"Die Welt" und welt.de mit neuem Logo - muffig oder modern?

Kommentar - Die Tageszeitung "Die Welt" hat ein neues Logo – online wie in der Print-Ausgabe. Was vorher luftig, frei und weltoffen wirkte, wurde nun eingetauscht in ein auf den ersten Blick eher muffig und eng aussehendes WeLT-Logo.

Schwieriges Abenteuer: Die Welt und welt.de versuchen sich an einem neuen Logo. Oben das neue. Unten das alte.

Das kleine "e" im Logo könnte für Internet stehen, für Explorer. Muss man aber erst einmal drauf kommen. Ein großer Wurf ist das neue Welt-Logo – das wohl in einer Agentur entwickelt wurde - nicht. Wie teuer nur das Logo war, dazu äußerte sich Die Welt nicht. Aber ein CI-Konzept nur für Logo und Briefpapier kostet für Firmen leicht zwischen 30.000 und 50.000 Euro. Ein komplett neues Layout Print und online, wie im Falle der Die Welt, ist entsprechend teurer.

Das neue Welt-Logo steht im Gesamtkonzept von welt.de bislang eher als singuläres grafisches Element einsam da. Zum Lesen lädt es nicht ein. Eher zum Wegschauen. Sympathisch ist das Logo nämlich nicht. Es wirkt wie Holzbausteinchen, die man aneinandergereiht hat. Schade, denn welt.de gehört sonst zu den vitalsten Nachrichtenportalen im Netz.

Die Welt ist Teil der in Berlin ansässigen Axel Springer Mediengruppe, zu der neben Die Welt, Welt am Sonntag oder N24 solche Medien gehören wie Bild-Zeitung (gilt nach wie vor als Springers Cashcow mit im Markt getuschelten Renditen zwischen 30 und 40 Prozent), Idealo, N24 oder – relativ neu im Portfolio – der Online-Blog rund um Start-Ups, Gründerszene. Einst gehörten Zeitungen dazu, wie das Hamburger Abendblatt oder die Berliner Morgenpost, oder die Zeitschrift Bild der Frau (legendär ist deren langjährige Chefredakteurin Andrea Zangemeister). Doch diese wurden an die Funke Mediengruppe in Essen verkauft (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, WAZ).

Jan-Eric Peters, Chefredakteur Die Welt/N24, erklärte in einem wenig attraktiv anmutenden Mammut-Großraumbüro, das an eine Hühnerfarm erinnert, wonach das neue Welt-Logo auch ein Symbol sei für die zahlreichen Veränderungen, die bei Die Welt und N24 – ein gemeinsames Unternehmen – anstünden.

Zusätzlich zum neuen Welt-Logo solle das Layout beispielsweise der Titelköpfe der Die Welt, Welt am Sonntag oder Welt Kompakt verändert werden. Peters sagte, mit der Veränderung der Grafik wolle man gegenüber den Partnern, wie den Einzelhändlern, Grossisten oder Werbekunden auch deutlich machen, dass man unter einem Dach publizistische Angebote liefere.

Erklärte die neue Welt-Markenstrategie in einem Video vor der Kulisse eines wenig einladenden Legebatterie-Büros der Welt-Redakteure.Bild: Welt/N24-Videoscreenshot

Zudem sagte Peters, inhaltlich wolle Die Welt/N24 kritisch und optimistisch zu gleich sein. Man wolle "verständlich und zugänglich" agieren. Gleichzeitig kündigte Peters an, dass der bei vielen lieb gewonnene TV-Sender N24 künftig "Welt" heiße. Ob dieser Markentransfer gegenüber Zuschauern und Werbekunden gelingt, darf man abwarten. Denn Fakt ist, dass N24 eine Medienmarke ist, die über viele Jahre wuchs. Warum man diese Marke nun ohne Not vom Markt nimmt, ist auch nicht ganz nachvollziehbar. Wenn der Gedanke primär ist, Kosten zu sparen, bleibt es unverständlich.

Zumal es bei nicht wenigen gegen die Marke "Welt" (die für viele als Zeichen des erzkonservativen deutschen Lagers steht) noch alte Urteile, einige meinen Vorurteile gibt. Dass der Welt wie keinem anderen Zeitungs-Medium der Wechsel ins Internet phantastisch gelungen ist und die Zeitung hier seit Jahren bemerkenswerte Standards setzt, steht auf einem anderen Blatt. Denn auch N24 hat sich hervorragend in den vergangenen Jahren entwickelt.

Die N24-Dokus gehören bei vielen Zuschauern zum Kult, ebenso die kurzweiligen und nicht zu anstrengenden N24-Nachrichten, die angenehm bunt sind und nicht nur politisch (was vielen sowieso gehörig auf die Nerven geht bei der neuen Hüh-und Hot-Politik auf der Weltbühne).

Maud Radke, Artdirektorin Welt am Sonntag, erklärte, dass sie die größte Herausforderung des grafischen Welt-Wandels darin gesehen habe, für Die Welt, das Schwesterblatt Welt am Sonntag (WamS), sowie Welt Kompakt "ein einheitliches Design" zu entwickeln.

Ergänzend fügte Juliane Schwarzenberg, Artdirektorin Die Welt, hinzu, man wolle künftig serifenlose Schriften auch in Print verwenden. Damit gibt Die Welt offensichtlich eine Jahrzehntelange Tradition auf.

Denn Serifenschriften sind letztlich klassische seit Jahrhunderten verwendete Zeitungs-Schriften. Viele Leser schätzen das, da es nicht zu kalt wirkt und nicht so sehr wie eine Büropapier-Schrift, wozu beispielsweise Arial gehört. Künftig, erklärte Schwarzenberg weiter, wolle man die neue Logo-Schrift auch in Print verwenden. Das empfinde sie als moderner.

Ebenfalls ein gewagter Schritt ist die Markentrennung zwischen Welt und Welt am Sonntag, also der Sonntagszeitung WamS, aufzulösen. Denn viele Käufer der WamS würden nie Die Welt kaufen und umgekehrt.

Die WamS ist ein Produkt, das stets jünger daherkam und umfangreich Lifestyle-Themen Platz einräumte. Die ideale Wochenende- und Feierabend-Lektüre eben. Die Welt wiederum diente Axel Springer über Jahrzehnte als sein wichtigstes politisch-publizistisches tendenziell konservatives Flaggschiff. Eine grafische Trennung machte deshalb Sinn.

Vor allem die Welt am Sonntag könnte am Ende des großen Welt-Mustopfes als Verlierer hervorgehen und Leser abwandern, wenn es nicht gelingt, die Leichtigkeit des Mediums beizubehalten. Gleichzeitig bietet die Marken-Verwischung eine Chance für die Zeit danach, für dann, wenn es keine Print-Zeitungen mehr gibt. Dann könnten Teile des etablierten Mediums WamS weiterleben – leider möglicherweise als dann kaum mehr wahrnehmbares Welt-Produkt. Deshalb fragt man sich schon: Ist das nicht alles etwas verfrüht in die Wege geleitet?

Weiterer Hintergrund: Welt/N24-Chefredakteur Jan-Eric Peters über das neue Logo in seinem Text "Gestatten, WeLT. Mit kleinem e"