepflichtige Arbeitsunfälle und eine Unfallrate von 10,8 je eine Million geleisteter Arbeitsstunden (Nachhaltigkeitsbericht, Seite 364). Daraus ergeben sich rund 918 Millionen geleistete Arbeitsstunden. Teilt man den Personalaufwand von 49,08 Milliarden Euro (Konzernanhang, Seite 598) dadurch, kostet eine Arbeitsstunde im Volkswagen-Konzern rechnerisch rund 53,50 Euro, ein Arbeitstag mit acht Stunden also rund 428 Euro – und das weltweit, also einschließlich der Werke in Ländern mit deutlich niedrigerem Lohnniveau.
| Arbeitskosten 2025 | je geleisteter Stunde | je Arbeitstag (8 Stunden) | gegenüber EU-Durchschnitt aller Branchen |
|---|---|---|---|
| Europäische Union, Durchschnitt aller Branchen | 34,90 € | 279 € | – |
| Deutschland, Durchschnitt aller Branchen | 45,00 € | 360 € | +29 % |
| Deutschland, Verarbeitendes Gewerbe | 49,50 € | 396 € | +42 % |
| Volkswagen-Konzern weltweit (eigene Berechnung) | rund 53,50 € | rund 428 € | +53 % |
| Volkswagen AG in Deutschland | nicht berechenbar¹ | nicht berechenbar¹ | – |
Damit liegen die Arbeitskosten je Stunde im Volkswagen-Konzern weltweit rund 8 Prozent über dem Schnitt des deutschen Verarbeitenden Gewerbes und rund 53 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Einen Stundenwert allein für die deutsche Volkswagen AG kann die Redaktion nicht berechnen, weil Volkswagen die dort geleisteten Arbeitsstunden nicht veröffentlicht. Je Beschäftigten liegt der Personalaufwand der Volkswagen AG mit rund 103.600 Euro jedoch rund 28 Prozent über dem Konzerndurchschnitt von rund 81.100 Euro.
Die IG Metall sieht das anders: Die Beschäftigten hätten seit Mai 2024 keine Tariferhöhung bekommen und verzichteten jährlich auf rund 1,5 Milliarden Euro; gleichzeitig habe Volkswagen im Juni rund 2,6 Milliarden Euro Dividende ausgeschüttet. Rechnet man die ausgesetzte Erhöhung aus dem Flächentarif hinzu, hinkt die Entwicklung der VW-Tabellen der übrigen Metall- und Elektroindustrie hinterher. Auch das Entgeltsystem selbst steht zur Debatte: Bereits im Kompromiss von 2024 hatten beide Seiten vereinbart, es zum 1. Januar 2027 umzustellen.
Wie es weitergeht
Ein weiteres Gespräch der Tarifparteien ist laut Volkswagen für die zweite Oktoberhälfte 2026 geplant. Die eigentlichen Tarifverhandlungen sollen im Winter beginnen, ein Termin steht nach Angaben der IG Metall noch nicht fest. Mit dem Ende der Friedenspflicht ist die Gewerkschaft ab dem 1. Januar 2027 streikfähig. Ob es zu Warnstreiks in den deutschen VW-Werken kommt, hängt davon ab, ob beide Seiten bis dahin zu einer Einigung finden.
Kommentar der NETZ-TRENDS-Redaktion: Die Rechnung geht nicht mehr auf
Man kann der IG Metall vieles vorhalten, aber nicht, dass sie ihre Zahlen nicht kennt. Gerade deshalb irritiert die Forderung. Ein Beschäftigter der Volkswagen AG kostet das Unternehmen rechnerisch rund 103.600 Euro im Jahr – über 22.000 Euro mehr als der Durchschnitt im Konzern weltweit. Eine Arbeitsstunde in Deutschland kostet knapp 30 Prozent mehr als im EU-Durchschnitt – im Volkswagen-Konzern sind es rechnerisch sogar rund 53,50 Euro, obwohl darin Werke in Niedriglohnländern eingerechnet sind. Und der Konzern verdient im operativen Geschäft nicht einmal mehr 3 Cent je Euro Umsatz.
In dieser Lage weitere 5 Prozent zu verlangen, folgt einer Logik, die über Jahrzehnte funktioniert hat: Die Autoindustrie wuchs, also wuchsen die Löhne. Diese Logik trägt nicht mehr. Wenn chinesische Hersteller Elektroautos günstiger bauen und nach Europa liefern, entscheidet nicht mehr die Stärke am Verhandlungstisch über die Arbeitsplätze, sondern die Wettbewerbsfähigkeit der Werke. Jede Lohnrunde, die die Kosten weiter nach oben treibt, macht den deutschen Standort im Vergleich teurer – bei Volkswagen genauso wie in weiten Teilen der deutschen Industrie.
Die Gewerkschaft muss sich deshalb die Frage gefallen lassen, ob sie die Lage ernst genug nimmt. Wer heute mehr Geld fordert, während das Unternehmen Stellen abbaut, Werke umbaut und seine Rendite schrumpfen sieht, riskiert genau das, was er schützen will: die Arbeitsplätze in Wolfsburg, Hannover, Emden und anderswo. Lieber jetzt Verzicht als später gar keine Jobs mehr – das wäre die ehrlichere Botschaft an die Belegschaft.
Fair bleibt dabei: Die Beschäftigten haben seit 2024 bereits erhebliche Einschnitte hingenommen, und ein Konzern, der Dividenden ausschüttet, kann von seiner Belegschaft nicht unbegrenzt Opfer verlangen. Doch an der Grundrechnung ändert das nichts. Deutschland kann sich eine Lohnspirale ohne entsprechende Produktivität nicht mehr leisten – Volkswagen schon gar nicht.
Ist die Forderung der IG Metall angesichts der Lage bei Volkswagen gerechtfertigt – oder schadet sie dem Standort Deutschland? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Volkswagen AG: Pressemitteilung Nr. 84/2026 vom 30. September 2026
- Volkswagen AG: Geschäftsbericht 2025, Konzernlagebericht (PDF) – S. 103 „Gesamtbelegschaft“ (Konzern), S. 126 „Gewinn- und Verlustrechnung der Volkswagen AG“, S. 129 „Leistungen an die Belegschaft der Volkswagen AG“ und „Gesamtbelegschaft“ (Volkswagen AG)
- Volkswagen AG: Geschäftsbericht 2025, Konzernabschluss (PDF) – S. 461 Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns
- Volkswagen AG: Geschäftsbericht 2025, Konzernanhang (PDF) – S. 598 Anhangangabe 42 „Personalaufwand“, S. 599 Anhangangabe 43 „Im Jahresdurchschnitt beschäftigte Mitarbeitende“
- Volkswagen AG: Geschäftsbericht 2025, Zusatzinformationen (Fünfjahresübersicht)
- Volkswagen AG: Geschäftsbericht 2025, Nachhaltigkeitsbericht (PDF) – S. 364 Kennzahlen zu Arbeits- und Gesundheitsschutz
- Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 148 vom 29. April 2026, Arbeitskosten 2025
- IG Metall: Tarifrunde Volkswagen 2026 (Stand 30. September 2026)
- IG Metall: Verhandlungsergebnis bei VW und Tochterunternehmen (Dezember 2024, aktualisiert Februar 2025)
- IG Metall bei Volkswagen: Extrablatt Anerkennungsprämie (März 2026)
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.