Auch in Berlin protestiert: Greenpeace erwartet bis 2030 bis zu 27 Milliarden Liter Kühlwasser pro Jahr in Deutschland

Das Wichtigste in Kürze

  • Die niederländische Polizei meldet 150 bis 200 Festnahmen, nachdem Protestierende am 6. November 2026 die Baustelle eines geplanten Microsoft-Rechenzentrums in Amsterdam besetzt hatten.
  • Parallel demonstrierten Gruppen der Kampagne „Stop Dirty Data Centres“ in mindestens 15 Ländern, darunter auch in Berlin-Mariendorf.
  • Eine Kurzstudie des Öko-Instituts für Greenpeace rechnet damit, dass der Kühlwasserbedarf deutscher Rechenzentren von 13 Milliarden Litern (2025) auf bis zu 27 Milliarden Liter im Jahr 2030 steigen könnte; der Branchenverband Bitkom verweist dagegen auf einen sinkenden Wasserverbrauch pro Anlage.

Am Freitag besetzten Hunderte Aktivistinnen und Aktivisten eine Microsoft-Baustelle in Amsterdam, die Polizei meldete 150 bis 200 Festnahmen. Parallel protestierten Gruppen in 15 Ländern, auch in Berlin, gegen den Ausbau von Rechenzentren.

Die niederländische Polizei erklärte, die Festgenommenen würden des Hausfriedensbruchs verdächtigt. Microsoft teilte mit, man sei über die Demonstration informiert, respektiere das Recht auf friedliche Meinungsäußerung, dulde aber keine rechtswidrigen Handlungen oder Aktionen, die Menschen gefährden.

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Der Protest war nach Angaben der Organisatoren der Auftakt zu einer zweitägigen, europaweiten Aktion gegen den schnellen Ausbau von Rechenzentren für Cloud- und KI-Dienste. Für deutsche Leser ist das keine reine Auslandsmeldung: Eine am selben Wochenende veröffentlichte Studie beziffert erstmals, wie viel Trinkwasser der Rechenzentrums-Boom hierzulande kosten könnte.

Besetzte Baustelle, Kran, Leuchtfackeln

Im Amsterdamer Stadtteil Sloterdijk drangen am Freitagnachmittag mehrere hundert Protestierende auf die Baustelle eines geplanten Microsoft-Rechenzentrums ein. Einige kletterten auf einen Baukran und zündeten Leuchtfackeln, es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. Am späten Nachmittag räumten Einsatzkräfte das Gelände.

Organisiert wurde die Aktion von der niederländischen Gruppe „Geef Tegengas“ („Push Back“). Die Dachkampagne „Stop Dirty Data Centres“ spricht von rund 100 beteiligten Organisationen in 15 Ländern, die an diesem Wochenende erstmals europaweit gemeinsam auftraten – unter anderem auch in London und Wien.

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Berlin-Mariendorf: erste Aktion dieser Art in der Hauptstadt

In Berlin versammelten sich am selben Tag nach Angaben der Veranstalter 15 bis 20 Protestierende vor zwei Rechenzentren auf dem eingezäunten Gelände eines ehemaligen Gaskraftwerks im Stadtteil Mariendorf. Betrieben werden die Anlagen von den Colocation-Anbietern NTT Data und Virtus; nach Fertigstellung sollen sie zusammen mehr als 100 Megawatt IT-Leistung erreichen – das entspricht grob dem Stromverbrauch mehrerer zehntausend Haushalte.

Organisiert hatte die Aktion die Interventionistische Linke. Ihre Sprecherin Caro Weber sagte, man wolle den Konzernen „ein wenig Angst einjagen“ und kritisierte die aus ihrer Sicht fehlende demokratische Kontrolle über die Nutzung der Anlagen. Nach ihren Angaben sagte der Betreiber einen ursprünglich geplanten Tag der offenen Tür aus Sicherheitsgründen ab. Owen Espley, Koordinator von „Stop Dirty Data Centres“, erklärte, Nachbarschaften träten nun europaweit politisch auf.

„Das kann lokal durchaus desaströse Effekte haben.“

Linda Klapdor, Greenpeace-Expertin

13 Milliarden Liter heute, bis zu 27 Milliarden Liter 2030

Was in Berlin und Amsterdam auf der Straße verhandelt wird, hat das Öko-Institut im Auftrag von Greenpeace in Zahlen gefasst. Laut der am 2. November 2026 veröffentlichten Kurzstudie verbrauchten deutsche Rechenzentren 2025 rund 13 Milliarden Liter Wasser zur Kühlung – das entspricht laut Studie dem Trinkwasserbedarf von etwa 275.000 Menschen oder dem Volumen des Berliner Wannsees.

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Bis 2030 könnte der Bedarf auf bis zu 27 Milliarden Liter pro Jahr steigen, rund doppelt so viel wie heute. Grundlage ist die Annahme, dass der Stromverbrauch der Rechenzentren von 26 Terawattstunden (2025) auf mindestens 55 Terawattstunden wächst, vor allem durch neue KI-Anlagen. Die Bundesregierung plant nach Angaben der Studie, die gesamte Rechenzentrumskapazität in Deutschland bis 2030 mehr als zu verdoppeln; rund 30 Großprojekte mit jeweils über einem Gigawatt Anschlussleistung sind demnach in Planung, während bisherige Anlagen meist unter fünf Megawatt liegen.

Was ein einzelnes Großprojekt kostet

  • Anschlussleistung: 100 Megawatt IT-Leistung, wie sie laut Studie bei neuen Großprojekten üblich wird.
  • Wasserbedarf je nach Kühltechnik: 200 bis 930 Millionen Liter pro Jahr.
  • Vergleich: entspricht dem Trinkwasserbedarf von rund 4.400 bis 20.000 Menschen – je nachdem, ob wassersparende Kühlung eingesetzt wird.

Mit reiner Luftkühlung ließe sich der Wasserverbrauch laut Öko-Institut theoretisch sogar auf null senken, allerdings auf Kosten eines höheren Stromverbrauchs. Die Spannbreite zeigt: Nicht die Rechenleistung allein entscheidet über den Wasserbedarf, sondern die gewählte Technik.

Die Datengrundlage ist dabei lückenhaft: Von rund 1.200 meldepflichtigen Rechenzentren in Deutschland kamen nur 484 Betreiber der Meldepflicht für 2025 nach, 319 veröffentlichten ihre Daten im Register – nach einer Plausibilitätsprüfung blieben 139 Datensätze für die Auswertung übrig. Greenpeace fordert deshalb verpflichtende Wassergutachten vor jeder Genehmigung, ein Verbot wasserintensiver Anlagen in trockenen Regionen und Sanktionen bei fehlenden Meldungen.

Bitkom: Verbrauch pro Anlage sinkt bereits

Der Digitalverband Bitkom zeichnet in einer eigenen Mitteilung vom 3. November 2026 ein anderes Bild: Der sogenannte WUE-Wert – der Wasserverbrauch pro Kilowattstunde Anschlussleistung – sei laut EU-Register von 0,55 (2023) auf 0,4 (2025) gesunken. 65 Prozent der deutschen Rechenzentren hätten demnach einen „sehr geringen direkten Wasserverbrauch“ von höchstens 0,1 Litern pro Kilowattstunde.

Investiert wurde laut Bitkom 2026 mit 23,5 Milliarden Euro rund 57 Prozent mehr als im Vorjahr; der Energieverbrauch der Branche soll von rund 23 Milliarden Kilowattstunden 2026 auf 35 bis 38 Milliarden Kilowattstunden 2030 steigen. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst erklärte dazu: „Der KI-Wettbewerb ist auch ein Wettbewerb um Rechenleistung.“ Der Verband fordert günstigen Strom, geeignete Flächen und schnellere Genehmigungen, verweist aber auch auf ein eigenes Interesse der Betreiber an sparsamer Technik.

Zwischen den beiden Zahlenwerken liegt kein Widerspruch in den Rohdaten, sondern ein Unterschied in der Perspektive: Greenpeace rechnet den absoluten Gesamtverbrauch durch den geplanten Kapazitätsausbau hoch, Bitkom verweist auf die sinkende Effizienz je Anlage. Beides kann gleichzeitig zutreffen, wenn die Zahl und Größe der Anlagen schneller wächst, als die Effizienz pro Anlage steigt.

Worauf Anwohner bei einem geplanten Rechenzentrum achten können

  • Welche Kühltechnik ist vorgesehen – und wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung samt Wassergutachten veröffentlicht?
  • Welche Anschlussleistung in Megawatt ist geplant, und aus welcher Wasserquelle soll gekühlt werden?
  • Gibt es ein öffentliches Beteiligungsverfahren, und wann endet die Einspruchsfrist?
  • Welche Angaben macht der örtliche Wasserversorger zu Kapazität und Trockenheitsrisiko in der Region?

Welche Rolle der Wasser- und Stromverbrauch von Rechenzentren bei der Standortwahl in Ihrer Region spielen sollte, können Sie uns gerne in den Kommentaren schreiben.

Häufige Fragen

Warum protestierten Aktivistinnen und Aktivisten gegen das Microsoft-Rechenzentrum in Amsterdam?

Die Protestierenden kritisieren den schnellen Ausbau von Rechenzentren für Cloud- und KI-Dienste, insbesondere deren Strom- und Wasserverbrauch sowie fehlende öffentliche Kontrolle. Die niederländische Polizei meldete 150 bis 200 Festnahmen wegen Hausfriedensbruchs.

Wie viel Wasser verbrauchen Rechenzentren in Deutschland?

Laut einer Kurzstudie des Öko-Instituts für Greenpeace waren es 2025 rund 13 Milliarden Liter Kühlwasser, bis 2030 könnten es bis zu 27 Milliarden Liter werden.

Sieht das die Branche auch so?

Nein. Der Digitalverband Bitkom verweist darauf, dass der Wasserverbrauch pro Rechenzentrum sinke und 65 Prozent der Anlagen bereits sehr wenig Wasser benötigten.

Gab es auch in Deutschland Protestaktionen?

Ja. In Berlin-Mariendorf demonstrierten nach Veranstalterangaben 15 bis 20 Menschen vor zwei im Bau befindlichen Rechenzentren – nach eigenen Angaben die erste Aktion dieser Art in der Hauptstadt.

Quellen und Stand

Recherche- und Datenstand: 7. November 2026.

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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