Höchste Jahresrate seit Februar 2023: Heizöl und Kraftstoffe sind deutlich teurer als vor einem Jahr, Strom und Gas billiger
Das Wichtigste in Kürze
- Die Großhandelspreise in Deutschland lagen im September 2026 um 8,7 Prozent über dem Vorjahresmonat und um 1,9 Prozent über August – eine höhere Jahresrate gab es nach Angaben von Destatis zuletzt im Februar 2023.
- Am stärksten stiegen Mineralölerzeugnisse (+48,8 Prozent), Metalle (+24,9 Prozent) und Getreide samt Futtermitteln (+19,3 Prozent); Milch, Fleisch und lebende Tiere waren billiger als ein Jahr zuvor.
- Bei den Verbraucherpreisen sind leichtes Heizöl (+74,9 Prozent) und Kraftstoffe (+37,1 Prozent) bereits deutlich teurer, Strom (−5,5 Prozent) und Erdgas (−2,8 Prozent) dagegen billiger.
Das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden hat am 14. Oktober 2026 gemeldet, dass die Verkaufspreise im deutschen Großhandel im September 2026 um 8,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Gegenüber August stiegen sie um 1,9 Prozent. Die Jahresrate hat sich damit weiter beschleunigt: Im Juli hatte sie bei +5,3 Prozent gelegen, im August bei +6,8 Prozent. Eine höhere Jahresveränderung registrierte Destatis zuletzt im Februar 2023 mit +9,5 Prozent.
Als Hauptgrund nennt die Behörde den anhaltenden militärischen Konflikt im Iran und im Nahen Osten. Er habe die Preise für Energie und Vorleistungsgüter, darunter Metalle, nach oben getrieben. Für Haushalte ist weniger der Gesamtindex entscheidend als die Frage, in welchen Warengruppen die Preise steigen – und welche davon schon bei Rechnungen und Preisschildern ankommen.
Was der Großhandelspreisindex misst
Der Index erfasst Preise auf der Stufe des Großhandels, also dort, wo Waren zwischen Herstellern, Händlern und Betrieben wechseln – nicht an der Ladenkasse. Destatis führt diese Indizes auf seiner Themenseite als Indikatoren für künftige Inflationstendenzen; ob und wie schnell Großhandelspreise bei Haushalten ankommen, lässt sich aus der Statistik selbst nicht ablesen.
Mineralöl, Metalle, Futtermittel: Wo der Großhandel am stärksten zulegt
Den größten Sprung verzeichnet Destatis bei Mineralölerzeugnissen: Sie waren im Großhandel 48,8 Prozent teurer als im September 2025 und 10,5 Prozent teurer als im August 2026. Es folgen Nichteisen-Erze, Metalle und Metallhalbzeug mit +24,9 Prozent sowie Getreide, Rohtabak, Saaten und Futtermittel mit +19,3 Prozent. Chemische Erzeugnisse verteuerten sich um 16,4 Prozent. Auch Datenverarbeitungsgeräte und Peripherie legten mit +12,1 Prozent zu – dazu passt, was die Verbraucherpreise bei Computertechnik zeigen, über die wir bereits berichtet haben.
| Warengruppe im Großhandel | Sep. 2026 zu Sep. 2025 | Sep. 2026 zu Aug. 2026 |
|---|---|---|
| Großhandel insgesamt | +8,7 % | +1,9 % |
| Mineralölerzeugnisse | +48,8 % | +10,5 % |
| NE-Erze, Metalle, Halbzeug | +24,9 % | +2,1 % |
| Getreide, Rohtabak, Saaten, Futtermittel | +19,3 % | +6,5 % |
| Chemische Erzeugnisse | +16,4 % | +1,7 % |
| Datenverarbeitungsgeräte, Peripherie | +12,1 % | +0,8 % |
| Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle | −9,7 % | +0,6 % |
| Fleisch und Fleischwaren | −6,0 % | +1,4 % |
| Lebende Tiere | −15,1 % | +5,0 % |
Es gibt in der Meldung auch Warengruppen, die billiger sind als vor einem Jahr: lebende Tiere (−15,1 Prozent), Milch, Milcherzeugnisse, Eier sowie Speiseöle und -fette (−9,7 Prozent) und Fleisch (−6,0 Prozent). Gegenüber August stiegen allerdings auch diese Gruppen wieder leicht (+5,0, +0,6 und +1,4 Prozent). Welche Preise an der Frischetheke daraus folgen, sagt die Großhandelsstatistik nicht.
Was bei Heizöl und Sprit schon angekommen ist
Bei den Verbraucherpreisen ist der Effekt der Energiepreise bereits sichtbar. Nach der Inflationsmeldung von Destatis vom 13. Oktober lag die Teuerungsrate in Deutschland im September bei 3,3 Prozent – nach 2,9 Prozent im August und 2,8 Prozent im Juli, der höchste Wert seit Dezember 2023. Destatis führt das vor allem auf Energie zurück, besonders auf Kraftstoffe und Heizöl, und verweist auf die Rohölpreissteigerungen seit Beginn des Krieges im Iran. Energieprodukte insgesamt kosteten 14,9 Prozent mehr als vor einem Jahr (August: +10,5 Prozent).
| Verbraucherpreise in Deutschland | Sep. 2026 zu Sep. 2025 | Aug. 2026 zu Aug. 2025 |
|---|---|---|
| Leichtes Heizöl | +74,9 % | +49,6 % |
| Kraftstoffe | +37,1 % | +27,7 % |
| Nahrungsmittel insgesamt | +0,4 % | +0,1 % |
| Strom | −5,5 % | k. A. |
| Erdgas | −2,8 % | k. A. |
| Fernwärme | −1,0 % | k. A. |
Für Haushalte mit Ölheizung oder hoher Fahrleistung bedeuten diese Preise bei gleichem Verbrauch höhere Ausgaben als vor einem Jahr. Strom, Erdgas und Fernwärme lagen dagegen unter dem Vorjahresniveau; feste Brennstoffe wie Holzpellets verteuerten sich um 15,6 Prozent. Bei Nahrungsmitteln lag die Teuerung nur bei 0,4 Prozent, wobei Eier (+15,2 Prozent) und frisches Gemüse (+12,0 Prozent) deutlich teurer, Butter (−29,5 Prozent) aber erheblich billiger wurde.
Wie stark die Energiepreise die Gesamtrate prägen, zeigt eine Nebenrechnung von Destatis: Ohne Nahrungsmittel und Energie lag die Inflationsrate bei 2,4 Prozent, ohne Heizöl und Kraftstoffe bei 1,8 Prozent. Zur Einordnung der Heizkosten: Heizkosten in Deutschland 2026: Heizspiegel erwartet Heizöl +24 Prozent, Erdgas −4 Prozent. Zu den Stromkosten: Stromnetzentgelte 2027 in Deutschland (vorläufig).
Einordnung: Warum der Großhandel nicht die Zapfsäule ist
Zwei Einschränkungen gehören zu den Zahlen. Erstens sind Großhandels- und Verbraucherpreisindex verschiedene Statistiken mit verschiedenen Warenkörben; ein Prozentwert aus dem einen lässt sich nicht auf den anderen übertragen. Zweitens hält Destatis fest, dass die ab 1. Oktober 2026 wirksame Steuersenkung auf Kraftstoffe, der „Tankrabatt“, in den September-Werten noch nicht enthalten ist. Wie stark sie sich in den Oktober-Daten zeigt, geben die vorliegenden Zahlen nicht her.
Offen bleibt auch, ob der Großhandel die höheren Einkaufspreise an Händler und Endkundschaft weitergibt und mit welcher Verzögerung. Die nächsten Großhandelswerte für Oktober erscheinen nach dem monatlichen Rhythmus von Destatis wieder in der Monatsmitte; den genauen Termin nennt die Themenseite zum Großhandelspreisindex über die Terminvorschau.
Ihre Meinung
Haben Sie in den vergangenen Wochen höhere Preise an der Zapfsäule oder beim Heizöl bemerkt – und wo ist Ihnen im Alltag zuletzt etwas billiger aufgefallen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Großhandelspreise im September 2026: +8,7 % gegenüber September 2025, Pressemitteilung Nr. 368 vom 14. Oktober 2026
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Inflationsrate im September 2026 bei +3,3 %, Pressemitteilung Nr. 364 vom 13. Oktober 2026
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Großhandelsverkaufspreisindex, Themenseite (Abruf 14. Oktober 2026)
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