Der STERN zerreißt Marissa Mayer von Yahoo

Autor des Textes ist der Amerikaner Nicholas Carlson, welcher den Artikel ursprünglich für das "New York Times Magazin" geschrieben hatte. Zusammengefasst könnte man nach der Lektüre des STERN-Artikels sagen, dass Marissa Meyer sich viel vorgenommen hat, aber bislang nicht viel zustande brachte. Doch ist das nicht nur ihre Schuld, sondern eine langjährige Entwicklung des Niedergangs eines der einstmals weltgrößten Internet-Unternehmen:

Bild: Yahoo
Oh Marissa: Als Retterin hoch gelobt, jetzt am Boden der harten Realität angekommen. Der Druck wächst.

In einem über sechs Seiten gehenden Artikel zerreißt das deutsche wöchentliche Nachrichtenmagazin der STERN (vom 29.1.2015; verkaufte Auflage: 725.959 Exemplare) die amerikanische Yahoo CEO Marissa Mayer in einem wenig schmeichelhaften Porträt. Der STERN erscheint im Hamburger Medienhaus Gruner + Jahr (G+J).

Im Stern steht über Marissa Mayer: "Als Marissa Meyer zu Yahoo kam, war das eine Sensation. Sie war jung, schön, unermesslich reich – und schwanger. Sie sollten den Internetkonzern neu erfinden. Viele glauben, sie sei damit gescheitert."

Der Text von Nicholas Carlson brilliert mit einigen Interna, welche wir bislang nicht kannten oder nicht in dieser Tiefe analysierten. Dazu gehört beispielsweise, dass Yahoo "in fünf von sechs zurückliegenden Quartalen" einen Umsatzrückgang zu verbuchen habe. Meyer verkünde ihre Quartalszahlen gewöhnlich "im TV-Studio auf dem festungsähnlichen Yahoo-Gelände in Sunnyvale in Kalifornien", wobei sie gesagt habe, dass sie und ihre Yahoo-Truppe "fest an den Umbau" glaubten und man "diese Kultfirma zu alter Größe zurückführen" könne.

Solche Worte werden gerne von CEOs gewählt, die vor der Herkulesaufgabe stehen, Konzerne umzubauen, die in der Vergangenheit so manche Baustelle gerne übersehen haben und kurz vor einem Crash stehen und diesen nun versuchen zu vermeiden, ehe es zu spät ist.

Über Krisen-Unternehmen fliegen gern die Geier - Anwälte, Unternehmensberater

Das sind dann auch Zeiten, in welchen die Geier kreisen – Unternehmensberater, Rechtsanwälte. Sie wollen aus dem Leid eines Unternehmens Millionen ziehen und schaffen das meist auch. Bei Yahoo dürfte das nicht viel anders sein, kann wohl vermutet werden.

Tauchten unlängst noch Gerüchte auf, wonach Yahoo möglicherweise sich mit dem anderen alten Internetriesen aus den USA - AOL - zusammentun könne, schreibt Carlson in dem Stern-Artikel, wonach man davon von Marissa Mayer, 39, derzeit nichts höre.

Doch gebe es längst Investoren, welche nicht mehr an Marissas Auferstehung zur übergroßen Yahoo-Retterin glaubten. Dabei, heißt es in dem STERN-Artikel, vergleiche sich Marissa Mayer angeblich gerne mit Steve Jobs, "dem legendären Apple-Gründer".

Der Text kommt zu der nüchternen Erkenntnis, wonach man im Internet nur mit ein paar Wegen Geld verdienen könne: "Als Onlinehändler wie Amazon oder Ebay. Oder als Hersteller wie Apple. Alle anderen leben, mehr oder weniger, von Werbung. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter verkaufen Anzeigen. Auch Google verdient das meiste Geld damit. Yahoo hat dieses Geschäft quasi erfunden."

Neben dem bekannten E-Mail-Service bietet Yahoo Klatsch & Tratsch, aber auch Wetter-Nachrichten.Bild: Yahoo

Die Idee, mit Werbung im Internet Geld zu verdienen, hätten die beiden Yahoo-Gründer Jerry Yang und David Filo gehabt. Sie hätten die Idee gehabt, Listen mit den besten Links auf ihren Seiten zu platzieren und dazu Werbung. Es ist also genau das, was die Google Inc. heute bei Webseiten durch mangelnde Sichtbarkeit in Google-Trefferlisten nach Anfragen von Verbrauchern abstrafen würde. Google begründet dies gerne damit, wonach eine solche Webseite angeblich eine schmutzige Linkschleuder sei, ohne dass man nennenswerte Substanz dem Leser biete.

Börsenwert von Yahoo lag einst bei 128 Milliarden US-Dollar

128 Milliarden US-Dollar habe Yahoo einstmals an der Börse an Wert ausgewiesen, heißt es im STERN weiter. Heute liege der Wert gut 10-mal niedriger – bei 20 Milliarden.

Marissa Mayers Job sei es gewesen, Yahoo zu alter Größe zu führen. Als eine der ersten 25 Angestellten von Google gilt sie in der Internet-Szene weltweit als ein Star. Zu Anfang habe Mayer, wie das neue CEOs in Krisenunternehmen gerne tun, wöchentlich Mitarbeiter zu Meetings geladen und zwar unter dem Motto "F.Y.I" - was für "For Your Information" stehe. Zudem habe Mayer das Essen in der Kantine für Mitarbeiter auf umsonst umgestellt.

Dann erfährt man, dass die Mitarbeiter von Yahoo sich scheinbar beim Großmachen und Urinieren auf dem WC zuschauen konnten – da die Yahoo-Leitung wohl zu geizig war, die Trennwände bis zur Wand gehen zu lassen. Auch das habe Marissa endlich behoben.

Auch wenn der große Knaller bislang ausgeblieben sei, habe Marissa Mayer doch einige weitere gute Dinge bewältigt: Die (wirklich gute) Wetter App auf Handys, Flickr wurde überarbeitet, der E-Mail-Service.

Dabei gelte, dass der E-Mail Service von Yahoo nach wie vor das wichtigste Standbein für den amerikanischen Internetkonzern sei – wohl neben der Funktion als Internet-Suchmaschine.

Doch spätestens, darf man annehmen, seitdem bekannt ist, dass auch Yahoo mit der amerikanischen Regierungs-Hackerbehörde NSA kooperiert, dürfte Yahoo zumindest in der Europäischen Union (EU) als E-Mail-Provider bei Verbrauchern und Unternehmen wohl eher ausgedient haben. Heute sind wieder deutsche E-Mail-Dienste wie T-Online oder GMX in.

Deutsche steigen wieder auf T-Online, Gmx & Co um

T-Online hat über die Jahre aufgerüstet und selbst das kostenlose Versenden von Bildern mit über 20 MB ist dort heute kein Problem mehr. Bis vor kurzem war das noch ein großes Plus von Gmail, also Google Mail. Zudem arbeiten große deutsche Dienste wie T-Online oder GMX seit Bekanntwerden des NSA-Skandals durch Edward Snowden verschlüsselt.

Obendrein wurden die Dienste von amerikanischen Knotenpunkten abgespalten, laufen also nur noch über deutsche Internetleitungen. Das mag zwar auch die weltgrößte Hackernation, die USA, nicht davon abhalten, sich kriminell in auch privateste Mails zu hacken, aber ein guter Schritt ist es nach Ansicht von vielen T-Online oder GMX-Kunden allemal.

Dennoch: Mayer habe als neue CEO von Yahoo für die Mitarbeiter ein Vorbild sein wollen, habe auch deshalb oft nur vier Stunden geschlafen und häufig neue Projekte vorgestellt, heißt es in dem STERN-Text weiter. Neben den genannten Projekten habe sie das Portfolio durch Zukäufe aufgehübscht: 1,1 Milliarden Dollar habe sie alleine für die Blog-Plattform Tumblr bezahlt.

Immerhin habe sie den Mitarbeitern reinen Wein eingeschenkt, als sie gesagt habe: "Wir machen fünf Milliarden Dollar Umsatz – aber das kann und das wird mit einem Wimpernschlag vorbeisein, wenn wir nicht gut sind."

Zudem wissen wir jetzt, wo der Yahoo-Gewinn bleibt: Beim top-bezahlten Yahoo-Management. Beispielsweise beim ehemaligen Mayer-Kollegen von Google, bei Henrique de Castro, der den Produkt-Verkauf von Yahoo ankurbeln hätte sollen. Die gigantische Summe von 109 Millionen Dollar habe er in nur 15 Monaten von Yahoo erhalten – für? Ja wohl für fast nichts. Jedenfalls wohl nichts wirklich nennenswertes, was Yahoo aus der Krise geführt haben könnte.

Angeblich habe man auch bei Yahoo die Sehnsucht, wie Steve Jobs zu sein

Der STERN-Artikel schließt mit dem Fazit, wonach der Druck auf Mayer mittlerweile groß sei – vor allem Investoren seien unzufrieden. Gefährlich sei es, wenn die Chefs Stars sein wollten, wie Steve Jobs. Verständlich sei, dass Marissa Mayer darauf verweise, wonach sie für den Umbau von Yahoo mehr Zeit benötige – auch mit Blick auf Steve Jobs, der Jahre brauchte, um aus einem Fast-Konkurs-Kandidaten wieder einen nachhaltig profitabel arbeitenden Konzern zu schmieden.

Der Unterschied ist aber der: Yahoo hat derzeit nichts wirklich bewegendes Neues zu bieten. Apple kam der Digital-Zug entgegen: Musik digital (iPod) und dann kam das Mega-Zeitalter des Smartphones.

Mit den berühmten Apple-Computern alleine könnte die Apple Inc. wohl längst nicht mehr nachhaltig so gut dastehen, wie derzeit. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Apple mit einem Quartalsgewinn von 16 Milliarden US-Dollar nun Wirtschaftsgeschichte weltweit geschrieben habe:

Noch nie habe ein Unternehmen in nur einem einzigen Quartal einen solch gigantischen Gewinn ausgewiesen. Doch immerhin: Die US-Zeitung USA Today (2 Millionen Print-Auflage) berichtete am Montag den 2. Februar 2015, wonach Marissa Mayer zu den Top-10 CEOs der 1500 größten US-Unternehmen nach S&P gehöre, welche unter 40 Jahren alt seien. Das Durchschnittsalter der CEOs dieser Unternehmen läge in den USA bei 56 Jahren.

Das Yahoo Executive Team besteht derzeit aus: Marissa Mayer (Chief Executive Officer, President & Director), David Filo (Co-founder & Chief Yahoo), Ken Goldman (Chief Financial Officer), Ron Bell (General Counsel & Secretary), Jacqueline D. Reses (Chief Development Officer), Kathy Savitt (CMO & Head of Media), Adam Cahan (Senior Vice President Mobile & Emerging Products), Mike Kerns (Senior Vice President Homepage & Verticals), Laurie Mann (Senior Vice President Search Products), Jeff Bonforte (Senior Vice President Communication Products), Scott Burke (Senior Vice President Advertising Technology), Jay Rossiter (Senior Vice President Platforms), Mike Kail (Chief Information Officer & Senior Vice President), Ned Brody (Head of the Americas), Dawn Airey (Senior Vice President Europe, Middle East, and Africa), Rose Tsou (Senior Vice President Asia-Pacific), Lisa Utzschneider (Schweizerin; Senior Vice President Americas Sales), Prashant Fuloria (Senior Vice President Advertising Products).

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