Job Krise: Axel Springer-Tochter WeltN24 streicht bei DIE WELT und N24 bis zu 50 Stellen

Kommentar - Bei der DIE WELT und N24, bekannt auch als WeltN24, sollen nach einem Bericht von Reuters bis zu 50 Arbeitsplätze abgebaut werden. Das klingt nach einer ernsthaften Krise.

Journalist zu sein ist kein Spass mehr: Immer mehr Stellen werden abgebaut. Und wenn man noch seinen Job hat, sitzen immer mehr in Großraumbüros zusammengepfercht.

Angeblich wolle die Axel Springer-Tochter WeltN24 beim Jobabbau auf Betriebsbedingte Kündigungen möglichst verzichten. Doch was heißt das? Drei Optionen sind bei Arbeitsplatzabbau grundsätzlich denkbar: Entweder man stimmt einem Aufhebungsvertrag mit Abfindung zu (was dann zum eigenen Steuersatz komplett versteuert werden müsste), oder man wird eben möglicherweise doch betriebsbedingt gekündigt. Zudem heißt es, versuche Springer seine Redakteure auf andere Abteilungen zu verteilen. Nur wohin mit so vielen Autoren, beziehungsweise Redakteuren?

Schon heute, erzählte uns ein Bild-Redakteur aus Berlin, würden beispielsweise auch bei der Springer-Zeitung BILD Stellen häufig nicht mehr nachbesetzt, wenn beispielsweise eine Redakteurin oder ein Redakteur in Rente gehe. Vor allem in den Lokalredaktionen wird seit Jahren Personal eingespart.

Als Minimalkonsens wäre bei einem Stellenabbau, dass im schlechtesten Fall Redakteure, die einem Aufhebungsvertrag zustimmen, pro Beschäftigungsjahr mindestens 0,5 Monatslöhne erhalten würden.

Allerdings bieten Unternehmen, die auf sich etwas halten, in aller Regel deutlich höhere Abfindungen. Sie liegen dann in der Regel bei bis zu einem kompletten Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr. In ganz besonders verdienten Fällen kam es aber auch schon vor, dass der Beschäftigte, der einem Aufhebungsvertrag zustimmte, ein komplettes Jahresgehalt on top erhalten hat.

Allerdings gibt es grundsätzlich immer auch die Option, dass man weder einem Aufhebungsvertrag zustimmt, noch einer Versetzung. Dann sind die im Vorteil, die eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen haben, welche auch den Berufsrechtsschutz umfasst. Oder man ist Mitglied im Deutschen Journalistenverband (DJV). Auch dann genießen Journalisten Rechtsschutz. Doch vom DJV hört man schon seit längerem nicht mehr all zu viel, geht es um Stellenabbau. Dafür liest man eine Titelgeschichte über Netflix im aktuellen DJV-Monatsheft DER JOURNALIST.

Von Parolen

Immerhin sagte der DJV angesichts der von Meedia berichteten geplanten Trennung bei WeltN24 von Produktion und Recherche (gibt es bei Springer nicht schon seit Jahrzehnten eine getrennte Springer Dokumentation?), dass man "bisher nur besser oder schlechter getarnte Sparprogramme" erlebt habe, wenn man solche angeblichen effizienzsteigernden Parolen von Abteilungsfusionen oder Abteilungstrennungen gehört habe.

Doch wie konkret der Stellenabbau nun bei WeltN24 gemacht wird, ist noch nicht klar. Immerhin stehen bei DIE WELT und N24 nun rund ein Achtel aller 400 Positionen, schreibt Reuters weiter, zur Disposition. Üblicherweise würde man bei einem solch drastischen Personalabbau durchaus von Massenentlassungen sprechen.

Fakt ist: Die N24-Redaktion, die beispielsweise auch die Nachrichten von Sat.1 redaktionell mit bestückt, ist Kummer gewohnt. Seit Jahren ziehen immer wieder Entlassungswellen durch die Redaktion, die dafür bekannt ist, vorzügliche Arbeit zu leisten. Das gilt auch für die Kolleginnen und Kollegen der DIE WELT-Redaktion. Vor allem im Onlinebereich leisten sie seit Jahren beste und engagierte journalistische Arbeit, die sich problemlos mit SPIEGEL-Online oder FOCUS-Online messen kann.

Jedenfalls schreibt Reuters weiter, wonach WeltN24 plane, mehrere Abteilungen - also wahrscheinlich Redaktions-Ressorts - zu fusionieren.

Oberster Chefredakteur der WeltN24-Redaktion ist Stefan Aust. Aust war zuvor jahrelang Chefredakteur des Magazins DER SPIEGEL. Zudem ist Stefan Aust als Buchautor bekannt, sowie als Fernsehmoderator. Zu den Fachgebieten von Aus gehört unter anderem das Wirken der Roten Armee Fraktion in Deutschland (RAF).