Reisewarnung Ägypten, Sharm el Sheikh - Reiseportale, Reiseveranstalter wie TUI, Thomas Cook, FTI betroffen

Von den Reisewarnungen besonders betroffen ist die ägyptische Halbinsel Sinai und dort insbesondere das bei Tauchern und Sonnenhungrigen beliebte Gebiet um Sharm el Sheikh. Die Sinai Halbinsel ist seit Jahren beliebtes Versteck von islamischen Terroristen. Auf der Sinai-Halbinsel, für die jetzt gilt, dass die deutschen Reiseveranstalter ihre Kunden aus dem Gebiet fliegen, gilt seit Jahren: Einerseits ist es ein Traumgebiet für Urlauber, andererseits gibt es besonders im Norden der Halbinsel seit vielen Jahren brutalsten Menschenhandel - wie zu Sklavenzeiten im Alten Rom.

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Kreuzfahrten auf dem Nil: Zehntausende Urlauber buchen das jährlich. Hier ein einfaches Kreuzfahrtschiff vor dem Luxor-Tempel.

Aus dem arabischen Frühling wird immer mehr ein für die Tourismusbranche desaströser dunkler Winter. Schon wieder gibt es für Ägypten eine Reisewarnung - und sie fällt so bitter wie seit Jahren nicht mehr aus. Terrorgefahr! Die Reisewarnung hat für Reiseveranstalter wie Reisebuchungsportale - wie opodo, weg.de oder travelscout24 - Auswirkungen.

Auf der Sinai werden seit vielen Jahren und immer wieder hunderte Menschen - oft sind es Afrikaner - gefangen genommen. Wer sich weigert, sich als Sklave weiterverkaufen zu lassen, dem werden Arme und Beine abgeschlagen, der oder die wird verstümmelt. Die ägyptische Regierung weiß das, tut aber bislang nicht viel dagegen. Immerhin: Der Tourismus, welcher gut 25 % zum jährlichen Bruttoinlandprodukt beiträgt, ist der ägyptischen Regierung heilig. Entsprechen schützt sie wie kaum ein anderes Land Touristen geradezu vorbildlich.

Dennoch droht der ägyptischen Regierung nun nach und nach die Kontrolle in einigen Gebieten zu entgleisen - beispielsweise eben in Sharm el Sheikh. Deshalb rät nun das deutsche Auswärtige Amt in einer umfangreichen Reisewarnung dringend von einer Reise dorthin ab. Man habe, heißt es von der deutschen Bundesregierung, im Gebiet der Sinai-Halbinsel militärische Manöver beobachtet und wisse auch von bereits geschehenen Terroranschlägen. Scheinbar sind diese bislang allerdings eher jenseits der Touristengebiete geschehen.

Entsprechend reagieren nun die deutschen Reiseveranstalter im Gebiet der Sinai-Halbinsel. So teilte beispielsweise die TUI mit, sie wolle mit einer Sondermaschine von Sharm el Sheikh Touristen, denen Ägypten ein zu heißes und gefährliches Pflaster geworden ist, ausfliegen.

TUI schickt Sondermaschine

Zudem sagte die TUI, wonach sie leere Plätze in ihrer Sondermaschine anderen Reiseveranstaltern anbieten wolle. Doch noch ist es durchaus nicht so, dass die Touristen aus Sharm el Sheikh scharenweise die weißen Strände und das kühle Nass verlassen würden. Vielmehr halten sich viele Reisende an die Vorgaben der Hotelbetreiber, wonach man die ausladenden Hotelanlagen nicht verlassen solle.

Zwar wäre es zu viel gesagt, dass die Hotelanlagen in Ägypten vor Terroranschlägen sicher sind, dennoch gelten sie als relativ sicher, da in fast allen Touristenhochburgen - ob in Hurghada, El Gouna, Luxor oder eben in Sharm el Sheikh - in aller Regel hunderte zivile Sicherheitsleute des Militärs sowie der Polizei unterwegs sind. Ebenso gehören die Bilder von Militär-Jeeps und auch Maschinenpistolen an vielen Zufahrtsstraßen in touristischen Gebieten in Ägypten zum Alltag.

Neben TUI hat nun auch der Reiseveranstalter Thomas Cook alle Reisen nach Sharm el Sheikh bis einschließlich 14. März 2014 abgesagt. Wie bei der TUI gilt zudem bei Thomas Cook: Wer früher abreisen möchte, dem hilft der Reiseveranstalter.

Unter den deutschen Reiseveranstaltern, die für ihre weltweit fast einmalige gute Organisation bekannt sind, herrscht trotz des Vorgehens von TUI und Thomas Cook (Öger Tours, Neckermann Reisen, Bucher Last Minute) große Unsicherheit. Einerseits möchte man die Touristen nicht in Panik versetzen, andererseits gilt es, die Warnung der Bundesregierung ernst zu nehmen und die Reisenden, die Ägypten verlassen möchten, auf eigene Kosten wieder auszufliegen.

Die TUI hat es hier recht komfortabel - fast in allen Touristen-Hochburgen der Welt befindet sich irgendwo ein TUI-Hotel oder ein TUI-Schiff. Deshalb bietet die TUI den Urlaubern aus Ägypten an, dorthin umzubuchen oder auf Kosten der TUI zu stornieren. Ähnlich gehen aber auch die anderen Reiseveranstalter mit der Reisewarnung um. Denn die meisten Urlaubs-Resorts und deren Hotels werden von bis zu 45 Reiseveranstaltern gebucht.

Tausende Deutsche sind in Ägypten

Bekannt ist bislang, wonach sich derzeit lediglich rund 100 TUI-Reisende in Sharm el Sheikh aufhielten. Das ist nicht viel. Rechnet man alle Reisenden zusammen, dürften aber einige Tausend Deutsche derzeit auf der Sinai-Halbinsel Urlaub machen.

Nach wie vor würde, das teilte das deeutsche Auswärtige Amt ebenfalls mit, allerdings nicht nur für Sharm el Sheikh eine Sicherheitswarnung gelten, sondern auch für einige andere ägyptische Urlaubsgebiete. Hierzu gehörten zum Beispiel Hurghada (eingeschränkte Warnung; gilt als sicher) sowie das berühmte Marsa Alam (eingeschränkte Warnung; gilt als sicher) oder die beliebten Nilkreuzfahrten, die häufig ab Luxor - dem Ort des Tals der Könige - starten.

Der bereits im 19. Jahrhundert gegründete und einstige britische Reiseveranstalter Thomas Cook gab bekannt, wonach man Reisenden, die eigentlich in den nächsten Tagen - bis zum 14. März - in Sharm el Sheikh Urlaub machen wollten, anbiete, nun kostenfrei umzubuchen oder zu stornieren. Keine kostenfreien Stornierungen oder Umbuchungen möchte Thomas Cook hingegen für die Ferienorte Hurghada oder Marsa Alam im Süden Ägyptens anbieten. Hier sei die Sicherheitslage unverändert ruhig.

Der seit Jahren erfolgreiche Münchner Reiseveranstalter FTI sagte, er werde bis 15. März 2014 alle Flüge, welche von Deutschland nach Sharm el Sheikh gingen, nun nach Hurghada umleiten und seinen Kunden dort - sollten sie dieses wünschen - einen Urlaub anbieten. Möglich seien aber auch kostenlose Stornierungen oder Umbuchungen in andere Reise-Zielgebiete.

Urlaubsgäste aus Hurghada, teilte FTI mit, habe man über die Sicherheitswarnung für Sharm el Sheikh in Kenntnis gesetzt, würde diese aber nicht zur Abreise aus Hurghada drängen. Doch auch Urlauber in Hurghada möchte FTI auf Wunsch so bald wie möglich aus Ägypten ausfliegen.

Auch FTI holt Urlauber zurück

Neben TUI, Thomas Cook oder FTI ist auch der Reiseveranstalter ETI auf Sharm el Sheikh aktiv. Auch er hat seinen Urlaubern ähnliche Umbuchungs- oder Stornierungskonditionen angeboten, wie die anderen Reiseveranstalter.

Neben Deutschland werden zudem die Niederlande langsam besorgt um ihre urlaubenden Bürger in Ägypten. So teilte das niederländische Außenministerium mit, man habe die rund 800 Niederländer im Gebiet von Sharm el Sheikh aufgefordert, Ägypten zu verlassen. Man rate, so das niederländische Außenministerium, sich am besten direkt an den jeweiligen Reiseveranstalter, das stationäre Reisebüro oder das Reisebuchungsportal wenden: "Bereits Anfang dieses Monats war es mutig von Touristen auf den Sinai zu reisen. Doch jetzt gilt eine besondere Wachsamkeit."

Weiter sagte das Außenministerium der Niederlande, wonach "die Gewalt in den letzten Monaten im Sinai eskaliert" sei, was bedeute, dass das Gebiet "für die Reisenden nicht mehr sicher ist". Es bestehe "die reale Gefahr von Terroranschlägen'', sagte das Ministerium.

Der in den Niederlanden in den 1950er Jahren gegründete größte Reiseveranstalter-Verband, der ANVR (Algemene Nederlandse Vereniging van Reisondernemingen), teilte mit, wonach man am Freitag alle holländischen Kunden auf der Sinai kontaktiert habe. Man habe, so eine Sprecherin des ANVR, die Holländer aufgefordert, das Sinai-Gebiet zu verlassen und den Urlaub entweder zu beenden oder in anderen Urlaubsgebieten, welche man angeboten habe, den Urlaub fortzusetzen.
Außerdem wurde bekannt, wonach sowohl die TUI wie Thomas Cook angekündigt hätten, sie wollten gut 600 Niederländer aus Sharm el Sheikh ausfliegen.

Als besonders schnell hat sich der nordrhein-westfälische Reiseveranstalter Alltours erwiesen - er ließ bereits deutsche Touristen aus Sharm el Sheikh in Sicherheit bringen. Die ersten deutschen Urlauber scheinen bereits in Düsseldorf gelandet zu sein.

Verhaftungen auf Sinai

Derweil geht der Terror auf der Sinai-Halbinsel weiter. So teilte ein ägyptischer Militärsprecher, Oberst Ahmad Mohamed Ali, am Freitag mit, wonach die ägyptischen Strafverfolgungsbehörden der Armee und der Polizei bereits am Donnerstagmorgen die Bereiche "Safa - Masaeed" Arish - Rafah auf der Sinai-Halbinsel besetzt hätten.

Dabei habe man "ein gefährliches Element, das den Frieden Ägyptens stört, getötet". Gleichzeitig bestätigte er, wonach es Armee-Truppenbewegungen auf der Sinai-Halbinsel gebe. Dabei habe man 11 Personen festgenommen, welche der Muslim-Bruderschaft angehörten. Die "terroristischen Elementen" hätten "aktiv an der Rekrutierung von jungen Menschen für Terroraktionen" gearbeitet. Dabei hätten die Muslimbrüder versucht, diese zu "exkommunizieren" und hätten behauptet, alle anderen seien "Ungläubigen".

Unter den auf der Sinai-Halbinsel Verhafteten seien Mitglieder der sogenannten Mustafa Nasser Salim Salam Abu Ayat-Brigade. An dem Einsatz der Armee auf der Sinai-Halbinsel hätten sowohl Streitkräfte wie Mitglieder der ägyptischen Zivilpolizei mitgewirkt.

Weiter heißt es, wonach man während der militärischen Operationen auf Sinai eine Reihe von "6 Löchern und Tunnel" zerstört habe, welche dazu gedient hätten, "Menschen und Güter zu schmuggeln". Außerdem habe man eine "Metallwerkstatt" zerstört, die "der Herstellung von Sprengvorrichtungen" gedient habe.

Die Metallwerkstatt habe als Basis und Ausgangspukt für terroristische Angriffe gegen Militär- und Polizeikräfte gedient. Auch habe man in der Werkstatt 2 Motorradfahrzeuge sowie weitere 3 Fahrzeuge beschlagnahmt, welche nicht behördlich registriert gewesen seien. Man gehe davon aus, sagte die ägyptische Polizei, wonach diese Fahrzeuge für potentielle Terroranschläge benutzt werden sollten.


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