Neue Zeitschrift Instyle Men - Blattkritik

Da ich, männliches Wesen, erst in meinem kürzlichen Karibik-Urlaub durchaus mit Begeisterung neben Spiegel, Stern, Geo und meinem eBook (900 Seiten The Pillars of the Earth von Ken Follet - zum vierten Mal gelesen...) immer und immer wieder die Instyle - eigentlich für Frauen - durchgeblättert, gelesen und die vielen interessanten Produktbilder, aber auch attraktiven Mode- und Modelbilder angeschaut habe, dachte ich mir: Mal schauen, ob die neue Zeitschrift Instyle Men (Herbstausgabe; 3,50 Copypreis am Kiosk; Verleger: Dr. Hubert Burda) genauso gut ist. Hier eine Netz-Trends.de-Blattkritik:

Am Flughafen München sah ich zufällig Instyle Men in der Fensterauslage - eine neue Zeitschrift für Männer aus dem Verlag Hubert Burda. Das machte mich neugierig.

Zunächst einmal: Ich bin ein Fan der langjährigen BUNTE-Chefredakteurin Patricia Riekel. Auf Empfängen ist sie zwar manchmal etwas unterkühlt, aber als Blattmacherin schätze ich sie sehr. Sie hat die Bunte zu einer Marke gemacht. Sie hat mit ihren Redakteurinnen und Redakteuren - für deren Auswahl sie schon immer ein gutes Händchen hatte - auch die Instyle in gut zehn Jahren zu einem der besten deutschen People-Magazine gemacht, welches sich ohne Probleme weltweit mit den besten ähnlichen Magazinen messen kann.

Dabei hat sich Instyle für Frauen von einem anfänglichen Beauty- und Promi-Tratsch-Magazin immer mehr zu einem wirklich guten Style-Guide entwickelt. Ob Klamotten für Frauen, Uhren, Brillen - Instyle für Frauen bringt selbst einem Mann bei, worauf man bei Frauen zu achten hat. Um nicht zu sagen: Ich lerne es erst jetzt einigermaßen (auch was modisch zu mir passt... nach bald 20 Jahren der Fehlgriffe).

So warf ich zum ersten Mal einen ernsten zumindest eingebildeten fachmännischen Blick auf das, was denn so das weibliche Geschöpf da so in meinem 5-Sterne Urlaubshotel Melia Tropical auf der Dominikanischen Republik anhatte (meinen besten Freund, mit dem ich hier war, konnte ich von meinen Modekritiken jedenfalls nicht sonderlich begeistern): Hier zogen sich die Frauen morgens komplett anders an, als man sie abends wieder am Buffet oder in einem der zahlreichen Restaurants oder Chill-Launches auf dem Hotel-Catwalk antraf - ist mir noch nie zuvor aufgefallen.

Auch wenn man die meisten Deutschen an den furchtbar ernsten Mienen hundert Meter entfernt weltweit selbst in entlegensten Hotels erkennt, so fiel mir auf: Durchaus viele deutsche Frauen sind mittlerweile im Urlaub unglaublich gut gekleidet. Galt in den 90er Jahren noch die starke modische Zurückhaltung bei vielen, wird jetzt selbst im Urlaub gezeigt, dass Geld für Mode vorhanden ist und Mut zur Mode. Wer behauptet, italienische Frauen wären immer so top gekleidet, deutsche aber nicht, der lebt etwas in der Vergangenheit.

Jedenfalls hatte ich mir nun ähnliches wie von Instyle für Frauen von Instyle Men erhofft: Einen coolen Styleguide, der mir hilft, mich im Büro einmal anders anzuziehen als klassisch im Anzug oder in Jeans und Pullover. Doch was ich fand war eher enttäuschend. Geht gar nicht: Wie gezeichnete Strickmuster präsentierte Hemden, Jacken oder Hosen. Wollte man hier an Models sparen? Falls ja: Dafür möchte ich nicht 3,50 Euro pro Heft bezahlen.

Was mich an Instyle für Frauen faszinierte, war die teils unglaublich cool inszenierte Mode nicht nur im redaktionellen Teil sondern auch und gerade im Anzeigenteil. Mal war das Papier etwas dicker, dann konnte man von Parfüms durch Hinwegziehen eines Pflaster-Strips an edlen Gerüchten sich erfreuen. Wow, das geht alles im Internet nicht.

Erstmals bin ich - nein, ich kriege keinen Cent für diese Blattkritik von Burda - über die mir bis dahin komplett unbekannte Kleidermarke Olymp gestolpert. Auch hier habe ich den Mehrwert an Printanzeigen einmal mehr zu schätzen gelernt. Ich liebe edles satiniert-glänzendes dickeres Papier auf dem mir super Mode entgegenspringt - cool, distanziert und doch so nah. Schön fand ich, dass in der Olymp-Anzeigenstrecke, die ich ähnlich im Männerheft von Instyle wiederfand, mir gesagt wurde, in welcher Stadt und in welchem Geschäft ich die Mode finden könnte (ich werde garantiert mich da einmal eindecken).

So viel mir an der Instyle für Frauen gefällt, so wenig sagt mir leider bislang das Zeitschriften-Projekt Instyle Men zu: Redaktionell komplett langweilig enttäuschte mich Instyle Men. Ob es daran liegt, dass Riekel ihre Frauen-Garde antreten hat lassen? Ich weiß es nicht, es könnte aber einer der Gründe sein. Chefredakteurin ist jedenfalls Annette Weber. Stellvertretende Chefredakteurin ist Marianne von Waldenfels. Executive Editor ist Corinna Gräfin von Bassewitz, die Art Direction liegt in Nicole Wagners Hand, für die Mode zeichnet Anneke Krieglsteiner verantwortlich. Als Chefreporter findet sich Angelika Otto im Instyle Men Impressum. Für die Foto-Redaktion (Bild) wird Hendrike Tesch genannt. Anzeigenleiterin ist Tanja Kautz, Geschäftsführerin Manuela Kampp-Wirtz.

Ich muss gestehen: Nicht eine einzige Geschichte fesselte mein Auge, mein Interesse. Ich blätterte drei Mal durch, vier Mal - nichts, was mich innehalten ließ. Das gleiche galt aber oftmals auch für den Anzeigenteil - langweilig. Oftmals wirken die Models komplett deplatziert. Beispiel Boss: Ob sich die Modemarke einen Gefallen tut, die eigene Mode in einem eher ungewöhnlich exotischen Umfeld zu verkaufen? Auch die Omega-Anzeige war mir zu technisch. Ich möchte doch die Uhr sehen, nicht primär die Technik.

Überhaupt die Präsentation der Mode: Mir sind zu viele verschrobene Typen abgebildet - also eher Typen, wie man als Mann nicht unbedingt sein möchte. Beispiel im Heft Instyle Men Herbst 2013: Es fängt gleich mit der blonden Schmalzlocke auf Seite 11 an - genauso möchten doch die meisten Männer nicht sein. Deshalb blätterte ich auch gleich darüber hinweg. Das gleiche mit den zwei Typen auf Seite 14 im Dezember-Heft: Welcher Soap Opera sind diese beiden lockigen Nerv-Typen entstiegen? Was mich ebenfalls stört an der Instyle Men: Warum sehe ich überall Typen mit Hochwasserhosen. Haarige Beine und eine Hochwasserhose - das geht ja mal gar nicht. Warum präsentiert Ihr mir das?

Wenig überzeugen auch die Modestrecken ab Seite 20: Was juckt bitte einen deutschen Leser der UK-Moderator Nick Grimsh... wie??? Erstens kennt den kein Mensch in Deutschland und zweitens turnt sein cremefarbener Anzug mega ab. Er taugt weder fürs Business noch fürs Chillen. Schlimm zudem: Der hierzulande ebenfalls wohl komplett unbekannte "Parfumeur Ben Gorham". Nicht nur, dass das Foto peinlich herausgesucht ist - der Typ steht da, als warte er dringend darauf, die nächste Herrentoilette ausfindig zu machen.

Auch komplett uninteressant das nicht attraktive Model mit dem Namen Gabriel Aubry in "karierten Hemd und Jeans, beides von Rag & Bone". Ob dieser Mann nun spazieren geht oder nicht, ist doch total Banane. Außerdem ist Karo out - das war vor zehn Jahren in. Akzeptiert wird es unter Männern derzeit nur noch auf dem Oktoberfest - kombiniert nicht mit Jeans, sondern einer Lederhose.

Zudem: Bitte verschont doch die Männer in Deutschland mit diesem Rehaugen-Kid Aston Kutcher in einem Modeheft für Männer. Nicht nur, dass er eher dicklich wirkt und nicht gerade vorbildlich gut durchtrainiert. Auch seine in Instyle Men in der Herbstausgabe abgebildete Jeans wirkt wie aus Omas Kleiderschrank entkramt.

Ebenfalls den deutschen Geschmack wenig ansprechend sind die knallig-farbigen Anzüge der Instyle Men ab Seite 38: Das ist Mode, die ich zuletzt auf der Hochzeit von Rufus Wainwright auf Long Island gesehen habe. Während Yoko Ono schlicht in schwarz und weiß gekleidet war (ihr Sohn dafür umso überdrehter stets mit Hut), wollten sich mit solch knalligen Teilen einige mir nicht bekannte Künstler in Szene setzen.

Am besten ist das pic mit Fußballer David Beckham in der Instyle Men: Der Mann sieht einfach immer klasse aus und hat einen hervorragenden Modegeschmack - nie tuckig-überkandidelt und trotzdem extra, eigen, souverän, cool. Yeah!

Was mir auch gefehlt hat, ist ein Vorwort in der Instyle Men. Ich möchte schon von einer Person direkt angesprochen werden und auf das Heft vorbereitet werden. Das gefällt mir beispielsweise an der Bunten immer sehr gut - wenn Patricia Riekel mir ein bisschen das Heft und die Geschichten, die Hintergründe, erklärt und mich da etwas an die Hand nimmt. Schließlich kennt sich nicht jeder mit allen Fassetten der Modetrends oder Promis aus.

Nicht begeistert bin ich zudem vom Zeitschriftenformat der neuen Instyle Men. Wenn ich es recht entsinne, ist die Instyle für Frauen etwas höher - was mir persönlich besser gefällt, da es edler wirkt. Fazit: Das Projekt Instyle Men hat Potential aber nicht auf diesem Niveau. Die nächsten Ausgaben kaufe ich leider erst mal nicht mehr, werde aber vielleicht ab und an wieder in die Instyle für Frauen einen Blick werfen... in der Hoffnung, dass die Redaktion der Instyle Men noch die Kurve bekommt - gemeinsam mit den Anzeigenkunden, die für mich in so einer Zeitschrift dazu gehören.

Cool ist es jedenfalls, dass auch im Zeitalter der digitalen Medien es immer wieder mutige Verleger, Redakteure und Verlagsleute gibt, uns mit neuen Zeitschriften zu beglücken. Aber die Qualitätsansprüche sind sicherlich eher gestiegen als gesunken. Denn billigen auch schlechten Content gibt es im Netz ausreichend.

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