Das Wichtigste in Kürze

  • Alibaba-Konzernchef Eddie Wu hat am Dienstag auf der Apsara-Konferenz im chinesischen Hangzhou angekündigt, die Rechenzentrumskapazität des Konzerns solle bis 2032 weltweit mehr als 20 Gigawatt erreichen.
  • Alle rund 2.000 Rechenzentren in Deutschland zusammen kamen 2025 auf 2.980 Megawatt Anschlussleistung – das Ziel eines einzelnen Konzerns liegt damit rechnerisch über dem Sechsfachen der gesamten deutschen Kapazität.
  • Der neue Beschleuniger Zhenwu V900 soll nach Konzernangaben die dreifache Leistung des Vorgängermodells bringen und im ersten Quartal 2027 in Serie gehen.

Auf der Apsara-Konferenz des Cloud-Geschäfts in Hangzhou hat der chinesische Konzern Alibaba am Dienstag eine Reihe von Zielen für seine KI-Infrastruktur genannt. Die weitreichendste Zahl betrifft nicht einen Chip, sondern Strom: Die Rechenzentrumskapazität des Konzerns soll bis 2032 weltweit die Marke von 20 Gigawatt überschreiten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters aus der Veranstaltung, unter anderem wiedergegeben von der Jakarta Post; die indische Tribune nennt dieselbe Größe.

Gigawatt ist in der Rechenzentrumsbranche die übliche Größe für Kapazität, weil sie beschreibt, wie viel elektrische Leistung eine Anlage dauerhaft aufnehmen kann. Für deutsche Verhältnisse ist die angekündigte Zahl außerhalb jeder gewohnten Größenordnung – und genau darin liegt die Nachricht für den hiesigen Markt.

Was der Konzern angekündigt hat

Neben dem Ausbauziel stellte Konzernchef Eddie Wu einen eigenen KI-Beschleuniger und einen Fahrplan für die hauseigene Modellfamilie Qwen vor. Die Angaben stammen sämtlich aus der Präsentation des Unternehmens und sind bislang nicht unabhängig überprüft:

Gegenstand Angabe des Konzerns Termin
Rechenzentrumskapazität weltweit mehr als 20 Gigawatt bis 2032
KI-Beschleuniger Zhenwu V900 dreifache Leistung des Vorgängers M890 Serienfertigung ab dem 1. Quartal 2027
Größe eines Rechenclusters bis zu 500.000 Karten
Sprachmodell Qwen 4 im Training k. A.
Modellreihen Qwen 4.5 und Qwen 5 5 bis 10 Billionen Parameter k. A.
Aktuelles Spitzenmodell Qwen 3.8 Max 2,4 Billionen Parameter
Quelle: Angaben von Alibaba auf der Apsara-Konferenz in Hangzhou am 22. September 2026, wiedergegeben von Reuters, Tribune India und Investing.com. Eine Billion entspricht tausend Milliarden.

Wu nannte den Chip nach Darstellung der Tribune den leistungsstärksten KI-Chip Chinas. Solche Superlative sind Selbstbeschreibungen eines Anbieters; unabhängige Messwerte lagen zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung nicht vor. Belegt ist bislang nur, dass der Konzern sie äußert.

20 Gigawatt: Deutschlands gesamte Rechenzentren kommen auf 2,98

Die Einordnung liefert der deutsche Digitalverband Bitkom, der gemeinsam mit dem Borderstep Institut jährlich den hiesigen Markt vermisst. Nach der Studie vom 10. November 2025 sind in Deutschland rund 2.000 Rechenzentren mit jeweils mehr als 100 Kilowatt installiert. Ihre Anschlussleistung wuchs 2025 um 9 Prozent auf 2.980 Megawatt, also knapp 3 Gigawatt. Anfang 2026 sollte erstmals die Marke von 3.000 Megawatt fallen, bis 2030 rechnet der Verband mit mehr als 5.000 Megawatt.

Säulendiagramm: Rechenzentren in Deutschland 2025 mit 2,98 Gigawatt, 2030 mit über 5 Gigawatt, Alibaba weltweit bis 2032 mit über 20 Gigawatt.
Eigene Darstellung NETZ-TRENDS auf Basis der Bitkom-Studie vom 10. November 2025 und der Angaben von Alibaba vom 22. September 2026. Die Messgrößen sind nicht identisch: Bitkom weist die IT-Anschlussleistung deutscher Rechenzentren aus, Alibaba nennt die geplante Rechenzentrumskapazität.

Der Vergleich hinkt in einem Punkt, und das gehört dazu: Bitkom misst die IT-Anschlussleistung, Alibaba spricht allgemein von Rechenzentrumskapazität. Die Bezugsgrößen sind also nicht deckungsgleich. An der Größenordnung ändert das wenig – zwischen knapp 3 und mehr als 20 Gigawatt liegt ein Faktor, den auch eine abweichende Definition nicht einebnet.

Dass Deutschland in dieser Disziplin nicht der Maßstab ist, hält der Verband selbst fest. Die Bitkom-Erhebung beziffert die IT-Anschlussleistung chinesischer Rechenzentren für 2024 auf 38 Gigawatt und die der US-amerikanischen auf 48 Gigawatt – nach Darstellung des Verbands das 16-Fache des deutschen Werts von 2025. Alibaba allein zielt damit auf eine Kapazität, die rechnerisch gut der Hälfte dessen entspricht, was ganz China 2024 installiert hatte.

Die deutsche Antwort heißt 805 Millionen Euro – für eine Fabrik, deren Standort die EU bestimmt

Europas Gegenprogramm sind die sogenannten KI-Gigafabriken. Nach Darstellung der EU-Kommission sollen dafür 20 Milliarden Euro mobilisiert werden; auf eine informelle Interessenbekundung gingen demnach 77 Vorschläge aus 16 Mitgliedstaaten für 60 verschiedene Standorte ein. Die offizielle Ausschreibung hat das gemeinsame Unternehmen EuroHPC im Juli 2026 veröffentlicht.

Wie viel davon in Deutschland ankommt, ist offen. Die deutsche Bundesregierung teilte dem Deutschen Bundestag im April 2026 mit, die Standortauswahl werde auf EU-Ebene getroffen, weshalb auch die Auswahlkriterien dort abgestimmt würden. Sie habe „mit dem Betrag im Sondervermögen in Höhe von 805 Millionen Euro Vorsorge für einen Finanzierungsbeitrag für eine AIGF in Deutschland getroffen“, heißt es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke, zusammengefasst in der Parlamentsmeldung hib 322/2026. Die Investitionskosten einer einzelnen solchen Fabrik schätzt die EU-Kommission der Antwort zufolge auf vier bis fünf Milliarden Euro. Konsortialpartner werden oder Eigentumsanteile halten will die deutsche Regierung demnach nicht.

Was die Ankündigung offenlässt

Alibaba nennt in den vorliegenden Wiedergaben weder eine Investitionssumme für die 20 Gigawatt noch die heutige Ausgangsbasis, von der aus gerechnet wird. Auch wo die Kapazität entstehen soll, bleibt offen – ob überhaupt ein Teil davon in Europa geplant ist, sagt die Ankündigung nicht. Der Finanzdienst Investing.com gibt zudem wieder, das Unternehmen selbst habe eingeräumt, weltweite Engpässe in der Lieferkette für KI-Rechenzentren bremsten das Ausbautempo. Eine über die Präsentation hinausgehende Stellungnahme des Konzerns lag zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung nicht vor.

Warum das auch ohne europäische Baupläne in Deutschland ankommt

Ein Teil der Verbindung ist bereits gebaut. Nach der eigenen Standortübersicht von Alibaba Cloud betreibt der Konzern weltweit 106 Verfügbarkeitszonen in 31 Regionen, darunter seit 2016 eine Region in Frankfurt am Main mit drei Zonen. Wer in Deutschland Rechenleistung bei Alibaba bucht, tut das also heute schon.

Der zweite Weg führt über die Preise. Der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren schlägt bis in deutsche Elektronikregale durch: NETZ-TRENDS hatte im August berichtet, dass Computerpreise in Deutschland um 9,6 Prozent stiegen und 32 Gigabyte Arbeitsspeicher zeitweise 523 Euro kosteten. Als Treiber galt dort der Ausbau von KI-Rechenzentren, der die Nachfrage nach Speicherchips nach oben zieht.

Und schließlich der Strom. Deutschlands Rechenzentren verbrauchten 2025 nach Bitkom-Angaben 21,3 Milliarden Kilowattstunden, nach 20 Milliarden im Jahr zuvor und 12 Milliarden im Jahr 2015. Gut ein Drittel der deutschen Kapazität steht im Großraum Frankfurt, rund 1.100 Megawatt. Dass dieser Knoten an Grenzen stößt, ist keine neue Beobachtung: NETZ-TRENDS berichtete über den Leerstand von nur noch 3,1 Prozent im Frankfurter Rechenzentrumsmarkt und über ein IWF-Papier, das Frankfurt unter fünf europäischen Netz-Engstellen führt.

Was als Nächstes belegbar ansteht

Zwei Termine sind gesetzt. Der Zhenwu V900 soll nach Konzernangaben im ersten Quartal 2027 in Serie gehen – dann lässt sich prüfen, ob die angekündigte Leistung von unabhängiger Seite bestätigt wird. Und die europäische Ausschreibung für die KI-Gigafabriken läuft; ob ein deutscher Standort zum Zug kommt und wofür die 805 Millionen Euro aus dem deutschen Sondervermögen konkret eingesetzt werden, entscheidet sich erst danach.

Wie beurteilen Sie den Ausbau von KI-Rechenzentren in Deutschland – zu langsam, angemessen oder zu energieintensiv? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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