Das Wichtigste in Kürze

  • Die Nominallöhne in Deutschland lagen im 2. Quartal 2026 um 4,1 Prozent über dem Vorjahresquartal, die Verbraucherpreise um 2,5 Prozent – daraus ergibt sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ein Reallohnplus von 1,5 Prozent.
  • Hinter diesem Durchschnitt steht eine große Spanne: Das Fünftel mit den geringsten Verdiensten kam auf 6,7 Prozent, das Fünftel mit den höchsten auf 3,3 Prozent.
  • Eine Ursache für diesen Abstand nennt die Pressemitteilung nicht. Zum 1. Januar 2026 war der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland um 8,42 Prozent auf 13,90 Euro gestiegen.

Das Statistische Bundesamt hat am Donnerstagmorgen die Verdienstzahlen für das 2. Quartal 2026 vorgelegt. Nach der Pressemitteilung Nr. 308 vom 27. August 2026 stiegen die Nominallöhne in Deutschland um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Verbraucherpreise legten im selben Zeitraum um 2,5 Prozent zu. Rechnerisch bleibt ein Reallohnzuwachs von 1,5 Prozent.

Diese eine Zahl ist der Teil der Meldung, der überall zitiert wird. Interessanter ist der Teil darunter: Die Behörde schlüsselt die Entwicklung nach Verdienstgruppen auf – und die Spanne zwischen oben und unten ist mehr als doppelt so groß wie der Durchschnitt vermuten lässt.

Balkendiagramm: Nominallohnwachstum im 2. Quartal 2026 in Deutschland nach Beschäftigtengruppen. Geringverdienende im untersten Einkommensfünftel plus 6,7 Prozent, Auszubildende plus 6,0 Prozent, geringfügig Beschäftigte plus 4,7 Prozent, alle Beschäftigten plus 4,1 Prozent, Vollzeitbeschäftigte plus 3,9 Prozent, Hochverdienende im obersten Fünftel plus 3,3 Prozent. Eine gestrichelte Linie markiert die Verbraucherpreise mit plus 2,5 Prozent.
Nominallohnwachstum in Deutschland nach Beschäftigtengruppen im 2. Quartal 2026. Eigene Darstellung NETZ-TRENDS auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes (Pressemitteilung Nr. 308 vom 27. August 2026).

Das unterste Fünftel legt 6,7 Prozent zu, das oberste 3,3

Nach den Angaben der Behörde erreichte das Fünftel mit den geringsten Verdiensten – in der Statistik das 1. Quintil – im 2. Quartal 2026 ein durchschnittliches Nominallohnwachstum von 6,7 Prozent. Am anderen Ende der Verteilung lag das Fünftel mit den höchsten Verdiensten bei 3,3 Prozent und damit unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

Ähnlich fällt das Bild bei den Beschäftigungsformen aus. Auszubildende kamen auf 6,0 Prozent, geringfügig Beschäftigte auf 4,7 Prozent. Vollzeitbeschäftigte insgesamt lagen mit 3,9 Prozent leicht unter dem Durchschnitt aller Beschäftigten von 4,1 Prozent.

Gemessen an der Teuerung von 2,5 Prozent bedeutet das: Für das unterste Verdienstfünftel blieb rechnerisch ein Abstand von gut vier Prozentpunkten zur Preisentwicklung, für das oberste weniger als ein Prozentpunkt. Ein reales Minus verzeichnete nach den veröffentlichten Werten keine der genannten Gruppen.

Neu ist das Muster nicht. Bereits in der Pressemitteilung Nr. 178 vom 28. Mai 2026 zum 1. Quartal wies das Statistische Bundesamt für das unterste Fünftel 7,0 Prozent und für das oberste 3,5 Prozent aus. Die aktuelle Mitteilung spricht deshalb davon, dass das 1. Quintil „wiederholt die stärksten Verdienststeigerungen“ erzielt habe.

Eine Ursache nennt die Pressemitteilung nicht

Was die Pressemitteilung an keiner Stelle liefert, ist eine Erklärung für diesen Abstand. Sie dokumentiert die Werte, ordnet sie aber nicht zu – weder dem Mindestlohn noch Tarifabschlüssen, Sonderzahlungen oder Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur.

Belegt ist ein zeitlicher Zusammenhang, den die Behörde selbst nicht herstellt: Zum 1. Januar 2026 stieg der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland nach der Mitteilung des deutschen Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 29. Oktober 2025 um 8,42 Prozent auf 13,90 Euro je Stunde. Beide Quartale seit dieser Erhöhung zeigen überdurchschnittliche Zuwächse im unteren Verdienstbereich. Ob und in welchem Umfang das eine das andere erklärt, lässt sich aus der Pressemitteilung nicht ableiten.

Einordnung: Was die Meldung offenlässt

Die Mitteilung nennt Wachstumsraten, aber keine Verdiensthöhen. Aus ihr geht damit nicht hervor, wie viel Euro hinter 6,7 Prozent im untersten und hinter 3,3 Prozent im obersten Fünftel stehen – und ein prozentual größerer Zuwachs auf einen kleinen Betrag kann absolut weniger sein als ein kleinerer Zuwachs auf einen großen.

Ebenfalls nicht ausgewiesen ist, wie sich die Gruppen zusammensetzen und ob sich ihre Zusammensetzung gegenüber dem Vorjahresquartal verändert hat. Beides ist für die Frage entscheidend, wie viel von dem Zuwachs bei den einzelnen Beschäftigten ankommt.

Zwischen Landwirtschaft und Wissenschaftsdienstleistungen liegen sieben Prozentpunkte

Auch nach Wirtschaftszweigen fällt die Entwicklung in Deutschland weit auseinander. Den stärksten Anstieg meldet die Behörde für die Land- und Forstwirtschaft samt Fischerei, den schwächsten für freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen. Zwischen beiden liegen 7,1 Prozentpunkte.

Wirtschaftszweig Nominallohn Abstand zur Teuerung
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei +8,9 % +6,4 Pp.
Energieversorgung +7,6 % +5,1 Pp.
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen +7,5 % +5,0 Pp.
Alle Wirtschaftszweige zusammen +4,1 % +1,6 Pp.
Kunst, Unterhaltung und Erholung +3,4 % +0,9 Pp.
Erziehung und Unterricht +2,4 % −0,1 Pp.
Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen +1,8 % −0,7 Pp.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 308 vom 27. August 2026. Veränderung der Bruttomonatsverdienste im 2. Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal, Deutschland. Der Abstand zur Teuerung ist die Differenz zum Verbraucherpreisanstieg von 2,5 Prozent in Prozentpunkten und von NETZ-TRENDS berechnet; er entspricht nicht exakt dem amtlichen Reallohnindex.

In zwei der genannten Bereiche – Erziehung und Unterricht sowie freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen – blieb der Verdienstanstieg damit unter der Preisentwicklung. Wer dort beschäftigt ist, hatte im 2. Quartal 2026 rechnerisch keinen Kaufkraftgewinn, sondern einen leichten Verlust.

Was der Index misst – und was er nicht misst

Für die Einordnung ist wichtig, was hinter dem Nominallohnindex steckt. Nach den Angaben der Behörde bildet er „die Entwicklung der Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen von allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern“ ab. Enthalten sind also auch Einmalzahlungen, die in einem Quartal anfallen und im nächsten wieder fehlen können.

Der Index ist außerdem eine Durchschnittsgröße über die gesamte Volkswirtschaft. Er sagt nichts darüber aus, wie sich ein einzelnes Gehalt entwickelt hat: Wer 2026 den Arbeitgeber gewechselt hat, befördert wurde oder in Teilzeit gegangen ist, findet sich in dieser Zahl nicht wieder. Im 4. Quartal 2025 wurde der Index zudem auf das neue Basisjahr 2025 umgestellt.

Sechs Jahre nach 2019 ist die Kaufkraft rechnerisch gerade erst zurück

Das Reallohnplus von 1,5 Prozent ist der dritte Zuwachs in Folge – aber es folgt auf eine tiefe Delle. In der Pressemitteilung Nr. 68 vom 27. Februar 2026 hielt das Statistische Bundesamt zum Jahr 2025 fest: „Im Jahr 2025 erreichte der Reallohnindex mit 100 Punkten damit fast wieder das Reallohnniveau des Jahres 2019 vor Beginn der Corona-Pandemie mit 100,5 Punkten (Basis 2025=100).“

Anders gesagt: Nach sechs Jahren lag die Kaufkraft der Löhne in Deutschland im Jahresdurchschnitt 2025 noch immer knapp unter dem Stand von 2019. Ob die Zuwächse der ersten beiden Quartale 2026 reichen, um diesen Abstand über das Jahr gerechnet zu schließen, wird sich erst am Jahreswert für 2026 zeigen.

Zugleich werden die Zuwächse kleiner. Für das Gesamtjahr 2025 wies die Behörde ein Reallohnplus von 1,9 Prozent aus, für das 1. Quartal 2026 waren es 1,8 Prozent, für das 2. Quartal nun 1,5 Prozent. Der nominale Anstieg blieb dabei in beiden Quartalen bei 4,1 Prozent – kleiner wurde nicht der Lohnzuwachs, sondern der Abstand zur Teuerung, die von 2,2 auf 2,5 Prozent anzog.

Für Haushalte kommt hinzu, dass Preissteigerungen sich sehr ungleich auf die Ausgabenposten verteilen. Bei der Fernwärme etwa hat das deutsche Bundeskabinett gerade erst Eckpunkte beschlossen, die in Mietwohnungen bis zu 0,50 Euro je Quadratmeter Mehrbelastung bedeuten können. Und bei den Pflegekosten stiegen die Ausgaben der deutschen Sozialämter für die Hilfe zur Pflege 2025 um 13,3 Prozent auf sechs Milliarden Euro. Ein Reallohnplus von 1,5 Prozent im Durchschnitt schlägt sich deshalb nicht in jedem Haushaltsbudget als Entlastung nieder.

Österreich und die Schweiz messen anders

Ein direkter Vergleich mit den Nachbarländern ist nur eingeschränkt möglich, weil dort andere Kennzahlen und andere Zeiträume veröffentlicht werden.

Für die Schweiz meldete das Bundesamt für Statistik in seiner Medienmitteilung vom 21. April 2026 für das Jahr 2025 einen Anstieg der Nominallöhne um 1,8 Prozent und – bei einer Teuerung von 0,2 Prozent – ein Reallohnplus von 1,6 Prozent. Der Reallohnindex lag danach bei 99,2 Punkten (Basis 2020 = 100). Nach der Darstellung der Behörde war das das deutlichste Plus seit 2009.

In Österreich veröffentlicht Statistik Austria den Tariflohnindex, der nicht die tatsächlich gezahlten Verdienste erfasst, sondern die kollektivvertraglich vereinbarten Mindestlöhne. Er stieg nach der Mitteilung vom 15. Januar 2026 im Jahresdurchschnitt 2025 um 3,9 Prozent. Die fachstatistische Generaldirektorin Manuela Lenk wird dort mit den Worten zitiert, die Mindestlöhne hätten „damit über der Inflationsrate des Jahres 2024 von 2,9 %“ gelegen. Nach den Krisenjahren 2023 mit 7,6 Prozent und 2024 mit 8,5 Prozent beschreibt die Behörde das als Normalisierung.

Was als Nächstes ansteht

Der nächste belegbare Termin für Beschäftigte in Deutschland liegt im Januar: Zum 1. Januar 2027 steigt der gesetzliche Mindestlohn nach der Mitteilung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales um weitere 5,04 Prozent auf 14,60 Euro je Stunde. Ob sich das erneut in einem überdurchschnittlichen Zuwachs des untersten Verdienstfünftels niederschlägt, wird sich frühestens an den Zahlen für das 1. Quartal 2027 ablesen lassen.

Bis dahin bleibt offen, was die aktuelle Mitteilung nicht beantwortet: wie viele Euro hinter den Prozentwerten stehen und wie sich die Verdienstgruppen zusammensetzen. Aus den veröffentlichten Wachstumsraten allein lässt sich beides nicht ableiten.

Wie hat sich Ihr eigenes Einkommen in diesem Jahr entwickelt – spüren Sie ein Plus gegenüber den Preisen, oder bleibt der Durchschnitt für Sie eine Zahl auf dem Papier? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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