Das Wichtigste in Kürze
- Informationsverarbeitungsgeräte kosteten im Juli 2026 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 9,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Geräte der Unterhaltungselektronik wurden im selben Zeitraum 4,0 Prozent billiger, Haushaltsgeräte 2,0 Prozent.
- Bei einzelnen Bauteilen fällt der Aufschlag um ein Vielfaches größer aus: Ein 32-Gigabyte-Kit DDR5-6000 kostet Mitte August zwischen 475 und 540 Euro – im September 2025 waren es rund 114 Euro.
- Ursache ist die Verlagerung der Fertigungskapazität auf Speicher für KI-Rechenzentren. SK hynix meldete für das zweite Quartal 2026 eine operative Marge von 76 Prozent.
- Gartner erwartet für 2026 im Schnitt 17 Prozent höhere PC-Preise und 10,4 Prozent weniger ausgelieferte Geräte.
- 37 Prozent der Gamerinnen und Gamer in Deutschland haben nach einer Bitkom-Umfrage geplante Hardware-Käufe verschoben – am häufigsten den Arbeitsspeicher.
Seit Jahrzehnten galt in der Preisstatistik eine schlichte Regel: Computer werden billiger. Diese Regel gilt derzeit nicht. Nach den endgültigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes vom 12. August 2026 verteuerten sich Informationsverarbeitungsgeräte im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,6 Prozent. Die Behörde nennt sie in derselben Mitteilung in einem Atemzug mit Tabakwaren (+6,0 Prozent) – als Beispiel für Waren, die „deutlich teurer“ wurden.
Bemerkenswert ist der Kontrast innerhalb der Elektronik. Geräte der Unterhaltungselektronik kosteten 4,0 Prozent weniger als im Juli 2025, Haushaltsgeräte 2,0 Prozent weniger. Alle Gebrauchsgüter zusammengenommen lagen nur 0,3 Prozent über dem Vorjahr. Der Preisanstieg ist also kein allgemeiner Elektroniktrend, sondern konzentriert sich auf eine Gerätegruppe – und deren Ursache lässt sich bis auf einzelne Bauteile herunterbrechen.
Eine Gerätegruppe läuft aus der Reihe

Der Wert ist kein einmaliger Ausschlag. In der Mitteilung zum Juni 2026 stand für dieselbe Gruppe ebenfalls ein Plus von 9,6 Prozent, im Mai waren es 6,3 Prozent. Innerhalb von zwei Monaten hat sich die Jahresteuerung dieser Warengruppe also um gut die Hälfte erhöht und verharrt seitdem auf dem neuen Niveau.
Zum Vergleich: Die Gesamtinflation lag im Juli bei 2,8 Prozent, Waren insgesamt verteuerten sich um 2,5 Prozent. Der Computer im Warenkorb steigt damit rund viermal so schnell wie der Warenkorb selbst.
Im Regal sieht die Rechnung noch einmal anders aus
Wer in diesen Tagen einen Rechner aufrüstet, erlebt einen deutlich größeren Sprung als 9,6 Prozent. Die Fachredaktion PC Games Hardware verfolgt die Marktpreise seit September 2025 und kommt für den 15. August 2026 auf einen durchschnittlichen Aufschlag von 345 Prozent bei Arbeitsspeicher, 126 Prozent bei SSDs und 129 Prozent bei Festplatten. ComputerBase führt eine eigene Erhebung mit einem anderen Produktkorb und kam Mitte Juli auf 311 Prozent bei RAM, 118 Prozent bei SSDs und 125 Prozent bei Festplatten.

Die Zahlen beider Erhebungen weichen voneinander ab, widersprechen sich aber nicht: Sie beobachten unterschiedliche Produkte zu unterschiedlichen Stichtagen. Die Richtung ist in beiden Fällen dieselbe, und die Größenordnung ebenfalls.
Konkret heißt das an einzelnen Produkten: Ein 32-Gigabyte-Kit DDR5-6000 CL30 kostet nach der Erhebung von PC Games Hardware Mitte August zwischen 475 und 540 Euro, 64-Gigabyte-Kits überschreiten die Tausend-Euro-Marke. Die folgenden Einzelwerte stammen aus derselben Erhebung, Stichtag 15. August 2026, Vergleichszeitpunkt September 2025:
| Produkt | September 2025 | 15. August 2026 | Faktor |
|---|---|---|---|
| Kingston Fury Beast, 32 GB DDR5-6000 CL30 | 114 € | 523 € | 4,6 |
| G.Skill Trident Z5 Neo RGB, 32 GB DDR5 | 122 € | 539 € | 4,4 |
| Kingston NV3, 1 TB NVMe-SSD | 50 € | 145 € | 2,9 |
| Samsung 990 Evo Plus, 1 TB NVMe-SSD | 75 € | 180 € | 2,4 |
| Toshiba MG09ACA, 18 TB Festplatte | 288 € | 839 € | 2,9 |
| Seagate Barracuda, 24 TB Festplatte | 308 € | 805 € | 2,6 |
Die zweite Erhebung bestätigt das Bild an anderen Produkten: Bei ComputerBase stieg ein Crucial-Pro-Modul mit 32 Gigabyte DDR5 von 83,69 Euro auf 416,05 Euro. DDR4-Module verteuerten sich dort mit rund 170 Prozent spürbar schwächer als DDR5 – ein 32-Gigabyte-Kit DDR4-3200 ist derzeit ab etwa 210 Euro zu haben und damit die günstigere, aber technisch ältere Ausweichlösung.
Rechenbeispiel: dieselben zwei Bauteile, elf Monate später
- 32 GB DDR5-6000 (Kingston Fury Beast): September 2025 rund 114 €, Mitte August 2026 rund 523 € – 409 € mehr
- 1 TB NVMe-SSD (Kingston NV3): September 2025 rund 50 €, Mitte August 2026 rund 145 € – 95 € mehr
- Summe für beide Teile: von rund 164 € auf rund 668 € – ein Aufschlag von rund 504 €
Marktpreise nach der Erhebung von PC Games Hardware, Stand 15. August 2026.
Warum der amtliche Index niedriger ausfällt als der Kassenbon
Zwischen 9,6 Prozent und mehreren hundert Prozent klafft eine Lücke, die sich erklären lässt. Der Verbraucherpreisindex misst nicht denselben Gegenstand wie ein Preisvergleichsportal. Er bildet einen festen Warenkorb ab, in dem fertige Geräte ein weit größeres Gewicht haben als einzeln gekaufte Bauteile – und er ist qualitätsbereinigt.
Das Statistische Bundesamt beschreibt dieses Verfahren offen: Bei Desktop-PCs, Notebooks, Druckern, Festplatten, Prozessoren, Arbeitsspeicher, Servern, Smartphones und Tablets kommt die sogenannte hedonische Qualitätsbereinigung zum Einsatz. Dabei wird per Regression berechnet, welchen Anteil einzelne Produktmerkmale am Preis haben. Bekommt ein Nachfolgemodell mehr Speicher, wird dieser Zugewinn herausgerechnet und nicht als Preissteigerung gezählt.
Diese Methode ist statistisch begründet und wird international angewandt. Für Käufer hat sie jedoch eine Nebenwirkung: Wenn Hersteller auf steigende Kosten reagieren, indem sie Geräte mit weniger Speicher zum bisherigen Preis anbieten, taucht das im Index als Qualitätsminderung auf – und damit sehr wohl als Preissteigerung. Was der Index nicht abbildet, ist der Fall des Aufrüsters, der genau ein Bauteil kauft und dessen Preis sich vervierfacht hat. Eine separate Reihe für einzelne Komponenten weist die Behörde in ihren Pressemitteilungen nicht aus.
Der Speicher wandert in die Rechenzentren
Die Ursache liegt nicht im Handel, sondern in der Fertigung. Der Marktforscher TrendForce beschreibt in einer Analyse vom 22. Juni 2026, dass die drei großen DRAM-Hersteller ihre fortschrittlichen Fertigungsknoten auf HBM-Speicher und Server-DRAM konzentrieren, um die KI-Infrastruktur zu bedienen. Für ältere Generationen wie DDR4 bleibt entsprechend weniger Kapazität übrig. Die Folge ist eine Verdrängungskette nach unten: Nach Darstellung des Marktforschers ersetzen Gerätehersteller DDR4 zunehmend durch DDR3 und DDR3 durch DDR2 – für DDR2 erwartet TrendForce nach einem Plus von 55 bis 60 Prozent im zweiten Quartal einen weiteren Anstieg von 35 bis 40 Prozent im dritten.
Für die Kontraktpreise, zu denen Gerätehersteller einkaufen, erwartete TrendForce am 3. Juli 2026 im dritten Quartal ein Plus von 13 bis 18 Prozent bei DRAM und von 10 bis 15 Prozent bei NAND-Flash. In derselben Analyse heißt es, Kunden aus den Consumer-Märkten – PCs und Smartphones – erreichten mit den Rekord-Kontraktpreisen die Grenze dessen, was sie sich leisten können.
Wie eng der Zusammenhang mit dem KI-Ausbau ist, zeigt sich auch an den Standorten selbst: In Frankfurt, dem größten Rechenzentrumsmarkt Europas, ist die Leerstandsquote nach einer NETZ-TRENDS-Recherche auf 3,1 Prozent gefallen, während Netzanschlüsse zwei Jahre und länger dauern. Der Engpass bei Speicherchips und der Engpass bei Rechenzentrumsfläche haben dieselbe Ursache.
Bei den Herstellern kommt das Geld an
Was für Käufer eine Kostenfrage ist, ist für die Speicherhersteller das beste Jahr ihrer Geschichte. SK hynix meldete am 28. Juli 2026 für das zweite Quartal einen Umsatz von 79,32 Billionen Won und einen Betriebsgewinn von 60,54 Billionen Won – eine operative Marge von 76 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresquartal stieg der Umsatz nach Unternehmensangaben um 257 Prozent, der Betriebsgewinn um 557 Prozent. Erstmals überschritt der Halbjahresumsatz die Marke von 100 Billionen Won.
Samsung berichtete für dasselbe Quartal ein Rekordergebnis mit 171,5 Billionen Won Umsatz und 89,5 Billionen Won Betriebsgewinn; das Speichergeschäft erreichte nach Unternehmensangaben einen historischen Höchststand. Beide Konzerne verweisen auf langfristige Lieferverträge: SK hynix hat nach eigener Darstellung Abkommen mit rund zehn Kunden abgeschlossen, um die Versorgung mittel- bis langfristig abzusichern.
Diese Verträge sind der Grund, warum eine schnelle Entspannung unwahrscheinlich ist. Kapazität, die für Jahre an Cloud-Anbieter gebunden ist, steht dem Endkundenmarkt nicht zur Verfügung. Samsung selbst rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die Versorgungsengpässe anhalten – besonders bei hochwertigen Produkten wie HBM4 und DDR5.
Was Käufer in Deutschland daraus machen
Die Reaktion der Kundschaft ist messbar. Der Digitalverband Bitkom veröffentlichte am 4. August 2026 eine Umfrage, nach der 37 Prozent der Gamerinnen und Gamer wegen der gestiegenen Preise geplante Hardware-Käufe verschoben haben. 11 Prozent kauften trotz der Erhöhungen wie geplant. Am häufigsten aufgeschoben wurde der Arbeitsspeicher, genannt von 16 Prozent, vor Konsolen (9 Prozent), Grafikkarten (8 Prozent) und Festplatten (6 Prozent).
Die Erhebung stammt von Bitkom Research, telefonisch befragt wurden nach Verbandsangaben 1.205 Personen ab 16 Jahren, darunter 663 Spielerinnen und Spieler, in den Kalenderwochen 20 bis 24 des Jahres 2026. Der Verband führt die Entwicklung auf den KI-Boom und die dadurch gestiegene weltweite Nachfrage nach Halbleitern zurück. Bitkom vertritt die Interessen der Digitalwirtschaft; die Zahlen sind eine Verbandserhebung, keine amtliche Statistik.
Der Marktforscher Gartner hatte die Entwicklung bereits am 26. Februar 2026 prognostiziert: PCs sollten im Jahresverlauf im Schnitt rund 17 Prozent teurer werden, Mobiltelefone rund 13 Prozent. Die weltweiten PC-Auslieferungen erwartet Gartner 10,4 Prozent unter dem Vorjahr, bei Smartphones 8,4 Prozent – nach Einschätzung der Analysten der stärkste Rückgang seit über einem Jahrzehnt. Für das Einsteigersegment fällt die Prognose noch deutlicher aus: Notebooks unter 500 US-Dollar sollen bis 2028 verschwinden, weil Speicher inzwischen fast ein Viertel der Herstellkosten ausmacht.
Wer die Rechnung zahlt – und was offenbleibt
Einordnung: Was in den Zahlen nicht steht
- Keine amtliche Komponentenreihe. Das Statistische Bundesamt weist in seinen Mitteilungen keinen gesonderten Wert für einzeln gekaufte Bauteile aus. Wer Arbeitsspeicher nachkauft, findet seine Preiserfahrung in der offiziellen Zahl nicht wieder.
- Keine Aufschlüsselung der Aufschläge. Weder Hersteller noch Marktforscher beziffern, welcher Anteil der Preissteigerung auf Knappheit und welcher auf Marge entfällt. Die von SK hynix selbst berichtete operative Marge von 76 Prozent ist der einzige öffentlich belegte Anhaltspunkt.
- Kein Datum für eine Entspannung. Weder Gartner noch TrendForce nennen einen Zeitpunkt, zu dem die Preise wieder fallen. Samsung erwartet anhaltende Engpässe.
- Keine Verbraucherposition. Eine Stellungnahme deutscher Verbraucherschutzorganisationen zur Speicherpreisentwicklung war bis Redaktionsschluss nicht auffindbar. Anders als bei Energie- oder Telekommunikationspreisen gibt es hier keine Aufsicht, die Preise prüft – Halbleiter sind ein unregulierter Weltmarkt.
Die Belastung verteilt sich ungleich. Wer alle paar Jahre ein fertiges Notebook kauft, spürt zunächst die Prognose von Gartner: rund 17 Prozent Aufschlag, gestreckt über einen Produktzyklus, teilweise verdeckt durch geringere Ausstattung. Wer dagegen einen vorhandenen Rechner am Leben hält – die günstigere und ressourcenschonendere Variante –, zahlt den vollen Bauteilpreis. Ausgerechnet die sparsamere Nutzung wird derzeit am stärksten verteuert.
Betroffen sind auch Gruppen, die in der Debatte selten vorkommen: Schulen und Vereine, die gebrauchte Geräte aufrüsten, kleine Betriebe mit eigener Serverhardware, und alle, die Datensicherungen auf Festplatten vorhalten – deren Preis sich nach beiden Erhebungen mehr als verdoppelt hat.
Dass gleichzeitig die Energiepreise als zentraler Treiber der Gesamtinflation gelten, hat NETZ-TRENDS anhand derselben Juli-Statistik im Zusammenhang mit dem CO₂-Preis aufgeschlüsselt. Die Speicherpreise sind in dieser Statistik der stille Posten: klein im Gewicht des Warenkorbs, groß in der Wirkung für jeden, der gerade Technik braucht.
Was als Nächstes ansteht
Die nächsten belegbaren Wegmarken liegen nah beieinander. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die endgültigen Verbraucherpreise nach eigener Angabe stets bis zur Mitte des Folgemonats; die Zahlen für August 2026 sind damit für Mitte September zu erwarten, eine vorläufige Schätzung bereits Ende August. Dann zeigt sich, ob die 9,6 Prozent den vorläufigen Höhepunkt markieren oder ob die Kontraktpreissteigerungen des dritten Quartals nachlaufend in den Endkundenpreisen ankommen.
Für dieses dritte Quartal erwartet TrendForce weitere 13 bis 18 Prozent bei DRAM und 10 bis 15 Prozent bei NAND. Da Kontraktpreise den Handel mit Verzögerung erreichen, ist die Erhöhung für den Herbst bereits angelegt. Eine Gegenbewegung ist nach den vorliegenden Prognosen frühestens dann möglich, wenn neue Fertigungskapazität in Betrieb geht – SK hynix und Samsung haben entsprechende Ausbauschritte angekündigt, deren Wirkung sich erst 2027 zeigen dürfte. Für Server-DRAM erwartet TrendForce bereits für 2027 erneut eine Knappheit.
Haben Sie einen geplanten Computerkauf oder eine Aufrüstung wegen der Speicherpreise verschoben – oder trotzdem zugeschlagen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 283 vom 12. August 2026, „Inflationsrate im Juli 2026 bei +2,8 %“
- Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 243 vom 10. Juli 2026 (Juni 2026) und Pressemitteilung Nr. 199 vom 12. Juni 2026 (Mai 2026)
- Statistisches Bundesamt: Methodenerläuterung „Qualitätsbereinigung in der amtlichen Preisstatistik“
- TrendForce: Analysen vom 22. Juni 2026 (Consumer-DRAM), 3. Juli 2026 (Kontraktpreise 3Q26) und 9. Juli 2026 (Server-DRAM)
- SK hynix: Mitteilung zu den Ergebnissen des zweiten Quartals 2026 vom 28. Juli 2026
- Samsung Electronics: Mitteilung zu den Ergebnissen des zweiten Quartals 2026
- Gartner: Pressemitteilung vom 26. Februar 2026 zu Speicherkosten, PC- und Smartphone-Auslieferungen
- Bitkom e. V.: Presseinformation vom 4. August 2026 zu verschobenen Hardware-Käufen (Befragung von Bitkom Research, 1.205 Personen ab 16 Jahren, KW 20–24/2026)
- PC Games Hardware: Preiserhebung zu RAM, SSD und HDD, Stand 15. August 2026
- ComputerBase: Preiserhebung zu Speicherprodukten, Stand 15. Juli 2026
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.