Sparen Betriebliche Altersvorsorge ist die beste Private Altersvorsorge / Ein Finanzfachmann erklärt warum

Finanz- und Versicherungsfachmann FRIEDRICH WIEDEMANN im Gespräch mit netz-trends.de

Foto: netz-trends.de
Wer so auch im hohen Alter speisen möchte, sollte gut und in jungem Alter anfangen vorzusorgen.
Mittlerweile wissen wir: Die Staatliche Rente ist nicht mehr sicher. Deshalb ist private Altersvorsorge auch für junge Verbraucher notwendiger denn je. Nur: Wie netz-trends.de mehrfach beispielsweise anhand vom Heidelberger Versicherungsvermittler MLP vermittelter Altersvorsorgeprodukten (wie der Fondsgebundenen Lebensversicherung) berichtet hat, müssen Verbraucher sehr genau hinschauen, was sie abschließen und wie gut das Altersvorsorgeprodukt dann tatsächlich funktioniert. Sonst droht die große Altersvorsorge-Pleite. Rund 5 bis 8 Prozent des Nettoeinkommens sollten für die Private Altersvorsorge zurückgelegt werden, erklärt der
Wie tückisch die Private Altersvorsorge ablaufen kann, wenn man nicht genau hinschaut, dokumentiert ein netz-trends.de-Artikel. In ihm schildert ein ehemaliger Student der Wirtschaftsingenieurs-Wissenschaften der TU Karlsruhe, wie böse er sich sowohl von MLP wie durch die vermittelten Altersvorsorge-Versicherungsprodukte abgezockt fühlte. Von circa 103.000 Euro, die er für die Altersvorsorge in 12 bis 15 Jahren überwiesen hatte, waren im August 2012 gearde noch circa 83.000 Euro übrig. Mehr als 30 Prozent waren von den Versicherungen sowie von MLP als "Kosten" einbehalten worden. Auf dem Sparbuch hätte er mit nur 2 Prozent Verzinsung heute circa 25.000 mehr auf dem Konto. So schlimm hätte es wohl mit seiner Betrieblichen Altersvorsorge, die der Staat ebenfalls steuerlich fördert, nicht ausgesehen. Der Finanz- und Versicherungsfachmann Friedrich Wiedemann erklärt, was ein solches Produkt durchaus für Anleger attraktiv macht.

netz-trends.de: Warum ist es für festangestellte Arbeitnehmer sinnvoll, eine Betriebliche Altersvorsorge abzuschließen?

Friedrich Wiedemann: Grundsätzlich sollte sich heute jeder Mensch nicht nur Gedanken über seine Altersversorgung machen, sondern diese so früh als möglich bewusst und sorgsam einrichten. Nur so kann jeder für sich sicherstellen, auch die Zeit nach dem langen Erwerbsleben zu einer erlebnisreichen und schönen Zeit werden zu lassen. Auch, wenn gerade viele junge Menschen das Rentenalter noch weit von sich entfernt sehen, sollten sie doch nicht vergessen: Je länger die Ansparphase desto besser. Die Ansparzeit und der Zinseszins-Effekt sind die wichtigsten Faktoren beim Aufbau einer soliden Altersversorge.

Wenn junge Menschen, die gerade ihr Studium oder ihre Berufsausbildung abgeschlossen haben, direkt mit Eintritt in das Berufsleben anfangen, in eine betriebliche Altersversorgung in Form der Entgeltumwandlung zu sparen, können die erwirtschafteten Zinsen und Überschüsse einen beträchtlichen Kapitalstock aufbauen helfen, aus dem dann die spätere (Zusatz-)Rente lebenslang gezahlt werden kann. Grundsätzlich ist es für jeden Arbeitnehmer besonders sinnvoll, sich für eine betriebliche Altersversorgung zu entscheiden.

Auf die Einrichtung einer sogenannten Entgeltumwandlung hat jeder Arbeitnehmer gemäß § 1a Betriebsrentengesetz einen Rechtsanspruch. Hier wird mit der Lohnbuchhaltung vereinbart, dass Teile des Bruttoentgelts in eine Altersversorgung, z.B. in eine Rentenversicherung fließen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Der Staat fördert die Altersversorgung gewaltig, indem er auf den Beitragsanteil auf die Beiträge zu den Sozialversicherungen, auf die Einkommens- und ggf. den Einzug der Kirchensteuer sowie auf den Solidaritätszuschlag verzichtet. Genau diese Aspekte machen diese Form der Altersvorsorge besonders effektiv.

Ab welchem Euro-Beitrag monatlich lohnt sich eine Betriebliche Altersvorsorge?

Es gilt der Grundsatz: Je eher man in die eigene Altersvorsorge einsteigt, desto geringer können die Sparraten ausfallen. Im Umkehrschluss müssen die Älteren unter uns, die noch immer von einer ansehnlichen Rente nur träumen, schon deutlich tiefer in die Tasche greifen, um die gewünschte Rente zusammenzusparen. Der notwendige Beitrag lässt sich aus der gewünschten Rentenhöhe sowie dem Alter bei Beginn der Beitragszahlung berechnen. Damit eine wahrnehmbare Zusatzrente erwirtschaftet werden kann, sollte man etwa 8-10% des Nettoeinkommens aufwenden.

Durch die eingangs genannten Förderungen in der Entgeltumwandlung liegt der eigentlich zu zahlende Nettobeitrag niedriger. Mir klingt immer meiner Omas Spruch im Ohr: "Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not.“ Wer kann, sollte weniger konsumieren und soviel sparen, wie es eben geht. Da die staatlichen Förderungen allerdings nur begrenzt zur Verfügung stehen können, ist der maximal mögliche Beitrag für die Entgeltumwandlung auf 4% der gültigen Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung begrenzt und beträgt in diesem Jahr 232 Euro pro Monat.

Wie lange sollte man eine Betriebliche Altersvorsorge ansparen?

Die "Spielregeln" zur geförderten Altersversorgung legt natürlich der Staat fest. Die Untergrenze für den Versicherungsablauf der betrieblichen Altersversorgung legt der Staat bei 60 Jahren fest. Ich empfehle die Ansparphase regelmäßig auf das gesetzlich festgelegte Rentenbeginnalter, das heute (noch) bei 67 Jahren liegt, auszurichten. Eine vorzeitige Auflösung oder Kapitalentnahme aus der betrieblichen Altersversorgung ist nicht möglich und würde ja auch dem Ziel und der Sinnhaftigkeit dieser Versorgung widersprechen. Sollte allerdings der in den Ruhestand wechselnde Arbeitnehmer seine gesetzliche Rentenversicherung mit Abschlägen eher in Anspruch nehmen, könnte mit Beginn der Rentenzahlung aus der gesetzlichen Rentenversicherung auch die Rentenzahlung aus der betrieblichen Altersversorgung starten.

Was ist, wenn ein Arbeitnehmer sich überhaupt nicht um die private Altersvorsorge kümmert und auch kein Vermögen hat auf das er später einmal zurückgreifen kann? Wie hoch schätzen Sie, ist dann durchschnittlich monatlich die Rente?

Das durchschnittliche Rentenniveau Netto vor Steuern soll bezogen auf 45 Versicherungsjahre bis zum Jahr 2030 auf etwa 43% vom dann durchschnittlichen Nettoeinkommen vor Steuern sinken.

Da nicht vorherzusehen ist, wie sich Erwerbsbiografien gestalten, ob also jemand tatsächlich imstande ist, 40 bis 45 Berufsjahre nachzuweisen und weil Einkommen ja auch in der Höhe unterschiedlich ausfallen, lässt sich eine zu erwartende Rentenhöhe nicht oder nur sehr schlecht beziffern. Aber immerhin sendet die Deutsche Rentenversicherung jedem Versicherten jährlich eine Mitteilung zu den bislang erworbenen Rentenansprüchen nebst einer Prognose bis zum Rentenbeginnalter unter Hinweis auf den Kaufkraftverlust zu. Daraus dürfte jedem ersichtlich sein, dass es zur gesetzlichen Rentenversicherung dringend einer zusätzlichen Altersversorgung bedarf.

Ab welchem Lebensalter lohnt es sich überhaupt, eine Altersvorsorge abzuschließen?

Wir reden jetzt von normalen Sparverträgen, also nicht von der betrieblichen Altersversorgung. Hier gilt wieder der Grundsatz: So früh als möglich. Beispielsweise können Großeltern und/oder Eltern schon für ihre (neugeborenen) Kinder mit relativ kleiner Sparrate mit der privaten Altersvorsorge beginnen. Spätestens mit dem Einstieg ins Erwerbsleben empfehle ich, sich dann der geförderten betrieblichen Altersvorsorge zuzuwenden.

Was unterschiedet eine Betriebliche Altersvorsorge von anderen privaten Rentenversicherungen - zum Beispiel der Riesterrente?

Die Riesterrente ist wie die Entgeltumwandlung in der betrieblichen Altersversorgung eine staatlich geförderte Altersvorsorge. Sie wird über Zulagen und Steuerbegünstigungen vom Staat bezuschusst. Allerdings ist diese Bezuschussung kein wirkliches "Geldgeschenk“ vom Staat, denn mit der Einführung des "Riesterfaktors“ in die Rentenformel wird die jährliche Rentenerhöhung um 0,6% reduziert. Insofern ist die Riesterrente nicht als zusätzliche Altersversorgung, sondern lediglich als Ausgleich zur Rentenabsenkung in der gesetzlichen Rentenversicherung zu betrachten. Die Förderungen aus der Riesterrente sind abhängig vom Berufsstatus, von der Einkommenshöhe und der Anzahl der förderfähigen Kinder des Sparers.

Die Förderung setzt sich zusammen aus der Grundzulage für den Sparer selbst in Höhe von 154 Euro pro Jahr, einer Kinderzulage für jedes Kindergeld berechtigte Kind in Höhe von 185 Euro, die sich unterdessen auf 300 Euro für jedes Kind erhöht hat, das ab 2008 geboren wurde und bis maximal zum 25. Lebensjahr erstattet wird. Um diese Zulagen in voller Höhe zu erhalten, muss jeder Sparer einen jährlichen Mindestbeitrag in Höhe von 4% seines Vorjahresbruttoeinkommens einzahlen. Neben der Zulagenförderung können die Beiträge als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Die Zulagen müssen jedes Jahr, bestenfalls über einen Dauerzulagenantrag, beantragt werden.

Wie auch in der betrieblichen Altersversorgung legt aufgrund der Förderungen der Staat die "Spielregeln“ in den Riesterverträgen fest. So sollen die angesparten Gelder zweckbestimmt als Altersversorgung dienen. Insofern ist eine vorzeitige Entnahme nur sehr schwer möglich und wenn, dann müssen alle bis dahin erhaltenen staatlichen Förderungen an den Staat zurückbezahlt werden.

Wichtig zu wissen ist auch, dass die staatlich geförderten Renten später voll als sonstige Einkünfte mit dem individuellen Steuersatz zu versteuern und mit Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung zu belegen sind. Aufgrund der hohen Förderquoten in der Ansparphase sollte man sich deswegen aber nicht vom Sparen abhalten lassen. Denn Rentnerdasein bedeutet nach einem meist langem Berufsleben eine kärgliche Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung bei plötzlich 24 Stunden Tagesfreizeit, die ja aktiv und mit Freude am Dasein verlebt werden wollen.

Nun gibt es ja einige Onlineportale, die Versicherungsvergleiche anbieten. Was ist an Altersvorsorge-Produkten bereits online abschließbar und worauf muss man achten?

Aufgrund der Vielschichtigkeit und großen Spreizung der privaten und staatlich geförderten Altersvorsorge sowie der sehr individuell ausgeprägten Familien- und Bedarfssituationen, in der sich Interessierte befinden, besteht in der optionalen Altersvorsorge erheblicher Beratungsbedarf. Grundausrichtung sollte eine vor allem sichere Altersversorgung sein.

Internetportale, die Versicherungsvergleiche und Versicherungsabschluss-Möglichkeiten anbieten, können eine individuelle Beratungsleistung - auch aus Haftungsgründen - zumindest in der Privaten Altersvorsorge nicht ersetzen. Deshalb bieten einige Preisvergleichs-Portale lediglich einen Rentenversicherungsvergleich an, häufig aber beispielsweise nicht fondsgebundene Rentenversicherungstarife.

Natürlich können die Versicherungen der Altersvorsorge, die man auf solchen Versicherungsvergleichsportalen findet, auch dort abgeschlossen werden. Der möglichen Onlinebeantragung folgt in der Regel der Versand der Antragsunterlagen auf dem Postweg, da diese Anträge von den interessierten Nutzern noch gegengezeichnet werden müssen. Prozessual stoßen Versicherungsvergleichsportale hier also noch solange an Grenzen, bis sich die digitale Unterschrift durchgesetzt hat. Das wird aber auch nicht mehr lange dauern und der digitale Personalausweis ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Als weitere Vorsorge, die ebenfalls von großer Wichtigkeit ist, ist jedoch die Berufsunfähigkeitsversicherung zu nennen. Versicherungsvergleichsportale bieten hier bereits sehr gute Tarifvergleiche an. Grundsätzlich empfehle ich, in diesen Themen immer die Beratung durch den Versicherungsmakler bzw. den Versicherungsvertreter des persönlichen Vertrauens einzuholen und den Abschluss erst nach sorgfältiger Prüfung der Versicherungs- und Tarifbedingungen zu tätigen.

Wer online eine private Altersvorsorge abschließt, der ist ja nicht davor bewahrt, dass er nicht auch von Anbietern zu stark über den Tisch gezogen wird. Stichwort: Nach 15 Jahren privater Altersvorsorge hatte ein Sparer von rund 103.000 Euro nur noch circa 84.000 Euro übrig - da rund 30.000 Euro Kosten abgezogen wurden und die Verzinsung sehr schlecht war. Was muss man tun, damit man so etwas nicht erlebt?

Es kommt immer darauf an, wie risikoreich man seine Altersversorgung aufbauen möchte. Hier ist ja grundsätzlich jeder in seiner Entscheidung frei. Ich empfehle immer und ausdrücklich, die Altersvorsorge auf sichere Beine zu stellen. Deswegen empfehlen wir unseren Mandanten nach Möglichkeit den Abschluss einer betrieblichen Altersversorgung in einer klassischen Rentenversicherung angelegt, die mit einem Garantiezins ausgestattet ist und zudem Überschüsse erwirtschaftet. Die größten Gewinnbringer sind hier die außerordentlich hohe Förderquote vom Staat, die während der Ansparzeit wegfallende Abgeltungssteuer und der Zinseszinseffekt. Die Vorteile, die man mit der betrieblichen Altersversorgung genießt, sind meiner Ansicht nach durch private Fondspolicen nicht zu toppen.

Sollte trotzdem der Wunsch bestehen, in Fondsprodukte einzusteigen, dann sollte sich jeder Interessierte eingehend und aus verschiedenen Quellen von Vermittlern des Vertrauens beraten lassen und die eingehenden Angebote prüfen. Aber zum Risiko gehört eben nicht nur der Gewinn- man muss auch mit zeitweiligen oder endgültigen Verlusten leben können. Im übrigen beraten viele Finanzdienstleistungsportale aus Haftungsgründen nicht in diese Richtung. Hier ist jeder selbst gefragt.

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