Nach dem Allzeithoch dreht der deutsche Leitindex ins Minus, die Nasdaq in New York verliert über 6 Prozent, Rheinmetall bricht ein.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Deutsche Aktienindex kletterte am Donnerstag zeitweise auf ein Rekordhoch von 26.692,90 Punkten, schloss aber bei 26.325,01 Punkten und damit 0,43 Prozent im Minus.
- Auslöser ist ein Ausverkauf an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq: Der Nasdaq Composite fiel am Vormittag zeitweise um 3,1 Prozent, der Nasdaq 100 im weiteren Handelsverlauf um bis zu 6,4 Prozent.
- In Frankfurt traf es den Chipkonzern Infineon mit einem Kursverlust von 8,5 Prozent und den Rüstungskonzern Rheinmetall, der nach einer gesenkten Jahresprognose 16 Prozent einbrach.
Der Deutsche Aktienindex (DAX) stieg am Donnerstag kurzzeitig auf ein neues Rekordhoch von 26.692,90 Punkten. Am Nachmittag drehte er ins Minus, nachdem ein Ausverkauf von Technologie- und Chipwerten an der Nasdaq in New York auf die europäischen Börsen übergriff.
Mit dem Rekord setzte der DAX zunächst eine Rally fort, die seit dem Wahlsieg der Demokraten bei den US-Kongress-Zwischenwahlen (Midterms) am Dienstag lief. Am Mittwoch hatte die New Yorker Börse noch mit ihrem stärksten Tagesgewinn seit drei Monaten reagiert. Am Donnerstag kehrte sich die Stimmung um.
Auslöser war erneut die US-Technologiebörse: Anlegerinnen und Anleger befürchten nun, dass eine demokratisch geprägte Opposition im US-Kongress den milliardenschweren Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz stärker regulieren oder verlangsamen könnte. In den USA gelten Demokraten traditionell als skeptischer gegenüber einer schnellen KI-Expansion als Republikaner.
DAX-Rekord am Vormittag, Kehrtwende am Nachmittag
Der DAX markierte sein bisheriges Allzeithoch am Donnerstagvormittag bei 26.692,90 Punkten. Zum Handelsschluss in Frankfurt stand der deutsche Leitindex dann bei 26.325,01 Punkten, ein Minus von 0,43 Prozent gegenüber dem Vortag. Der MDax, der die mittelgroßen deutschen Unternehmen abbildet, verlor deutlicher: Er schloss 0,92 Prozent tiefer bei 30.891,56 Punkten.
Auch der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 gab seine Gewinne aus dem frühen Handel ab und schloss 0,55 Prozent niedriger bei 6.231,54 Punkten. Auf den Kursgewinn vom Mittwoch, der von der Reaktion auf den demokratischen Wahlsieg getragen worden war, folgte damit schon am nächsten Handelstag eine Gegenbewegung.
Nasdaq in New York verliert zeitweise über 6 Prozent
Den Ausschlag gab die Technologiebörse Nasdaq in den Vereinigten Staaten. Nach einer Momentaufnahme vom Donnerstagvormittag (9:57 Uhr Ortszeit New York, 15:57 Uhr MEZ) stand der Nasdaq Composite bei 24.941,44 Punkten, ein Minus von 3,09 Prozent. Der marktbreitere S&P 500 fiel um 1,66 Prozent auf 7.560,88 Punkte, der Dow Jones Industrial Average vergleichsweise moderat um 0,66 Prozent auf 53.004,25 Punkte.
Im weiteren Tagesverlauf weitete sich der Rückgang aus: Nach Angaben vom frühen Nachmittag Ortszeit lag der Dow Jones zeitweise rund 2,4 Prozent im Minus, der technologielastige Nasdaq 100 rund 4,5 Prozent – mit einem Tagestief von bis zu minus 6,4 Prozent. Der Nasdaq Composite bewegte sich damit auf eine technische Korrektur zu, also einen Rückgang von mindestens 10 Prozent gegenüber seinem jüngsten Höchststand.
Besonders stark traf es Zulieferer und Betreiber von KI-Rechenzentren: Der Chip-Hersteller Qualcomm verlor rund 9 Prozent, nachdem das Unternehmen schwächer als erwartete Smartphone-Chip-Umsätze gemeldet hatte. Ein Halbleiterindex, dem unter anderem Nvidia, AMD, Intel und Marvell Technology angehören, gab 7,1 Prozent nach. Der Computerhersteller Dell verlor 10,5 Prozent, die auf KI-Rechenleistung spezialisierten Anbieter CoreWeave und Nebius Group 9,3 beziehungsweise 13,4 Prozent. Auch die Autobauer Tesla (minus 9,5 Prozent) und dessen Raumfahrt-Schwesterunternehmen SpaceX (minus 6,7 Prozent) gerieten unter Druck, ebenso Meta mit einem Minus von 3,4 Prozent.
„Wir gehen davon aus, dass der aggressive Ausbau der KI-Infrastruktur jetzt genauer unter die Lupe genommen wird.“
Ipek Ozkardeskaya, Analystin bei der Swissquote Bank, in einer Markteinschätzung vom 5. November 2026; Übersetzung der Redaktion
Ozkardeskaya verwies zudem darauf, dass die neue politische Mehrheit im US-Kongress die bisherige Unterstützung der Regierung für den KI-Ausbau abschwächen könnte. Ein zuvor deutlicher Rückgang der Ölpreise hatte die Stimmung an den US-Börsen vor dem Wochenbeginn noch gestützt.
Infineon und weitere deutsche Verlierer
In Frankfurt übertrug sich der Ausverkauf vor allem auf Unternehmen, die stark mit dem KI-Ausbau verknüpft sind. Der Münchner Halbleiterkonzern Infineon, ein wichtiger Zulieferer für Leistungselektronik in Rechenzentren und Elektrofahrzeugen, verlor 8,5 Prozent und setzte damit eine bereits laufende Abwärtsbewegung fort. Auch Chip-Zulieferer aus dem MDax und dem Nebenwerteindex SDax gaben nach.
Unter Druck gerieten zudem der Energietechnik-Konzern Siemens Energy und der Baukonzern Hochtief, die an der Börse zuletzt auch vom Ausbau der KI-Infrastruktur profitiert hatten. Die Deutsche Telekom verlor trotz guter Quartalszahlen 2,1 Prozent – am Markt wurden erneut Sorgen über eine mögliche vollständige Übernahme der US-Tochter T-Mobile US laut, nachdem die Dividende nur um 10 Prozent angehoben werden soll. Die Commerzbank gab um 2,8 Prozent nach; die DZ Bank hatte die Einstufung trotz starker Neun-Monats-Zahlen wegen fehlender kurzfristiger Kurstreiber auf „Halten“ gesenkt.
Rheinmetall bricht nach gesenkter Prognose ein
Den größten Einzelverlust im DAX verzeichnete an diesem Tag ein Unternehmen ohne direkten Bezug zur US-Technologiebranche: Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall brach um 16 Prozent ein und fiel auf den tiefsten Stand seit Februar 2025. Grund war eine Ad-hoc-Mitteilung, die das Unternehmen am Mittwochabend veröffentlichte.
Rheinmetall senkte darin seine Jahresprognose für 2026: Der Umsatz werde nun bei rund 13,2 Milliarden Euro erwartet statt der bisher in Aussicht gestellten 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro, die operative Marge bei rund 18,5 statt rund 19 Prozent. Als Grund nannte das Unternehmen wahrscheinliche Verzögerungen bei der Beauftragung für das deutsche Radpanzer-Programm „Boxer“ (Arminius) sowie bei Losabnahmen für Artilleriemunition; die damit verbundenen Zahlungen und Umsätze verschieben sich dadurch ins Jahr 2027. Im dritten Quartal 2026 war der Umsatz noch um 32 Prozent auf 3,149 Milliarden Euro gestiegen, der operative Gewinn um 62 Prozent auf 553 Millionen Euro. Auch die Rüstungsaktie Renk geriet nach eigenen Quartalszahlen unter Druck.
Einordnung: zwei unabhängige Geschichten an einem Tag
Der Rheinmetall-Rückgang hat keinen inhaltlichen Zusammenhang mit dem US-Tech-Ausverkauf – er traf den DAX an diesem Donnerstag nur zufällig am selben Handelstag. Für die Gesamtbilanz des Index zählt er trotzdem: Rheinmetall ist mit einem Indexgewicht im einstelligen Prozentbereich im DAX vertreten, ein Kurseinbruch von 16 Prozent an einem Tag wirkt sich spürbar auf den Indexstand aus.
Was das für ETF-Sparpläne bedeutet
Millionen Menschen in Deutschland sparen regelmäßig über ETF-Sparpläne, viele davon in breit gestreute Indexfonds wie dem MSCI World oder dem S&P 500 – beide enthalten die US-Technologiewerte, die am Donnerstag besonders stark verloren, mit teils zweistelligem Anteil am Fondsvermögen. Wer gezielt in einen Nasdaq-100-ETF investiert, war von der Bewegung noch unmittelbarer betroffen.
Modellrechnung: Tagesschwankung bei einem Nasdaq-100-ETF
Bei einem angenommenen Depotwert von 10.000 Euro in einem Nasdaq-100-ETF hätte der Indexrückgang von bis zu 6,4 Prozent am Donnerstag einem rechnerischen Buchverlust von bis zu 640 Euro entsprochen. Das ist eine vereinfachte Modellrechnung ohne Berücksichtigung von Gebühren, Nachbildungsungenauigkeiten oder Wechselkursen – keine Prognose und keine Anlageempfehlung. Ein Buchverlust wird erst real, wenn Anteile tatsächlich verkauft werden; am Mittwoch zuvor hatte derselbe Index noch deutlich im Plus gelegen.
Checkliste für Anlegerinnen und Anleger nach einem solchen Handelstag
- Ein einzelner Handelstag ist noch kein Trendwechsel – kurzfristige Ausschläge gehören zu Aktien- und ETF-Investments dazu.
- Die eigene Aktienquote und den US-Technologie-Anteil im Depot prüfen, statt auf die Tagesmeldung zu reagieren.
- Einen laufenden ETF-Sparplan nicht reflexhaft aussetzen: Wer regelmäßig kauft, erwirbt an einem solchen Tag automatisch mehr Anteile für denselben Betrag.
- Bei Einzelaktien wie Nvidia, Tesla oder Qualcomm die Positionsgröße im Verhältnis zum Gesamtdepot im Blick behalten.
- Keine Kauf- oder Verkaufsentscheidung allein an einem einzelnen Kursrutsch festmachen.
Wie stark ein einzelnes Depot betroffen ist, hängt stark von der tatsächlichen Gewichtung der einzelnen Fonds und Aktien ab. Allgemeine Anlageempfehlungen für den Einzelfall kann dieser Artikel nicht ersetzen.
Häufige Fragen
Warum ist der DAX trotz Rekordhoch ins Minus gedreht?
Der DAX erreichte sein Allzeithoch am Vormittag, bevor die Verluste an der US-Technologiebörse Nasdaq auf die europäischen Börsen übergriffen. Internationale Indizes wie der DAX reagieren oft auf große Kursbewegungen in den USA, weil viele der dort gehandelten Unternehmen auch für europäische Zulieferer und Anleger relevant sind.
Was haben die US-Zwischenwahlen mit dem Kursrutsch zu tun?
Nach dem Wahlsieg der Demokraten bei den Kongress-Zwischenwahlen (Midterms) am Dienstag befürchten Anlegerinnen und Anleger laut Marktanalysen strengere Regeln für den Ausbau von KI-Rechenzentren in den USA. Das traf vor allem Aktien, die stark mit diesem Ausbau verbunden sind.
Ist das schon eine Börsenkorrektur?
Als Korrektur bezeichnen Börsianer üblicherweise einen Rückgang von mindestens 10 Prozent gegenüber dem jüngsten Höchststand. Der Nasdaq Composite bewegte sich am Donnerstag auf diese Marke zu, hatte sie zum Zeitpunkt der hier verwendeten Marktdaten aber noch nicht erreicht.
Sind auch Menschen betroffen, die nur in den DAX investiert sind?
Ja, wenn auch indirekt: Der DAX selbst schloss nur leicht im Minus. Wer aber in DAX-Werte wie Infineon investiert ist, die eng mit der US-Technologiebranche verflochten sind, spürte den Rückgang direkter als bei breiter gestreuten deutschen Standardwerten.
Wie gehen Sie mit solchen Kursschwankungen in Ihrem eigenen Depot um? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen und Stand
- Deutsche Börse: DAX-Indexdaten
- Rheinmetall AG: Ad-hoc-Mitteilung vom 4. November 2026
- Indexstände von Nasdaq Composite, S&P 500 und Dow Jones Industrial Average, Momentaufnahme vom 5. November 2026, 9:57 Uhr Ortszeit New York
- Marktkommentar der Swissquote Bank, Analystin Ipek Ozkardeskaya, vom 5. November 2026
- Europäische Schlusskurse (Euro Stoxx 50, DAX, MDax) vom 5. November 2026
Recherche- und Datenstand: 5. November 2026, 19:30 Uhr. Einzelne US-Kursdaten stammen aus dem laufenden Handel und können sich bis zum US-Handelsschluss noch ändern.
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.
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