Das Wichtigste in Kürze

  • Der Deutsche Mieterbund hat den Mietenreport 2026 am 1. September 2026 in der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt. Nach der beauftragten forsa-Befragung von 1.021 Mieterhaushalten sorgen sich 29 Prozent, die Miete künftig nicht mehr zahlen zu können; 25 Prozent geben an, wegen gestiegener Kosten bei gesunden Lebensmitteln zu sparen.
  • Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bezogen in Deutschland Ende 2024 rund 1,242 Millionen Haushalte Wohngeld, reine Wohngeldhaushalte im Schnitt 287 Euro im Monat. Bund und Länder gaben dafür 2024 zusammen 4,689 Milliarden Euro aus.
  • Das deutsche Bundeskabinett beschloss am 6. Juli 2026 einen Gesetzentwurf, der die Heizkostenkomponente im Wohngeld ab dem 1. Januar 2027 halbieren und die Berechnungsformel ändern soll. Bereits bewilligte Bescheide bleiben nach Angaben der Bundesregierung bis zum Ende ihrer Laufzeit unberührt.

Der Deutsche Mieterbund hat am Dienstag seinen Mietenreport 2026 vorgestellt, nach Angaben des Verbandes in der Bundespressekonferenz in Berlin. Der Untertitel des Berichts lautet: „Die Wohnungskrise wird zur Sozialstaatskrise.“ Der Verband stützt sich dabei auf zwei Arten von Material – amtliche Statistik der EU-Erhebung EU-SILC und eine eigene Umfrage.

Interessant an dieser Umfrage ist weniger, was sie über die Höhe der Mieten sagt. Sie misst etwas anderes: wie dünn die Rücklage ist, mit der Mietparteien in Deutschland in den Winter gehen.

Die Umfrage misst den Puffer, nicht die Miethöhe

Für den Report befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa nach Angaben des Mieterbundes 1.021 Mieterhaushalte in Deutschland zwischen dem 29. Juni und dem 7. Juli 2026. Das ist eine übliche Größenordnung für eine bundesweite Repräsentativbefragung, und es ist zugleich der wunde Punkt jeder solchen Erhebung: Sie erfasst Einschätzungen und Selbstauskünfte, keine Kontoauszüge.

Innerhalb dieser Grenze sind die Werte deutlich. 58 Prozent der Befragten geben an, ihre Wohnkosten seien in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. 50 Prozent äußern die Sorge, im Bedarfsfall keine bezahlbare Ersatzwohnung zu finden, 47 Prozent die Sorge vor steigenden Nebenkosten. 29 Prozent – 8 Prozent mit sehr großer, 21 Prozent mit großer Sorge – befürchten, die Miete künftig nicht mehr zahlen zu können.

Der härteste Wert des Reports steht nicht in den Sorgen, sondern in einer Rechenfrage. Die Befragten sollten angeben, wie lange sie ihre Miete noch tragen könnten, wenn ihr Einkommen um 40 Prozent einbräche. 28 Prozent nannten höchstens drei Monate. 10 Prozent gaben an, weniger als einen Monat durchzuhalten.

Woran gespart wird, wenn die Wohnkosten steigen

Der Report fragt auch, was Haushalte zurückstellen, um die Wohnkosten zu bedienen. Die Reihenfolge der Antworten ist die eigentliche Information: Zuerst geht die Vorsorge, dann das Sichtbare, zuletzt das Existenzielle.

Wegen gestiegener Kosten eingeschränkt Anteil der Befragten
Rücklagen und Altersvorsorge 52 %
Urlaub, Kultur und Freizeit 49 %
Kleidung, Möbel und Haushaltsgeräte 46 %
Gesunde Lebensmittel 25 %
Gesundheit 15 %
Quelle: forsa im Auftrag des Deutschen Mieterbundes, Mietenreport 2026, veröffentlicht am 1. September 2026. Angaben dazu, in welchen Bereichen sich Befragte nach eigenen Angaben eingeschränkt haben; 1.021 befragte Mieterhaushalte in Deutschland, 29. Juni bis 7. Juli 2026.

Dass ein Viertel der Befragten bei Lebensmitteln kürzt und 15 Prozent bei der Gesundheit, ist der Punkt, an dem der Report seinen Untertitel begründet: Eine Wohnkostenbelastung, die an dieser Stelle ankommt, wird zu einem Problem anderer Sozialsysteme. Die Nominallöhne sind zuletzt schneller gestiegen als die Preise – im zweiten Quartal 2026 lag das Reallohnplus bei 1,5 Prozent –, doch die Verteilung dahinter ist ungleich, und die Umfrage des Mieterbundes bildet die untere Hälfte ab.

1,24 Millionen Haushalte beziehen in Deutschland Wohngeld

Das staatliche Instrument, das genau hier greifen soll, ist das deutsche Wohngeld. Nach der am 24. April 2026 veröffentlichten Statistik des Statistischen Bundesamtes bezogen am Jahresende 2024 rund 1,242 Millionen private Haushalte Wohngeld – etwa 3 Prozent aller Haushalte mit Hauptwohnsitz in Deutschland und rund 5,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die Größenordnung der Zahlungen: Reine Wohngeldhaushalte erhielten im Schnitt 287 Euro im Monat, Haushalte mit Teilwohngeld 240 Euro. Bund und Länder gaben 2024 zusammen 4.689 Millionen Euro für Wohngeld aus, 8,6 Prozent mehr als 2023. Der Anteil der Wohngeldhaushalte schwankt regional erheblich – in Mecklenburg-Vorpommern lag er nach derselben Statistik bei 5,6 Prozent, in Bayern bei 1,7 Prozent.

Der deutsche Gesetzentwurf soll die Heizkostenkomponente ab 2027 halbieren

Parallel läuft in Deutschland ein Gesetzgebungsverfahren, das an genau diesen Beträgen ansetzt. Das deutsche Bundeskabinett beschloss am 6. Juli 2026 den Entwurf zur Neuordnung des Wohngelds. Zugrunde liegt der Referentenentwurf des deutschen Bauministeriums vom 23. Juni 2026 mit dem Titel „Entwurf eines Gesetzes zur Vereinfachung und Fortentwicklung des Wohngeldgesetzes“.

Nach der Darstellung der deutschen Bundesregierung enthält der Entwurf zwei Stoßrichtungen zugleich. Auf der einen Seite steht Verwaltungsvereinfachung: geringere Prüfdichte, vereinfachte Nachweise etwa bei Schwerbehinderung, weniger Aufwand in Wechselmodellfällen. Auf der anderen Seite stehen Eingriffe in die Leistungshöhe: Die vorgesehene Erhöhung soll ausgesetzt, die Heizkostenkomponente halbiert und die Berechnungsformel geändert werden.

Praxishinweis: Was für laufende Bescheide gilt

Die Regelungen sollen zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Nach Angaben der deutschen Bundesregierung sind bereits bewilligte Bescheide davon nicht betroffen; sie gelten bis zum Ende ihrer Laufzeit weiter. Eine Änderung würde sich für laufende Bewilligungen damit frühestens beim nächsten Weiterbewilligungsantrag auswirken.

Die Heizkostenkomponente ist dabei der Posten mit dem direktesten Bezug zum Winter. Sie kam mit dem Wohngeld-Plus-Gesetz zum 1. Januar 2023 dauerhaft in die Berechnung, um die Energiekosten abzubilden. Dass die Frage nicht erledigt ist, zeigt die Lage bei der Versorgung: Die deutschen Gasspeicher lagen Ende August 2026 bei gut 52 Prozent, und Energie verteuerte sich im Euroraum im August um 14,3 Prozent.

Was die Mitteilung der Bundesregierung nicht beziffert

Die amtliche Mitteilung zum Kabinettsbeschluss nennt weder ein Einsparvolumen noch eine Zahl betroffener Haushalte noch einen Betrag, um den ein Wohngeldanspruch sinken würde. Genau diese drei Angaben wären für Betroffene die entscheidenden. Der Referentenentwurf selbst war NETZ-TRENDS bis zum Redaktionsschluss an diesem Dienstagabend nicht maschinell auswertbar.

Zahlen dazu liegen bislang vor allem als Verbandsdarstellung vor. Der Sozialverband Deutschland beziffert in seiner Stellungnahme vom 6. Juli 2026 die Folgen so: Rund ein Drittel der mindestens 1,24 Millionen Wohngeldhaushalte wäre danach künftig nicht mehr berechtigt, etwa 163.000 Haushalte würden in die Grundsicherungssysteme wechseln, und Bund und Länder sparten ab 2029 jährlich rund 1,08 Milliarden Euro. Diese Angaben stammen vom Verband, nicht von der Bundesregierung; unabhängig bestätigen ließen sie sich bis zum Redaktionsschluss nicht.

Der Mieterbund wendet sich in seinem Report gegen geplante Leistungskürzungen. Präsidentin Melanie Weber-Moritz wird in der Mitteilung des Verbandes mit den Sätzen zitiert: „Leistungskürzungen senken keine Mieten und schaffen keine einzige zusätzliche Wohnung. Im Gegenteil, sie erhöhen das Risiko von Mietrückständen, Wohnungsverlust und Wohnungslosigkeit.“ Und: „Wer den Sozialstaat stärken will, muss den Wohnungsmarkt reparieren.“

Eine Gegenposition der Eigentümerseite war bis zum Redaktionsschluss nicht auffindbar; eine eigene Anfrage war an diesem Dienstagabend nicht mehr möglich. Auf der Presseseite von Haus & Grund Deutschland stand am 1. September 2026 keine Stellungnahme zum Mietenreport; die jüngste dort veröffentlichte Mitteilung datiert vom 26. August 2026 und befasst sich mit dem deutschen Wärmenetzpaket.

In Österreich liegt die Überlastungsquote bei 8 Prozent

Der Report ordnet Deutschland europäisch ein, und dieser Vergleich trägt weiter als die Einzelwerte. Auf Basis der EU-Erhebung EU-SILC nennt er für 2025 einen Mieteranteil von 52,8 Prozent der Bevölkerung in Deutschland gegenüber 31,5 Prozent im EU-Durchschnitt; unter armutsbetroffenen Menschen beziffert er ihn auf 78,4 Prozent. Der Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Einkommen stieg dem Report zufolge von 21,5 Prozent im Jahr 2020 auf 24,1 Prozent im Jahr 2025.

Als überlastet gilt in dieser Statistik, wer mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens fürs Wohnen aufwendet. Nach dem EU-Vergleich des Statistischen Bundesamtes traf das 2025 auf 11,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland zu, gegenüber 7,7 Prozent im EU-Durchschnitt. In Österreich lag der Wert im selben Jahr nach Angaben von Statistik Austria bei 8 Prozent – und damit um einen Prozentpunkt niedriger als 2024. Die durchschnittliche Miete inklusive Betriebskosten bezifferte Statistik Austria für das erste Quartal 2026 auf 695,10 Euro je Wohnung oder 10,50 Euro je Quadratmeter.

Säulendiagramm zur Wohnkostenüberlastung 2025: Deutschland 11,2 Prozent, Österreich 8,0 Prozent, EU insgesamt 7,7 Prozent der Bevölkerung
Eigene Darstellung NETZ-TRENDS auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes (Deutschland und EU) und von Statistik Austria (Österreich) für 2025. Als überlastet gilt, wer mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens für das Wohnen aufwendet.

Deutschland liegt in dieser Erhebung damit sowohl beim Mieteranteil als auch bei der Wohnkostenüberlastung über dem EU-Durchschnitt und über dem österreichischen Wert. Das ist kein Beleg für eine bestimmte wohnungspolitische Maßnahme, aber es begrenzt das Argument, die deutsche Lage sei europäischer Normalfall.

Wie es weitergeht

Der Gesetzentwurf muss das parlamentarische Verfahren in Deutschland durchlaufen, bevor die Änderungen zum 1. Januar 2027 wirksam werden können. Der Mieterbund fordert nach eigenen Angaben eine Begrenzung der Mieten, den Ausbau des sozialen Wohnungsbestands und einen stärkeren Schutz vor Wohnungsverlust; als langfristigen Bedarf nennt der Report rund zwei Millionen Sozialwohnungen gegenüber einem Bestand von 1,03 Millionen im Jahr 2025.

Für Haushalte, die Wohngeld beziehen oder beziehen könnten, bleibt bis dahin vor allem eine praktische Frage offen: um wie viel der eigene Anspruch ab 2027 sinken würde. Beantwortet ist sie derzeit nicht.

Wie hat sich Ihre Wohnkostenbelastung in den vergangenen zwölf Monaten entwickelt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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