Das Wichtigste in Kürze

  • Super E10 kostet in Deutschland im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,259 Euro je Liter – nach den vom ADAC veröffentlichten Zeitreihen der höchste je gemessene Wert.
  • Der ADAC hält Ölpreis und Euro-Dollar-Wechselkurs für nur teilweise erklärend. Der Euro verlor zum Dollar seit dem 28. August nach Zahlen der Europäischen Zentralbank 0,25 Prozent.
  • In Österreich kostet Eurosuper 95 nach der Wochenerhebung der Wirtschaftskammer 1,912 Euro je Liter – 34,7 Cent weniger als Super E10 in Deutschland.
  • Zwischen 115 und 117 der 225,9 Cent sind deutsche Steuern und Abgaben. Die befristete Senkung der Energiesteuer ist seit dem 1. Juli 2026 ausgelaufen.

Der ADAC hat am Mittwochvormittag um 11:49 Uhr seine wöchentliche Auswertung der Kraftstoffpreise veröffentlicht. Darin steht ein Wert, der in den Zeitreihen des Clubs bisher ohne Vorbild ist: Super E10 kostet im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,259 Euro je Liter, 7,6 Cent mehr als in der Vorwoche. Diesel liegt bei 2,321 Euro, ein Plus von 9 Cent.

Bemerkenswert ist weniger die Zahl selbst als der Satz, den der deutsche Automobilclub daneben stellt: „Nach Ansicht des ADAC rechtfertigen Ölpreis und Euro-Dollar-Wechselkurs das aktuelle Preisniveau an den Zapfsäulen jedoch nur teilweise.“ Ein Verband, der die Preise seit Jahrzehnten erhebt, sagt damit, dass sich der Höchststand mit den beiden Größen, die ihn üblicherweise erklären, nicht vollständig erklären lässt.

Der höchste Tagesdurchschnitt in den ADAC-Zeitreihen

Die Einordnung als Höchststand stützt sich auf die eigenen Zeitreihen des Clubs. Nach der ADAC-Übersicht zur Spritpreisentwicklung seit 1950 lag der bisherige Rekord für Super E10 bei 2,203 Euro am 14. März 2022, in den Wochen des russischen Angriffs auf die Ukraine. Dieser Wert wurde am 2. September 2026 mit 2,215 Euro erstmals überboten. Eine Woche später steht die Marke bei 2,259 Euro.

Beim Diesel ist die Lage anders, und das gehört zur Genauigkeit dazu: Der Höchststand liegt hier nach denselben Zeitreihen bei rund 2,45 Euro je Liter am 7. April 2026. Mit 2,321 Euro ist Diesel derzeit also gut zwölf Cent von seinem eigenen Höchstwert entfernt – teuer, aber nicht so teuer wie im Frühjahr.

Was der Ölpreis erklärt – und was der Wechselkurs nicht erklärt

Der Rohölmarkt liefert einen Teil der Erklärung. Der ADAC beziffert den Preis für ein Barrel der Sorte Brent in seiner Mitteilung auf knapp unter 100 US-Dollar. Der europäische Nachrichtensender Euronews berichtete am selben Vormittag, Brent habe die Marke von 100 Dollar wieder überschritten; als Auslöser nennt der Bericht die militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran und die seit Februar weitgehend blockierte Straße von Hormus. Beide Angaben stammen vom selben Vormittag und liegen dicht beieinander.

Die zweite Größe trägt dagegen kaum etwas bei. Rohöl wird in Dollar abgerechnet, ein schwacher Euro verteuert den Einkauf. Nach den Referenzkursen der Europäischen Zentralbank lag der Euro am 28. August bei 1,1643 US-Dollar und am 8. September bei 1,1614 Dollar. Das ist ein Rückgang um 0,25 Prozent. In der Woche bis zum 9. September stieg der Benzinpreis in Deutschland dagegen um 7,6 Cent je Liter. Rechnerisch kann der Wechselkurs davon nur einen kleinen Bruchteil erklären.

Wie sich die 2,259 Euro zusammensetzen

Ein erheblicher Teil des Preises ist staatlich festgelegt und schwankt nicht mit dem Weltmarkt. Der Regelsatz der deutschen Energiesteuer beträgt nach den Angaben der Zollverwaltung 654,50 Euro je 1.000 Liter Benzin, also 65,45 Cent je Liter. Dazu kommt der nationale CO₂-Preis: Er bildet sich 2026 erstmals über eine Versteigerung in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne, was nach ADAC-Angaben 15,7 bis 18,6 Cent je Liter Benzin einschließlich Umsatzsteuer entspricht. Auf alles zusammen liegen 19 Prozent Umsatzsteuer.

Bestandteil Cent je Liter Anteil
Energiesteuer (deutscher Regelsatz) 65,45 29,0 %
CO₂-Preis nach dem deutschen Brennstoffemissionshandel, ohne Umsatzsteuer 13,2 bis 15,6 5,8 bis 6,9 %
Umsatzsteuer 19 Prozent 36,07 16,0 %
Produkt, Transport, Vertrieb und Marge 108,8 bis 111,2 48,2 bis 49,2 %
Endpreis Super E10 am 9. September 2026 225,90 100 %
Eigene Berechnung NETZ-TRENDS auf Basis des ADAC-Tagesdurchschnitts vom 9. September 2026, des Energiesteuer-Regelsatzes der deutschen Zollverwaltung und der ADAC-Angaben zum CO₂-Preis-Korridor 2026. Die Spanne beim CO₂-Preis ergibt sich aus dem gesetzlichen Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Rundungsbedingte Abweichungen möglich.

Zwischen rund 115 und 117 Cent des Literpreises sind damit deutsche Steuern und Abgaben, rund 109 bis 111 Cent entfallen auf das Produkt selbst, seinen Transport, den Vertrieb und die Marge. Auf genau diesen zweiten Block zielt die Forderung, die der Club in derselben Mitteilung erhebt: „Deshalb braucht es mehr Transparenz bei der Preisbildung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“

Die Steuersenkung ist seit dem 1. Juli weg

Ein Teil des heutigen Niveaus ist politisch erklärbar. Vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026 galt in Deutschland ein abgesenkter Energiesteuersatz von 514,10 Euro je 1.000 Liter Benzin, also 14,04 Cent weniger je Liter; mit der niedrigeren Umsatzsteuer waren es rund 17 Cent. Seit dem 1. Juli gilt wieder der Regelsatz. NETZ-TRENDS hat die Bilanz dieser zwei Monate nachgerechnet: 1,6 Milliarden Euro Steuerausfall, eine Weitergabe, die nie vollständig war, und ein Preisniveau, das danach höher lag als davor.

Auch der CO₂-Preis läuft in beiden Richtungen mit. Wie sich der Korridor 2027 entwickelt, hat NETZ-TRENDS am Kabinettsbeschluss zum nationalen CO₂-Preis aufgeschlüsselt.

Seit April dürfen die Preise nur noch um 12 Uhr steigen

In Deutschland gilt bereits eine Marktregel für die Preisbildung an der Zapfsäule. Der Bundestag beschloss am 26. März 2026 das Kraftstoffmaßnahmenpaket: Seit dem 1. April dürfen Tankstellen die Preise für E5, E10 und Diesel nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen, Senkungen sind jederzeit möglich. Verstöße können mit Bußgeldern bis 100.000 Euro geahndet werden, zuständig ist das Bundeskartellamt in Bonn, das zugleich erweiterte Befugnisse gegen marktbeherrschende Unternehmen erhielt. Die Regelung ist befristet und wird nach einem Jahr evaluiert.

Der ADAC zog bereits am 8. April eine ernüchternde Zwischenbilanz. Die Regel könne „die Preisexplosion an den Tankstellen nicht stoppen“, hieß es damals; ohne hartes Eingreifen des Bundeskartellamtes bleibe das Modell „zahnlos“. Nach einer Auswertung von über 14.000 deutschen Tankstellen springen die Preise ab 12 Uhr im Mittel um 14,6 Cent bei Super E10 und 18,4 Cent bei Diesel nach oben. Kurz vor 12 Uhr liegen sie 3,7 beziehungsweise 4,3 Cent unter dem Tagesdurchschnitt. Genau darauf zielt die Empfehlung, die der Club auch heute wiederholt: möglichst kurz vor 12 Uhr tanken.

Rechenbeispiel: was der Höchststand konkret kostet

Eine Tankfüllung von 50 Litern Super E10 kostet am 9. September 2026 rund 112,95 Euro. Im Jahresdurchschnitt 2025 lag Super E10 nach ADAC-Zahlen bei 168,8 Cent je Liter – dieselbe Füllung kostete damals 84,40 Euro. Die Differenz beträgt 28,55 Euro je Tankfüllung.

Wer 15.000 Kilometer im Jahr fährt und 7 Liter je 100 Kilometer verbraucht, benötigt 1.050 Liter. Beim heutigen Preis sind das rund 600 Euro mehr im Jahr als beim Durchschnittspreis des Jahres 2025. Eigene Berechnung NETZ-TRENDS; Verbrauch und Fahrleistung sind angenommene Werte.

Der Rhein steht so niedrig, dass die Logistik teurer wird

Eine Kostengröße, die in der Debatte über Rohölpreise selten vorkommt, ist der Transport im Inland. Nach Darstellung des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie (en2x) läuft ein wesentlicher Teil der deutschen Versorgung mit Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin über Binnenschiffe auf dem Rhein. Der Verband hat dazu am 14. August eine Mitteilung veröffentlicht: Binnenschiffe müssten mit deutlich reduziertem Volumen beladen werden oder den Betrieb einstellen, die Verlagerung auf Kesselwagenzüge und Tankwagen stoße an Kapazitätsgrenzen, die Transportkosten stiegen – mit Auswirkungen auf die Tankstellenpreise. Hauptgeschäftsführer Christian Küchen sprach von einer „besonders großen Herausforderung“.

Der maßgebliche Referenzpegel für die Rheinschifffahrt ist Kaub bei Rhein-Kilometer 546,23. NETZ-TRENDS hat die Rohdaten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes für die vergangenen 30 Tage abgerufen und zu Tagesmitteln zusammengefasst. Das Ergebnis: Nach einem Zwischenhoch von 72,9 Zentimetern am 31. August ist der Pegel bis zum 9. September auf 26,1 Zentimeter im Tagesmittel gefallen. Der Einzelwert um 13:15 Uhr betrug 26 Zentimeter, der Abfluss 547 Kubikmeter je Sekunde. Die Rohdaten der Messstelle weisen den Wasserstand als niedrig aus.

Liniendiagramm: Tagesmittel des Wasserstands am Rheinpegel Kaub vom 10. August bis 9. September 2026, von rund 16 Zentimetern über ein Zwischenhoch von 73 Zentimetern Ende August zurück auf 26 Zentimeter am 9. September.
Tagesmittel des Rheinpegels Kaub vom 10. August bis 9. September 2026. Eigene Auswertung NETZ-TRENDS von Rohdaten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (PegelOnline), Abruf am 9. September 2026.

Wie viel davon im heutigen Literpreis steckt, ist damit nicht gesagt. Weder en2x noch der ADAC beziffern den Anteil der Logistikkosten am Endpreis, und eine laufend veröffentlichte Aufschlüsselung der Raffinerie- und Großhandelsmargen ist in den hier ausgewerteten Quellen nicht enthalten. Belegt ist bislang nur beides nebeneinander: ein Pegelstand, der die Binnenschifffahrt einschränkt, und ein Preisniveau, das der größte deutsche Automobilclub für nicht vollständig erklärt hält.

In Österreich kostet der Liter Benzin 34,7 Cent weniger

Der Blick über die Grenze macht die Größenordnung greifbar. Die österreichische Wirtschaftskammer erhebt wöchentlich die Durchschnittspreise; für den Stichtag 7. September 2026 weist sie 1,912 Euro für Eurosuper 95 und 2,126 Euro für Diesel aus. Der Touring Club Schweiz nennt für die Schweiz seit dem 3. September 2,01 Franken für Bleifrei 95 und 2,26 Franken für Diesel.

Land Benzin je Liter Diesel je Liter Stichtag
Deutschland (Super E10) 2,259 € 2,321 € 9. September 2026
Österreich (Eurosuper 95) 1,912 € 2,126 € 7. September 2026
Schweiz (Bleifrei 95) 2,01 CHF 2,26 CHF 3. September 2026
Quellen: ADAC (Deutschland), Wirtschaftskammer Österreich (Österreich), Touring Club Schweiz (Schweiz). Die Kraftstoffsorten, Erhebungsmethoden und Stichtage unterscheiden sich, die Werte sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar. Umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 8. September 2026 (0,9425 Franken je Euro) entsprechen die Schweizer Werte rund 2,13 und 2,40 Euro.

Für den österreichischen Abstand gibt es einen belegten Teilgrund. Das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus in Wien teilte am 31. August mit, die Mineralölsteuer auf Diesel B7 und Eurosuper E10 bleibe bis Ende September um 1,9 Cent je Liter gesenkt. In derselben Aussendung heißt es allerdings auch: „Die Margenbegrenzung bleibt ausgesetzt. Es erfolgt kein neuerlicher Eingriff in die Preisbildung am Markt.“ NETZ-TRENDS hat die Verlängerung und die Kritik daran ausführlich beschrieben.

Die 1,9 Cent erklären den Abstand von 34,7 Cent aber nicht. Woraus sich der übrige Unterschied zusammensetzt, lässt sich aus den hier ausgewerteten Quellen nicht beziffern: Steuersätze, Abgaben, Kraftstoffsorten und Marktbedingungen unterscheiden sich zwischen beiden Ländern. Auch die Rhein-Logistik ist als Erklärung für diesen Abstand nicht belegt.

Was offen bleibt

Die entscheidende Zahl fehlt in allen verfügbaren Unterlagen: Wie hoch die Raffinerie- und Großhandelsmargen derzeit tatsächlich sind, weist keine der genannten Quellen aus. Der ADAC verlangt genau diese Offenlegung, das deutsche Kraftstoffmaßnahmenpaket sieht sie in dieser Form nicht vor – es regelt den Zeitpunkt von Preiserhöhungen, nicht deren Höhe. Solange diese Angabe fehlt, lässt sich die Frage, ob der Aufschlag der vergangenen Woche gerechtfertigt ist, von außen nicht beantworten.

Was in den kommenden Wochen ansteht

Drei Termine sind gesetzt. Die österreichische Spritpreisbremse läuft nach der Mitteilung aus Wien Ende September 2026 aus; eine Entscheidung über eine erneute Verlängerung ist bislang nicht veröffentlicht. Das deutsche Kraftstoffmaßnahmenpaket wird nach einem Jahr, also ab dem Frühjahr 2027, evaluiert. Und der nationale CO₂-Preis bleibt nach dem Beschluss der deutschen Bundesregierung auch 2027 im Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne.

Für Autofahrerinnen und Autofahrer bleibt bis dahin die Beobachtung, die der ADAC seit April macht: Der Preis steigt zu einem festen Zeitpunkt, und er fällt über den Tag. Wer kann, tankt kurz davor.

Wie stark spüren Sie die aktuellen Spritpreise in Ihrem Alltag – und halten Sie die 12-Uhr-Regel für wirksam? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

Kommentar schreiben