Prognose für eine 70-Quadratmeter-Wohnung: Gas 1.120 Euro, Heizöl 1.275 Euro, Wärmepumpe 735 Euro im Jahr
Das Wichtigste in Kürze
- Für das Abrechnungsjahr 2026 erwartet der Heizspiegel in Deutschland bei Heizöl 24 Prozent höhere Kosten (Wohnung: 1.275 Euro), bei Erdgas 4 Prozent niedrigere (1.120 Euro).
- Mit einer Wärmepumpe liegt die Prognose für die 70-Quadratmeter-Wohnung bei 735 Euro, für das 130-Quadratmeter-Einfamilienhaus bei 1.300 Euro, jeweils der niedrigste Wert im Vergleich.
- Rund 90 Prozent der Haushalte können laut co2online Heizkosten senken: im Schnitt etwa 465 Euro in der Wohnung und etwa 1.000 Euro im Einfamilienhaus.
Die Heizsaison beginnt, und die Rechnung für den Winter hängt stark davon ab, womit ein Haushalt in Deutschland heizt. Der am 22. September 2026 veröffentlichte Heizspiegel 2026 der gemeinnützigen co2online (gemeinsam mit dem Deutschen Mieterbund und dem Bauherren-Schutzbund) zeigt: Heizöl und Holzpellets dürften 2026 deutlich teurer werden, Erdgas leicht günstiger, die Wärmepumpe bleibt am billigsten. Stand aller Angaben in diesem Beitrag: 11. Oktober 2026.
Wichtig vorab: Es handelt sich um Prognosen für das Abrechnungsjahr 2026, nicht um bereits gezahlte Rechnungen. Für 2025 weist der Heizspiegel dagegen Ist-Werte aus. Nach Angaben von co2online beruhen die Auswertungen auf zehntausenden Heizkostenabrechnungen, die seit etwa zwanzig Jahren analysiert werden.
Was Heizen in der 70-Quadratmeter-Wohnung kostet
Der Heizspiegel rechnet mit einer Musterwohnung von 70 Quadratmetern in einem Mehrfamilienhaus. Beim Heizöl liegt die Prognose für 2026 bei 1.275 Euro nach 1.030 Euro im Jahr 2025. Das sind rund 245 Euro mehr (eigene Rechnung aus den Heizspiegel-Werten). Erdgas wird dagegen mit 1.120 Euro nach 1.170 Euro angesetzt, rund 50 Euro weniger.
| Energieträger | 2025 (Ist) | 2026 (Prognose) | Veränderung 2026 |
|---|---|---|---|
| Erdgas | 1.170 € | 1.120 € | −4 % |
| Heizöl | 1.030 € | 1.275 € | +24 % |
| Fernwärme | 1.295 € | 1.310 € | +1 % |
| Wärmepumpe | 715 € | 735 € | +3 % |
| Holzpellets | 735 € | 860 € | +17 % |
Zwischen der günstigsten und der teuersten Variante liegen in dieser Musterwohnung 2026 gut 570 Euro: Die Wärmepumpe kommt auf 735 Euro, Fernwärme auf 1.310 Euro (eigene Rechnung). Die Tabelle zeigt Heizkosten. Anschaffungskosten der Heizsysteme enthält sie nicht.
Im Einfamilienhaus fallen die Unterschiede größer aus
Für ein Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern nennt der Heizspiegel für Heizöl 2.745 Euro, das sind 28 Prozent mehr als 2025 (2.145 Euro) und nach eigener Rechnung rund 600 Euro mehr. Bei Erdgas sinkt die Prognose um 5 Prozent auf 1.930 Euro, bei der Wärmepumpe steigt sie um 3 Prozent auf 1.300 Euro. Zwischen Erdgas und Wärmepumpe liegen 2026 damit rund 630 Euro (eigene Rechnung).
| Energieträger | 2025 (Ist) | 2026 (Prognose) | Veränderung 2026 |
|---|---|---|---|
| Erdgas | 2.040 € | 1.930 € | −5 % |
| Heizöl | 2.145 € | 2.745 € | +28 % |
| Fernwärme | 2.040 € | 2.055 € | +1 % |
| Wärmepumpe | 1.260 € | 1.300 € | +3 % |
| Holzpellets | 1.415 € | 1.740 € | +23 % |
Erdgas: heute leicht günstiger, danach womöglich teurer
Zur Prognose passt ein Blick auf die Preise des Statistischen Bundesamts: Haushalte zahlten im ersten Halbjahr 2026 im Schnitt 11,58 Cent je Kilowattstunde Gas. Das sind 5,3 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2025 und 4,5 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025, aber 80,7 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2021. Haushalte mit kleinem Verbrauch (unter 20 Gigajoule im Jahr) zahlten durchschnittlich 15,17 Cent.
co2online warnt allerdings vor einem Dämpfer: Gegen Ende 2026 oder 2027 könnten die Gaskosten wieder steigen, weil zuletzt gestiegene Großhandelspreise zeitversetzt bei den Haushalten ankommen. Hinzu kommen die Netzentgelte. Wie NETZ-TRENDS berichtete, liegen die vorläufigen Gasnetzentgelte 2027 für einen Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden bei 603,47 Euro netto, 1,2 Prozent mehr als zuvor.
Einordnung: Prognose ist nicht Rechnung
Der Heizspiegel erklärt den Anstieg 2025 mit gestiegenen Preisen einzelner Energieträger und einem kälteren Winter. Das Wetter lässt sich für 2026 nicht vorhersagen. Wie hoch die Abrechnung tatsächlich ausfällt, hängt außerdem vom Tarif, der Gebäudedämmung und dem Heizverhalten ab. Die Werte gelten für Musterhaushalte, nicht für den einzelnen Haushalt.
Rund 90 Prozent der Haushalte können sparen
Nach Berechnungen von co2online können etwa 90 Prozent aller Haushalte ihre Heizkosten noch senken. Im Durchschnitt liegt das Potenzial bei etwa 465 Euro pro Jahr in einer Wohnung und etwa 1.000 Euro im Einfamilienhaus. Bundesweit ergibt das nach der Hochrechnung bis zu 24 Milliarden Euro jährlich. Allein durch richtiges Heizen und Lüften sowie weniger Warmwasserverbrauch lasse sich der Verbrauch um bis zu 10 Prozent senken. Größere Einsparungen verlangen Heizungsoptimierung, Dämmung oder den Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme.
Das ist eine Hochrechnung der Organisation, die den Heizspiegel herausgibt, keine Garantie für den einzelnen Haushalt. Ob sich eine Investition rechnet, zeigt erst der Vergleich mit den Anschaffungskosten. Der Bauherren-Schutzbund rät laut Pressemitteilung, beim Heizungstausch neben den Investitionskosten auch Betriebs- und Wartungskosten zu berücksichtigen und ein Modernisierungskonzept zu nutzen, bevor eine Heizung im Winter ausfällt.
Checkliste zum Saisonstart
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gab am 8. Oktober 2026 in ihrer Pressemitteilung „Vor dem ersten Frost“ Hinweise für Haushalte. Manuel Becker von der Energieberatung sagt darin: „Viele Haushalte setzen sich erst mit ihrem Heizenergieverbrauch auseinander, wenn die Abrechnung vorliegt.“ Die Empfehlungen im Überblick:
Praxishinweis: Das empfiehlt die Verbraucherzentrale
- Heizkörper entlüften, nicht zustellen, Thermostate und Heizungssteuerung kontrollieren.
- Warmwasserführende Leitungen in unbeheizten Bereichen dämmen, denn die Dämmung ist laut Verbraucherzentrale oft lückenhaft.
- Abschalt- und Absenkzeiten, Trinkwasserzirkulation und Heizkurve an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Eine zu steile Heizkurve kostet Effizienz.
- Einen hydraulischen Abgleich prüfen, wenn noch keiner erfolgt ist, besonders nach Fenstertausch oder der Dämmung von Dach oder Fassade.
- Verträge kontrollieren: Preis, Preisgarantie, Laufzeit und Kündigungsfristen, dabei auch den Grundpreis beachten, nicht nur den Arbeitspreis. Ein Tarifwechsel kann sich laut Verbraucherzentrale lohnen, besonders aus der Grundversorgung.
Die Pressemitteilung nennt keine konkreten Preise, Förderbeträge oder Fristen. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale ist nach deren Angaben anbieterunabhängig und online, telefonisch, per Video oder persönlich möglich. Für Haushalte mit geringem Einkommen ist sie mit Nachweis kostenfrei. Die bundesweite Hotline lautet 0800 – 809 802 400 (kostenfrei), weitere Informationen gibt es unter verbraucherzentrale-energieberatung.de. Gefördert wird die Beratung nach Angaben der Verbraucherzentrale vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.
Abrechnung prüfen: Aktionswochen in Baden-Württemberg
Wer eine auffällig hohe Nachzahlung erhalten hat, kann sie prüfen lassen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg lädt dazu laut Pressemitteilung vom 5. Oktober 2026 im Oktober und November zu Aktionswochen ein. Persönliche Beratung gibt es in Stuttgart, Freiburg, Friedrichshafen, Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim, Reutlingen und Schwäbisch Hall, mit Terminvereinbarung über das Termin- und Infotelefon 0711 6691-10. Mitzubringen ist die Heizkosten- oder Nebenkostenabrechnung.
Ein kostenloses Online-Seminar mit dem Energieberater Jörg Schmid findet nach Angaben der Verbraucherzentrale am 4. November und am 16. Dezember 2026 jeweils um 18 Uhr statt, eine Anmeldung ist erforderlich. Der Termin am 7. Oktober ist bereits vorbei. Die Pressemitteilung nennt weder konkrete Rechte noch Fristen für Einwände gegen die Abrechnung. Die Frist für Einwände sollte deshalb direkt in einer Beratung geklärt werden.
Was co2online langfristig erwartet
Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online, sagt in der Pressemitteilung: „Das Zeitalter günstiger fossiler Heizenergie ist spätestens seit der Energiekrise vor vier Jahren vorbei.“ Nach der co2online-Heizkostenprognose können sich die Kosten für Gas- und Ölheizungen bis 2045 mehr als verdoppeln. Genannt werden steigende CO₂-Kosten, höhere Netzentgelte und die sogenannte „BioTreppe“ als Treiber. Wärmepumpen dürften langsamer teurer werden und nach Einschätzung von co2online dauerhaft die niedrigsten Kosten haben.
Florian Becker, Bundesdirektor des Deutschen Mieterbunds, sagt laut Pressemitteilung: „Der Heizspiegel zeigt: Gerade fossile Heizungen werden immer mehr zum Kostenrisiko.“ Er fordert klare gesetzliche Regelungen zum Schutz vor zu hohen Heizkosten. Konkrete Vorschläge nennt die Pressemitteilung nicht.
Wie hoch fiel Ihre letzte Heizkostenabrechnung aus, und was haben Sie daraufhin geändert? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- co2online (mit Deutschem Mieterbund und Bauherren-Schutzbund): Pressemitteilung „Heizspiegel 2026“, 22. September 2026
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung Nr. 345 zu den Strom- und Gaspreisen für Haushalte im 1. Halbjahr 2026, 30. September 2026
- Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Pressemitteilung „Vor dem ersten Frost: Was Haushalte jetzt zum Heizen wissen sollten“, 8. Oktober 2026
- Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: Pressemitteilung „Durchblick bei der Heizkostenabrechnung“, 5. Oktober 2026
- NETZ-TRENDS: Gasnetzentgelte 2027 in Deutschland, 11. Oktober 2026
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