3.157 Kontomodelle im Vergleich: Bei geduldeter Überziehung drohen bis zu 19,91 Prozent – fast das Achtfache des EZB-Einlagesatzes

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Analyse von konto.org deckt 847 Banken und 3.157 Kontomodelle ab (Sparkassen und Volksbanken, Stand 23. Oktober 2026).
  • Der reguläre Dispozins reicht von 4,19 bis 16,09 Prozent, im Schnitt verlangen Sparkassen 11,75 und Volksbanken 11,59 Prozent.
  • Bei geduldeter (nicht vereinbarter) Überziehung werden bei beiden Gruppen bis zu 19,91 Prozent fällig.
  • Mehrere Banken erhöhten ihre Sätze erst im September und Oktober erneut, während die EZB ihren Einlagesatz bei 2,50 Prozent hält.

Wer sein Girokonto in Deutschland überzieht, zahlt im Schnitt mehr als das Vierfache dessen, was Banken selbst bei der Europäischen Zentralbank bekommen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung von 847 Sparkassen und Volksbanken.

Der Dispositionskredit gilt vielen als bequeme Lücke zwischen zwei Gehaltseingängen. Wie teuer diese Bequemlichkeit tatsächlich ist, zeigt die Analyse des Vergleichsportals konto.org vom 23. Oktober 2026: Sie wertet die Konditionen von 521 Volks- und Raiffeisenbanken sowie 326 Sparkassen aus, zusammen 3.157 Kontomodelle.

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Parallel dazu haben mehrere Banken ihre Dispozinsen erst vor wenigen Wochen weiter angehoben – während die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins seit dem 16. September bei 2,50 Prozent hält, wie aus der Zinssatz-Seite der EZB hervorgeht.

847 Banken im Vergleich: Die Zahlen im Überblick

konto.org unterscheidet zwei Werte: den regulären Dispozins für den vereinbarten Überziehungsrahmen und den Zins für die geduldete Überziehung, wenn das Konto über diesen Rahmen hinaus im Minus ist. Beide liegen bei deutschen Sparkassen und Volksbanken weit auseinander – und beide weit über dem, was die EZB Banken selbst zahlt.

Institutsgruppe Dispozins Schnitt Spanne regulär Geduldete Überziehung
Sparkassen (326 Institute) 11,75 % 4,59–16,09 % bis 19,91 %
Volksbanken/Raiffeisenbanken (521 Institute) 11,59 % 4,19–15,92 % bis 19,91 %

Quelle: konto.org, „Großer Dispo-Check“, Stichtag 23. Oktober 2026. Eigene Erhebung des Vergleichsportals aus 3.157 Kontomodellen.

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Am günstigsten war laut der Erhebung die Volksbank Thüringen Mitte eG mit 4,19 Prozent beim Konto Premium, bei den Sparkassen die Sparkasse Baden-Baden Gaggenau mit 4,59 Prozent (GiroFDL). Am teuersten verlangte die Sparkasse Kulmbach-Kronach beim Giro Guthaben/Bürgerkonto 16,09 Prozent, bei den Volksbanken die VR-Bank Landsberg-Ammersee eG 15,92 Prozent.

Auch regional gibt es große Unterschiede: Volksbanken in Brandenburg verlangten im Schnitt 10,43 Prozent, Sparkassen in Sachsen-Anhalt im Schnitt 10,19 Prozent – die günstigsten Regionalwerte der Erhebung. Am teuersten war der Dispo bei Sparkassen in Berlin mit durchschnittlich 13,11 Prozent; auch in Hamburg lag der regionale Schnitt mit 12,44 Prozent deutlich über dem Bundesschnitt.

Sieben Banken erhöhten zuletzt erneut die Zinsen

Dass der Dispo in Deutschland teuer bleibt, liegt auch an jüngeren Erhöhungen. konto.org dokumentierte in einer weiteren Auswertung vom 9. Oktober 2026, dass sieben Banken ihre Dispozinsen bei zehn Kontomodellen zwischen dem 1. September und dem 5. Oktober anhoben.

Bank, Konto Alter Zins Neuer Zins Seit
DKB, Girokonto Aktiv 7,91 % 9,06 % 1.10.2026
DKB, Girokonto Standard 8,51 % 9,66 % 1.10.2026
Volkswagen Bank, Girokonto 11,14 % 11,39 % 1.9.2026
Consorsbank, Girokonto!/U31 9,65 % 9,90 % 16.9.2026

Quelle: konto.org, Auswertung vom 9. Oktober 2026, Erhebungszeitraum 1. September bis 5. Oktober 2026. Auszug, vier von zehn erhöhten Kontomodellen.

Den größten Sprung machte die DKB: Bei den Konten Aktiv und Standard stieg der Zins zum 1. Oktober um jeweils 1,15 Prozentpunkte – der höchste Einzelschritt in der Erhebung. Im Schnitt über alle zehn betroffenen Kontomodelle kletterte der Zins von 9,09 auf 9,50 Prozent, ein Plus von 0,41 Punkten oder rund 4,7 Prozent.

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Der Abstand zum EZB-Leitzins

Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen 2026 zweimal angehoben, zum 17. Juni und zum 16. September, jeweils um 0,25 Prozentpunkte. Seither liegt der Einlagesatz – der Zins, den Banken für Geld bei der Zentralbank erhalten – bei 2,50 Prozent, wie NETZ-TRENDS bereits zum EZB-Entscheid am 29. Oktober berichtete.

Der Dispozins orientiert sich an diesem Leitzins nur locker. Im Schnitt verlangen Sparkassen und Volksbanken in Deutschland derzeit mehr als das Vierfache des EZB-Einlagesatzes, bei geduldeter Überziehung fast das Achtfache. Auch ein Vergleich mit klassischen Ratenkrediten zeigt den Abstand: Laut einer Auswertung der Deutschen Bundesbank für den August 2026 kosteten neu abgeschlossene Konsumentenkredite im Schnitt 8,70 Prozent effektiven Jahreszins – günstiger als der durchschnittliche Dispo bei Sparkassen und Volksbanken.

Dass Banken Zinssenkungen der EZB nur langsam weitergeben, Erhöhungen aber zügiger, zeigt auch ein Blick zurück: Nach einer Erhebung der Stiftung Warentest lag der durchschnittliche Dispozins im Mai 2026 noch bei 10,99 Prozent – ein Rückgang um 0,23 Punkte gegenüber Juni 2025, während die EZB ihre Leitzinsen in der Zwischenzeit mehrfach gesenkt hatte. Mit den beiden Zinsschritten nach oben im Juni und September 2026 zogen mehrere Banken dagegen rascher nach, wie die Erhöhungen vom Oktober zeigen.

Was ein teurer Dispo wirklich kostet

Wie stark sich die Unterschiede bemerkbar machen, zeigt eine einfache Modellrechnung für einen Dispo von 1.500 Euro über 30 Tage.

Modellrechnung: 1.500 Euro Dispo für 30 Tage

  • Günstigste Sparkasse (4,59 %): 1.500 € × 4,59 % × 30/365 = rund 5,66 €
  • Schnitt Sparkassen (11,75 %): 1.500 € × 11,75 % × 30/365 = rund 14,49 €
  • Geduldete Überziehung, teuerster Fall (19,91 %): 1.500 € × 19,91 % × 30/365 = rund 24,55 €

Rechenweg: NETZ-TRENDS, vereinfacht ohne Zinseszins und ohne Berücksichtigung schwankender Salden. Auf ein Jahr mit durchgehend 1.500 Euro Dispo hochgerechnet, liegt der Unterschied zwischen der günstigsten Sparkasse und dem Schnitt bei rund 107 Euro, zum teuersten Fall bei rund 230 Euro.

Die Rechnung zeigt vor allem eines: Wer seinen Dispo dauerhaft nutzt, zahlt bei einer durchschnittlichen Bank spürbar mehr als bei der günstigsten – und bei geduldeter Überziehung noch einmal deutlich mehr als im vereinbarten Rahmen.

Was Verbraucherschützer fordern

Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert die Höhe der Dispozinsen seit Längerem als unverhältnismäßig, besonders weil Haushalte mit knappem Budget den Dispo oft dauerhaft nutzen. Banken müssen ihre Dispozinsen zwar auf der eigenen Internetseite veröffentlichen und Kundschaft seit 2015 beraten, wenn ein Konto „dauerhaft und erheblich“ überzogen ist – aus Sicht der Verbraucherzentrale haben Transparenz- und Beratungspflicht die Zinshöhe aber kaum gesenkt. Die Verbraucherschutzministerien der deutschen Bundesländer beraten deshalb über eine mögliche Deckelung der Dispozinsen; eine bundesweite gesetzliche Obergrenze gibt es bisher nicht.

Checkliste: So vermeiden Sie hohe Dispozinsen

Vor dem nächsten Dispo-Monat prüfen

  • Eigenen Dispozins mit dem Durchschnitt der eigenen Bankengruppe vergleichen (Sparkasse: 11,75 %, Volksbank: 11,59 %).
  • Bei dauerhafter Nutzung prüfen, ob ein klassischer Ratenkredit günstiger ist – laut Bundesbank im Schnitt 8,70 Prozent effektiver Jahreszins.
  • Kontoauszug auf „geduldete Überziehung“ prüfen: Dieser Zins liegt oft deutlich über dem vereinbarten Dispo.
  • Bei dauerhafter und erheblicher Überziehung steht laut Gesetz eine Beratung durch die eigene Bank zu – diese aktiv einfordern.
  • Bei anhaltenden Zahlungsschwierigkeiten eine unabhängige Schuldnerberatung oder die Verbraucherzentrale kontaktieren.

Keine dieser Maßnahmen ersetzt eine individuelle Beratung. Welche Lösung passt, hängt von der eigenen Haushaltslage, dem Kreditrahmen und der Hausbank ab.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Dispozins und geduldeter Überziehung?

Der Dispozins gilt für den mit der Bank vereinbarten Überziehungsrahmen. Wird das Konto darüber hinaus überzogen, greift der Zins für die geduldete Überziehung – er liegt bei Sparkassen und Volksbanken laut konto.org bei beiden Gruppen bei bis zu 19,91 Prozent.

Wie hoch ist der durchschnittliche Dispozins bei Sparkassen und Volksbanken?

Laut der Auswertung von konto.org vom 23. Oktober 2026 liegt er im Schnitt bei 11,75 Prozent (Sparkassen) beziehungsweise 11,59 Prozent (Volksbanken und Raiffeisenbanken).

Warum ist der Dispozins so viel höher als der EZB-Leitzins?

Der Einlagesatz der EZB liegt seit dem 16. September 2026 bei 2,50 Prozent. Banken orientieren ihre Dispozinsen daran nur locker und geben Zinssenkungen der EZB laut Verbraucherschützern langsamer weiter als Erhöhungen.

Wie lässt sich ein teurer Dispo vermeiden?

Ein Vergleich mit anderen Banken, der Wechsel zu einem klassischen Ratenkredit bei dauerhafter Nutzung und das Einfordern der gesetzlich vorgeschriebenen Beratung bei dauerhafter Überziehung können helfen.

Wie gehen Sie mit Ihrem Dispo um: Haben Sie schon einmal die Bank gewechselt, weil der Zins zu hoch war? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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