Klöster Heilige Familie in Ägypten: Spurensuche der Flucht nach Ägypten

Eines kann die neue ägyptische Regierung nicht leugnen: Es war der ehemalige Präsident von Ägypten, Hosni Mubarak, dem es stets ein großes Anliegen war, dass es in Ägypten keine Christenverfolgungen gibt, sondern ein gutes auf gegenseitigem Verständnis beruhendes Miteinander zwischen Muslim und Christen. Er war es auch, der die Entstehung eines Booklets über die Reise der "Heiligen Familie" durch Ägypten in mehreren Sprachen, darunter deutsch, bereits vor Jahren förderte.

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Altes christliches Mosaik im Koptischen Viertel in Kairo.

Auch wenn immer wieder von Christenverfolgungen in islamischen Ländern zu lesen ist: Die Heilige Familie, die vor über 2.000 Jahren in Ägypten auf der Flucht war, ist bis heute Zeugnis davon, dass der Islam und das Christentum durchaus miteinander harmonieren. Auch greift Dr. Mamdouh El-Beltagui, der ehemalige Minister für Tourismus in Ägypten, sicherlich nicht zu hoch, wenn er in einem in deutscher Schrift gehaltenen Booklet schreibt: "Ägypten ist die Wiege der menschlichen Zivilisation". Denn es stimmt: Ägyptens Hochkultur ist noch älter als die der Griechen.

So steht in dem Booklet: "Eines der bedeutendsten Ereignisse, das sich in Ägypten im Laufe seiner langen Geschichte zugetragen hat, ist die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten." Das Booklet zeigt die wichtigsten Stationen der Heiligen Familie in Ägypten auf. Auch wenn einige der dort aufgezeigten Stationen sicherlich eher dem Reich der Legende zuzuordnen sind, so dürften doch einige Orte tatsächlich von der Heiligen Familie aufgesucht worden sein und sind bis zum heutigen Tage erhalten. Letztlich kommt es aber auch gar nicht so sehr darauf an, ob nun Maria und Joseph tatsächlich an all diesen Orten waren. Viel wichtiger ist es, dass es immer noch so viele Spuren christlichen Glaubens in dem islamischen Land Ägypten gibt. So schreibt das Booklet weiter: "Der Aufenthalt des Jesuskind in Ägypten war ein großer Segen für das Land und sein Volk."

Einer der wichtigsten christlichen Orte, welche noch aus Zeiten der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten existieren, ist die altertümliche Marienkirche in dem christlichen Kloster von Al-Meharrak. Hier verweilte die Heilige Familie mehr als sechs Monate. Das Al-Meharak Kloster liegt im Zentrum von Ägypten. "In den Orten, die von der Heiligen Familie in Ägypten aufgesucht und gesegnet wurden, gibt es heute noch überall Kirchen und Klöster", steht in dem ägyptischen Booklet über die Flucht von Maria und Joseph nach Ägypten.

Wichtige weitere Stationen von Maria und Joseph in Ägypten sind die Wüste Sinai. Sie musste auf der Flucht nach Ägypten durchquert werden. Doch der Ursprung der Flucht lag in Bethlehem. Von dort ging es in den heutigen Gazastreifen und zwar zum dort auch heute noch existierenden Protektorat Al-Zaranik (Al-Flosiat). Der Ort liegt 37 Kilometer westlich von Al-Arish. Heute kann man dort die ausgegrabenen Überbleibsel der Flusseja Kirche El-Zaranik, besichtigen. Weitere christliche Urorte sind die Ruinen von El-Farama östlich von Port-Said. Dort gibt es unter anderem ein Bruchstück einer christlichen Säule zu sehen, sowie - wirklich spektakulär - die Reste einer unterirdischen koptisch-christlichen Kirche, also eine Grotte.

Christliche Klöster in Ober- und Unterägypten

Einer der ersten Orte der Heiligen Familie in Ägypten ist Tel Basta (Bastat) in der ägyptischen Provinz Al-Scharkeya. Der Ort liegt rund 100 Kilometer nordöstlich von Kairo. Die Legende berichtet, wonach Jesus Christus dort eine Wasserquelle aus dem Wüstensand habe sprudeln lassen, welche noch bis heute zu besichtigen ist. Ein weiterer wichtiger Ort, der vom Besuch der Heiligen Familie in Ägypten bis heute Zeugnis ablegt, ist Mostorod Kaljubija. Hier gibt es entsprechend die "Heilige Jungfrau Kirche". In der Kirche ist eine alte Grotte zu besichtigen, welche typisch sind für christliche uralte Kirchen in Ägypten. Es wird berichtet, wonach Maria und Joseph mit Jesus Christus von Basta sich auf den Weg Richtung Süden gemacht hätten, wo sie Mostorod (Al-Mahamma), circa zehn Kilometer von Kairo entfernt gelegen, erreicht hätten.

Nach Mostorod sei die Heilige Familie weiter gezogen und zwar ostwärts Richtung Belbes (Philobos). Der Ort liegt im heutigen Gouvernorat Al-Sharkeya, welcher wiederum rund 55 Kilometer von Kairo entfernt ist. Es wird bis heute berichtet, wonach die Heilige Familie "im Schatten eines Baumes" gesessen habe. Deshalb bezeichnen die Christen Ägyptens das noch lebende Gewächs "Der Baum der Jungfrau Maria". Auch in Belbes gibt es eine christliche Kirche - und zwar die "Heilige Jungfrau Kirche". Das Christenhaus ist zwar wenig spektakulär, verfügt aber über einige alte Ikonen.

Eine griechisch-orthodoxe christliche Kirche im hermetisch abgeriegelten Koptischen Viertel in Alt Kairo.netzt-trends.de

Nach Belbes sei die Heilige Familie weitergezogen in Richtung Westen und zwar nach Menyat Samanoud (Menyat Ganah). Sehenswert dort ist die "Kirche des Märtyrers Abanub". Ein weiterer Ort war Sacha in der ägyptischen Provinz Kafr Al-Scheikh. Hier gibt es bis die "Heilige Jungfrau Kirche" - Kafr El-Scheich. Besonders stolz ist man in Sacha, dass angeblich "der Fußabdruck des Jesuskindes hier auf einem Stein zurückblieb". Es heißt, wonach "dieser Stein aus Angst vor Räubern über lange Zeit und viele Epochen versteckt gehalten worden" sei. Erst Ende des 20. Jahrhunderts habe man den Stein wiederentdeckt. Ob wahr oder Legende - man weiß es nicht.

Kultstatus der christlichen Voraussagetafeln in Ägypten

Eine weitere Station der Heiligen Familie in Ägypten sei, ist dem Booklet über die Flucht von Maria und Joseph nach Ägypten zu entnehmen, die Region des Wadi El-Natrun (Al-Asquit). Sehenswert ist hier das noch gut erhaltene christliche Kloster Anba Bischawy sowie das Kloster Anba Makar oder das Kloster El-Baramus. Allerdings sollte man sich von der äußerst ärmlichen Kloster-Kirche nicht zu viel versprechen. Außer alten Wänden und einem dürftigen Altärchen ist nicht mehr viel zu sehen. Dennoch ist das Kloster Wadi El Natrun als Gesamtanlage durchaus sehenswert. So gibt es neben dem Hauptgebäude einen Innenhof zu besichtigen, auf dem eine alte Weinpresse aufgestellt ist. Außerdem sind die "Voraussagentafeln" (Kultstatus unter Kopten) durchaus einen Blick wert, ebenso der große schlichte Esstisch.

Für Pilgerer sehenswert ist auch die christlich Kirche der Heiligen Jungfrau El-Zeitun. Sie liegt nur rund 10 Kilometer von Kairo entfernt in östlicher Richtung im Gebiet von Al-Matareya und Ein-Shams. Hier liegt auch der 2.000 Jahre alte noch lebende "Baum der Heiligen Jungfrau" (und zwar in El-Matarija bei Kairo). Die Legende berichtet, wonach die Heilige Familie "Schutz im Schatten dieses Baumes" gesucht habe. Hier ist auch die Quelle, die angeblich von Jesus Christus initiiert worden sei und in welcher Maria die Kleidung des Gotteskindes gewaschen habe.

Christliche Kirche im Alten Koptischen Viertel von Kairo.netz-trends.de

Wichtige Stationen der Flucht von Maria und Joseph in Ägypten liegen auch direkt in Kairo. Es wären dieses im Koptischen Viertel die historische Marienkirche in der alten Gasse von Zo'ela, die Kirche des Märtyrers Sankt Georg, die Kirche des Sankt Markarios mit den zwei Schwertern (auch bekannt als Markuskirche in Al-Azbakija bzw. in Al-Azbakeya in Klot Bek), das Nonnenkloster der Heiligen Maria sowie das Nonnenkloster des Heiligen Georg. Ebenfalls eine uralte christliche Kirche in Kairo ist die Abu-Serga Kirche. In der Kirche von Sankt Sargeios (Abu Serga) befindet sich noch heute eine alte Grote. Es heißt, wonach die Heilige Familie dort Zuflucht gefunden habe. Die Grotte "zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten aus der biblischen Geschichte Alt-Kairos".

Innenraum christliche \\"Hängende Kirche\\" im Koptischen Viertel in Alt-Kairo.netz-trends.de

Im Koptischen Viertel von Kairo ist der Besuch der Marienkirche, bekannt auch als "Hängende Kirche" ein Must. Wer an sonstigen christlichen Zeugnissen in Kairo interessiert ist, der könnte auch die Griechisch Orthodoxe Kirche von St. George besichtigen, die Heilige Jungfrau Kirche von Babylon El-Darag oder die Heilige Jungfrau Kirche von El-Damschirjia.

Alte christliche Grotten sind meist sehenswert

Während gerade in Alt-Kairo viele christliche Kirchen eher äußerst spartanisch, oft auch lieblos, eingerichtet sind und auch architektonisch nicht gerade eine Meisterleistung darstellen, sind die christlichen Kirchen auf dem Land auf Grund ihrer uniquen und ungewöhnlichen Architektur schon sehenswerter. Dazu gehört zum Beispiel die "Heilige Jungfrau Kirche" in El-Meadi. Die Kirche liegt in der Nähe von Memfis, der Hauptstadt des alten Ägyptens. Berühmt ist in der Kirche von El Meadi vor allem die alte Grotten-Steintreppe. Ebenfalls ein wichtiger christlicher Ort ist in Ägypten das "Heilige Jungfrau im El-Garnus Kloster" in El-Minea, beziehungsweise im Dorf Deer Al-Garnos (10 Kilometer westlich von Aschnin Al-Nasara im Distrikt Maghagha gelegen).

Auch wenn es schwer ist, zwischen ägyptischer christlicher Legende und wirklich wichtigen Ortschaften der Reise der Heiligen Familie durch Ägypten zu unterscheiden, so wird zumindest behauptet, wonach die Heilige Familie auch im Dörfchen Sandafa, beziehungsweise in Al-Bahnasa (Bany Mazar) sich aufgehalten habe. Der Ort Al-Bahnasa liegt 17 Kilometer westlich von Bany Mazar. Von dort sei die Heilige Familie weiter in Richtung Süden gereist und zwar in das Städtchen Samalot. Dort gibt es heute das Marienkloster am Berge als Tayr (Akors). Das Koster "befindet sich circa zwei Kilometer südlich der Fähre von Bany Khaled". Dort habe sich "die Heilige Familie in der Grotte niedergelassen, welche heute Bestandteil der altertümlichen Kirche ist". Der Name der Kirche lautet "Heilige Jungfrau in Gabal El Tayr" (gelegen in Samalut, El-Minea). Zeugnis christlicher Kultur in Ägypten legta uch das schöne zweitürmige "El-Barscha Koster"ab.

Ein recht spektakuläres Monument christlichen Glaubens ist zudem das "Heilige Jungfrau Kloster Dayrut El-Scharif" in Assiut. Die Kirche ist architektonisch eine Mischung zwischen Moschee und christlicher Kirche. Sehenswert ist dort der Berge Quosam. Hier liegt das Meharrak Kloster (El-Maharrak Kloster in Assiut). Die weitläufige Anlage besticht durch ihr festungsartiges Gebilde. Es heißt, das Gebiet sei "eine der wichtigsten Stationen an denen sich die Heilige Familie niederließ". Daher habe man diesen Ort als "zweites Bethlehem" bezeichnet. Wer das Kloster besichtigt, sollte sich die christliche Grotte am Dronka Berg nicht entgehen lassen, welche Bestandteil des Klosters ist. Die Grotte beherbergt einige ältere Bildnisse von Christus.

Das in deutscher Sprache veröffentlichte Booklet zur Heiligen Familie in Ägypten wurde im Jahr 1999 gedruckt und liegt noch heute an vielen touristischen Hotspots in Ägypten aus. Veröffentlicht wurde es im Verlag "UNITED PRINTING- PUBLISHING & DISTRIBUTING CO., Cairo, 26A, Sherif St., Imobilia Bldg., Dowen tawn, Phone 0200203935715, Fax 0200203935854, Email uppd@intouch.com.

Angeblich seien das die Stationen der Heiligen Familie während ihrer Flucht durch Ägypten gewesen. Noch heute befinden sich dort viele Kirchen, Klöster oder sonstige Gegenstände oder Bäume, die in Zusammenhang mit Joseph und Maria stünden.Tourismus-Ministerium Ägypten, 1999.
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