Das Wichtigste in Kürze

  • Der österreichische Mobilitätsclub ÖAMTC meldet für den 16. September einen Diesel-Tageshöchstwert von 2,268 Euro je Liter – der bisherige Bestwert von 2,245 Euro stammte von Ende März 2026.
  • In Deutschland kostet Diesel nach der am 16. September veröffentlichten Wochenauswertung des ADAC 2,422 Euro je Liter – 15,4 Cent mehr als der neue österreichische Rekordwert.
  • Der ADAC hält Ölpreis und Wechselkurs für „nur teilweise“ erklärend und sieht Erklärungsbedarf auf Raffinerie- und Großhandelsebene. Der ÖAMTC fordert eine Überprüfung der internationalen Preisnotierungen.

Der österreichische Mobilitätsclub ÖAMTC hat am Donnerstagmorgen um 8:58 Uhr eine Zahl veröffentlicht, die nach seinen Angaben in Österreich bisher nicht erreicht wurde: Am 16. September 2026 kostete ein Liter Diesel im Tagesdurchschnitt 2,268 Euro. Der bisherige Höchstwert von 2,245 Euro von Ende März 2026 ist damit um 2,3 Cent überboten. Bei Super liegt der Wert nach Angaben des Clubs noch 14 Cent unter dem Höchststand von 2,099 Euro aus dem Juni 2022.

Für Leserinnen und Leser in Deutschland ist an dieser Meldung weniger der Rekord bemerkenswert als der Vergleichsmaßstab. Denn der Preis, der in Österreich als historischer Höchstwert gilt, liegt deutlich unter dem, was an deutschen Zapfsäulen in derselben Woche ohnehin verlangt wurde.

Der österreichische Rekord liegt 15,4 Cent unter dem deutschen Alltagspreis

Der ADAC hat seine wöchentliche Auswertung am 16. September um 12:21 Uhr veröffentlicht. Danach kostet ein Liter Diesel im deutschen Bundesdurchschnitt 2,422 Euro – 10,1 Cent mehr als eine Woche zuvor. Super E10 stieg um 4,1 Cent auf 2,300 Euro und erreichte damit nach Angaben des deutschen Automobilclubs ein neuerliches Allzeithoch.

Der Abstand zwischen dem österreichischen Rekordwert und dem deutschen Wochenwert beträgt 15,4 Cent je Liter. Auf eine Tankfüllung von 60 Litern gerechnet sind das 9,24 Euro Unterschied für dieselbe Menge desselben Kraftstoffs.

Kennzahl Diesel Deutschland Österreich
Preis in der Woche zum 16. September 2026 2,422 € 2,268 €
Bisheriger Höchstwert 2,446 € 2,245 €
Datum des bisherigen Höchstwerts 7. April 2026 Ende März 2026
Abstand zum Höchstwert 2,4 Cent darunter überschritten
Quellen: ADAC-Wochenauswertung vom 16. September 2026 und ADAC-Übersicht zur Kraftstoffpreisentwicklung (Stand der Seite: 1. September 2026) für Deutschland, ÖAMTC-Aussendung vom 17. September 2026 für Österreich. Die Erhebungsmethoden der beiden Clubs sind nicht identisch; die Werte sind als Größenordnung zu lesen. Abstände: eigene Berechnung NETZ-TRENDS.

In Deutschland ist Diesel teurer als Super E10

Die zweite Auffälligkeit steckt im Verhältnis der beiden Kraftstoffe zueinander. Mit 2,422 Euro für Diesel und 2,300 Euro für Super E10 liegt der Dieselpreis in Deutschland derzeit 12,2 Cent über dem Benzinpreis. Für viele Haushalte kehrt das eine jahrzehntelang eingeübte Erwartung um: Diesel galt an deutschen Tankstellen lange als der günstigere Kraftstoff, auch weil er in Deutschland niedriger besteuert wird als Benzin.

Vom eigenen Rekord ist der deutsche Dieselpreis nicht mehr weit entfernt. Nach der ADAC-Übersicht zur Kraftstoffpreisentwicklung lag der teuerste je gemessene Tagesdurchschnitt bei 2,446 Euro am 7. April 2026. Der aktuelle Wert liegt 2,4 Cent darunter. Anders als in Österreich ist der Rekord in Deutschland also noch nicht gefallen – aber der Abstand entspricht weniger als einem Viertel dessen, was Diesel allein in der vergangenen Woche teurer geworden ist.

Der ADAC nennt den Ölpreis nur teilweise erklärend – der ÖAMTC will die Notierungen überprüft sehen

Bemerkenswert an den beiden Veröffentlichungen ist, dass zwei Automobilclubs in zwei Ländern innerhalb von 21 Stunden auf dieselbe Stelle zeigen: nicht auf den Rohölpreis, sondern auf das, was zwischen Raffinerie und Zapfsäule geschieht.

Der ADAC beziffert den Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent auf knapp 110 US-Dollar und schreibt dazu: „Nach Ansicht des ADAC rechtfertigen der erneute Anstieg des Ölpreises sowie der Euro-Dollar-Wechselkurs das aktuelle Preisniveau an den Zapfsäulen jedoch nur teilweise.“ Der Club stellt in derselben Mitteilung eine eigene Vergleichsrechnung an: Ende April habe ein Barrel Brent ebenfalls rund 110 US-Dollar gekostet, Super E10 habe damals jedoch nur bei etwa 2,10 Euro je Liter gelegen. Daraus zieht der deutsche Club den Schluss, es bestehe „insbesondere auf Raffinerie- und Großhandelsebene weiterer Erklärungsbedarf“.

Der ÖAMTC setzt an derselben Stelle an, formuliert aber eine konkretere Forderung. Der Club verlangt „eine kritische Untersuchung und stärkeren Reglementierung der internationalen Preisnotierungen für Diesel und Super“ und begründet das damit, dass nur verlässliche Notierungen faire Preise an europäischen Zapfsäulen ermöglichten. Zusätzlich erinnert der Club an einen Vorstoß mehrerer Finanzminister in Europa – darunter nach seiner Darstellung auch Österreich – für eine EU-weite Übergewinnsteuer auf die Gewinne der Mineralölindustrie.

Martin Grasslober, Verkehrswirtschaftsexperte des ÖAMTC, wird in der Aussendung mit den Worten zitiert: „Die Konsument:innen sind an der Zapfsäule mit Höchstpreisen konfrontiert und Konzerne erzielen außerordentliche Gewinne: Es wäre an der Zeit, endlich jene Menschen zu entlasten, die auf das Auto angewiesen sind. Mit einer europäischen Übergewinnsteuer könnte man die Mineralölsteuer und CO2 Bepreisung senken und so den Kostendruck reduzieren.“

Was in beiden Mitteilungen nicht steht

Keiner der beiden Clubs nennt eine Zahl für die Spanne, die zwischen Raffinerie und Zapfsäule verbleibt. Der ADAC spricht von Erklärungsbedarf, beziffert ihn aber nicht. Der ÖAMTC nennt weder eine Ausgestaltung noch ein erwartetes Aufkommen der geforderten Übergewinnsteuer und auch keinen Zeitpunkt, zu dem die Finanzminister darüber entscheiden könnten. Auf eine Feststellung einer Kartell- oder Aufsichtsbehörde beruft sich keine der beiden Mitteilungen. Die Kritik der Clubs richtet sich damit auf eine Lücke in der Erklärung, nicht auf einen festgestellten Verstoß.

Was die Woche konkret kostet

Für Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland lässt sich der Preissprung einfach umrechnen. Eine Tankfüllung von 60 Litern Diesel kostet beim Bundesdurchschnitt von 2,422 Euro rund 145,32 Euro. Vor einer Woche waren es bei 10,1 Cent weniger je Liter rund 139,26 Euro – die Differenz beträgt 6,06 Euro je Füllung. Wer zweimal im Monat tankt, zahlt damit gegenüber der Vorwoche gut zwölf Euro mehr im Monat, ohne einen Kilometer mehr gefahren zu sein.

Betroffen ist davon nicht nur der private Verkehr: Diesel ist zugleich der wichtigste Kraftstoff im deutschen Straßengüterverkehr, steigende Preise können daher mit Verzögerung auf Transport- und Warenkosten durchschlagen. Wie viel davon tatsächlich weitergegeben wird und wie schnell, geht aus den beiden Mitteilungen nicht hervor.

Praktische Hinweise geben beide Clubs. Der ADAC empfiehlt, „möglichst kurz vor 12 Uhr zu tanken“, weil die Preise im Tagesverlauf zu diesem Zeitpunkt in der Regel am niedrigsten sind und danach stark anziehen. Der ÖAMTC rät ebenfalls zum Tanken am Vormittag und dazu, teure Standorte etwa direkt an der Autobahn zu meiden. Der deutsche Club verweist auf den Preisvergleich über seine App für die mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland.

Wie es weitergeht

Der nächste belastbare Vergleichswert für Deutschland liegt mit der kommenden Wochenauswertung des ADAC vor, die der Club wöchentlich veröffentlicht, zuletzt jeweils mittwochs. Ob der deutsche Dieselrekord vom 7. April fällt, entscheidet sich damit an den 2,4 Cent, die zwischen dem aktuellen Durchschnitt und dieser Marke liegen.

NETZ-TRENDS hatte am 9. September über den Höchststand bei Super E10 in Deutschland und Österreich berichtet, am 13. September über die Frage, wie viel einer staatlichen Entlastung tatsächlich an der Zapfsäule ankommt, sowie über die Verlängerung der österreichischen Spritpreisbremse. Die jetzt von beiden Clubs aufgeworfene Frage nach der Preisbildung zwischen Raffinerie und Zapfsäule bleibt in allen drei Fällen offen.

Welche Erfahrungen machen Sie gerade beim Tanken – und halten Sie die Preisunterschiede zwischen den Tankstellen in Ihrer Region für nachvollziehbar? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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