Start um 5.25 Uhr MESZ in Goheung: Fünf NEONSAT-Mikrosatelliten wurden laut Raumfahrtbehörde in rund 570 Kilometer Höhe ausgesetzt
Das Wichtigste in Kürze
- Die südkoreanische Trägerrakete Nuri hob am 7. Oktober 2026 um 12.25 Uhr Ortszeit (5.25 Uhr MESZ) vom Naro Space Center in Goheung ab – an Bord 15 Satelliten und damit laut Korea JoongAng Daily die höchste Zahl bei einem Nuri-Flug.
- Fünf NEONSAT-Mikrosatelliten von zusammen 500 Kilogramm wurden nach Angaben der südkoreanischen Raumfahrtbehörde KASA in rund 570 Kilometer Höhe ausgesetzt, im Abstand von 35 bis 40 Sekunden.
- Der südkoreanische Konzern Hanwha Aerospace montiert nach Angaben des Fachdienstes Digital Today seit diesem Flug Raketenstufen selbst; eine Lizenz aus einem Technologietransfer über 24 Milliarden Won erlaubt ihm den Bau und Start der Nuri bis 2032.
Südkorea hat am Mittwochmittag Ortszeit seine Trägerrakete Nuri zum fünften Mal gestartet. Der Abflug von der zweiten Startrampe des Naro Space Center in Goheung, rund 330 Kilometer südlich von Seoul, erfolgte um 12.25 Uhr Ortszeit – das entspricht 5.25 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. An Bord waren nach Angaben der südkoreanischen Raumfahrtbehörde Korea AeroSpace Administration (KASA) 15 Satelliten: fünf Mikrosatelliten der NEONSAT-Reihe und zehn CubeSats.
Das ist nach Darstellung der südkoreanischen Tageszeitung Korea JoongAng Daily die höchste Satellitenzahl bei einem Nuri-Flug. Entscheidender als die Stückzahl ist aber, was die Rakete mit ihr anstellen sollte: Erstmals sollte eine südkoreanische Rakete mehrere baugleiche Satelliten nacheinander absetzen, die später gemeinsam als Verbund arbeiten. Park Jae-sung, Leiter der Abteilung für Weltraumtransport bei KASA, hatte das im September als Koreas erste Satellitenkonstellations-Mission bezeichnet. (Die Angaben der südkoreanischen Stellen lagen der Redaktion in englischer Übersetzung vor; Äußerungen werden deshalb durchgehend in indirekter Rede wiedergegeben.)
Was bis zum Redaktionsschluss bestätigt war
Rund eine Stunde nach dem Abflug lag noch keine abschließende Bilanz der Behörde vor. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete im Ticker unter Berufung auf die Raumfahrtbehörde zwischen 12.25 und 12.41 Uhr Ortszeit nacheinander den Abflug, die Trennung der ersten und der zweiten Stufe sowie das Aussetzen der Hauptnutzlast in rund 570 Kilometer Höhe. Die südkoreanische Tageszeitung The Korea Times bestätigte den Start von der zweiten Rampe und bezifferte die geplante Flugdauer auf etwa 30 Minuten.
Eine behördliche Bestätigung, dass alle 15 Satelliten ihre vorgesehene Bahn erreicht und Funkkontakt aufgenommen haben, lag bei Abschluss dieses Beitrags nicht vor. Die Verfolgung der Nutzlasten übernehmen nach Angaben von The Korea Times Anlagen des südkoreanischen Luft- und Raumfahrtforschungsinstituts KARI in Südkorea und auf Palau. Ein geglückter Abflug ist noch kein geglückter Flug – diese Unterscheidung bleibt offen, bis die Bodenstationen den Kontakt zu den Satelliten melden.
Der eigentliche Test lag in den 40 Sekunden zwischen zwei Satelliten
Die technische Schwierigkeit dieser Mission steckte nicht im Schub, sondern in der Feinarbeit danach. Die dritte Stufe sollte ihr Triebwerk nach der von Korea JoongAng Daily wiedergegebenen Missionsplanung in rund 575 Kilometer Höhe abschalten und anschließend fünf Satelliten im Abstand von 35 bis 40 Sekunden einzeln freigeben – zwischen den Freigaben muss sich die Stufe jeweils neu ausrichten, damit sich die Satelliten nicht gegenseitig ins Gehege kommen. KASA-Chef Oh Tae-seog hatte vor dem Start darauf hingewiesen, dass die Rakete ihre Lage ändern und jeden Satelliten exakt trennen müsse, ohne dass sie einander stören.
Dafür hatte KARI nach Angaben seines leitenden Mitarbeiters Park Jong-chan eine ellipsenförmige Ausweichzone von 200 Kilometern Länge und 50 Kilometern Breite festgelegt, anhand derer die genaue Startzeit innerhalb des Fensters von 12.23 bis 13.23 Uhr Ortszeit bestimmt wurde. Die Zone zeigt, wovon ein Starttermin inzwischen zusätzlich abhängt: nicht nur von Wetter und Technik, sondern auch davon, wo sich andere Objekte im Orbit gerade befinden.
| Nutzlast | Anzahl | Masse zusammen | Rolle im Flugprofil |
|---|---|---|---|
| NEONSAT-2 bis NEONSAT-6 (Mikrosatelliten) | 5 | 500 kg | Hauptnutzlast, einzeln im Abstand von 35 bis 40 Sekunden ausgesetzt |
| CubeSats | 10 | 96 kg | Sekundärnutzlast, nach den Mikrosatelliten freigegeben |
| Gesamt | 15 | 596 kg | höchste Satellitenzahl bei einem Nuri-Flug bislang (laut Korea JoongAng Daily) |
Was die NEONSAT-Satelliten leisten sollen
Die NEONSAT-Mikrosatelliten wiegen nach den von südkoreanischen Medien wiedergegebenen Missionsangaben jeweils weniger als 100 Kilogramm und tragen eine elektro-optische Kamera. Sie soll Objekte ab einem Meter in Schwarz-Weiß und ab vier Metern in Farbe unterscheiden. Als Zweck nennen diese Angaben die Beobachtung der koreanischen Halbinsel und angrenzender Gebiete – genannt werden Katastrophenschutz, etwa bei Waldbränden und Überschwemmungen, sowie die nationale Sicherheit Südkoreas.
Der Verbund ist mit diesem Flug nicht fertig. Vorgesehen sind nach der veröffentlichten Planung insgesamt zehn Satelliten; die zweite Hälfte soll der sechste Nuri-Flug im kommenden Jahr transportieren. Erst dann soll die Konstellation die koreanische Halbinsel mehr als dreimal täglich aufnehmen und jeden Punkt binnen 24 Stunden erneut überfliegen können.
Was eine Satellitenkonstellation ist
Eine Konstellation ist kein einzelner, besonders leistungsfähiger Satellit, sondern ein Verbund mehrerer kleiner, baugleicher Satelliten auf abgestimmten Bahnen. Der Vorteil liegt nicht in der Bildqualität, sondern in der Häufigkeit: Je mehr Satelliten über denselben Punkt fliegen, desto kürzer die Zeit zwischen zwei Aufnahmen. Bei Waldbränden oder Hochwasser entscheidet genau das darüber, ob eine Lage nur gelegentlich oder mehrmals täglich aus dem Orbit erfasst werden kann. Der Preis dafür ist die Startlogistik – alle Satelliten müssen sauber voneinander getrennt auf ihre Bahn gebracht werden.
Hanwha rückt Schritt für Schritt in den Startbetrieb vor
Hinter dem Flug steht eine industriepolitische Verschiebung, die sich an den Verträgen ablesen lässt: Bau und Betrieb der Rakete sollen schrittweise von staatlichen Stellen auf ein Unternehmen übergehen. Beim vierten Flug verantwortete der Konzern Hanwha Aerospace nach Angaben des südkoreanischen Fachdienstes Digital Today bereits die gesamte Fertigung einschließlich der Steuerung der Zulieferer, während KARI den Startbetrieb führte. Mit diesem fünften Flug montiert Hanwha Raketenstufen im eigenen Werk in Suncheon und ist stärker am Startbetrieb beteiligt. Ab dem siebten Flug soll der Konzern Endmontage und Startbetrieb vollständig übernehmen.
Die rechtliche Grundlage dafür ist ein Technologietransfer: Im Juli 2025 schloss Hanwha Aerospace nach demselben Bericht einen Vertrag mit KARI über 24 Milliarden Won. Er umfasst Entwurf, Fertigung und Startbetrieb und räumt dem Unternehmen eine nicht ausschließliche Lizenz ein, die Nuri bis 2032 selbst zu bauen und zu starten. Hanwha-Vorstandschef Son Jae-il erklärte dazu, man wolle Technik und Kostenwettbewerbsfähigkeit der Rakete weiter verbessern, um die Grundlage für kommerzielle Startdienste zu legen.
Das ist der Punkt, an dem der Flug über Südkorea hinaus interessant wird: Ein staatlich entwickelter Träger soll nach erklärtem Ziel seines künftigen Betreibers kommerzielle Startdienste anbieten – also Transporte für zahlende Kundschaft, nicht nur für das eigene Raumfahrtprogramm. Welche Startpreise Hanwha dabei anstrebt und ab wann, nennt keine der ausgewerteten Quellen.
Was in den Mitteilungen nicht steht
Mehrere Angaben fehlen, die für eine Bewertung nötig wären. In den ausgewerteten Quellen werden die Kosten des einzelnen Starts nicht beziffert. Offen bleibt auch, welchen Anteil an der Wertschöpfung das Unternehmen beim fünften Flug tatsächlich hält: „Stufenmontage“ und „stärkere Beteiligung am Startbetrieb“ sind Beschreibungen, keine Quoten. Und zu den zehn CubeSats nennen die ausgewerteten Quellen zwar Zahl und Gesamtmasse, nicht aber, wer sie betreibt und welche Aufgaben sie haben.
Einzuordnen ist außerdem, wer hier spricht. Hanwha Aerospace hat ein erklärtes wirtschaftliches Interesse an einem gelungenen Flug: Der Vorstandschef hat selbst gesagt, dass das Unternehmen auf kommerzielle Startdienste zielt. Das entwertet die technischen Angaben nicht. Es ist ein Grund, die abschließende Bilanz des Fluges abzuwarten, statt sie aus den Eilmeldungen der ersten Stunde abzuleiten.
Was belegbar als Nächstes ansteht
Der nächste Termin steht fest: Der sechste Nuri-Flug ist nach Angaben von KASA für das kommende Jahr geplant und soll die fünf übrigen NEONSAT-Satelliten transportieren. Die Starts vier bis sechs sind nach Darstellung von Digital Today als zusammenhängende Serie bis 2027 angelegt – nach Angaben des Dienstes die erste Folge aufeinanderfolgender Starts in der südkoreanischen Raumfahrtgeschichte. Ob aus der Nuri ein kommerziell angebotener Träger wird, entscheidet sich erst mit dem siebten Flug, bei dem Hanwha Endmontage und Startbetrieb übernehmen soll.
Aus deutscher Sicht ist der Vorgang vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Startkapazitäten in Asien nicht mehr allein in staatlicher Hand bleiben sollen. Südkorea ist auch in anderen Technikfeldern regelmäßig Thema – zuletzt, als die dortige Finanzaufsicht KI-gestützte Angriffe auf Banken nicht ausschloss. Wie groß asiatische Technikvorhaben inzwischen angelegt sind, zeigen auch die Rechenzentrumspläne von Alibaba.
Beobachten Sie Raumfahrtstarts – und welche Rolle sollte Europa beim Transport kleiner Satelliten künftig spielen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- The Korea Times: „Nuri rocket set for 5th launch to place 15 satellites into orbit“, 7. Oktober 2026
- The Korea Times: „Nuri rocket lifts off successfully in 5th launch“, 7. Oktober 2026, 12.27 Uhr Ortszeit
- The Korea Times: „Korea’s Nuri rocket to carry 1st microsatellite constellation in 5th launch“, 15. September 2026 (Äußerung von Park Jae-sung, KASA)
- Korea JoongAng Daily: „Nuri rocket nears fifth launch with 15 satellites“, 6. Oktober 2026 (Äußerung von Park Jong-chan, KARI)
- Aju Press: „South Korea’s Nuri rocket faces precision test in fifth launch“, 7. Oktober 2026 (Angaben von KASA-Chef Oh Tae-seog)
- Digital Today: „Nuriho to extend private-led space role from production to launch operations“, 6. Oktober 2026 (Technologietransfer Hanwha Aerospace/KARI)
- Yonhap News Agency: Nachrichtenticker (RSS-Ausgabe) mit den Eilmeldungen zum Start, Stufentrennungen und Aussetzen der Hauptnutzlast, 7. Oktober 2026, 12.25 bis 12.41 Uhr Ortszeit
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