Die Stiftung Warentest wertete 157 Kfz-Tarife von 66 Versicherern aus und erwartet für 2027 generell höhere Beiträge
Das Wichtigste in Kürze
- Nach Angaben der Stiftung Warentest kostet die Vollkasko für einen BYD Seal U in Schadenfreiheitsklasse 20 je nach Versicherer 900 bis 2.900 Euro im Jahr, für einen ähnlich ausgestatteten Skoda Enyaq 530 bis 1.120 Euro.
- Als Gründe für höhere Beiträge bei chinesischen E-Autos nennt die Stiftung Ersatzteile, die teils aus Asien beschafft werden müssen, und hohe Typklassen für neue Modelle ohne Schadenerfahrung.
- Für 2027 erwartet Warentest in Deutschland generell höhere Kfz-Beiträge; die Preisunterschiede zwischen den Versicherern bleiben groß, ein Vergleich lohnt sich.
Für die Vollkasko eines BYD Seal U verlangen Versicherer laut Stiftung Warentest 900 bis 2.900 Euro im Jahr, beim Skoda Enyaq sind es 530 bis 1.120 Euro. Wer ein E-Auto kauft, sollte den Beitrag deshalb vor dem Kauf einholen.
Die Zahlen stammen aus der Kfz-Versicherungsauswertung, die die Stiftung Warentest am 24. Oktober 2026 auf test.de veröffentlicht hat. Sie gelten für Deutschland und sind laut Warentest eine Momentaufnahme: Je nach Wohnort, Fahrzeugtyp und Schadenfreiheitsklasse weichen die Beiträge ab.
Der Zeitpunkt passt zur Wechselsaison. Der früher einheitliche Stichtag für Verträge zum Jahreswechsel war der 30. November; viele Versicherer haben das inzwischen geändert, wie die Verbraucherzentrale schreibt. Wie sich Typklassen und Regionalklassen 2027 verändern, steht in unseren Beiträgen zu den Typklassen und zu den Regionalklassen.
Was Warentest verglichen hat
Die Stiftung Warentest hat nach eigenen Angaben 157 Kfz-Haftpflicht- und Kaskotarife von 66 Versicherern ausgewertet. Für E-Autos kamen Daten zu 49 leistungsstarken Tarifen hinzu.
Grundlage sind sechs Pkw-Typen je Kategorie. Bei der Haftpflicht rechnete die Stiftung mit zehn Jahre alten Fahrzeugen, bei der Teilkasko mit sechs Jahre alten und bei der Vollkasko mit Neuwagen, die im ersten Halbjahr 2026 häufig verkauft wurden. Die ausführliche Tarifübersicht und der Vergleichsrechner liegen auf test.de und sind nicht Teil dieses Beitrags.
Zwei E-Autos, zwei Preisspannen
Als Beispiel nennt die Stiftung zwei E-Autos. Für den BYD Seal U in Schadenfreiheitsklasse 20 liegt die Vollkasko je nach Anbieter bei mindestens 900 und höchstens 2.900 Euro im Jahr. Beim ähnlich ausgestatteten Skoda Enyaq reicht die Spanne von 530 bis 1.120 Euro.
| Modell, Vollkasko pro Jahr | Günstigster Tarif | Teuerster Tarif | Abstand |
|---|---|---|---|
| BYD Seal U (Schadenfreiheitsklasse 20) | 900 € | 2.900 € | 2.000 € |
| Skoda Enyaq (ähnlich ausgestattet) | 530 € | 1.120 € | 590 € |
Auffällig ist vor allem die Streuung beim Seal U: Der teuerste Tarif liegt mehr als dreimal so hoch wie der günstigste. Beim Enyaq ist der teuerste Tarif gut doppelt so hoch wie der günstigste. Bei beiden Modellen ist der Abstand zwischen den Anbietern größer als der Abstand zwischen den günstigsten Tarifen der beiden Autos, der 370 Euro beträgt.
Gründe: Ersatzteile und hohe Typklassen
Chinesische E-Autos sind nach der Darstellung der Stiftung oft günstig im Kauf, aber bei der Versicherung teurer. Warentest nennt dafür zwei Punkte: Ersatzteile müssen im Schadensfall teils aufwendig aus Asien beschafft werden, und Versicherer stufen neue Modelle aus China wegen fehlender Schadenerfahrung oft in eine hohe Typklasse ein.
Die Typklassen stammen aus der Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), die laut GDV-Medieninformation rund 33.000 Automodelle umfasst. Für die Versicherer ist sie unverbindlich: Sie kann für Neuverträge sofort und für bestehende Verträge ab dem nächsten Versicherungsjahr angewendet werden. Welche Typklasse BYD- oder Skoda-Modelle konkret haben, nennt der GDV in dieser Mitteilung nicht.
Eine Stellungnahme von BYD oder Skoda zu den Beitragsspannen hat die Redaktion nicht eingeholt. Die Beiträge legen die Versicherer fest, nicht die Hersteller.
2027: Beiträge steigen generell
Unabhängig vom Antrieb erwartet die Stiftung Warentest für 2027 höhere Kfz-Versicherungsbeiträge. Die Typklassen für 2027 hat der GDV am 30. September 2026 veröffentlicht.
„Rund 7,4 Millionen Autofahrende werden in eine höhere und rund 5,1 Millionen in eine niedrigere Typklasse gestuft.“
Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
Diese Zahlen betreffen nach der Mitteilung des GDV die Kfz-Haftpflicht; bei Voll- und Teilkasko behalten 67 Prozent der Versicherten ihre Typklasse. Details dazu liefern unser Beitrag zu den Haftpflicht-Typklassen und der Überblick Teilkasko oder Vollkasko?.
Was die Spanne über fünf Jahre bedeutet
Wie viel ein Vergleich wert sein kann, zeigt eine einfache Rechnung mit den Spannen aus dem Warentest-Beispiel.
Modellrechnung: Abstand zwischen teuerstem und günstigstem Tarif
- Annahme: Die Beiträge bleiben fünf Jahre gleich (angenommen, keine Prognose)
- BYD Seal U: 2.900 Euro minus 900 Euro sind 2.000 Euro im Jahr, in fünf Jahren 10.000 Euro
- Skoda Enyaq: 1.120 Euro minus 530 Euro sind 590 Euro im Jahr, in fünf Jahren 2.950 Euro
Rechenweg: teuerster minus günstigster Jahresbeitrag, mal fünf Jahre. Modellrechnung der Redaktion mit Werten der Stiftung Warentest; Rückstufungen, Rabatte und Beitragserhöhungen sind nicht eingerechnet.
Das sind die Extremwerte der Spanne, nicht der Normalfall. Die Rechnung zeigt aber, warum die Stiftung einen Preisvergleich empfiehlt: Der Unterschied zwischen zwei Angeboten für dasselbe Auto kann hier mehrere tausend Euro ausmachen.
Sparhebel ohne Versicherungswechsel
Die Stiftung nennt mehrere Wege, den Beitrag zu senken, ohne den Versicherer zu wechseln. Die Prozentwerte sind Obergrenzen oder Richtwerte der Stiftung und gelten nicht für jeden Tarif.
- Werkstattbindung: bis zu 20 Prozent Rabatt, dafür repariert nur eine Partnerwerkstatt des Versicherers.
- Jahresfahrleistung: wer weniger Kilometer meldet, spart etwa 5 Prozent, sofern die Angabe stimmt.
- Telematik-Tarif: bis zu 30 Prozent, dafür wird das Fahrverhalten aufgezeichnet.
- Fahrerkreis: Kinder mit eigenem Auto aus der Police streichen.
Der gemeldete Kilometerwert sollte zur tatsächlichen Nutzung passen, sonst kann es im Schadenfall Streit mit dem Versicherer geben.
Kündigungsfrist: Datum in der Police prüfen
Die Verbraucherzentrale schreibt, dass der 30. November früher der einheitliche Kündigungstermin war und viele Versicherer das geändert haben. Sie rät, in der eigenen Police nachzusehen. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen und innerhalb der Kündigungsfrist beim Versicherer ankommen.
Ein Sonderkündigungsrecht besteht laut Verbraucherzentrale unter anderem, wenn der Beitrag steigt, sowie bei Änderungen am Schadenfreiheitsrabatt-System, an der Tarifstruktur und an den Bedingungen. Was beim Rabattschutz zu beachten ist, erklärt der Beitrag zum Wechsel der Kfz-Versicherung.
Fünf Punkte vor dem Abschluss
Wer ein E-Auto kaufen oder die Versicherung wechseln will, kann vor der Entscheidung diese Punkte abarbeiten.
Checkliste vor dem E-Auto-Kauf
- Beitrag vorab einholen: Für das gewünschte Modell mehrere Vollkasko-Angebote anfragen, bevor der Kaufvertrag unterschrieben wird.
- Angebote vergleichen: Selbstbeteiligung, Schutzumfang und Schadenfreiheitsklasse in jedem Angebot gleich ansetzen.
- Kündigungsdatum prüfen: Das Ablaufdatum der laufenden Police nachsehen und die Frist ernst nehmen.
- Rabatte abwägen: Werkstattbindung und Telematik senken den Beitrag, schränken aber die Wahl der Werkstatt oder die Privatsphäre ein.
- Schutz zum Auto wählen: Ältere, wenig wertvolle Autos reichen laut Warentest oft mit Teilkasko, neue und teure Fahrzeuge profitieren eher von der Vollkasko.
Wer die Anschaffung eines E-Autos plant, findet in unserem Beitrag zur E-Auto-Prämie die aktuellen Herstellerangebote. Die Versicherung gehört in dieselbe Kostenrechnung wie Kaufpreis, Ladekosten und Leasingrate.
Häufige Fragen
Was kostet die Vollkasko für einen BYD Seal U laut Warentest?
Je nach Versicherer mindestens 900 Euro und höchstens 2.900 Euro im Jahr, bei Schadenfreiheitsklasse 20. Die Zahlen nennt die Stiftung Warentest in ihrem Vergleich vom 24. Oktober 2026.
Warum kann die Vollkasko bei chinesischen E-Autos teurer sein?
Die Stiftung nennt zwei Gründe: Ersatzteile müssen im Schadensfall teils aus Asien beschafft werden, und neue Modelle aus China werden wegen fehlender Schadenerfahrung oft in hohe Typklassen eingestuft.
Wie viele Tarife hat die Stiftung Warentest untersucht?
157 Kfz-Haftpflicht- und Kaskotarife von 66 Versicherern; für E-Autos kamen Daten zu 49 leistungsstarken Tarifen hinzu.
Bis wann kann ich die Kfz-Versicherung kündigen?
Das hängt von der eigenen Police ab. Der 30. November war früher der einheitliche Stichtag, viele Versicherer haben das nach Angaben der Verbraucherzentrale geändert.
Haben Sie bei Ihrem E-Auto die Versicherung vor dem Kauf verglichen – und wie groß war der Unterschied zwischen den Angeboten? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Stiftung Warentest: Kfz-Versicherungen im Vergleich: Bei manchen E-Autos zahlen Fahrer in der Vollkasko drauf, veröffentlicht am 24. Oktober 2026, abgerufen am 26. Oktober 2026.
- Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: Medieninformation zu den Typklassen in der Kfz-Versicherung, zuletzt aktualisiert am 30. September 2026, abgerufen am 26. Oktober 2026.
- Verbraucherzentrale: Kfz-Versicherung: Pflicht für alle Halter von Kraftfahrzeugen, Seitenstand 4. November 2025, abgerufen am 26. Oktober 2026.
Recherche- und Quellenstand: 26. Oktober 2026.
Transparenz: KI-Unterstützung
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.