Entwurf für 2027 und 2028, noch nicht endgültig: Stellungnahmen bis 30. Oktober, Entscheidung voraussichtlich im November
Das Wichtigste in Kürze
- Die Bundesnetzagentur hat am 12. Oktober 2026 ihren Entwurf zum Preisspielraum der Deutschen Post für 2027 und 2028 veröffentlicht: 20,35 Prozent im Korb Privatkunden-Brief, nach 10,48 Prozent im Zeitraum 2025/26.
- Der Spielraum ist eine Obergrenze für den Durchschnitt eines Korbs, kein festgelegter Preis. Welche Produkte die Post wie stark verteuert, entscheidet sie selbst, jeder Preis wird danach einzeln genehmigt.
- Stellungnahmen sind bis zum 30. Oktober 2026 möglich, die endgültige Entscheidung soll im November fallen. Die neuen Porti würden vom 1. Januar 2027 bis 31. Dezember 2028 gelten.
Briefe in Deutschland könnten ab 2027 spürbar teurer werden: Die Bundesnetzagentur will der Deutschen Post für die Jahre 2027 und 2028 im Korb Privatkunden-Brief einen durchschnittlichen Preisspielraum von 20,35 Prozent erlauben. Das geht aus der Pressemitteilung der Behörde vom 12. Oktober 2026 hervor. Es handelt sich um einen Entwurf: Die Entscheidung ist noch nicht endgültig.
Der Wert ist fast doppelt so hoch wie beim letzten Verfahren. Für den Zeitraum 2025 und 2026 hatte die Behörde nach ihrer damaligen Mitteilung 10,48 Prozent zugelassen. Der Wert steckt den Rahmen für künftige Preise im Privatkundengeschäft ab. Was ein einzelner Brief kostet, steht in der Mitteilung allerdings nicht.
Was die Bundesnetzagentur plant
Die Behörde hat nach eigenen Angaben die beabsichtigte Entscheidung im sogenannten Price-Cap-Maßgrößenverfahren für die Entgelte der Deutschen Post AG ab 2027 veröffentlicht (Aktenzeichen BK5-26-0001, Beschlusskammer 5). Die Genehmigung soll vom 1. Januar 2027 bis zum 31. Dezember 2028 gelten. Neben dem Brief steigt auch der Spielraum bei Geschäftspost und Paketen:
| Korb | Entscheidung 2024 (für 2025/26) | Entwurf 2026 (für 2027/28) |
|---|---|---|
| Privatkunden-Brief | 10,48 % | 20,35 % |
| Geschäftspost (Teilleistungen, Postzustellungsaufträge) | 10,48 % | 20,35 % |
| Privatkunden-Paket | 7,21 % | 10,72 % |
Was ist das Price-Cap-Verfahren?
Bei einem Price Cap legt die Regulierungsbehörde keine Einzelpreise fest, sondern eine Obergrenze für die durchschnittliche Preiserhöhung eines Produktkorbs. Die Post verteilt den Spielraum selbst auf ihre Produkte, die einzelnen Preise müssen danach genehmigt werden. Einzelne Produkte können deshalb stärker, andere schwächer oder gar nicht steigen.
Warum der Spielraum so groß ausfällt
Als Hauptgrund nennt die Bundesnetzagentur sinkende Sendungsmengen. Behördenpräsident Klaus Müller wird in der Mitteilung so zitiert: „Wesentlicher Grund für das steigende Porto sind die stark abnehmenden Briefmengen.“ Wenn Kosten auf weniger Briefe verteilt werden müssen, steigen die Stückkosten. Als Ursachen nennt die Behörde die Digitalisierung und die ab 2028 verpflichtende elektronische Rechnung für Unternehmen.
Die Zahlen aus der Mitteilung gehen rechnerisch auf: Für den Zeitraum 2027 bis 2028 setzt die Behörde eine gesamtwirtschaftliche Preissteigerungsrate von 4,04 Prozent an, gestützt auf Prognosen verschiedener Forschungsinstitute für 2026 und 2027. Für Privatkunden-Brief und Geschäftspost kommt eine Produktivitätsveränderung von minus 16,31 Prozent hinzu (2024: minus 7,11 Prozent). 4,04 plus 16,31 ergibt 20,35. Bei Privatkunden-Paketen sind es minus 6,68 Prozent, 4,04 plus 6,68 ergibt 10,72. Ein angemessener Gewinnzuschlag ist nach Angaben der Behörde berücksichtigt.
Dem Antrag der Post folgte die Behörde nach eigenen Angaben nicht vollständig: Die Post habe einen höheren Spielraum gefordert, geltend gemachte Mehrkosten im Wertschöpfungs- und Gemeinkostenbereich erkenne die Bundesnetzagentur nicht in voller Höhe an. Personal-, Sozial- und Versorgungslasten aus der Rechtsnachfolge der Deutschen Bundespost seien dagegen vollständig anerkannt. Eine eigene Stellungnahme der Deutschen Post zum Entwurf lag der Redaktion bis Redaktionsschluss nicht vor.
Was das für den Standardbrief bedeuten könnte
Aktuell kostet der Standardbrief nach der Preisliste der Deutschen Post 0,95 Euro, der Kompaktbrief 1,10 Euro, der Großbrief 1,80 Euro und der Maxibrief 2,90 Euro. Diese Preise gelten laut Post seit der Anpassung zum 1. Januar 2025. Die folgende Modellrechnung zeigt, was passieren würde, wenn die Post den Spielraum voll und für jedes Produkt gleich ausschöpfte. Das ist ausdrücklich keine Prognose, denn die Mitteilung nennt keine Einzelpreise:
| Produkt | Preis heute | Modellwert +20,35 % | Differenz |
|---|---|---|---|
| Standardbrief | 0,95 € | 1,14 € | 0,19 € |
| Postkarte | 0,95 € | 1,14 € | 0,19 € |
| Kompaktbrief | 1,10 € | 1,32 € | 0,22 € |
| Großbrief | 1,80 € | 2,17 € | 0,37 € |
| Maxibrief | 2,90 € | 3,49 € | 0,59 € |
Der Standardbrief läge in diesem Rechenspiel bei 1,14 Euro, der Maxibrief bei 3,49 Euro. Die tatsächlichen Preise können davon abweichen, nach oben wie nach unten, weil die Post die Gewichtung selbst wählt und jeden Preis erst genehmigen lassen muss. Das Rechenspiel zeigt nur die Größenordnung: Wer im Jahr 100 Standardbriefe verschickt, zahlte nach diesem Modell rund 19 Euro mehr.
Einordnung: Was die Mitteilung offen lässt
- Sie nennt weder den aktuellen noch einen geplanten Preis für Standardbrief oder Postkarte. „Spielraum“ ist eine Obergrenze, die erst durch die Preisanträge der Post mit Zahlen gefüllt wird.
- Offen ist, ob die Post den Rahmen ausschöpft. Das Verfahren sieht vor, dass sie selbst entscheidet, bei welchen Produkten sie erhöht.
- Der Spielraum ist ein Durchschnittswert für den ganzen Korb. Einzelne Produkte können nach Angaben der Behörde stärker steigen als andere; welche, ist offen.
Wie es weitergeht
Zum Entwurf können nach Angaben der Bundesnetzagentur die Post, Wettbewerber, Verbraucherschutzorganisationen und andere Interessierte bis zum 30. Oktober 2026 Stellung nehmen. Die endgültige Price-Cap-Entscheidung soll voraussichtlich im November 2026 fallen. Danach kann die Post Preise einzelner Produkte zur Genehmigung beantragen; genehmigt werden sie, wenn sie im vorgegebenen Rahmen liegen.
Parallel hat die Behörde nach dem neuen Postgesetz den Brief- und den Privatkunden-Paketmarkt untersucht. Ergebnis laut Mitteilung: Beide Märkte sind regulierungsbedürftig, und die Deutsche Post ist auf beiden marktbeherrschend.
Praxishinweis
Wer regelmäßig Briefe verschickt, sollte nicht mit festen Preisen für 2027 rechnen: Erst die endgültige Entscheidung im November und die anschließenden Preisgenehmigungen zeigen, was Standardbrief und Postkarte ab Januar 2027 tatsächlich kosten. Bis zum 30. Oktober können laut Bundesnetzagentur auch andere Interessierte Stellung nehmen.
Ihre Meinung
Wie oft verschicken Sie noch Briefe, und würde Sie ein höheres Porto zum Umstieg auf digitale Wege bewegen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Bundesnetzagentur: Pressemitteilung „Bundesnetzagentur veröffentlicht geplanten Spielraum für Porti“, 12. Oktober 2026 (Entwurf, Aktenzeichen BK5-26-0001)
- Bundesnetzagentur: Pressemitteilung zur Maßgrößenentscheidung, 11. November 2024
- Deutsche Post: Briefe und Postkarte (Preisliste, abgerufen am 13. Oktober 2026) und Brief-Preisänderung zum 1. Januar 2025
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