Google mit Motorola Moto G Handy für 169 Euro

Der Preis des Moto G: 169 Euro. Doch sind Google und Motorola nicht die einzigen Anbieter von Billighandys. Dennoch treibt nun Motorola den Verkauf des Moto G weltweit aggressiv voran. Ab Mittwoch soll es in Brasilien und weiteren Regionen Europas starten. Im Januar sollen dann andere Weltregionen folgen - unter anderem Indien oder der Südosten Asiens, also möglicherweise Indonesien, Malaysia oder Thailand.

Screenshot: motorola.com
So bewirbt Motorola sein neues Handy moto g.

Auch wenn Google dachte, mit dem 12,5-Milliarden-Dollar-Kauf des amerikanischen Handyherstellers Motorola Mobility schnell Erfolge erzielen zu können: Das hat sich bislang nicht bestätigt. Jetzt versucht das Unternehmen mit dem neuen Billighandy Moto G, welches in Deutschland seit Donnerstag im Handel ist, Kunden zu gewinnen.

Wirklich viele Neuerungen bietet das Moto G nicht. Immerhin gibt es einen high-resolution Bildschirm. Außerdem bietet das neue Motorola Smartphone die aktuellste Android Software für die neuesten Apps. Android wurde als Betriebssystem für Smartphones bereits vor über sechs Jahren von Google unter Zusammenarbeit mit zahlreichen Software-Schmieden als Alternative zu iOS von Apple entwickelt. Doch trotz des Vorstoßes ins Billigsegment der Handys seien bislang die Verkäufe des Moto G eher dürftig, schreiben einige US-Blogs.

Dennoch deutet sich an, dass Motorolas Chief Executive Dennis Woodside das Marketing-Instrument "Preis" künftig stärker nutzen wird, um Marktanteile für sich und Google zu gewinnen. Konkret bedeutet dies: Der Google-Handyhersteller Motorola möchte mit den neuen Handys Moto G sowie dem etwas teureren Moto X den Konkurrenten Marktanteile abnehmen. Besonders im Fokus stehen dabei beispielsweise Microsofts neue Tochter Nokia (Lumia), Apple (iPhone) sowie Samsung (Galaxy).

Doch jeder Betriebswirtschaftler weiß: Mit billig alleine lässt sich fast kein Unternehmen refinanzieren, das hohe Entwicklungskosten hat. Deshalb sagten Google und Motorola bereits, sie wollten die neuen Billighandys zunächst nicht in allen Ländern anbieten. Ausgeschlossen sei beispielsweise China. Das Reich der Mitte gilt als größter "low-end market" der Welt, also als größter Markt für Industrie-Billigprodukte weltweit - und gerade dort wartet sicherlich niemand auf ein weiteres Billigprodukt made in USA.

Bereits am Mittwoch hatte Motorola mitgeteilt, wonach das neue Handy Moto G für lediglich um die 180 US-Dollar in den Weltmarkt gehen soll. Erstaunlich: Während Elektronikgiganten wie Sony oder Microsoft gerne ihre Produkte - wie Spielekonsolen - beispielsweise in Deutschland deutlich teurer anbieten als in den USA, scheint Motorola hier fairer vorzugehen. Denn der Preis für das neue Moto G in Deutschland (169 Euro) entspricht fast exakt dem aktuellen Umtauschkurs in Dollar (in den USA kostet es 179 Dollar).

Schwellenländer im Fokus der Billighandys

Doch im Zentrum der Billigoffensive stehen für Motorola sowieso nicht Deutschland oder andere reiche Industriestaaten, sondern eher Entwicklungsländer oder Schwellenländer. Im Gespräch sind Nationen wie Brasilien, Chile oder Peru. Alleine diese latein- und südamerikanischen Nationen weisen einen Wirtschaftsraum von 500 Millionen Bürger auf - also zumindest quantitativ mit der Europäischen Union (EU) vergleichbar.

Google hofft mit dem neuen Billigsmartphone zudem seine zahlreichen Internet-Service, wie Internet-Suchmaschine, Gmail oder Google Play, weiter offensiv (einige sagen auch aggressiv) verbreiten zu können. Doch genau dieser Interessenskonflikt stößt in der Internetszene zunehmend auf Widerstand. So schreibt beispielsweise ein US-Blogger, wonach diese ewigen Interessens-Kollisionen von Google auch das neue Motorola Smartphone "far less smart" mache.

Doch ohne Smartphones geht im Internet nichts mehr: In Deutschland greifen mittlerweile 50 bis 75 Prozent der Internetnutzer über mobile Endgeräte auf das Internet zu - also primär über Smartphones oder Tablet-PCs. Nur noch rund 25 Prozent gehen direkt über den PC (Personal Computer) ins Internet.

Der Bildschirm des neuen Moto G weist eine Größte von 4.5 Inch auf. Damit ist das Google-Handy kleiner als das iPhone 5S, aber immer noch etwas größer als Samsungs erfolgreiches Galaxy S4. Ein Nachteil dürfte für viele Nutzer sein, dass das Moto G schwerer ist, als viele andere Handys - beispielsweise das teure iPhone 5S von Apple.

Googles Mission - in der Diskussion

Das hauseigene Konkurrenzprodukt von Motorola zum Moto G, das Moto X, bietet für mehr Geld mehr Services - beispielsweise die Fähigkeit interaktiv über die Stimme gesteuert zu werden. Doch auch diese technische Neuerung ist im Smartphone-Markt nicht ganz neu und Apple oder Samsung, ebenso Nokia, sind bei dem Thema erfolgreich dran.

Für viele in der Internetszene nervig wird langsam das ewig wiederholte, aber zunehmend weniger glaubhafte Statement eines der reichsten Konzerne der Welt, eben von Google, wonach es "Googles Mission" sei, "die Welt der Information im Internet universell zugänglich zu machen".

Denn viele wissen: Es stimmt zwar, dass Google auch kleinen Anbietern eine große Chance im Internet bietet und nicht nur den Medien-Platzhirschen oder anderen Weltkonzernen. Aber: Die oberste Mission ist für Google das Geldverdienen und die Erreichung eines Weltmonopols im Internet. Selbst treue Werbekunden von Google, die hunderte Millionen Euro in Google-Werbung investieren, werden mittlerweile von Google mit eigenen Konkurrenzprodukten massiv unter Druck gesetzt - beispielsweise mit dem neuen Google hotelfinder oder Google flights. Das Ziel von Google ist dabei klar: Auch im Reisemarkt oder dem sonstigen eCommerce-Markt möchte man nicht zu viel Wettbewerb, sondern eine Pole-Position.

Neben Motorola positionieren sich derzeit weltweit andere Unternehmen als Billiganbieter von Smartphones. Dazu gehören zum Beispiel Huawei, Yulong, ZTE aus China oder Micromax und Karbonn aus Indien. Selbst Samsung versucht im Billigsegment der Handys Boden zu gewinnen. So bietet der südkoreanische Weltkonzern beispielsweise mit dem Galaxy Young auf Amazon ein Handy für bereits um die 100 US-Dollar an. Ähnlich sieht es mit den Konkurrenten Huawei oder ZTE aus. Diese beiden Handyhersteller verkaufen für um die 100 US-Dollar Android-Handys.