Telemedizin Krankschreibung per WhatsApp: Ärzte kritisieren Geschäftsmodell

Eine Hamburger Firma bietet über einen Online-Service Erkälteten eine Krankschreibung per WhatsApp an. Für neun Euro können sich Erkrankte bis zu drei Tage krankschreiben lassen – ganz ohne Arztbesuch. Ärztekammern kritisieren das Geschäftsmodell.

au-schein.de
Mit dieser freundlichen Dame wirbt die Firma AU-Schein für ihr umstrittenes Geschäftsmodell - der Krankenschein per WhatsApp.

Viele Erkältete können sich jetzt den Gang zum Arzt sparen. Denn seit Anfang Dezember 2018 bietet das Unternehmen AU-Schein die Krankschreibung per WhatsApp an. Überfüllte Wartezimmer und stundenlange Wartezeiten könnten damit bald der Geschichte angehören. [1]

Diagnose "Erkältung" per Telemedizin

Der Online-Service ist auf die Diagnose von Erkältungen spezialisiert. Hierzu muss der Nutzer einige Angaben zu bestimmten Krankheitssymptomen geben. Gefragt wird beispielsweise danach, ob man Fieber habe, Kontakt zu Erkälteten gehabt habe oder unter welchen Erkältungssymptomen man leide. [2]

Anschließend gibt der Nutzer dann noch seine persönlichen Daten ein und lädt ein Foto seiner Versichertenkarte hoch. Anhand der Angaben und gegebenenfalls weiterer Nachfragen stellt dann ein kooperierender Arzt die Arbeitsunfähigkeit fest. Der Patient erhält seine Krankschreibung als Foto und darüber hinaus auf dem Postweg zugesandt.

Krankschreibung nur für drei Tage gültig

Für den Krankenschein per WhatsApp erhebt die Firma eine Pauschalgebühr in Höhe von neun Euro. Die Summe kann bequem per Überweisung, Kreditkarte oder sogar PayPal bezahlt werden. Die Krankschreibung ist allerdings nur für maximal drei Tage gültig.

Der Online-Service kann außerdem nur zwei mal im Jahr pro Patient genutzt werden. Laut dem Gründer von AU-Schein.de, Can Ansay, wolle man damit einem möglichen Missbrauch vorbeugen. Schließlich seien eigenen Umfragen zufolge unter den bislang Krankgeschriebenen "circa zehn Prozent Blaumacher", so Ansay gegenüber heise.de. "Inklusive Dunkelziffer dürfte der Anteil bei 20 Prozent liegen." [3]

Hamburger Ärztekammer übt Kritik an Geschäftsmodell

Der Service wurde vor allem durch die Lockerung des sogenannten Fernbehandlungsverbots ermöglicht, die im Mai 2018 durch den Deutschen Ärztetag beschlossen wurde. [4] Die Neuregelung sieht vor, dass Ärzte "eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien vornehmen dürfen."

Dennoch stößt das Geschäftsmodell rund um den Krankenschein per Whats-App auf Kritik. Der Präsident der Hamburger Ärztekammer, Pedram Emami, erklärte gegenüber dem NDR, dass er es als Arzt problematisch finde, einen Patienten vor einer Krankschreibung nicht persönlich zu sehen. Zudem überprüfe zurzeit die Rechtsabteilung der Hamburger Ärztekammer das umstrittene Geschäftsmodell von au-schein.de [5]

Die Hamburger Ärztekammer verweist auch darauf hin, dass misstrauische Arbeitgeber die Anerkennung des WhatsApp-Krankenscheins verweigern könnten. Dies müsse letztendlich "vor einem Arbeitsgericht entschieden werden", erklärte eine Pressesprecherin gegenüber DPA. [6]

Einzelnachweise:

[1] Erkältet? AU-Schein jetzt per WhatsApp dank Telemedizin von Marcus Werner, in: wiwo.de vom 09. Januar 2019, Abruf am 14. Januar 2019.

[2] AU-Schein.de Symptome, in: au-schein.de, Abruf am 14. Januar 2019.

[3] Krankschreibung per WhatsApp stößt auf Kritik, in: heise.de vom 03. Januar 2019, Abruf am 14. Januar 2019.

[4] Fernbehandlungsverbot gekippt von Rebekka Höhl, in: aerztezeitung.de vom 10. Mai 2018, Abruf am 14. Januar 2019.

[5] Kritik an Krankschreibung per WhatsApp, in: ndr.de vom 02. Januar 2019, Abruf am 14. Januar 2019.

[6] Krankschreibung per WhatsApp: Diese Firma macht es möglich von dpa/ac, in: wr.de vom 09. Januar 2019, Abruf am 14. Januar 2019.


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