Zwischen günstigstem und teuerstem der ausgewerteten Netze liegen 676 Euro im Jahr, ein Betreiber erhöht um 12,1 Prozent

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland steigen die Gasnetzentgelte 2027 nach vorläufigen Preisblättern im Schnitt um 1,2 bis 1,4 Prozent; ein Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt im Mittel 603,47 Euro netto statt 596,22 Euro, also 7,25 Euro mehr.
  • Größer als die Veränderung ist der Unterschied zwischen den Netzgebieten: Zwischen dem günstigsten (301,51 Euro) und dem teuersten ausgewerteten Betreiber (977,68 Euro) liegen 676,17 Euro im Jahr.
  • Die Werte sind vorläufig, stammen von 46 Gasnetzbetreibern mit rund 42,9 Prozent des gasversorgten Gebiets und können sich bis zum Jahreswechsel ändern.

In Deutschland werden die Netzentgelte für Erdgas 2027 leicht teurer. Das geht aus einer Auswertung des Unternehmens ene’t GmbH hervor, die am 8. Oktober 2026 veröffentlicht wurde. Danach kostet das Gasnetz einen Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch und 11 Kilowatt Anschlussleistung im gewichteten Durchschnitt 603,47 Euro netto. 2026 waren es 596,22 Euro. Das sind 7,25 Euro oder 1,2 Prozent mehr, im Monat rechnerisch rund 60 Cent.

Für einen kleineren Haushalt mit 7.000 Kilowattstunden und 6 Kilowatt Anschlussleistung nennt ene’t eine Steigerung von 258,48 Euro auf 261,46 Euro, ebenfalls 1,2 Prozent. Die Werte sind Nettobeträge, die Umsatzsteuer kommt hinzu. Sie beschreiben außerdem nur das Netz, nicht den Gesamtpreis eines Gastarifs.

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Was sind Netzentgelte?

Netzentgelte sind das Geld, das für die Nutzung der örtlichen Gasleitungen anfällt. In der Auswertung von ene’t setzen sich die Netzkosten aus dem Arbeitspreis, einem auf die Jahresmenge umgelegten Grundpreis und den Kosten für das Messsystem zusammen. Sie werden je Netzgebiet ausgewiesen, nicht je Versorger.

Die Zahlen im Überblick

Abnahmefall (Gas, Niederdruck) Netzkosten 2027 Netzkosten 2026 Veränderung
Haushalt, 7.000 kWh / 6 kW 261,46 € 258,48 € +1,2 %
Haushalt, 20.000 kWh / 11 kW 603,47 € 596,22 € +1,2 %
Gewerbe, 200.000 kWh / 125 kW 4.816,45 € 4.753,84 € +1,3 %
Quelle: ene’t GmbH, Auswertung vom 8. Oktober 2026 (vorläufige Preisblätter von 46 Gasverteilnetzbetreibern, Nettopreise, gewichteter Durchschnitt). Zur Quelle.

Das Netzgebiet entscheidet mehr als die Erhöhung

Der Durchschnitt verdeckt große Unterschiede. Nach der Auswertung von ene’t ist unter den erfassten Betreibern E.DIS am teuersten: Der Musterhaushalt zahlt dort 977,68 Euro im Jahr, 17,00 Euro mehr als 2026. Am günstigsten sind die Stadtwerke Greven mit 301,51 Euro; die Netzkosten steigen dort um 13,70 Euro oder 4,8 Prozent. Zwischen beiden liegen mehr als 676 Euro im Jahr, rechnerisch rund 56 Euro im Monat.

Die größte Erhöhung unter den erfassten Betreibern meldet Thüga Energienetze: plus 50,74 Euro oder 12,1 Prozent auf 471,94 Euro. Der Arbeitspreis steigt dort von 2,11 auf 2,36 Cent je Kilowattstunde. Die größte Senkung liegt laut ene’t bei 8,0 Prozent oder 42,40 Euro; die Netzkosten sinken dort auf 489,60 Euro, der Arbeitspreis von 2,66 auf 2,45 Cent.

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Netzbetreiber (Auswahl) Netzkosten 2027 Veränderung Arbeitspreis 2027
E.DIS (teuerster ausgewerteter Betreiber) 977,68 € +17,00 € (+1,8 %) 4,89 ct/kWh
Stadtwerke Greven (günstigster ausgewerteter Betreiber) 301,51 € +13,70 € (+4,8 %) 1,51 ct/kWh
Thüga Energienetze (größte Erhöhung) 471,94 € +50,74 € (+12,1 %) 2,36 ct/kWh
Quelle: ene’t GmbH, Auswertung vom 8. Oktober 2026; Musterhaushalt 20.000 kWh/Jahr, 11 kW, Nettopreise, vorläufige Werte. Zur Quelle.

Daraus folgt eine nüchterne Beobachtung: Innerhalb der ausgewerteten Netze zählt für die Höhe der Netzkosten das Netzgebiet deutlich stärker als die Erhöhung von einem Jahr aufs nächste. Während der Musterhaushalt im Schnitt 7,25 Euro mehr zahlt, sind es im Netz von Thüga Energienetze rechnerisch rund 4 Euro im Monat zusätzlich.

Warum die Werte noch nicht endgültig sind

ene’t betont selbst die Grenzen der Auswertung. Alle Preisblätter sind vorläufig und können sich bis zum Jahreswechsel ändern. Berücksichtigt sind nur Netzbetreiber, die ihr vorläufiges Entgelt für 2027 bereits veröffentlicht haben. Die 46 erfassten Gasverteilnetzbetreiber decken rund 42,9 Prozent des gasversorgten Gebiets ab; zunächst erfasst ene’t vorrangig Flächennetzbetreiber. Kleinere Netze folgen nach der Zahl ihrer Marktlokationen. Mit weiteren Preisblättern können sich Durchschnitt und Einzelwerte verschieben.

Hinzu kommt: ene’t ist ein Unternehmen, keine Behörde. Die Redaktion hat die Einzelwerte nicht an den Preisblättern der Netzbetreiber nachgerechnet; die Zahlen in diesem Beitrag geben die Auswertung von ene’t wieder. Die genannten Netzbetreiber hat die Redaktion bis Redaktionsschluss nicht um Stellungnahme gebeten. Eine Einschätzung von Verbraucherzentrale oder Branchenverband zu den Gasnetzentgelten 2027 hat die Redaktion nicht gefunden.

Beim Strom sinken die Netzentgelte, aber unter Vorbehalt

In derselben Auswertung nennt ene’t für Strom ein anderes Bild: Ein Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden zahlt im gewichteten Durchschnitt 354,39 Euro Netzkosten statt 357,89 Euro, das sind 1,0 Prozent weniger. Datenbasis sind dort 12 Netzbetreiber mit 56,6 Prozent des stromversorgten Gebiets. Die Übertragungsnetzentgelte steigen laut ene’t von 2,86 auf 3,54 Cent je Kilowattstunde; ein Bundeszuschuss von 5,525 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds deckelt den Anstieg. Das zugrunde liegende Gesetz ist laut ene’t noch nicht verabschiedet. Ohne Rechtssicherheit bis zum 7. Dezember 2026 fielen die endgültigen Entgelte deutlich höher aus. Mehr dazu in unserem Bericht zum Netzzuschuss im Bundestag.

Was Haushalte jetzt prüfen können

Ob Versorger die höheren Gasnetzentgelte an Haushalte weitergeben, geht aus der Auswertung von ene’t nicht hervor. Wer ein Preisanpassungsschreiben bekommt, hat nach den Angaben der Bundesnetzagentur und der Verbraucherzentrale Rechte:

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  • Ankündigung: Versorger müssen Haushalte nach Angaben der Bundesnetzagentur spätestens einen Monat vor der Preisänderung informieren, mit Grund, Voraussetzungen und Umfang der Erhöhung (§ 41 Absatz 5 des deutschen Energiewirtschaftsgesetzes). In der Grundversorgung gilt laut Verbraucherzentrale eine Frist von sechs Wochen (Stand der Seite: 19. November 2025).
  • Sonderkündigungsrecht: Bei einer Preisänderung besteht in der Regel ein Sonderkündigungsrecht, auch wenn der Versorger die Erhöhung mit höheren Netzentgelten begründet. Die Kündigung muss laut Verbraucherzentrale spätestens bis zum Inkrafttreten der Erhöhung beim Versorger eingehen.
  • Preisbindung: Eine vereinbarte Preisbindung kann eine Erhöhung ausschließen, schreibt die Bundesnetzagentur. Ein Blick in die Vertragsbedingungen lohnt sich daher vor jeder Reaktion.

Wie sich Gaspreise insgesamt entwickeln, ist eine eigene Frage; wir haben sie zuletzt im Bericht zu den deutschen Gasspeichern aufgegriffen. Die Netzentgelte sind nur ein Baustein des Preises.

Was als Nächstes belegt ist

Nach Angaben von ene’t können sich die vorläufigen Preisblätter bis zum Jahreswechsel noch ändern, und weitere Netzbetreiber veröffentlichen ihre Entgelte erst noch. Für die Stromseite nennt ene’t den 7. Dezember 2026 als Stichtag für die Rechtssicherheit beim Bundeszuschuss. Wann und in welcher Höhe Gasversorger Preisanpassungen für 2027 ankündigen, ist in den ausgewerteten Quellen nicht belegt.

Wie hoch fallen die Netzkosten in Ihrem Netzgebiet aus, und hat Ihr Versorger schon eine Preisänderung angekündigt? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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