Das Wichtigste in Kürze
- Südkorea führte im August 2026 nach Angaben seines Handelsministeriums Waren im Wert von 98,25 Milliarden US-Dollar aus, 68,7 Prozent mehr als im August 2025. Auf Halbleiter entfielen davon 46,65 Milliarden Dollar – ein Plus von 209 Prozent und fast die Hälfte aller Ausfuhren.
- Der Gesamtwert liegt trotzdem unter dem von Juni (102,25 Milliarden) und Juli (98,89 Milliarden). Die Kraftfahrzeugausfuhren sanken um 29,8 Prozent auf 3,85 Milliarden Dollar.
- Auf die EU entfielen nach denselben Angaben 6,62 Milliarden Dollar – gegenüber 24,1 Milliarden für die Volksrepublik China und 16,5 Milliarden für die Vereinigten Staaten.
Das südkoreanische Ministerium für Handel, Industrie und Ressourcen hat am Dienstagmorgen koreanischer Zeit die Außenhandelszahlen für August 2026 vorgelegt. Die ersten Meldungen dazu erschienen um 9.15 Uhr Ortszeit – 2.15 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Der Wert, der aus solchen Veröffentlichungen an den Finanzmärkten hängen bleibt, ist die Gesamtausfuhr: 98,25 Milliarden US-Dollar, 68,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die von der Nachrichtenagentur Reuters erhobene Erwartung von Fachleuten hatte bei 62,6 Prozent gelegen.
Interessanter als die Gesamtzahl ist ihre Zusammensetzung. Nach den Ministeriumsangaben, die die Nachrichtenagentur Yonhap und koreanische Wirtschaftsmedien übereinstimmend wiedergeben, entfielen 46,65 Milliarden Dollar allein auf Halbleiter – ein Zuwachs von 209 Prozent gegenüber dem August 2025. Das ist nach diesen Angaben der bislang höchste gemeldete Monatswert für diese Warengruppe – er übertrifft den bisherigen Höchststand von 44,8 Milliarden Dollar aus dem Juni – und der dritte Monat in Folge über 40 Milliarden Dollar.
Fast die Hälfte der Ausfuhren besteht aus Chips
Rechnet man beide Zahlen gegeneinander, ergibt sich ein Anteil von 47,5 Prozent: Fast jeder zweite Dollar, den Südkorea im August im Export eingenommen hat, stammt aus dem Verkauf von Halbleitern. Im Juli lag dieser Anteil bei 41,5 Prozent, im Juni bei 43,8 Prozent.
Das Ministerium begründet den Sprung mit den Ausgaben großer Rechenzentrumsbetreiber für Infrastruktur für künstliche Intelligenz und nennt dabei nach Wiedergabe durch Yonhap ausdrücklich Google und Amazon. Belege für diese Zuordnung – etwa Bestelldaten oder Verträge – enthalten die vorliegenden Wiedergaben der Meldung nicht. Es handelt sich um die Einschätzung der Behörde und nicht um einen Befund, der sich aus einer Handelsstatistik ableiten ließe.
Wie stark die Chips inzwischen alles Übrige überlagern, zeigt der Vergleich der vergangenen drei Monate.

Der Rekord bei den Halbleitern fällt mit einem Rückgang der Gesamtsumme zusammen
Der August war nicht der stärkste Monat des Jahres. Im Juni hatte Südkorea nach der Mitteilung des Ministeriums vom 1. Juli 2026 erstmals mehr als 100 Milliarden Dollar in einem Monat ausgeführt – 102,25 Milliarden, nach Darstellung der Behörde als viertes Land nach Deutschland, der Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten. Auf Halbleiter entfielen im Juni 44,8 Milliarden Dollar; auf diesen Wert bezieht sich die aktuelle Meldung als bisherigen Höchststand. Im Juli waren es laut der Mitteilung vom 3. August 2026 98,89 Milliarden Dollar, davon 41,01 Milliarden Halbleiter.
Zieht man die Halbleiter jeweils ab, bleiben für Juni 57,45, für Juli 57,88 und für August 51,60 Milliarden Dollar übrig. Der Rest der südkoreanischen Ausfuhr war im August also niedriger als in den beiden Vormonaten, während die Halbleiter einen neuen Höchstwert erreichten. Ein Teil davon ist Kalender: Der August 2026 hatte nach den Reuters vorliegenden Ministeriumsangaben 22 Arbeitstage gegenüber 22,5 im August 2025, je Arbeitstag gerechnet lag das Plus deshalb bei 72,5 statt bei 68,7 Prozent. Wie viele Arbeitstage Juni und Juli 2026 hatten, geht aus den vorliegenden Wiedergaben nicht hervor – der Monatsvergleich innerhalb des Jahres 2026 bleibt insoweit unscharf.
Kraftfahrzeuge fallen um fast ein Drittel
Unterhalb der Halbleiter laufen die Warengruppen weit auseinander. Die folgende Übersicht fasst die vom Ministerium für August genannten Werte zusammen.
| Warengruppe | August 2026 | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Halbleiter | 46,65 Mrd. $ | +209,0 % |
| Mineralölerzeugnisse | 6,84 Mrd. $ | +65,3 % |
| Computer und Zubehör | 6,24 Mrd. $ | +419,5 % |
| Petrochemische Erzeugnisse | 3,86 Mrd. $ | +12,2 % |
| Kraftfahrzeuge | 3,85 Mrd. $ | −29,8 % |
| Drahtlose Kommunikationsgeräte | 1,88 Mrd. $ | +21,2 % |
| Kosmetik | 1,31 Mrd. $ | +52,1 % |
Den Rückgang bei den Kraftfahrzeugen um 29,8 Prozent führt das Ministerium nach Wiedergabe durch Yonhap auf weniger Arbeitstage wegen der Sommerferien und auf Arbeitsniederlegungen im Zusammenhang mit Lohnverhandlungen zurück. Auch das ist die Darstellung der Behörde; eine Aufteilung des Rückgangs auf beide Ursachen enthalten die vorliegenden Wiedergaben nicht.
Europa ist in dieser Statistik ein kleiner Posten
Nach Zielregionen gliedert das Ministerium den August so auf: Volksrepublik China 24,1 Milliarden Dollar (plus 119,3 Prozent), ASEAN-Staaten 19,09 Milliarden, Vereinigte Staaten 16,5 Milliarden (plus 89,3 Prozent), EU 6,62 Milliarden, Naher Osten 1,19 Milliarden. Die EU liegt damit bei 6,7 Prozent der gesamten südkoreanischen Ausfuhr des Monats.
Die genannten Regionen ergeben zusammen 67,5 Milliarden Dollar. Die übrigen rund 30,7 Milliarden verteilen sich auf Zielmärkte, die in den vorliegenden Wiedergaben nicht einzeln ausgewiesen sind – Japan, Indien und Lateinamerika etwa kommen dort nicht vor. Wer aus den fünf genannten Werten eine Rangfolge aller Handelspartner ableiten will, geht deshalb über das hinaus, was die Veröffentlichung hergibt.
Was diese Zahlen sind – und was nicht
Das südkoreanische Ministerium legt seine Außenhandelszahlen jeweils zu Beginn des Folgemonats vor – die Juni-Zahlen am 1. Juli, die Juli-Zahlen am 3. August, die August-Zahlen am 1. September. Das ist früh, und der Preis dafür ist die Vorläufigkeit: Die Handelsbilanz von 34,75 Milliarden Dollar wird in der Reuters-Meldung ausdrücklich als vorläufiger Wert geführt.
Alle Beträge sind Werte in US-Dollar, nicht preisbereinigte Mengen. Ein Anstieg um 209 Prozent bei den Halbleitern beschreibt deshalb den Wert der ausgeführten Chips, nicht deren Stückzahl. Mengenangaben kommen in den vorliegenden Wiedergaben nicht vor – Preis- und Mengeneffekt lassen sich in dieser Zahl nicht voneinander trennen.
Warum das für Speicherpreise in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Rolle spielt
Was in Seoul als Ausfuhrrekord erscheint, ist auf der anderen Seite des Marktes eine Rechnung, die jemand bezahlt. Wie sich diese Rechnung entwickelt, beschreibt das taiwanische Marktforschungsunternehmen TrendForce – und seine Erwartung ist die Kehrseite der koreanischen Meldung.
TrendForce erwartet nach seiner Analyse vom 3. Juli 2026 für das dritte Quartal 2026 einen Anstieg der Vertragspreise für herkömmliches DRAM um 13 bis 18 Prozent gegenüber dem Vorquartal und für NAND-Flash um 10 bis 15 Prozent. Für ältere Speicherbauarten fällt die Erwartung noch deutlicher aus: In einer Einschätzung vom 22. Juni 2026 nennt das Unternehmen für DDR2-Speicher ein Plus von 35 bis 40 Prozent im dritten Quartal, nach 55 bis 60 Prozent im zweiten.
Die Begründung, die TrendForce dafür gibt, ist die Kehrseite der koreanischen Rekordmeldung: Die drei großen DRAM-Hersteller verlagerten Fertigungskapazität auf Speicher mit hoher Bandbreite und auf Serverspeicher; für ältere Fertigungsgenerationen bleibe entsprechend weniger übrig. Hersteller von Personalcomputern und Smartphones stünden dadurch vor Vertragspreisen auf Rekordniveau, und Smartphone-Anbieter müssten höhere Endkundenpreise verlangen, um die gestiegenen Speicherkosten auszugleichen.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens sind das Vertragspreise zwischen Herstellern und Großabnehmern, nicht Ladenpreise: Was ein Haushalt in Deutschland, Österreich oder der Schweiz für ein Speichermodul zahlt, folgt diesen Werten mit Verzögerung und in unbekannter Höhe. Zweitens sind die Angaben von TrendForce die Einschätzung eines privaten Marktforschungsunternehmens und keine amtliche Erhebung, die sich unabhängig nachrechnen ließe. Preise kommen in den vorliegenden Wiedergaben der koreanischen Monatsmeldung nicht vor.
Deutschland liefert die Maschinen, Korea verkauft die Chips
Für den deutschsprachigen Raum hat der Halbleiterboom noch eine zweite Seite. Nach einer Länderanalyse der deutschen Bundesagentur Germany Trade & Invest vom 17. März 2025 gingen die deutschen Ausfuhren nach Südkorea 2024 um 4,2 Prozent auf 19,6 Milliarden Euro zurück – die Lieferungen von Anlagen zur Halbleiterfertigung stiegen im selben Zeitraum jedoch um 40 Prozent. Südkorea war damals nach China und Japan das drittwichtigste asiatische Ziel deutscher Ausfuhren.
Wie sich diese Position seither entwickelt hat, ist offen: Die Angaben von Germany Trade & Invest beziehen sich auf das Jahr 2024 und lassen sich mit einer koreanischen Monatsmeldung für August 2026 nicht verrechnen. Sie zeigen aber, an welcher Stelle der Kette Betriebe im deutschsprachigen Raum überhaupt vorkommen – bei den Fertigungsanlagen, kaum bei den Chips selbst. Auf der Nachfrageseite bewegt sich die Hochtechnologie-Fertigung derweil auch anderswo: In der Volksrepublik China lag der entsprechende Teilindex im August bei 52,9 Punkten, während die Industrie insgesamt unter der Wachstumsschwelle blieb – NETZ-TRENDS hat die chinesischen Einkaufsmanagerindizes für August ausgewertet. Wie sich die Einfuhrpreise in Deutschland zuletzt entwickelt haben, steht in unserer Auswertung der Destatis-Zahlen für Juli 2026.
Was die Veröffentlichung offenlässt
Die Zahlen liegen vor, die Deutung dazu fällt knapp aus. Drei Fragen bleiben unbeantwortet.
- Menge oder Preis? Ohne Stückzahlen lässt sich nicht sagen, ob Südkorea mehr Chips verkauft hat oder dieselben Chips teurer. Für die Frage, wie belastbar dieser Boom ist, wäre genau das die entscheidende Angabe.
- Wer bezahlt am Ende? Die Behörde nennt Rechenzentrumsbetreiber als Treiber. Ob und wie deren Beschaffung auf Geräte für Privathaushalte durchschlägt, ist aus der Handelsstatistik nicht abzulesen.
- Wie stabil ist die Verteilung? Bei einem Halbleiteranteil von 47,5 Prozent hängt die Ausfuhrbilanz eines ganzen Landes an einer Warengruppe. Was das für die übrige koreanische Industrie bedeutet, ist keine Frage, die eine Monatsmeldung beantwortet.
Was als Nächstes ansteht
Die kumulierten Ausfuhren des Jahres liegen nach den Ministeriumsangaben bei 693,3 Milliarden Dollar für Januar bis August. Zum Vergleich: 2025 kam Südkorea nach denselben Angaben im gesamten Jahr auf 709,7 Milliarden Dollar; 2024 waren es laut Germany Trade & Invest 684 Milliarden. Nach Wiedergabe durch koreanische Wirtschaftsmedien hält das Ministerium es für wahrscheinlich, dass der Vorjahreswert bereits im September übertroffen wird, und eine Billion Dollar im Gesamtjahr inzwischen für erreichbar. Das ist eine Erwartung der Behörde, keine Feststellung – sie hängt an vier Monaten, die noch nicht stattgefunden haben.
Die Zahlen für September sind nach dem Rhythmus der vergangenen Monate für Anfang Oktober zu erwarten; einen veröffentlichten Terminkalender des Ministeriums konnte NETZ-TRENDS dafür nicht einsehen. Dann zeigt sich, ob die Kraftfahrzeugausfuhren nach dem Ende der Sommerferien zurückkommen und ob der Halbleiteranteil weiter steigt.
Beobachten Sie in Ihrem Umfeld schon höhere Preise für Arbeitsspeicher oder SSDs – oder ist davon bislang nichts angekommen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Ministerium für Handel, Industrie und Ressourcen der Republik Korea: Außenhandelszahlen für August 2026, Veröffentlichung vom 1. September 2026. Die englischsprachige Fassung der Mitteilung war im Pressebereich des Ministeriums bis zum Redaktionsschluss dieses Beitrags am frühen Dienstagmorgen mitteleuropäischer Zeit noch nicht abrufbar. Die Einzelwerte sind der Wiedergabe der Ministeriumsangaben durch die Nachrichtenagentur Yonhap (Meldung vom 1. September 2026) und durch die koreanische Wirtschaftszeitung Asia Business Daily (Meldung vom 1. September 2026) entnommen.
- Ministerium für Handel, Industrie und Ressourcen der Republik Korea: July 2026 Exports Reach $98.89 Billion, Second-Highest on Record, Mitteilung vom 3. August 2026
- Ministerium für Handel, Industrie und Ressourcen der Republik Korea: Korea’s June Exports Top $100 Billion for First Time, Mitteilung vom 1. Juli 2026
- Reuters: Meldung vom 1. September 2026 – für Markterwartung, Arbeitstage und Tagesdurchschnitt
- TrendForce: AI Server Demand Continues to Support Memory Prices in 3Q26, Mitteilung vom 3. Juli 2026
- TrendForce: Consumer DRAM Shortages Extend to DDR2 Products, Mitteilung vom 22. Juni 2026
- Wikimedia Commons: Datei „Silicon wafer.jpg“ – Beitragsbild, dort als gemeinfrei ausgewiesen, Urheber Inductiveload
- Germany Trade & Invest: Südkorea steigt zum sechstgrößten Exporteur weltweit auf, Stand 17. März 2025
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.