Amazon Fire Handy: Viel Wind um nicht viel neues

Um die sowieso schon dominierende Marktstellung weiter auszubauen, vermarktet Amazon nun zunehmend ein eigenes Handy - und zwar das Amazon Fire Phone. Damit wolle Amazon das "Shopping-Erlebnis" online weiter verbessern - sagt zumindest das Unternehmen. Doch nicht ganz klar ist, was nun an dem relativ neuen Amazon Fire Telefon besser sein soll, als an anderen Handys und warum damit das Online-Shopping besser werden solle:

Amazon bewirbt sein Amazon Fire Phone.

Schon heute gehört das amerikanische Online-Kaufhaus amazon neben Anbietern wie otto.de (Deutschland) oder alibaba (China) zu den größten Onlineshops weltweit. So steuert Amazon auf einen Jahresumsatz von 100 Milliarden Dollar zu.

Zum einen bietet das Handy von Amazon eine 3D-Funktion. Außerdem behauptet Amazon, man habe ein besseres Ecosystem. Damit meint man allerdings in der Fachsprache nicht den Umweltschutz, sondern dass ein Unternehmen zentral möglichst zahlreiche Angebote über ein Gerät dem Kunden liefert, beziehungsweise verkauft:

Das erste Smartphone, welches von sich behauptete, ein Ecosystem zu sein, war Apples iPhone. Hier waren und sind sowohl der App Store, iTunes oder die iCloud integriert - und alles aus einer Hand: Nämlich der von Apple. Ähnlich sieht es bei Nutzern von Smartphones aus, welche das Google Android-Betriebssystem installiert haben. Auch hier sprechen manche von einem Google-Ecosystem, da auf dem Google Android-Betriebssystem auch beispielsweise der Google-Play-Store oder Google Drive installiert sind.

PR-Gewäsch vom "Ecosystem"

Letztlich ist das Wort "Ecosystem" aber auch PR-Gewäsch: Es suggeriert, der Verbraucher habe eine ökonomischen, also wirtschaftlichen Vorteil, wenn er sich einem geschlossenen System bediene. Doch meist ist es eher umgekehrt: Der Kunde verliert die Entscheidungshoheit und ist auch wesentlich weniger flexibel in der Produkt- und Themenauswahl.

Jedenfalls bietet bereits jetzt das Amazon Prime-Angebot eine Art "Amazon-Ecosystem": Hierzu gehören ein eigener Amazon Musik-und Video-Stream, ein Amazon App Store sowie ein Amazon Cloud-Storage. Nun zieht das Amazon Fire Telefon all diese Amazon-Dienste erstmals auf einem Handy zusammen.

Ob Amazon aber tatsächlich, wie einige Blogs meinen, nun mit dem Amazon Fire Handy tatsächlich etwas hat, was Google oder Apple nicht hätten, darf wohl eher bezweifelt werden. Denn ein geschlossenes System - das ist selbst in Googles Kerngeschäft, der Google Internetsuchmaschine, immer stärker zu finden.

Das Amazon Fire Handy wird allerdings äußerlich nicht viel anders seine Besitzer beeindrucken, als die meisten sonstigen High-End-Smartphones. So soll es eine Größe von 5,5 Zoll x 2,7 Zoll aufweisen. Außerdem gibt es einen relativ starken 2,2 GHz Quad-Core-Snapdragon-CPU bei einer Adreno 330 GPU und 2 GB RAM.

Ähnlich wie beim iPhone, wird auch beim Amazon Fire Handy keine Batterie zum Herausnehmen vorhanden sein (das ist in der Samsung Galaxy Serie deutlich besser - hier können Batterien nach wie vor herausgenommen werden). Vor allem für jende, der Angst hat, dass man abgehört werden könnte, ist die Herausnahme der Batterie die einzig sichere Option.

Amazon's Handy hat angeblich 285 Stunden Standby-Zeit

Ob das Amazon Handy aber tatsächlich mit seiner Batterie eine solch phänomenale Leistung bietet, wie behauptet wird, muss sich erst noch in der breiteren Praxis und in Tests dauerhaft belegen. Zumindest wird behauptet, dass das Amazon Fire Handy angeblich bis zu 22 Stunden Sprechzeit biete, bis zu 11 Stunden Videowidergabe und bis zu 285 Stunden Standby-Zeit aufweise. Weitere technische Details: eine integrierte 13-Megapixel Kamera mit HDR-Funktion und optischer Bildstabilisierung:

Auch wenn Amazon behauptet, mit dem neuen Amazon Fire Handy sei das Onlineshopping jetzt noch bequemer, vor allem da man mit der neuen Firefly-Funktion selbst abfotografierte Produkte gleich mit dem Onlinepreis von Amazon abgleichen könne:

Nun, das ist die typische Barcode-Funktion. Sie gibt es kostenlos unter anderem Namen - eben einfach unter "Barcode" – in jedem Smartphone herunterzuladen – und zwar von zahlreichen Anbietern, nicht nur von Amazon. Möglich ist eine solche Funktion auch in zahlreichen Apps, die beispielsweise von Preisvergleichsseiten wie billiger.de oder geizkragen.de in den Handys angeboten werden.