Das Wichtigste in Kürze
- Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte lagen in Deutschland im August 2026 um 4,6 Prozent über dem Vorjahresmonat – nach 3,0 Prozent im Juli. Höher lag die Jahresrate nach eigener Berechnung aus der Destatis-Indexreihe zuletzt im April 2023.
- Leichtes Heizöl kostete beim Absatz im Inland 65,3 Prozent mehr als im August 2025, Kraftstoffe 37,7 Prozent, Pellets, Briketts und Scheite 36,6 Prozent. Das Statistische Bundesamt nennt die Kriegshandlungen im Iran und Nahen Osten als Ursache für den Anstieg bei Mineralölerzeugnissen.
- Bei Nahrungsmitteln sanken die Erzeugerpreise um 4,3 Prozent, Butter um 40,5 Prozent. Im Verbraucherpreisindex für denselben Monat standen Nahrungsmittel dagegen bei plus 0,1 Prozent.
Wenige Wochen vor Beginn der Heizperiode hat das Statistische Bundesamt am Freitagmorgen eine Zahl veröffentlicht, die Haushalte in Deutschland erst mit Verzögerung erreicht, dann aber unmittelbar: Leichtes Heizöl war im August 2026 beim Absatz im Inland 65,3 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Pellets, Briketts und Scheite kosteten 36,6 Prozent mehr, Kraftstoffe 37,7 Prozent.
Die Einzelwerte stehen in der Pressemitteilung Nr. 328, die Destatis um 8:00 Uhr verbreitet hat. Ihr Kernsatz ist unauffälliger: Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte lagen im August 2026 um 4,6 Prozent über dem Vorjahresmonat, gegenüber Juli 2026 um 1,1 Prozent. Der Index stellt laut den methodischen Hinweisen des Bundesamtes „die Preisveränderungen in einer frühen Phase des Wirtschaftsprozesses“ dar – er misst damit eine Stufe vor den Ladenpreisen.
Der höchste Wert seit April 2023
4,6 Prozent klingen für sich genommen nicht dramatisch. Bemerkenswert ist der Weg dorthin. Im Februar 2026 lag die Jahresrate noch bei minus 3,3 Prozent, im März bei minus 0,2 Prozent. Seit April ist sie in jedem Monat positiv, und seit Juni steigt sie: 1,8 Prozent im Juni, 3,0 Prozent im Juli, 4,6 Prozent im August. Zwischen Februar und August 2026 hat sich die Rate damit um 7,9 Prozentpunkte gedreht.
Einen Vergleich mit früheren Jahren enthält die Pressemitteilung nicht. NETZ-TRENDS hat die Jahresraten deshalb aus der amtlichen Indexreihe nachgerechnet, die das Bundesamt in der Tabelle „Erzeugerpreise gewerblicher Produkte – ausgewählte Indizes“ bis zum Jahr 2021 zurück veröffentlicht. Ergebnis: Höher als 4,6 Prozent lag die Jahresrate zuletzt im April 2023 mit 5,2 Prozent. In den 39 Monaten danach blieb sie darunter, überwiegend im negativen Bereich.
Ohne die Energiekomponente fällt der Anstieg deutlich schwächer aus. Nach Angaben des Bundesamtes stiegen die Erzeugerpreise ohne Energie im August 2026 um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und um 0,2 Prozent gegenüber Juli.
Mineralölerzeugnisse treiben den Index
Energie war im August 2026 um 8,3 Prozent teurer als im Vorjahresmonat und um 3,2 Prozent teurer als im Juli. Den Ausschlag geben die Mineralölerzeugnisse: Sie lagen 40,5 Prozent über dem Niveau von August 2025, gegenüber Juli 2026 stiegen sie um 4,9 Prozent. In der Mitteilung heißt es dazu, die Preise seien „bedingt durch die Kriegshandlungen im Iran und Nahen Osten“ gestiegen – eine Zuordnung, die das Bundesamt selbst trifft.
Im Einzelnen nennt Destatis für den Inlandsabsatz: leichtes Heizöl plus 65,3 Prozent, Rohbenzin (Naphtha) plus 44,4 Prozent, Kraftstoffe plus 37,7 Prozent. Erdgas in der Verteilung kostete über alle Abnehmergruppen hinweg 7,5 Prozent mehr, Strom 1,7 Prozent mehr. Fernwärme war 0,5 Prozent günstiger als im Vorjahresmonat.
Was der Erzeugerpreisindex misst
Der Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte erfasst laut den methodischen Hinweisen des Statistischen Bundesamtes die Preise für Produkte, die im Bergbau, im Verarbeitenden Gewerbe sowie in der Energie- und Wasserwirtschaft in Deutschland erzeugt und im Inland verkauft werden. Enthalten sind alle Steuern und Abgaben auf die Produkte außer der Mehrwertsteuer. Erhebungsstichtag ist jeweils der 15. des Berichtsmonats, Basisjahr ist 2021. Einfuhren, Handelsmargen des Einzelhandels und die Mehrwertsteuer bleiben also außen vor – der Index ist kein Vorgriff auf die Ladenpreise, sondern eine Messung eine Stufe davor.

Was davon bei Haushalten angekommen ist – und was nicht
Für denselben Berichtsmonat August 2026 liegt seit dem 10. September auch der Verbraucherpreisindex vor. Die Inflationsrate in Deutschland lag demnach bei 2,9 Prozent, die Energiepreise für Haushalte bei plus 10,5 Prozent. Destatis-Präsidentin Ruth Brand wird darin mit dem Satz zitiert: „Auch im August waren gestiegene Energiepreise hauptverantwortlich für die Gesamtteuerung.“
Stellt man beide Veröffentlichungen nebeneinander, ergibt sich für einzelne Produkte ein Bild, das keine der beiden Mitteilungen für sich zeichnet.
| Produkt oder Gruppe | Erzeugerpreise | Verbraucherpreise | Differenz |
|---|---|---|---|
| Leichtes Heizöl | +65,3 % | +49,6 % | −15,7 Pp. |
| Kraftstoffe | +37,7 % | +27,7 % | −10,0 Pp. |
| Erdgas | +7,5 % | −2,9 % | −10,4 Pp. |
| Strom | +1,7 % | −5,5 % | −7,2 Pp. |
| Fernwärme | −0,5 % | −1,0 % | −0,5 Pp. |
| Nahrungsmittel | −4,3 % | +0,1 % | +4,4 Pp. |
| Butter | −40,5 % | −29,9 % | +10,6 Pp. |
Bei den flüssigen Brennstoffen und den Kraftstoffen zeigt die Differenz in dieselbe Richtung: Die Verbraucherpreise stiegen kräftig, aber weniger kräftig als die Erzeugerpreise. Das ist rechnerisch nicht überraschend: Der Verbraucherpreisindex enthält Bestandteile, die der Erzeugerpreisindex nach seinen methodischen Hinweisen ausdrücklich nicht erfasst – die Mehrwertsteuer, Handelsmargen und Einfuhren. Welchen Anteil sie an der Differenz haben, weisen die beiden Mitteilungen nicht aus.
Rechenbeispiel: was die Verbraucherpreise bedeuten
Die folgenden Beträge sind keine Marktpreise, sondern eine Umrechnung der amtlichen Veränderungsraten auf frei gewählte Ausgangswerte – sie zeigen die Größenordnung, nicht den Preis eines bestimmten Angebots.
- Wer im August 2025 für eine Heizöllieferung 1.000 Euro bezahlt hat, zahlte im August 2026 für dieselbe Menge nach der amtlichen Verbraucherpreisentwicklung rechnerisch rund 1.496 Euro.
- Aus einer Tankfüllung für 80 Euro im August 2025 werden bei plus 27,7 Prozent rechnerisch rund 102 Euro.
- Für Haushaltsenergie insgesamt weist Destatis dagegen minus 0,7 Prozent aus – weil Strom, Erdgas und Fernwärme im Vorjahresvergleich billiger wurden und leichtes Heizöl nur einen geringen Anteil an den Konsumausgaben für Haushaltsenergie hat.
Bei Strom und Erdgas laufen die beiden Indizes auseinander
Auffällig sind die Zeilen für Strom und Erdgas. Erzeugerseitig wurde beides teurer – Erdgas in der Verteilung um 7,5 Prozent, Strom um 1,7 Prozent. Für Haushalte weist das Bundesamt für denselben Monat das Gegenteil aus: Strom minus 5,5 Prozent, Erdgas einschließlich Betriebskosten minus 2,9 Prozent, Fernwärme minus 1,0 Prozent.
Eine Erklärung dafür liefert die Mitteilung zum Verbraucherpreisindex selbst. Dort heißt es, die rückläufigen Preisentwicklungen bei Strom, Erdgas und Fernwärme seien „teilweise auf die bereits seit Jahresbeginn umgesetzten Maßnahmen der Bundesregierung zurückzuführen“. Nach dieser Darstellung entlastet die deutsche Bundesregierung die Haushaltsenergie also an einer Stelle, an der die Preise eine Stufe davor gerade wieder anziehen.
Damit ist eine Frage aufgeworfen, die keine der beiden Veröffentlichungen beantwortet: Was passiert mit den ausgewiesenen Verbraucherpreisen, wenn der statistische Vergleichsmaßstab für diese Maßnahmen im Jahresverlauf wechselt, die Erzeugerpreise für Strom und Gas aber auf dem erhöhten Niveau bleiben? Die amtlichen Reihen beantworten das nicht; sie messen, was war.
Die offene Stelle
Aus der Differenz zwischen beiden Indizes lässt sich nicht ableiten, wer eine Preisdifferenz einbehält. Die Reihen sind unterschiedlich zusammengesetzt, sie gewichten anders, und der Verbraucherpreisindex enthält Einfuhren, Handelsmargen und die Mehrwertsteuer, die im Erzeugerpreisindex fehlen. Ein Vergleich zeigt, wo sich die Bewegungen unterscheiden – nicht, warum. Eine Aufschlüsselung, welcher Anteil der Differenz auf Steuern, Margen, Einfuhren oder Lieferverträge mit längerer Laufzeit entfällt, weist das Statistische Bundesamt in diesen beiden Mitteilungen nicht aus.
Bei Nahrungsmitteln zeigt der Vergleich in die andere Richtung
Während Energie den Index nach oben zieht, wurden die in Deutschland produzierten und verkauften Verbrauchsgüter im August 2026 um 2,0 Prozent günstiger als im Vorjahresmonat. Die Nahrungsmittelpreise fielen erzeugerseitig um 4,3 Prozent. Destatis nennt für einzelne Positionen deutliche Rückgänge: Butter minus 40,5 Prozent, Schweinefleisch minus 16,3 Prozent, Rindfleisch minus 9,3 Prozent. Teurer waren dagegen pflanzliche Öle mit plus 17,5 Prozent und Zucker mit plus 3,6 Prozent.
Im Verbraucherpreisindex für denselben Monat stehen Nahrungsmittel bei plus 0,1 Prozent – nahezu unverändert, nach jeweils plus 0,4 Prozent in den drei Monaten davor. Auch dort gibt es Rückgänge, sie sind aber flacher: Speisefette und Speiseöle minus 15,3 Prozent, darunter Butter minus 29,9 Prozent, Molkereiprodukte minus 5,5 Prozent, frisches Obst minus 5,6 Prozent. Deutlich teurer wurden Eier mit plus 15,2 Prozent, frisches Gemüse mit plus 5,2 Prozent sowie Fisch und Fischwaren mit plus 4,4 Prozent.
Auch hier gilt die Einschränkung von weiter oben: Die beiden Reihen sind unterschiedlich zusammengesetzt und unterschiedlich gewichtet. Ein Rückschluss auf die Preisgestaltung einzelner Unternehmen lässt sich aus der Differenz nicht ziehen.
Über den gesamten Warenkorb betrachtet lag die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel im August 2026 bei 2,4 Prozent und damit unter der Gesamtrate von 2,9 Prozent. Ohne Heizöl und Kraftstoffe weist das Bundesamt 2,0 Prozent aus. Die Differenz zwischen beiden Werten beträgt 0,9 Prozentpunkte.
Vorleistungsgüter: Metalle plus 14,8 Prozent
Neben der Energie steigt eine zweite Gruppe seit Monaten verlässlich: die Vorleistungsgüter, also das Material, mit dem Betriebe arbeiten. Sie lagen im August 2026 um 6,1 Prozent über dem Vorjahresmonat. Nach eigener Berechnung aus der Destatis-Indexreihe ist diese Rate seit Februar 2026 in jedem Monat gestiegen – von 1,1 auf 6,1 Prozent.
Den größten Beitrag leisten laut Bundesamt die Metalle mit plus 14,8 Prozent. Darunter verteuerten sich Edelmetalle um 34,6 Prozent, Kupfer und Halbzeug daraus ebenfalls um 34,6 Prozent. Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen kosteten 6,9 Prozent mehr, Betonstahl 6,3 Prozent. Chemische Grundstoffe lagen 11,2 Prozent über dem Vorjahresniveau, Düngemittel 8,4 Prozent. Bei Holz sowie Holz- und Korkwaren nennt Destatis plus 7,1 Prozent, bei Nadelschnittholz plus 8,2 Prozent – und bei Pellets, Briketts und Scheiten plus 36,6 Prozent.
Der letzte Wert ist der, der Haushalte im Winter am direktesten betrifft. Wer mit Pellets oder Stückholz heizt, findet die Bewegung nicht in der Rubrik Energie des Erzeugerpreisindex, sondern bei den Holzwaren. Für Investitionsgüter weist das Bundesamt plus 2,4 Prozent aus, für Maschinen sowie für Kraftwagen und Kraftwagenteile jeweils plus 2,0 Prozent.
Wie es in den Wochen davor aussah
Die Zahlen von heute fügen sich in eine Reihe von Meldungen der vergangenen Tage. In Österreich erreichte Diesel am 17. September einen Rekordwert von 2,268 Euro, in Deutschland lag der Preis nach ADAC-Angaben mit 2,422 Euro darüber – NETZ-TRENDS hat das im Detail dokumentiert. Einen Tag zuvor hielt der Präsident der deutschen Bundesnetzagentur die Speichervorgabe zum 1. November für nicht mehr erreichbar. Und wie eng es bei einem Teil der Haushalte in Deutschland bereits ist, zeigen die Zahlen zu Zahlungsrückständen bei Versorgungsbetrieben: 3,8 Millionen Menschen lebten 2025 in einem solchen Haushalt.
Was belegbar als Nächstes ansteht
Der Erhebungsstichtag für die Erzeugerpreise ist laut den methodischen Hinweisen jeweils der 15. des Berichtsmonats. Die heute veröffentlichten Werte beziehen sich damit auf den Stand von Mitte August; die nächste Meldung dieser Reihe betrifft den Berichtsmonat September 2026. Lange Zeitreihen stellt das Bundesamt für den Gesamtindex über die Tabelle 61241-0002 und für tiefer gegliederte Subindizes über die Tabelle 61241-0004 in der Datenbank GENESIS-Online bereit.
Offen bleibt an dieser Stelle dreierlei: ob die Mineralölpreise auf dem Niveau von Mitte August bleiben, wie viel davon in den Verbraucherpreisen der Heizperiode ankommt, und wie lange die Entlastungen bei Strom, Erdgas und Fernwärme den Vorjahresvergleich noch nach unten ziehen. Belegt ist bislang nur, was gemessen wurde.
Leserfrage
Heizen Sie mit Öl, Pellets oder Stückholz – und haben Sie Ihre Bestellung in diesem Jahr vorgezogen oder verschoben? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung Nr. 328 vom 18. September 2026, „Erzeugerpreise im August 2026: +4,6 % gegenüber August 2025″, verbreitet um 8:00 Uhr – destatis.de
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung Nr. 320 vom 10. September 2026, „Inflationsrate im August 2026 bei +2,9 %“ – destatis.de
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Tabelle „Erzeugerpreise gewerblicher Produkte – ausgewählte Indizes“, Indexreihe ab Januar 2021, Basisjahr 2021 = 100, abgerufen am 18. September 2026 – destatis.de
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Themenseite „Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte“, abgerufen am 18. September 2026 – destatis.de
- Eigene Berechnung der Jahresveränderungsraten aus der oben genannten amtlichen Indexreihe (Grundlage der beiden Grafiken)
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.