44 Mrd. Dollar: Milliardär Richard Kinder baut größte Pipeline-Industrie in den USA mit Kinder Morgan Inc. (KMI)

Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt davon, wonach es sich um eine tiefgreifende Konsolidierung in den USA handele. Schon heute wird das Vermögen von Richard Kinder, der als Chief Executive Officer von Kinder Morgan Inc. fungiert, auf rund 10 Milliarden US-Dollar geschätzt, sein jährliches Einkommen liegt zwischen 100 bis 500 Millionen US-Dollar - allerdings ausschließlich an Dividenden:

Foto: kinder morgan
Pipeline der Kinder Morgan Company in den USA.

Durch Übernahmen will der aus Houston, Texas, stammende amerikanische Milliardär Richard Kinder (69) mit dem von ihm Co-gegründeten Pipeline-Unternehmen für Öl-und Gasprodukte, Kinder Morgan Inc. (KMI), das größte Pipeline-System für Öl und Gas in Nordamerika bauen.

Als Gehalt bezahlt sich Richard Kinder symbolisch einen Dollar. Das neue Öl-Pipeline-Imperium von Kinder umfasst im Zentrum die Kinder Morgan Inc. (KMI). Sie plant wiederum bislang überwiegend eigenständige weitere Unternehmen zu übernehmen - darunter die Kinder Morgan Energy Partners LP (KMP), die Kinder Morgan Management LLC (KMR) sowie die El Paso Pipeline Partners LP (EPB).

Das Gesamtvolumen der nun geplanten Kinder-Transaktionen in der Pipeline-Industrie solle rund 44 Milliarden US-Dollar umfassen, heißt es. Richard Kinder selber besitzt eine 24-Prozent-Beteiligung an der Kinder-Muttergesellschaft, der Kinder Morgan Inc. (KMI). Allerdings gilt so eine Beteiligung auch in den USA nicht als vetoberechtigt, ist aber dennoch entsprechend einflussreich.

Im Zentrum der jetzigen Konsolidierung und Zusammenführung des Öl-Imperiums Kinder steht der Drang, Kosten zu sparen und steuerliche Vorteile stärker als bislang geltend machen zu können. Gleichzeitig sollen Hierarchien eingespart werden und damit die Unternehmensstruktur erheblich vereinfacht werden. Aus dem Unternehmens-Umfeld heißt es, wonach die Streichung bestimmter Hierarchie-Ebenen im Unternehmen im Gespräch sei.

Doch mit der Kinder-Pipeline-Konsolidierung ist nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Vielmehr möchte der Öl-Konzern auf weitere Expansion gehen und peile zusätzliche Akquisitionen an. Dies teilte das Unternehmen am Sonntag über seine Webseite mit.

Der jetzige Schritt von Richard Kinder kommt allerdings nicht ganz freiwillig. Vielmehr war zuletzt der Druck durch Investoren auf ihn gestiegen, endlich für mehr Effizienz seines von ihm mit gegründeten Pipeline-Imperiums zu sorgen. Dazu könnte laut Bloomberg auch gehören, dass sich die Unternehmens-Gruppe in weniger profitablen Geschäftsbereichen künftig engagiert.

Hierzu gehört beispielsweise das Öltanker-Geschäft. Mit der Übernahme von Tankern und deren Betrieb schaffte es nach dem Zweiten Weltkrieg (WWW II) beispielsweise der griechische Milliardär Aristoteles Onassis in den 1950er und 60er Jahren zum reichsten Menschen auf dem Planeten aufzusteigen. Seine Liaison mit der griechischen Operndiva Maria Callas und später mit Jacky Kennedy-Onassis gilt als legendär. Aristoteles Tochter Christina Onassis starb 1988 unter nicht restlos geklärten Umständen bei einem Besuch in Buenos Aires in Argentinien im Jahr 1988.

Beim jetzt anstehenden Kinder-Deal zieht ist auch die Investmentbank Tudor Pickering Holt & Co. involviert.

Der steigende Investoren-Druck auf Kinder liegt auch daran, dass Konkurrenten wie Williams Cos. (WMB) oder Enterprise-Produkte Partners LP (EPD) höhere Renditen für die Geldgeber abwarfen. So schüttete Kinder in den vergangenen drei Jahren zwar eine hervorragende Rendite von 73 Prozent aus. Doch: Die Konkurrenten von Kinder - darunter Williams Cos. (WMB) oder Enterprise Products Partners LP (EPD) - beglückten Anleger in den vergangenen drei Jahren mit jeweils 221 Prozent, beziehungsweise 130 Prozent Rendite.

Dass plötzlich wieder erhebliche Bewegungen in das Geschäft mit dem Transport und der Lagerung von Öl und Gas in den USA kommt, liegt auch an dem Fracking-Boom in den USA, also an dem Schiefer-Boom. Seit fünf Jahren hechelt die Branche von Rekord zu Rekord. Damit stieg der Bedarf nach adäquaten Transportmöglichkeiten für Öl und Gas - eben nach Pipelines.

Wie stark das Kinder-Imperium weiter wächst, ist noch nicht klar. Doch gelten Akquisitionsziele von potentiell 120 Energie-Unternehmen als eine Option. Ihr Marktwert liegt derzeit bei 875 Milliarden US-Dollar. Dies habe Kinder, schreibt Bloomberg, in einer Unternehmenspräsentation potentiellen Investoren mitgeteilt.

Bekannt ist auch, dass das bisherige Pipeline-System in den USA nicht groß genug ist, die zusätzlich geförderten Mengen an Öl und Gas zu transportieren. Deshalb steht ein Investitionsvolumen im Umfang von 640 Milliarden US-Dollar im Raum - sowohl für neue Pipelines als auch Lagertanks. Der Plan ist, eine umfangreiche Erweiterung der amerikanischen Öl- und Gas-Infrastruktur bis zum Jahr 2035 hinzubekommen.

Eine Konsolidierung des Kinder-Imperiums sei aus Sicht von Investoren dringend geboten. Im Raum stehen, heißt es, alleine in den nächsten 14 Jahren Steuerverbindlichkeiten von 20 Milliarden Dollar.

Klappt die engere Verzahnung der Kinder-Unternehmen im Öl- und Gasgeschäft, könnte am Ende ein Pipeline-Transport-Unternehmen stehen, welches über 80.000 Meilen Pipelines verfügt.

Laut Bloomberg seien die folgenden Banken und Rechtsanwaltskanzleien in den Kinder-Deal involviert: Barclays und Citi berieten die Kinder-Muttergesellschaft. Der Rechtsbeistand werde durch Weil Gotshal & Manges sowie Bracewell & Giuliani gestellt. Auch die in Ländern wie Deutschland in Internet-Akquisitionen involvierte Investmentbank Jefferies sei involviert. Hinzu kämen noch Baker Botts als Rechtsberater, welche bereits in der Vergangenheit bei Öl-Transaktionen involviert waren.

Unternehmens-Porträt Kinder (entsprechend Angaben auf der Webseite des Unternehmens):

Kinder Morgan ist der größte Midstream-und das viertgrößte Energieunternehmen (basierend auf Unternehmenswert) in Nordamerika. Kinder habe derzeit "ein Interesse an rund 80.000 Meilen von Rohrleitungen und 180-Terminals". Dabei transportieren die Kinder-Pipelines Erdgas. Weitere Geschäftsfelder seien die Mineralölverarbeitung, die Herstellung von Rohöl oder Kohlendioxid (CO 2). Hinzu kämen die Bereiche Benzin, Düsentreibstoff, Ethanol, Kohle, Petrolkoks oder Stahl:

Kinder schreibt: "In den meisten unserer Geschäfte betreiben wir eine Art riesige Mautstraße und erhalten ein Honorar für unsere Leistungen, in der Regel die Vermeidung von Rohstoffpreisrisiken. Zu unseren Kunden zählen die großen Ölgesellschaften, Energieproduzenten und Verlader, lokale Verteilerunternehmen und Unternehmen in vielen Branchen. Wir investieren Milliarden von Dollar pro Jahr, um neue Energie-Infrastruktur-Management-Programme durch Integrität aufzubauen und erweitern vorhandene Vermögen und bedienen unser Vermögen sicher".

Dabei bestehe die Kinder Morgan-Firmenfamilie aus vier börsennotierten Unternehmen:

Kinder Morgan, Inc. (NYSE: KMI), Kinder Morgan Energy Partners, LP (NYSE: KMP) (eines der größten börsennotierten Pipeline Master Limited Partnerships in Amerika), Kinder Morgan Management, LLC (NYSE: KMR) und El Paso Pipeline Partners (NYSE: EPB). Kombiniert brächten es die Kinder Morgan-Unternehmen auf einen Unternehmenswert von rund 110 Milliarden Dollar.