Während die allgemeine Inflation in Deutschland auf 3,3 Prozent steigt, verteuert sich Computertechnik deutlich stärker. Neue Destatis-Daten zeigen: Informationsverarbeitungsgeräte kosteten Verbraucher im September 2026 bereits 9,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Großhandel beträgt das Plus bei Datenverarbeitungs- und Peripheriegeräten sogar 12,1 Prozent. Dahinter steht ein ungewöhnlich starker Preisauftrieb auf vorgelagerten Handelsstufen – allerdings längst nicht bei allen Elektronikprodukten.
Deutschlands Großhandelspreise steigen um 8,7 Prozent
Der Preisauftrieb in Deutschland gewinnt auf einer wichtigen vorgelagerten Handelsstufe erheblich an Dynamik. Die Verkaufspreise im Großhandel lagen im September 2026 8,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats und 1,9 Prozent über August. Im August hatte die jährliche Steigerungsrate noch 6,8 Prozent, im Juli 5,3 Prozent betragen. Einen höheren Anstieg hatte das Statistische Bundesamt zuletzt im Februar 2023 mit 9,5 Prozent gemessen.[1]
Das ist nicht mit der Verbraucherpreisinflation gleichzusetzen. Der Großhandelspreisindex misst die Preisentwicklung auf einer vorgelagerten Handelsstufe und basiert derzeit auf dem Basisjahr 2021. Ob und in welchem Umfang höhere Großhandelspreise später beim Endkunden ankommen, hängt unter anderem von Lagerbeständen, Einkaufskonditionen, Wettbewerb und Handelsmargen ab. Die Entwicklung liefert deshalb keinen Beweis für kommende Preissteigerungen einzelner Produkte – sie ist aber ein relevantes Preissignal.
Auffällig: Computerhardware im Großhandel +12,1 Prozent
Für den Technikmarkt fällt eine Zahl besonders auf: Datenverarbeitungs- und periphere Geräte verteuerten sich im Großhandel gegenüber September 2025 um 12,1 Prozent. Allein gegenüber August 2026 stiegen die Preise nochmals um 0,8 Prozent.[1] Damit liegt die jährliche Teuerungsrate dieser Warengruppe deutlich über dem ohnehin starken Gesamtanstieg des Großhandels von 8,7 Prozent.
Zur Kategorie gehören auf Großhandelsebene Produkte aus dem Umfeld der Datenverarbeitung und entsprechende Peripheriegeräte. Die Statistik erlaubt allerdings keine pauschale Aussage, dass beispielsweise jedes Notebook, jeder Desktop-PC oder jeder Monitor exakt 12,1 Prozent teurer geworden sei. Für einen seriösen Preisvergleich müssen Großhandelsindex und tatsächliche Verbraucherpreise getrennt betrachtet werden.

Bei Verbrauchern sind IT-Geräte bereits 9,2 Prozent teurer
Genau dieser zweite Datensatz macht die Entwicklung bemerkenswert. In der einen Tag zuvor veröffentlichten Verbraucherpreisstatistik weist Destatis für Informationsverarbeitungsgeräte ein Plus von 9,2 Prozent gegenüber September 2025 aus.[2] Der Preisanstieg ist damit nicht nur auf der vorgelagerten Handelsstufe sichtbar, sondern inzwischen auch im Verbraucherpreisindex.
Zum Vergleich: Die allgemeine Inflationsrate Deutschlands betrug im September 3,3 Prozent. Die Verbraucherpreise für Informationsverarbeitungsgeräte stiegen damit fast dreimal so stark wie das allgemeine Preisniveau. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass die 12,1 Prozent höheren Großhandelspreise künftig vollständig an Endkunden weitergereicht werden. Beide Indizes haben unterschiedliche Warenkörbe, Gewichtungen und Erhebungsmethoden.
Elektronik wird keineswegs generell teurer
Besonders interessant ist der Blick auf andere Produktgruppen. Während Informationsverarbeitungsgeräte bei Verbrauchern um 9,2 Prozent teurer waren, lagen die Preise für Haushaltsgeräte 2,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau.[2] Die Entwicklung spricht gegen die vereinfachte These, Elektronik werde generell teurer.
Für Verbraucher ist diese Differenzierung wichtig. Preisbewegungen bei Computern und IT-Hardware können sich deutlich von Kühlschränken, Waschmaschinen oder anderen Haushaltsgeräten unterscheiden. Auch innerhalb einzelner Produktgruppen können sich Geräteklassen und Marken erheblich unterschiedlich entwickeln. Der Verbraucherpreisindex misst Durchschnittsentwicklungen und ersetzt keinen konkreten Produktpreisvergleich.
Energie ist der größte Preistreiber
Die außergewöhnliche Entwicklung der Großhandelspreise wird derzeit vor allem von Energie und industriellen Vorprodukten geprägt. Mineralölerzeugnisse kosteten im deutschen Großhandel im September 48,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gegenüber August betrug der Anstieg allein 10,5 Prozent. Nicht-Eisen-Erze, Nicht-Eisen-Metalle und Metallhalbzeug verteuerten sich binnen Jahresfrist um 24,9 Prozent, chemische Erzeugnisse um 16,4 Prozent.[1]
Destatis führt den starken Preisauftrieb insbesondere auf die Auswirkungen der Kriegshandlungen im Iran und weiteren Teilen des Nahen Ostens auf Energieprodukte und Vorleistungsgüter zurück. Das ist eine Einordnung des Statistischen Bundesamtes auf Grundlage seiner Preisstatistik. Eine direkte quantitative Kausalkette von diesen Entwicklungen zum Preis eines konkreten Computers lässt sich aus den veröffentlichten Daten nicht ableiten.
An der Tankstelle sind die Folgen bereits drastisch
Bei den Verbraucherpreisen zeigt sich der Energieschub noch deutlicher. Energieprodukte waren im September 14,9 Prozent teurer als vor einem Jahr. Kraftstoffe verteuerten sich um 37,1 Prozent, leichtes Heizöl sogar um 74,9 Prozent. Gegenüber August stiegen die Kraftstoffpreise um 6,9 Prozent und Heizöl um 18,5 Prozent.[2]
Gleichzeitig zeigt die amtliche Statistik auch hier starke Gegensätze: Strom war gegenüber September 2025 um 5,5 Prozent günstiger, Erdgas ohne Betriebskosten um 2,8 Prozent und Fernwärme um 1,0 Prozent. Der Begriff „Energiepreisanstieg“ verdeckt deshalb erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Energieträgern.
Inflation von 3,3 Prozent – aber Kerninflation nur 2,4 Prozent
Die allgemeine Inflationsrate erreichte im September mit 3,3 Prozent den höchsten Stand des Jahres 2026 und zugleich den höchsten Wert seit Dezember 2023. Ohne Nahrungsmittel und Energie lag die sogenannte Kerninflation dagegen unverändert bei 2,4 Prozent. Ohne Heizöl und Kraftstoffe betrug die Inflationsrate sogar lediglich 1,8 Prozent.[2]
Damit lässt sich der aktuelle Inflationsschub wesentlich genauer einordnen: Nicht sämtliche Preise steigen plötzlich gleichermaßen. Einzelne energieabhängige Bereiche ziehen den Gesamtindex deutlich nach oben. Für Verbraucher ist deshalb die persönliche Konsumstruktur entscheidend – ein Haushalt mit hoher Fahrleistung oder Ölheizung erlebt derzeit eine andere Preisentwicklung als ein Haushalt mit anderen Energie- und Konsumprofilen.
Was die Zahlen für den Hardwarekauf bedeuten
Für Käufer von Computern und IT-Hardware liefern die neuen Daten ein Warnsignal, aber keine Kaufaufforderung. Ein Verbraucherpreisanstieg von 9,2 Prozent und gleichzeitig 12,1 Prozent höhere Großhandelspreise zeigen einen erheblichen Preisauftrieb in diesem Marktsegment. Ob einzelne Produkte in den kommenden Wochen tatsächlich weiter steigen, lässt sich daraus jedoch nicht zuverlässig prognostizieren.
Gerade bei Hardware spielen Produktzyklen, Modellwechsel, Lagerbestände und Rabattaktionen eine große Rolle. Ein älteres Notebook kann trotz steigenden Gesamtindex günstiger werden, während ein neu eingeführtes Modell deutlich über dem Vorjahrespreis liegt. Wer einen Kauf plant, sollte deshalb konkrete Gerätepreise vergleichen – die amtlichen Zahlen zeigen vor allem, dass sich das Preisumfeld für Informationstechnik gegenüber 2025 erheblich verändert hat.
Quellen und Fußnoten
[1] Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 368 vom 14. Oktober 2026: „Großhandelspreise im September 2026: +8,7 % gegenüber September 2025“. Originalquelle: Destatis.
[2] Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 364 vom 13. Oktober 2026: „Inflationsrate im September 2026 bei +3,3 %“. Originalquelle: Destatis.
Transparenzhinweis: Für diesen Artikel wurden ausschließlich amtliche Primärquellen verwendet. Großhandels- und Verbraucherpreisindex messen unterschiedliche Handelsstufen und werden deshalb nicht gleichgesetzt. Deutsche Daten werden nicht auf Österreich oder die Schweiz übertragen.