Das Wichtigste in Kürze
- Die österreichische Inflationsrate fiel im Juli 2026 auf 2,8 Prozent nach 3,2 Prozent im Juni; die deutsche stieg im selben Monat von 2,3 auf 2,8 Prozent.
- Rund die Hälfte des österreichischen Rückgangs geht nach Angaben der Statistik Austria auf gesunkene Nahrungsmittelpreise zurück – seit dem 1. Juli 2026 gilt dort auf ausgewählte Grundnahrungsmittel ein Umsatzsteuersatz von 4,9 statt 10 Prozent.
- Der Steuerausfall beträgt nach den Angaben im österreichischen Parlament rund 400 Millionen Euro im Jahr; gegenfinanziert werden soll er über eine geplante Paketabgabe.
Zwei Statistikämter haben am Mittwochvormittag ihre endgültigen Juli-Zahlen vorgelegt, und sie zeigen in entgegengesetzte Richtungen. Die Statistik Austria meldete für Österreich eine Jahresinflation von 2,8 Prozent nach 3,2 Prozent im Juni. Eurostat wies am selben Tag für den Euroraum in den Euro-Indikatoren zum Juli 2026 einen Anstieg von 2,8 auf 2,9 Prozent aus.
Für den deutschsprachigen Raum bedeutet das eine Verschiebung, die in den einzelnen Meldungen untergeht: Im Juni lag Österreich mit 3,2 Prozent noch 0,9 Prozentpunkte über Deutschland, das damals 2,3 Prozent auswies. Im Juli stehen beide Länder bei 2,8 Prozent. In der harmonisierten Rechnung, mit der Eurostat die Mitgliedstaaten vergleichbar macht, liegt Österreich mit 2,7 Prozent sogar knapp unter dem deutschen Wert von 2,8 Prozent.
Was die Statistik Austria am Mittwoch gemeldet hat
Gegenüber dem Vormonat blieb das österreichische Preisniveau im Juli unverändert, die Monatsrate lag bei 0,0 Prozent. Nach Angaben der fachstatistischen Generaldirektorin Manuela Lenk fiel die endgültige Rate damit um 0,1 Prozentpunkte höher aus als in der Schnellschätzung von Ende Juli.
Die Behörde führt etwa die Hälfte des Rückgangs auf leicht gesunkene Nahrungsmittelpreise zurück und benennt dafür ausdrücklich die zum 1. Juli wirksam gewordene Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke lagen im Juli 0,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. In Deutschland verteuerten sich Nahrungsmittel im selben Monat um 0,4 Prozent.
Der Steuersatz, der seit dem 1. Juli gilt
Der österreichische Nationalrat hat die Änderung am 21. Mai 2026 beschlossen. Nach der Parlamentskorrespondenz zur Sitzung sinkt der Umsatzsteuersatz auf ausgewählte Grundnahrungsmittel seit dem 1. Juli 2026 von 10 auf 4,9 Prozent. Erfasst sind demnach unter anderem Milch, Butter, Eier, Reis, Weizenmehl, Nudeln, Brot, die meisten Gemüsesorten einschließlich Tiefkühlware sowie Stein- und Kernobst. Die Koalitionsfraktionen aus SPÖ, ÖVP und NEOS stimmten dafür, FPÖ und Grüne dagegen.
Das österreichische Finanzministerium führt die begünstigten Waren in einer Fachinformation zur Umsatzsteuersenkung auf. Maßgeblich ist danach eine eigene Anlage zum Umsatzsteuergesetz, in der die Produkte über ihre Zolltarifnummern abgegrenzt werden. Zubereitete Speisen und Gastronomieleistungen bleiben bei 10 Prozent. Eine Befristung sieht die Regelung nicht vor.
Was der neue Satz rechnerisch bedeutet
Ein Grundnahrungsmittel mit einem Nettopreis von 1,00 Euro kostete in Österreich bei 10 Prozent Umsatzsteuer 1,10 Euro. Bei 4,9 Prozent sind es 1,049 Euro.
Der Bruttopreis sinkt damit um rund 4,6 Prozent – aber nur, wenn der Nettopreis unverändert bleibt und der Handel die Senkung vollständig weitergibt. Das ist die rechnerische Obergrenze der Entlastung, nicht ihr gemessener Wert.
Wo die Preise tatsächlich nachgaben
Die Statistik Austria weist für den Juli bei mehreren betroffenen Warengruppen Rückgänge gegenüber dem Vorjahresmonat aus: Speisefette und -öle lagen 12,9 Prozent niedriger, Milch und Eier 3,2 Prozent, Gemüse 2,8 Prozent, Getreide 0,5 Prozent.
Gegenläufig wirkte der Verkehr. Die Ausgabengruppe verteuerte sich um 6,4 Prozent und war damit nach Darstellung der Behörde der stärkste Preistreiber; Treibstoffe allein kosteten 17,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Deutlich billiger wurden dagegen elektrischer Strom mit einem Minus von 10,4 Prozent und die Mobiltelefonie mit 12,7 Prozent.

Wie unterschiedlich sich das auf verschiedene Einkäufe auswirkt, zeigen die beiden Warenkörbe, die die Statistik Austria zusätzlich ausweist. Der Mikrowarenkorb, der den täglichen Einkauf abbildet, lag nach Angaben der Behörde 1,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Miniwarenkorb für den wöchentlichen Einkauf, der neben Lebensmitteln auch Treibstoff enthält, lag 3,2 Prozent darüber.
Deutschland ging im selben Monat den umgekehrten Weg
Das Statistische Bundesamt hatte die deutsche Juli-Rate bereits am 12. August mit 2,8 Prozent bestätigt, nach 2,3 Prozent im Juni. Treiber war dort die Energie: Energieprodukte insgesamt verteuerten sich um 8,3 Prozent, Kraftstoffe um 23,0 Prozent, leichtes Heizöl um 34,7 Prozent. Strom kostete 5,3 Prozent weniger, Erdgas 2,9 Prozent. Nahrungsmittel lagen 0,4 Prozent über dem Vorjahr, die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie bei 2,4 Prozent.
Deutschland hat im selben Zeitraum an anderer Stelle an der Steuerschraube gedreht. Die befristete Senkung der deutschen Energiesteuer auf Kraftstoffe lief zum 30. Juni 2026 aus; zeitlich fällt der starke Kraftstoffanstieg im Juli mit diesem Datum zusammen. Ihre Bilanz nach zwei Monaten hat NETZ-TRENDS nachgerechnet. Welche Rolle daneben die Wasserstände auf den Transportwegen spielen, hat die Redaktion am Pegel Kaub untersucht.
| Position, Juli 2026 gegenüber Vorjahr | Deutschland | Österreich | Differenz |
|---|---|---|---|
| Gesamtrate, harmonisiert (HVPI) | +2,8 % | +2,7 % | −0,1 Pp |
| Nahrungsmittel | +0,4 % | −0,4 % | −0,8 Pp |
| Kraftstoffe bzw. Treibstoffe | +23,0 % | +17,6 % | −5,4 Pp |
| Elektrischer Strom | −5,3 % | −10,4 % | −5,1 Pp |
| Speisefette und -öle | −15,3 % | −12,9 % | +2,4 Pp |
Im Euroraum drückt die Energie in die andere Richtung
Die österreichische Bewegung läuft dem Währungsraum entgegen. Nach den Eurostat-Zahlen stieg die Jahresinflation im Euroraum im Juli auf 2,9 Prozent, in der gesamten EU auf 3,0 Prozent. Vor einem Jahr, im Juli 2025, hatte der Euroraum-Wert bei 2,0 Prozent gelegen.
Die Verschiebung lässt sich in der Aufgliederung der Behörde nachvollziehen. Die Energiepreise im Euroraum lagen im Juli 10,3 Prozent über dem Vorjahr, nach 8,5 Prozent im Juni-Bericht. Ihr Beitrag zur Gesamtrate wuchs damit von 0,77 auf 0,94 Prozentpunkte. Die Dienstleistungen blieben mit 1,55 Prozentpunkten der größte Einzelposten, veränderten sich aber kaum. Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak steuerten im Juli 0,23 Prozentpunkte bei, nach 0,29 im Juni.
Wie weit die Werte innerhalb der EU auseinanderliegen, zeigt dieselbe Veröffentlichung: Die niedrigsten Raten meldeten Schweden mit 0,3 Prozent, Tschechien mit 1,3 Prozent sowie Dänemark und Ungarn mit je 1,6 Prozent. Am oberen Ende stehen Rumänien mit 8,2 Prozent, Litauen mit 5,4 Prozent sowie Zypern und Bulgarien mit je 4,4 Prozent.
Was die Zahlen über die Weitergabe nicht sagen
Für Haushalte in Österreich ist die entscheidende Frage nicht, wie stark die Inflationsrate gefallen ist, sondern wie viel von den 4,6 Prozent rechnerischer Preissenkung tatsächlich an der Kasse ankam. Darauf geben die veröffentlichten Zahlen keine direkte Antwort.
Einordnung: die offene Stelle in der Statistik
Die ausgewiesenen Werte sind Jahresvergleiche. Ein Minus von 3,2 Prozent bei Milch und Eiern enthält die Steuerwirkung ebenso wie alle übrigen Preisbewegungen der vorangegangenen zwölf Monate – Rohstoffkosten, Energie, Löhne, Aktionsrabatte. Wie viel davon auf den gesenkten Steuersatz entfällt, lässt sich daraus nicht ablesen.
Solange keine Auswertung vorliegt, die den Steuereffekt rechnerisch von den übrigen Preisbewegungen trennt, bleibt die Höhe der tatsächlichen Weitergabe offen – und damit die Frage, wie viel von der Entlastung bei der Kundschaft angekommen ist.
Dass diese Frage nicht theoretisch ist, zeigt der deutsche Vergleichsfall. Bei der deutschen Energiesteuersenkung im Mai 2026 gab der Markt am ersten Tag nach der Erhebung der beim Bundeskartellamt angesiedelten Markttransparenzstelle für Kraftstoffe im Bundesdurchschnitt rund 14 Cent je Liter weiter – bei einer rechnerischen Entlastung von etwa 17 Cent je Liter.
Wer die 400 Millionen Euro aufbringen soll
Die Senkung kostet den österreichischen Staat nach den Angaben in der Parlamentskorrespondenz rund 400 Millionen Euro an Einnahmen im Jahr. Gegenfinanziert werden soll sie über eine geplante Abgabe auf Paketsendungen.
Gegen diesen Teil richtet sich Kritik aus mehreren Richtungen. FPÖ und Grüne lehnten die Novelle im Nationalrat ab; nach der Darstellung der Parlamentskorrespondenz bezeichnete die FPÖ die Paketabgabe als unsoziale Steuererhöhung, während die Grünen die Verteilungswirkung der Steuersenkung selbst infrage stellten, weil höhere Einkommen absolut stärker davon profitierten. Beide Fraktionen verwiesen darauf, dass die Gegenfinanzierung die Entlastung teilweise wieder aufzehre.
Auch der österreichische Handelsverband wendet sich gegen die Abgabe und führt dazu eine eigene Kampagne unter dem Titel „Nein zur Paketsteuer“. Damit steht der Entlastung eine Belastung gegenüber, die nach den bisherigen Angaben andere Warengruppen und andere Haushalte träfe. Wie sich beides für einen einzelnen Haushalt verrechnet, lässt sich derzeit nicht beziffern: Die Abgabe ist bislang angekündigt, ihre Ausgestaltung steht noch aus.
Warum der Dämpfer in zwölf Monaten verschwindet
Eine Steuersenkung senkt das Preisniveau einmalig. Die Inflationsrate misst aber die Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat. Ab Juli 2027 werden deshalb bereits gesenkte Preise mit gesenkten Preisen verglichen – der dämpfende Effekt fällt dann aus der Jahresrate heraus, ohne dass die Preise wieder steigen müssten.
Für Haushalte bleibt das niedrigere Preisniveau erhalten, solange die Regelung gilt und der Handel sie nicht durch Nettopreiserhöhungen ausgleicht. Für die Statistik dagegen ist der Effekt befristet, obwohl die Maßnahme es nicht ist. Wer die österreichische Rate in einem Jahr mit der deutschen vergleicht, sieht davon nichts mehr.
Was als Nächstes ansteht
Den nächsten Datenpunkt liefern die Schnellschätzungen für August. Statistik Austria, das Statistische Bundesamt und Eurostat haben sie zuletzt jeweils am letzten Tag des Berichtsmonats vorgelegt, für den Juli also am 31. Juli; die endgültigen Werte folgen im September.
Erst diese Zahlen zeigen, ob sich der österreichische Abstand zum Euroraum verfestigt oder ob steigende Treibstoffpreise ihn wieder einholen. Bis dahin gilt der Befund vom Mittwoch: Zwei Nachbarländer sind im Juli auf demselben Wert angekommen – auf entgegengesetzten Wegen.
Kaufen Sie in Österreich ein, und haben Sie die niedrigere Mehrwertsteuer seit Juli im Regal tatsächlich bemerkt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Statistik Austria: Verbraucherpreisindex Juli 2026, Pressemitteilung vom 19. August 2026
- Eurostat: Annual inflation up to 2.9% in the euro area, Euro-Indikatoren vom 19. August 2026
- Eurostat: Annual inflation down to 2.8% in the euro area, Euro-Indikatoren vom 17. Juli 2026
- Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im Juli 2026 bei +2,8 %, Pressemitteilung vom 12. August 2026
- Parlament Österreich: Nationalrat beschließt Umsatzsteuersenkung für Grundnahrungsmittel, Parlamentskorrespondenz vom 21. Mai 2026
- Bundesministerium für Finanzen (Österreich): Umsatzsteuersenkung auf ausgewählte Nahrungsmittel
- Handelsverband Österreich: Pressekonferenz „Nein zur Paketsteuer“
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