Ab 21.12 Private Pflegeversicherung für Männer 7.500 Euro teurer - wegen Unisex-Tarifen / Große Preisunterschiede

Die private Pflegeversicherung wird besonders für Männer ab 2013 richtig teuer. Die Tarife würden, berichtete das Versicherungs- und Finanzvergleichsportal Geld.de, um rund 50 Prozent oder 7.500 Euro im Schnitt teurer. Grund sind die neuen Unisex-Tarife, die ab dem 21.12.2012 für alle Versicherungsabschlüsse bindend sind. Das heißt: Männer, die mit dem Gedanken spielen, eine private Pflegeversicherung abzuschließen, sollten da jetzt handeln. Doch die Zeit läuft davon: Die neue Versicherung muss am 20.12.2012 unter Dach und Fach sein, also auch von der Versicherung bereits bestätigt sein.

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Nicht jeder wird im Alter in Urlaubsatmosphäre seine letzten Tage verbringen können.

Eine private Pflegeversicherung bezahlt im Bedarfsfall in der Regel um die 60 Euro pro Tag – ein sogenanntes "Pflegetagegeld". Deshalb ist häufig die Rede von einer Pflegetagegeldversicherung. Je nach Eingruppierung der Pflegebedürftigkeit können so 1.800 Euro pro Monat erhalten werden (Tabelle beachten). Wer mehr möchte, muss entsprechend ein höheres Pflegetagegeld beim Versicherungsantrag ankreuzen.

Besonders für Singles ist eine private Pflegeversicherung zu empfehlen. Grund: Sie hilft vielen älteren Menschen noch einige Jahre in den privaten eigenen Vier Wänden zu wohnen, da beispielsweise eine Pflegekraft von der Versicherung mit finanziert wird. Aber auch beim Umzug in ein Altersheim oder eine Seniorenresidenz ist so eine Versicherung sehr hilfreich. Denn: Wer nicht genug Geld hat, für den bleibt dann in der Regel keine große Auswahl mehr.


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Doch die Spannbreite der Qualität - sowohl in den Altersheimen, Seniorenheimen oder Seniorenresidenzen als auch in der Pflege - ist gewaltig. Sie reicht von der Pflege im Keller eines billigen 60er-Jahr-Baus auf der grünen Wiese bis hin zur Pflege und Unterbringung in einer Luxusanlage im Centrum von München, Frankfurt oder Hamburg. Möglich ist es aber auch, die letzten Lebensjahre in Frankreich, Italien, Spanien, Florida, Thailand oder auf Mallorca in wärmeren Gefilden zu verbringen – vorausgesetzt, die private Pflegeversicherung bietet eine Zahlung im Ausland an (was aber die meisten Versicherungen zumindest innerhalb der EU machen – Übersichts-Tabelle zu den Tarifen beachten).

Seniorenheim-Navigator Xaralus.de: Die staatliche Pflegeversicherung langt bei weitem nicht / 1.800 Euro schon in Pflegestufe I

Dass die Policen rund um die Private Pflegeversicherung nun erheblich teurer werden - zumindest für die Männer - hängt mit den Unisex-Tarifen zusammen. Sie werden den Versicherungskonzernen von der Europäischen Union (EU) vorgeschrieben. Sie haben das Ziel geschlechtsabhängige Unterschiede in den Versicherungsbedingungen zu verhindern. Doch zeichnet sich nun ab, dass das zwar einerseits gut gemeint ist, auf der anderen Seite aber die Realität im Markt nicht widerspiegelt. "Dass die Private Pflegeversicherung bislang für Männer um rund 50 Prozent günstiger war als die der Frauen, liegt daran, dass die Versicherungsunternehmen nach biometrischen Risiken kalkulierten. Das heißt, sie schauen, welche Gruppe an Versicherten verursacht in welchem Geschlecht und Alter welche Kosten", erklärt Friedrich Wiedemann, Geschäftsführer von Geld.de.

Die staatliche Pflegeversichrung zahlt bei vollstationärem Aufenthalt im Pflegeheim maximal 1.510 Euro dazu.
Aber: Die Masse der Arbeitnehmer muss froh sein, wenn der Staat noch 500 Euro dazu schießt, da die gesetzlichen
Krankenkassen häufig versuchen eine Leistungsbedürftigkeit der älteren Mitmenschen zurückzuweisen. Alleine ein Pflegeplatz in der Pflegestufe I kostet in einer Pflegeabteilung beispielsweise einer Seniorenresidenz oder einem Altersheim bereits durchschnittlich in Deutschland um die 1.820 Euro, so der weltweite Seniorenheim-Navigator xaralus.de. Das Portal stellt die Tarife und Leistungen von rund 70.000 Altenheimen, beziehungsweise Seniorenheimen oder Seniorenresidenzen, online zur Verfügung.


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Derzeit ist die private Pflegeversicherung für die Frauen in Deutschland um rund 50 Prozent teurer als für die Männer. Beispiel: Eine 40-Jährige Frau würde im Schnitt für eine private Pflegeversicherung im ersten Jahr rund 535 Euro bezahlen, eine 50-Jährige Frau wäre mit 858 Euro dabei und eine 60-Jährige Frau mit 1.442 Euro. Günstiger ist es derzeit noch für die Männer, vorausgesetzt sie halten bis zum 20. Dezember 2012 eine Versicherungspolice zu den alten Tarifbedingungen in den Händen. Dann bezahlt ein 40-Jähriger Mann im Schnitt nur 338 Euro im ersten Jahr, ein 50-Jähriger Mann 550 Euro und ein 60-Jähriger Mann 940 Euro.

Doch auch mit Einführung der Unisextarife wird es, hat netz-trends.de aus Versicherungskreisen erfahren, für die Frauen wohl eher nicht günstiger. Grund: Der bisherige Tarif entspreche den tatsächlichen Kostenkalkulationen. Letztlich heißt das aber: Die EU zwingt nun die Männer, für die Pflege der Frauen mit zu bezahlen.

Interessant: Egal ob eine Frau oder ein Mann mit 40, 50 oder 60 eine private Pflegeversicherung abschließt – die Kosten während der Beitragsjahre sind im Falle des Eintritts einer Pflegebedürftigkeit mit 70 Jahren für alle Altersklassen unterm Strich fast die gleichen (zwischen 11.000 und 16.000 Euro bei den Männern und zwischen 17.000 und 27.000 Euro bei Frauen).