Das Wichtigste in Kürze
- Nach einer am 6. September 2026 veröffentlichten Auswertung von KfW Research planen 12 Prozent der auslandsaktiven mittelständischen Unternehmen in Deutschland, in den kommenden fünf Jahren Tätigkeiten ins Ausland zu verlagern. In den vergangenen fünf Jahren haben das 4 Prozent tatsächlich getan.
- Im Verarbeitenden Gewerbe liegt der Anteil mit Verlagerungsplänen bei 29 Prozent. Setzt nur jedes zweite dieser Unternehmen seine Pläne um, wären es nach der Rechnung der deutschen Förderbank rund 7 Prozent der mittelständischen Industriebetriebe.
- Die Auslandsumsätze des deutschen Mittelstands lagen 2024 nach denselben Angaben bei 699 Milliarden Euro – nominal auf dem Niveau des Vorjahres, inflationsbereinigt 2,9 Prozent darunter. Die zugrunde liegende Sonderbefragung stammt aus dem Januar 2026.
Ein wachsender Teil der mittelständischen Industrie in Deutschland denkt nach Angaben der deutschen Förderbank KfW darüber nach, Teile der eigenen Tätigkeit ins Ausland zu verlegen. Das geht aus einer Mitteilung von KfW Research hervor, die das Institut mit Sitz in Frankfurt am Main am Sonntag um 10.00 Uhr veröffentlicht hat. Danach planen 12 Prozent der auslandsaktiven mittelständischen Unternehmen, in den kommenden fünf Jahren Tätigkeiten ins Ausland zu verlagern. Im Verarbeitenden Gewerbe sind es 29 Prozent.
Die Zahl bekommt ihr Gewicht erst durch den Vergleich mit der Vergangenheit: In den vergangenen fünf Jahren haben nach denselben Angaben lediglich 4 Prozent der auslandsaktiven Unternehmen tatsächlich verlagert. Zwischen dem, was geschehen ist, und dem, was vorgesehen ist, liegt damit der Faktor drei.
Vier Prozent haben verlagert, zwölf Prozent planen es
Die Erhebung unterscheidet zwischen bereits vollzogenen und geplanten Verlagerungen. Beide Werte beziehen sich auf mittelständische Unternehmen in Deutschland, die im Ausland aktiv sind – nicht auf den Mittelstand insgesamt.

Die KfW selbst rechnet die Planzahl herunter. Unter der von ihr als konservativ bezeichneten Annahme, dass nur jedes zweite Unternehmen seine Absicht umsetzt, kämen rund 7 Prozent der mittelständischen Industriebetriebe in Deutschland zusammen, die einen Teil ihrer Produktion ins Ausland verlegen. Auch dieser reduzierte Wert liegt deutlich über dem, was in den vergangenen fünf Jahren tatsächlich geschehen ist.
Dr. Dirk Schumacher, nach Angaben der KfW Chefvolkswirt des Hauses, wird in der Mitteilung mit den Sätzen zitiert: „Die Zahl der mittelständischen Industrieunternehmen, die über eine Verlagerung ihrer Tätigkeiten ins Ausland nachdenkt, nimmt zu. Für Wachstum und Wohlstand in Deutschland ist das eine bedenkliche Entwicklung.“
30 Prozent rechnen mit sinkenden Auslandsumsätzen
Neben den Verlagerungsplänen steht in derselben Auswertung eine gedämpfte Erwartung an das Auslandsgeschäft selbst. Für die kommenden drei Jahre rechnen danach 30 Prozent der befragten Unternehmen mit sinkenden grenzüberschreitenden Umsätzen, 6 Prozent davon mit einem starken Rückgang.
| Erwartung an die eigenen Auslandsumsätze in den kommenden drei Jahren | Anteil der Unternehmen |
|---|---|
| Rückgang insgesamt | 30 % |
| darunter: starker Rückgang | 6 % |
| Wachstum | knapp 25 % |
| keine Veränderung | 47 % |
Neue Exportmärkte oder mehr EU-Binnenmarkt
Verlagerung ist nicht die einzige Reaktion. 16 Prozent der auslandsaktiven Unternehmen haben nach den Angaben der Förderbank in den vergangenen fünf Jahren neue Exportmärkte erschlossen oder neue Kundschaft im Ausland gewonnen, weitere 7 Prozent planen das. Häufiger ist die Mitteilung zufolge eine andere Reaktion: Etwa doppelt so viele Unternehmen streben eine stärkere Ausrichtung auf den EU-Binnenmarkt an. Auf welche der beiden zuvor genannten Gruppen sich dieser Vergleich bezieht, führt die Mitteilung nicht aus, und eine eigene Prozentzahl nennt sie dafür nicht.
Das Verarbeitende Gewerbe, auf das nach Angaben der KfW rund 43 Prozent der mittelständischen Auslandsumsätze entfallen, ist bei dieser Diversifizierung besonders aktiv. Es ist zugleich die Gruppe, für die die Mitteilung mit 29 Prozent den höchsten Anteil an Verlagerungsplänen ausweist – beides steht in derselben Auswertung nebeneinander.
699 Milliarden Euro Auslandsumsatz – real ein Minus
Die absolute Größenordnung nennt die Mitteilung ebenfalls: 2024 erzielte der deutsche Mittelstand 699 Milliarden Euro Auslandsumsatz. Nominal blieb der Wert damit auf dem Niveau von 2023, inflationsbereinigt lag er 2,9 Prozent darunter. Für 2025 berichtet der Auswertung zufolge ein Drittel der auslandsaktiven Unternehmen von einem weiteren Rückgang.
Diese Entwicklung trifft auf eine Industrie, die auch an anderer Stelle unter Druck steht. Die deutsche Chemieindustrie meldete für das zweite Quartal 2026 eine Kapazitätsauslastung von 73,2 Prozent, und ein Kreditversicherer zählte für das erste Halbjahr 33 deutsche Großinsolvenzen, sieben davon in der Automobilbranche.
Was die Auswertung offenlässt
- Wohin verlagert wird. Zielländer oder Regionen nennt die Mitteilung nicht. Ob die geplanten Schritte in den EU-Binnenmarkt, nach Nordamerika oder nach Asien führen, geht aus ihr nicht hervor.
- Wie viele Arbeitsplätze betroffen wären. Die Anteile beziehen sich auf Unternehmen, nicht auf Beschäftigte. Eine Verlagerung kann eine einzelne Fertigungslinie betreffen oder einen ganzen Standort – die Mitteilung unterscheidet das nicht.
- Wie belastbar Pläne sind. Die Förderbank halbiert die Planquote selbst, bevor sie eine Größenordnung nennt. Der Abstand zwischen 4 Prozent tatsächlicher und 12 Prozent geplanter Verlagerung zeigt, dass Absicht und Umsetzung in der Vergangenheit auseinandergefallen sind.
- Wie alt die Stimmung ist. Die Sonderbefragung lief vom 12. bis 21. Januar 2026. Die KfW weist selbst darauf hin, dass sie noch vor Beginn des Kriegs im Iran stattfand und sich die Einschätzungen seither zum Negativen verändert haben dürften.
Die Forderungen der Förderbank – und an wen sie sich richten
An die Auswertung knüpft die KfW politische Forderungen. Nach Angaben des Hauses sollte die Politik die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts durch Bürokratieabbau, niedrigere Energie- und Arbeitskosten sowie geringere Steuern und Abgaben stärken; hinzu kommt der Ruf nach einem gezielten Einsatz handels- und industriepolitischer Instrumente.
Adressat solcher Forderungen ist in erster Linie die deutsche Bundesregierung, in Teilen auch die Europäische Union. Bemerkenswert ist dabei, wer sie erhebt: Die KfW ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts, an deren Grundkapital der Bund 80 Prozent und die Länder 20 Prozent halten. Sie beurteilt hier also Rahmenbedingungen, die ihre eigenen Eigentümer setzen. Der Kostenpunkt, den sie anspricht, ist zumindest bei der Energie messbar: Im August 2026 verteuerte sich Energie im Euroraum nach Eurostat-Zahlen um 14,3 Prozent, während die Gesamtteuerung bei 3,3 Prozent lag.
Für Österreich und die Schweiz enthält die Auswertung keine Zahlen
Grundlage der Auswertung ist nach Angaben der Förderbank das KfW-Mittelstandspanel, eine jährliche Befragung kleiner und mittlerer Unternehmen aller Branchen, ergänzt um die Sonderbefragung zum Auslandsgeschäft vom Januar 2026. Alle genannten Anteile und Beträge gelten für den Mittelstand in Deutschland; Vergleichswerte für Österreich oder die Schweiz enthält die Mitteilung nicht. Wer die Lage im gesamten deutschsprachigen Raum einordnen will, ist auf die jeweiligen nationalen Erhebungen angewiesen.
Was als Nächstes ansteht
Die nächsten unabhängig prüfbaren Datenpunkte liegen unmittelbar vor der Tür. In seiner Terminvorschau für den 7. bis 11. September 2026 kündigt das Statistische Bundesamt für Montag, den 7. September, unter der Nummer 316 den Produktionsindex für Juli 2026 an und für Dienstag, den 8. September, unter der Nummer 318 die Außenhandelszahlen für denselben Monat. Beide Veröffentlichungen zeigen tatsächliche Mengen und Werte – und damit, ob sich die im Januar gemessene Erwartung inzwischen in den Zahlen niederschlägt.
Was sie nicht zeigen, ist der Punkt, um den es in der KfW-Auswertung geht: Ob aus 12 Prozent Absicht am Ende 12 Prozent Verlagerung werden, lässt sich frühestens in einigen Jahren nachzählen.
Wie beurteilen Sie die Entwicklung – ist die steigende Verlagerungsbereitschaft ein Warnsignal für den Standort Deutschland, oder eine normale Anpassung von Unternehmen an veränderte Märkte? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- KfW: Pressemitteilung „KfW Research: Deutsche Mittelständler richten Auslandsgeschäft neu aus“ vom 6. September 2026, 10.00 Uhr
- KfW: dieselbe Pressemitteilung, veröffentlicht über Presseportal und über APA-OTS, jeweils 6. September 2026
- Statistisches Bundesamt: Veröffentlichungstermine vom 7. bis 11. September 2026, Mitteilung vom 4. September 2026
- Gabler Banklexikon: Eintrag „Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)“ zu Rechtsform und Eigentümerstruktur, abgerufen am 6. September 2026
- Eurostat-Zahlen für August 2026 nach dem NETZ-TRENDS-Beitrag vom 1. September 2026 zur Inflation im Euroraum
- Wikimedia Commons: Dateiseite des Beitragsbildes, abgerufen am 6. September 2026
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