Das Wichtigste in Kürze
- Der deutsche Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hat in den Sonntagsausgaben der Funke-Mediengruppe vom 13. September 2026 erklärt, er sei mit der Deutschen Bahn über eine Rückkehr der Familienreservierung „im Gespräch“. Eine Zusage des Unternehmens ist bislang nicht bekannt.
- Die Deutsche Bahn hat die Familienreservierung zum kleinen Fahrplanwechsel am 15. Juni 2025 gestrichen. Sie kostete in der 2. Klasse einheitlich 10,40 Euro für bis zu fünf gemeinsam reisende Personen.
- Nach den heute auf bahn.de ausgewiesenen Preisen kostet ein einzelner Sitzplatz im deutschen Fernverkehr 5,50 Euro in der 2. und 6,90 Euro in der 1. Klasse. Wer fünf Plätze reserviert, zahlt damit 27,50 Euro je Richtung – 164 Prozent mehr als zuvor.
Der deutsche Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) will die abgeschaffte Familienreservierung der Deutschen Bahn zurückholen. „Wir sind mit der Bahn dazu im Gespräch“, sagte er den Sonntagszeitungen der Funke-Mediengruppe, aus denen mehrere Medien am Sonntagmorgen zitierten. Die Streichung sorge „zurecht“ für „viel Unzufriedenheit“, so der Minister; er habe sie schon damals kritisiert.
Damit greift der Ressortchef einen Streit auf, der seit 15 Monaten läuft und auf den das Unternehmen bislang nicht mit einer Rücknahme reagiert hat. Für Familien geht es dabei nicht um eine Kleinigkeit am Rand des Fahrpreises, sondern um einen Betrag, der sich auf einer Hin- und Rückfahrt auf mehr als 50 Euro summieren kann – und zwar für nichts anderes als die Gewissheit, nebeneinander zu sitzen.
Was am 15. Juni 2025 weggefallen ist
Bis zum kleinen Fahrplanwechsel am 15. Juni 2025 gab es im deutschen Fernverkehr einen Pauschalpreis: Wer als Familie gemeinsam reiste, reservierte bis zu fünf Sitzplätze in der 2. Klasse für zusammen 10,40 Euro. Ob es zwei, drei oder fünf Plätze waren, änderte am Preis nichts.
Seit diesem Datum gilt für jeden Platz der reguläre Einzelpreis. Die Preisauskunft der Deutschen Bahn weist dafür derzeit 5,50 Euro für die 2. Klasse und 6,90 Euro für die 1. Klasse aus; die Angebotsseite zur Sitzplatzreservierung nennt mit Stand September 2026 ebenfalls „ab 5,50 Euro“. Beim Flexpreis der 1. Klasse ist die Reservierung nach denselben Angaben im Fahrpreis enthalten, beim Sparpreis Gruppe ebenfalls.
Was das für Haushalte bedeutet, lässt sich aus diesen beiden Zahlen direkt ausrechnen.
| Reservierte Sitzplätze | bis 14. Juni 2025 | seit 15. Juni 2025 | hin und zurück | Aufschlag |
|---|---|---|---|---|
| 3 Plätze | 10,40 € | 16,50 € | 33,00 € | +59 % |
| 4 Plätze | 10,40 € | 22,00 € | 44,00 € | +112 % |
| 5 Plätze | 10,40 € | 27,50 € | 55,00 € | +164 % |

Die Bahn hob zum selben Zeitpunkt auch den Einzelpreis an: Nach einem Bericht von ZDFheute vom 12. Juni 2025 stieg die Reservierung in der 2. Klasse damals um 30 Cent auf die heute geltenden 5,50 Euro. Begründet wurde der Wegfall demselben Bericht zufolge mit der wirtschaftlichen Lage des Konzerns: Man müsse die Angebote „wirtschaftlich tragbar gestalten“.
128.000 Unterschriften – und eine Übergabe im Oktober 2025
Der Widerstand kam schnell und blieb. Der deutsche Verkehrsclub VCD startete Mitte Juni 2025 eine Petition auf der Plattform WeAct. Bereits am 16. Juni um 10.30 Uhr hatten sie nach Verbandsangaben mehr als 85.000 Menschen unterzeichnet.
Am 6. Oktober 2025 übergab der Verband die Unterschriften an den Vorstand von DB Fernverkehr. In der Mitteilung vom Folgetag nennt der VCD mehr als 128.000 Unterzeichnende. VCD-Bundesvorsitzender Matthias Kurzeck wertet das darin als starkes Signal dafür, dass die Servicepolitik der Bahn falsch sei. Gefordert hatte der Verband die Rückkehr spätestens zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 – sie kam nicht.
Gut elf Monate nach dieser Übergabe ist es nun der zuständige Minister selbst, der den Punkt aufgreift. Das ist der eigentliche Nachrichtenwert des Sonntags: Nicht die Forderung ist neu, sondern wer sie stellt.
Was die Bahn stattdessen anbietet
Ganz ohne Familienangebot steht der Konzern nicht da. In seinem Presse-Newsblog meldete das Unternehmen am 17. August 2026, mehr als 200.000 Reisende seien mit dem Familienticket unterwegs gewesen – einem Angebot für 99,99 Euro, das eine Hin- und Rückfahrt von fünf Personen einschließlich Reservierung abdeckt. Dieselbe Meldung nennt 600.000 Nutzungen eines Last-Minute-Tickets bis Ende Juni und mehr als 50.000 ausgegebene kostenlose BahnCards für junge Menschen im ersten Halbjahr 2026.
Das Familienticket ist allerdings etwas anderes als die weggefallene Reservierung. Es ist ein Fahrschein mit eigenem Preis und eigenen Bedingungen, kein Zusatzprodukt zu einem bereits gekauften Ticket. Wer den Sparpreis nutzt, weil er billiger ist als 99,99 Euro, oder wer nur in eine Richtung fährt, hat davon nichts – und zahlt weiter je Platz.
Was für Kinder im deutschen Fernverkehr gilt
Nach den Angaben der Deutschen Bahn reisen Kinder bis einschließlich 14 Jahren in Begleitung einer erwachsenen Person kostenlos im Fernverkehr; ab 15 Jahren ist eine eigene Fahrkarte nötig. Allein reisende Kinder zwischen 6 und 14 Jahren zahlen den halben Preis. Kostenlos mitfahren heißt aber nicht: Sitzplatz. Ein Platz ist damit nicht gesichert – und jede Reservierung für ein Kind kostet seit Juni 2025 dieselben 5,50 Euro wie die einer erwachsenen Person. Genau an dieser Stelle entsteht der Betrag, um den gestritten wird. Die Bahn weist außerdem Kleinkindabteile und Familienbereiche aus; eine eigene Familienreservierung führt die Seite nicht mehr auf.
Was der Minister überhaupt in der Hand hat
Bilgers Formulierung ist vorsichtig gewählt. „Im Gespräch“ ist keine Ankündigung, kein Termin und keine Auflage. Der Satz beschreibt einen Stand, keine Entscheidung – und er lässt offen, seit wann dieses Gespräch läuft, mit welchem Ziel und bis wann ein Ergebnis vorliegen soll. Eine Zusage enthalten die zitierten Passagen nicht, wohl aber den Hinweis: „Die Bahn hat für Familien grundsätzlich viele gute Angebote.“
Dazu kommt ein Punkt, der in der Meldung nicht auftaucht: Die Deutsche Bahn AG ist eine Aktiengesellschaft im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland, ihre Fernverkehrstarife setzt sie als Unternehmen selbst fest. Sie sind keine staatlich erlassene Verordnung, die ein Ministerium ändern könnte. Ein Minister kann werben, drängen und öffentlich Druck machen. Entscheiden muss der Vorstand.
Drei Fragen, die der Sonntag offenlässt
Erstens: Gibt es einen Termin? Der nächste naheliegende Stichtag wäre der Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 – genannt wird er in den zitierten Äußerungen nicht. Zweitens: Zu welchem Preis? Ob eine zurückkehrende Familienreservierung wieder 10,40 Euro kosten würde oder deutlich mehr, ist offen. Drittens: Wie hat sich die Streichung auf die Nachfrage ausgewirkt? Eine Zahl dazu hat die Deutsche Bahn seit Juni 2025 nicht veröffentlicht – weder zur Zahl der Reservierungen durch Familien noch zu den Mehreinnahmen. Eine Reaktion des Unternehmens auf den Vorstoß des Ministers lag am Sonntagmittag nicht vor.
Warum die Rechnung für Familien mehr wiegt als der Betrag
17,10 Euro Aufschlag je Richtung für eine fünfköpfige Familie sind gemessen an einem Fernverkehrsticket kein dramatischer Posten. Ihre Wirkung entfaltet die Änderung an einer anderen Stelle: beim Vergleich mit dem Auto. Wer zu fünft unterwegs ist, rechnet ohnehin knapp – und Anfang September lag der Preis für Super E10 in Deutschland nach ADAC-Zahlen bei 2,259 Euro je Liter, was die Bahn im Vergleich eigentlich stärken müsste. Ein Aufschlag, der ausgerechnet größere Gruppen am härtesten trifft, wirkt in die Gegenrichtung.
Hinzu kommt der Punkt, den die Petition zum Selbstläufer gemacht hat: Es geht nicht um einen Rabatt auf eine Zusatzleistung, sondern darum, mit kleinen Kindern zusammenzusitzen. Wer das nicht buchen kann oder will, steht im Zweifel mit einem Fünfjährigen in einem vollen ICE-Gang. Preisänderungen, die sich so unmittelbar in einer Alltagssituation abbilden, erzeugen mehr Widerspruch als deutlich größere Beträge an weniger sichtbarer Stelle – ein ähnlicher Effekt zeigte sich zuletzt beim Streit um einseitige Vertragsänderungen bei Telekommunikationsverträgen.
Für Reisende in Österreich und der Schweiz ändert sich durch die deutsche Debatte nichts: Die Familienreservierung war ein Produkt des deutschen Fernverkehrs der Deutschen Bahn. Die Tarife von ÖBB und SBB sind davon nicht berührt.
Nachprüfbar ist derzeit dreierlei: Was die Reservierung heute kostet, steht auf bahn.de. Was sie vorher kostete, ist dokumentiert. Und dass der zuständige deutsche Minister die Rückkehr für richtig hält, hat er am Sonntag gesagt. Alles Weitere ist offen – bis der Vorstand von DB Fernverkehr sich äußert.
Wie handhaben Sie das auf Bahnfahrten mit Kindern – reservieren Sie zum heutigen Preis jeden Platz einzeln, oder verzichten Sie inzwischen darauf? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Funke-Mediengruppe: Äußerungen von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger in den Sonntagsausgaben vom 13. September 2026, zitiert unter anderem bei t-online (AFP), veröffentlicht am 13. September 2026
- Deutsche Bahn: Preisauskunft „Was kostet die Sitzplatzreservierung im Fernverkehr?“ – 5,50 Euro (2. Klasse), 6,90 Euro (1. Klasse)
- Deutsche Bahn: Angebotsseite „Sitzplatzreservierung im Fern- und Nahverkehr“, Preisangabe „ab 5,50 Euro“, Stand September 2026
- Deutsche Bahn: Serviceseite „Bahnfahren mit Kindern“ – Mitfahrt bis einschließlich 14 Jahre, Kleinkindabteil und Familienbereich
- Deutsche Bahn: Presse-Newsblog, Eintrag vom 17. August 2026 zum Familienticket (99,99 Euro, fünf Personen, Hin- und Rückfahrt inklusive Reservierung) und zu weiteren Angeboten
- VCD Verkehrsclub Deutschland: Pressemitteilung vom 16. Juni 2025, „Über 85.000 Menschen unterstützen VCD-Petition für Erhalt der Familienreservierung“
- VCD Verkehrsclub Deutschland: Pressemitteilung vom 7. Oktober 2025, „128.000 Menschen fordern die Familienreservierung zurück“, zur Übergabe an den Vorstand von DB Fernverkehr am 6. Oktober 2025
- ZDFheute: Bericht vom 12. Juni 2025 zur Abschaffung der Familienreservierung zum 15. Juni 2025, zum bisherigen Pauschalpreis von 10,40 Euro und zur Begründung der Deutschen Bahn
- Eigene Berechnung NETZ-TRENDS auf Basis der genannten Preisangaben
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