Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Jahr nach dem Abschluss waren nach Angaben des Schweizer Bundesamtes für Statistik 6,4 Prozent der Personen mit einem Master einer universitären Hochschule erwerbslos – zwei Jahre zuvor waren es 3,9 Prozent.
  • Bei den Masterabschlüssen universitärer Hochschulen stieg die Quote laut BFS in den Wirtschaftswissenschaften von 3,5 auf 8,5 Prozent und in den technischen Wissenschaften von 2,1 auf 4,8 Prozent. Bei den Abschlüssen pädagogischer Hochschulen blieb sie bei 0,7 Prozent.
  • 44,1 Prozent der Befragten mit UH-Master berichteten der Behörde zufolge von Schwierigkeiten, eine passende Stelle zu finden. Die Zahlen gelten ausschließlich für Abschlüsse an Schweizer Hochschulen.

Das Schweizer Bundesamt für Statistik (BFS) hat am Donnerstag neue Zahlen zum Berufseinstieg nach dem Studium veröffentlicht. Nach der Mitteilung vom 27. August 2026 lag die Erwerbslosenquote von Personen mit einem Master einer universitären Hochschule ein Jahr nach dem Abschluss bei 6,4 Prozent. Für den Vergleichsjahrgang zwei Jahre zuvor hatte die Behörde 3,9 Prozent ausgewiesen.

Der Anstieg betrifft nicht nur die Universitäten. Bei den Bachelorabschlüssen an Fachhochschulen stieg die Quote von 3,4 auf 4,9 Prozent. Nur bei den pädagogischen Hochschulen blieb sie unverändert bei 0,7 Prozent.

Von 3,9 auf 6,4 Prozent in zwei Abschlussjahrgängen

Grundlage ist die Hochschulabsolventenbefragung des BFS, die jeweils ein Jahr nach dem Studienabschluss stattfindet. Verglichen werden der Abschlussjahrgang 2022, befragt 2023, und der Abschlussjahrgang 2024, befragt 2025. Gemessen wird die Erwerbslosenquote nach der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation – nicht die Zahl der bei einem Schweizer Arbeitsvermittlungszentrum gemeldeten Personen.

In der Mitteilung heißt es dazu: „Zwischen 2023 und 2025 nahm die Erwerbslosenquote gemäss Definition des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) der Absolventinnen und Absolventen universitärer Hochschulen (UH) und Fachhochschulen (FH) ein Jahr nach ihrem Abschluss zu.“

Was die ILO-Quote von der Arbeitslosenquote unterscheidet

Das BFS misst die Erwerbslosigkeit nach der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation: Erfasst wird, wer keine Arbeit hat, aktiv eine sucht und kurzfristig verfügbar wäre – unabhängig davon, ob eine Meldung bei einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum vorliegt.

Die in der Schweiz häufig zitierte Arbeitslosenquote des Staatssekretariats für Wirtschaft beruht dagegen auf den registrierten Meldungen. Beide Zahlen beschreiben denselben Arbeitsmarkt, zählen aber nicht dieselben Personen – gegeneinander aufrechnen lassen sie sich deshalb nicht.

In technischen und wirtschaftlichen Fächern verdoppelt sich die Quote

Bemerkenswert ist weniger die Höhe der Quote als ihre Verteilung. Nach den Angaben des BFS hat sich die Erwerbslosigkeit bei den UH-Masterabschlüssen in den Fachbereichsgruppen technische Wissenschaften und Wirtschaftswissenschaften mehr als verdoppelt: von 2,1 auf 4,8 Prozent beziehungsweise von 3,5 auf 8,5 Prozent. Beides sind Fachrichtungen, die in der Debatte über Fachkräftemangel regelmäßig genannt werden.

Für den Abschlussjahrgang 2024 weist die Mitteilung den höchsten Wert unter den UH-Masterabschlüssen bei der Fachbereichsgruppe Interdisziplinäre und Andere mit 8,6 Prozent aus, den niedrigsten bei Medizin und Pharmazie mit 1,6 Prozent. Bei den FH-Bachelorabschlüssen reicht die Spanne von 10,8 Prozent in Musik, Theater und anderen Künsten bis 1,5 Prozent in Sozialer Arbeit.

Abschluss Fachbereichsgruppe Erwerbslosenquote
FH-Bachelor Musik, Theater und andere Künste 10,8 %
FH-Bachelor Design 10,0 %
FH-Bachelor Angewandte Linguistik 9,4 %
UH-Master Interdisziplinäre und Andere 8,6 %
UH-Master Wirtschaftswissenschaften 8,5 %
UH-Master Technische Wissenschaften 4,8 %
FH-Bachelor Gesundheit 1,7 %
UH-Master Medizin und Pharmazie 1,6 %
FH-Bachelor Soziale Arbeit 1,5 %
Quelle: Bundesamt für Statistik, Mitteilung vom 27. August 2026, Abschlussjahrgang 2024 ein Jahr nach dem Abschluss, Schweiz. Auswahl der in der Mitteilung genannten Höchst- und Tiefstwerte; keine vollständige Liste aller Fachbereichsgruppen.

44,1 Prozent berichten von Schwierigkeiten bei der Stellensuche

Neben den Quoten erhebt das BFS, wie der Berufseinstieg erlebt wird. Der Anteil derer, die von Schwierigkeiten berichteten, eine passende Stelle zu finden, stieg unter den Befragten mit UH-Master von 30,0 auf 44,1 Prozent und unter jenen mit FH-Bachelor von 24,2 auf 36,9 Prozent.

Deutlicher noch verschob sich die Begründung. Die wirtschaftliche Lage als Hindernis nannten nach den Angaben der Behörde 42,5 Prozent der Befragten mit UH-Master gegenüber 23,8 Prozent zwei Jahre zuvor und 37,9 Prozent der Befragten mit FH-Bachelor gegenüber 19,5 Prozent. Am häufigsten genannt wurde nach den Angaben des BFS aber ein anderer Grund: fehlende Berufserfahrung.

Balkendiagramm: Anteil der Befragten mit Schwierigkeiten bei der Stellensuche steigt bei UH-Master von 30,0 auf 44,1 Prozent und bei FH-Bachelor von 24,2 auf 36,9 Prozent. Die Wirtschaftslage als Hindernis nennen 42,5 statt 23,8 Prozent beziehungsweise 37,9 statt 19,5 Prozent.
Erlebte Schwierigkeiten beim Berufseinstieg in der Schweiz, Abschlussjahrgänge 2022 und 2024. Eigene Darstellung NETZ-TRENDS auf Basis von Daten des Schweizer Bundesamtes für Statistik (Mitteilung vom 27. August 2026).

Das ist der Punkt, an dem aus einer Statistik eine Erfahrung wird. Wer 2024 abgeschlossen hat, bewirbt sich in einem Umfeld, in dem mehr als vier von zehn Befragten die Stellensuche als schwierig beschreiben – und in dem ausgerechnet die Bedingung, an der es nach eigener Auskunft am häufigsten fehlt, sich ohne Anstellung schwer erfüllen lässt.

6,4 gegen 4,6 Prozent: der Vergleich mit der Gesamtquote

Zur Einordnung hilft ein zweiter Wert derselben Behörde. Nach der Mitteilung des BFS vom 18. August 2026 lag die Erwerbslosenquote nach ILO in der Schweiz insgesamt im 2. Quartal 2025 bei 4,6 Prozent und im 2. Quartal 2026 bei 4,9 Prozent.

Die 6,4 Prozent ein Jahr nach dem Masterabschluss liegen damit über dem gesamtschweizerischen Wert. Beide Zahlen stammen aus unterschiedlichen Erhebungen – die eine aus der Absolventenbefragung, die andere aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung – und sind methodisch nicht deckungsgleich; sie beruhen aber auf derselben ILO-Definition. Ob dieser Abstand ein einmaliger Ausschlag ist oder eine dauerhafte Verschiebung, lässt sich aus einer einzelnen Erhebung nicht ableiten.

Was die Mitteilung offenlässt

Einordnung: vier offene Fragen

Die Mitteilung arbeitet mit Quoten. Wie viele Personen hinter 6,4 Prozent stehen, geht aus ihr nicht hervor. Eine Ursache für den Anstieg benennt sie ebenfalls nicht.

Zur Verteilung auf die Sprachregionen und auf Personen mit und ohne Schweizer Wohnsitz finden sich in der Mitteilung selbst keine Angaben. Ebenso wenig dazu, ob die Stellensuche im Inland oder im Ausland stattfindet.

Und es fehlt der naheliegende Gegenwert: Wie sich die gleichaltrige Bevölkerung ohne Hochschulabschluss im selben Zeitraum entwickelt hat, führt die Mitteilung nicht auf. Ohne diesen Vergleich lässt sich nicht sagen, ob der Berufseinstieg nach dem Studium schwieriger geworden ist als der Berufseinstieg überhaupt.

Eine unmittelbar vergleichbare Zahl für Deutschland oder Österreich lässt sich aus dieser Erhebung nicht ableiten. Sie erfasst ausschließlich Abschlüsse an Schweizer Hochschulen; aussagekräftig wäre eine Gegenüberstellung nur mit gleich abgegrenzten Daten, und die liefert diese Erhebung nicht. Dass der Arbeitsmarkt für qualifizierte Kräfte auch nördlich der Grenze in Bewegung ist, zeigt sich an anderer Stelle: In der deutschen Automobilindustrie fielen nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes binnen eines Jahres 42.300 Stellen weg.

Was als Nächstes ansteht

Zwei Termine sind bereits absehbar. Der nächste Quartalswert der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung wird zeigen, ob sich der Anstieg der gesamtschweizerischen Quote von 4,6 auf 4,9 Prozent fortsetzt. Und erst der nächste Durchgang der Absolventenbefragung wird erkennen lassen, ob der Wert für den Jahrgang 2024 ein Ausschlag war oder der Beginn einer Reihe. Bis dahin bleibt offen, welche der genannten Aufschlüsselungen die Detailauswertungen des BFS enthalten werden.

Bis dahin gilt für den Abschlussjahrgang 2024, was die Zahlen hergeben: Der Anteil derer, die ein Jahr nach dem Studium ohne Stelle waren, ist an den Schweizer Universitäten und Fachhochschulen gestiegen, an den pädagogischen Hochschulen nicht. Ein Hochschulabschluss im DACH-Raum bleibt damit ein Vorteil auf dem Arbeitsmarkt – aber ein kleinerer als noch vor zwei Jahren.

Wie ist Ihre Erfahrung beim Berufseinstieg nach dem Studium – hat sich die Stellensuche in den vergangenen zwei Jahren spürbar verändert? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

Kommentar schreiben