Die Tageszeitung The Denver Post aus den USA ist ein Aushängeschild bis heute - trotz Internet

Seit über zehn Jahren berichtet der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) aus dem Haus der Presse in Berlin von Krisenzeiten der deutschen Tageszeitungen. Besonders und frühzeitig deutlich wurde die Krise der Zeitungen auch in einem im Jahr 2001 in der Zeitschrift "Werben und Verkaufen" unter der Schlagzeile "Zeitungen im Würgegriff" geschriebenen Artikel (Autor: Konstantin Korosides). Doch es gibt auch im Jahr 2012 positive Beispiele für starke Tageszeitungen. Eines davon ist in den USA: "The Denver Post".

Die schöne Stadt Denver ist die Hauptstadt des US-Bundesstaates Colorado. Mitten im Zentrum gegenüber vom futuristisch gebauten "Denver Art Museum" residiert die "The Denver Post". Das Gebäude des "Denver Art Museum" ist auch als Frederick C. Hammilton Building bekannt. Er ist ein bekannter Unternehmer aus Denver, der den neuen Museumsbau (im Jahr 2007 eröffnet) maßgeblich finanzierte. Architekten waren das Studio Daniel Libeskind (wie im Berliner Jüdischen Museum) und Davis Partnership Architects.

In einer Diagonale zu diesem bekannten Museum indianischer Kultur residiert also die "The Denver Post". Die bekannte Zeitung wurde im Jahr 1892 von William Dean Singleton und Richard Scudder gegründet und ist immer noch eine Institution in der Stadt und im Land. Sie kann sich acht Pulitzer-Preise rühmen. Den letzten erhielt die Tageszeitung für Craig F. Walker.

Auch wenn die Zeitung "The Denver Post" heute besser dasteht, als viele andere Zeitungen in den USA und weltweit, so erlebte sie doch in den vergangenen 120 Jahren ihrer Geschichte einige Inhaber-Wechsel. Oft waren die Gründe wirtschaftlicher Natur. Der letzte Inhaberwechsel datiert auf das Jahr 1987. Damals kaufte der amerikanische Zeitungskonzern "MediaNews" die "The Denver Post". "MediaNews" (CEO: John Paton) gehört zu den größten US-Unternehmen im Zeitungsmarkt.

Das Unternehmen publiziert nach eigenen Angaben 57 "daily newspapers", also Tageszeitungen (Auflage: 2,3 Mio.; Übersicht unter: medianewsgroup.com/consumers/Pages/OurBrands.aspx) und über 121 "non-daily publications" in 13 US-Bundesstaaten.

Unter "non-daily publications" versteht man das, was in Österreich unter "Regionalen Wochenzeitungen" bekannt ist oder in Deutschland als "Anzeigenblätter" oder "Anzeigenzeitungen", beziehungsweise "Wochenblätter". Die "Media News" ist in den US-Bundesstaaten Kalifornien, Utah, Colorado, Texas, New Mexico, Minnesota, Pennsylvania, Michigan, Massachusetts, New Hampshire und Vermont tätig.

Doch die "The Denver Post" ist mit Abstand das strahlende Aushängeschild für die "MediaNews"-Gruppe und auch unter den sonstigen Tageszeitungen der USA.

Denver Post gehört zu den zwölf größten Tageszeitungen der USA, ist Sonntags größer als die nationale WamS

Die "The Denver Post" bringt es auch im Jahr 2012 immer noch auf erstaunliche 377.026 werktäglich verkaufte Zeitungsexemplare und am Sonntag sogar auf 566.183. Alleine die Sonntagsauflage dieser regionalen Zeitung ist größer als die der deutschen national verbreiten Wochenzeitung "Welt am Sonntag" oder der ebenfalls national verbreiteten "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Kein Wunder, dass die "The Denver Post" werktäglich zu den zwölf größten Tageszeitungen in den USA gehört, am Sonntag sogar zu den zehn größten. Auch die Online-Ausgabe der Zeitung gehört mit 4,5 Mio. Unique Usern zu den Großen der Branche. Insgesamt verfügt die Zeitung über 60 Mio. Page Views, also Seitenaufrufe, pro Monat.

Allerdings sind die "Unique User" in den USA nicht mit jenen in Deutschland von der Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (AGOF) ausgewiesenen "Unique Usern" gleichzusetzen. Auch können keine Parallelen zu den "Visitors" der deutschen Auflagen-Prüfinstanz, der Informationsgemeinschaft "Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) gezogen werden. Dennoch zeigen die 4,5 Mio. ausgewiesenen Leser von denverpost.com: "The Denver Post" ist ebenso im Internet stark.

Keine Frage: "The Denver Post" ist heute immer noch ein Stern am Zeitungshimmel der USA. Dennoch musste sie in den vergangenen Jahren einige Restrukturierungsprogramme durchführen, um sich für die Zukunft gut aufstellen zu können. Denn auch die "Denver Post" hat Auflage verloren, wie so viele Tageszeitungen und Zeitschriften in Deutschland.

So wurde im Jahr 2006 und 2007 der "Newsroom" der "The Denver Post" gestrafft, Mitarbeiter mussten gehen, beispielsweise durch vorzeitigen Ruhestand ("early-retirement packages"). Auch wurden Abfindungen an altgediente Angestellte bezahlt. Das sind ökonomische Programme, wie sie auch unter deutschen Zeitungen oder Zeitschriften, auch im Hörfunk oder Fernsehen, bekannt sind.

Nach wie vor ist es aber kein Zufall, dass die "The Denver Post" in Sichtweise zum Regierungsgebäude Colorados, dem "State Capitol" angesiedelt ist. Eine Treppenstufe des "State Capitol"-Gebäudes rühmt sich, exakt eine Meile über dem Meeresgrund gebaut worden zu sein, also in rund 1.600 Metern Höhe. Diese Lage scheint immer wieder frischen Wind in die Köpfe der Journalisten zu bringen, die bis heute in der Stadt, aber auch in Colorado, die wichtigsten Themen setzen. Dass das so ist, dafür sorgen der Editor Gregory L. Moore, der Managing Editor/Presentations J. Damon Cain sowie Curtis Hubbard, der Editor of the Editorial Pages.

Am Labour Day, dem 3. September, war der Seite-Eins-Aufmacher im Jahr 2012 eine tragische Geschichte über den Mord an einem jungen Mädchen im Jahr 1986: "Witness likely put cops on best road to a killer" (Autor: Kirk Mitchell). Die beiden anderen Artikel widmen sich den Themen "Payouts in fires irking owners" (Autoren: Aldo Svaldi und David Migoya) sowie "Unions work OT to attract younger workers" (Autor: Steve Raabe).

Im dem einen Seite-Eins-Artikel geht es um das Problem der zunehmenden Hurricanes und hailstorms (Hagelschauer), die mittlerweile nicht nur in den Südstaaten der USA schlimme Verheerungen anrichten, sondern auch in Colorado. Hinzu kommen die immer häufiger auftretenden Waldbrände, verursacht durch Hitzeperioden selten gekannten Ausmaßes.

Durch solche Katastrophen wurden im Colorado, berichtete "The Denver Post" über 600 Häuser in den vergangenen Monaten zerstört. Oftmals zahlten aber die Versicherungen nicht. Das möchte nun der Gesetzgeber ändern, um die Verbraucher besser zu schützen. Einer der Befürworter ist der Republikaner-Abgeordnete John Kefalas.

Auch die Seite Zwei ist in der Denver Post einem großen Lokalthema gewidmet. Dem 100. Geburtstag von Lille Magette, zu welchem ihr Helen Sharp, ebenfalls eine ältere Dame, in der "Johnson Center Retirement community" während eines großen Geburtstagsfestes gratulierte. Lille Magette war im Zweiten Weltkrieg während der Invasion der Amerikaner gegen die Deutschen in der Normandie als Krankenpflegerin dabei. Sie kümmerte sich um die verletzten Soldaten der US-Armee. Das zeigt: Die Denver Post treibt zumindest in der gesichteten Ausgabe nicht, wie Deutschlands regionale Tageszeitungen häufig, zum Tausendsten Mal die gleiche politische Sau durchs Dorf. Sie schreibt auch nicht, wie mittlerweile bei deutschen Zeitungen üblich, bis zur Ermüdung die gleichen Geschichten Dank google news oder bing.com news permanent von anderen Zeitungen ab.

Ebenfalls sehr schön: Während deutsche Zeitungen und Zeitschriften häufig erst nach gerichtlichen teuren Auseinandersetzungen bereit sind, Korrekturen vorzunehmen - in der Hoffnung, dass niemand das Finanzabenteuer einer Gerichtsauseinandersetzung eingeht - gehört in US-Zeitungen eine prominente Seite-Zwei-Korrektur-Ecke zum Standard. In der Denver Post heißt das einfach "Corrections". Hier steht: "The Denver Post will correct all errors occuring in its news columns. If you find a problem with a story – an error of fact or a point requiring clarification – please call the city desk at 303-954-1201)."

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