Medizin Nobelpreis geht an Deutschen Thomas Südhof

Die Mediziner hätten, so das Nobelpreiskomitee in der Laudatio, das Rätsel gelöst, "wie Zellen ihr Transportsystem organisieren". Damit hätten die Wissenschaftler erheblich und fundamental zum Verständnis beigetragen, was beispielsweise zu Diabetes und neurologischen oder Immunerkrankungen führen könne. Konkret geht es um das komplexe und als äußert präzis geltende Kontrollsystem der Zellen. Es ermöglicht die frühzeitige Erkennung von Erkrankungen und die Einleitung von Gegenmaßnahmen, um den Körper mittels des Immunsystems vor Viren und Bakterien-Angriffe zu schützen.

Foto: Netz-Trends
Die renommierte Stanford University in Kalifornien.

Neben den beiden Amerikanern James E. Rothman und Randy W. Schekman erhält in diesem Jahr der Deutsche Thomas C. Südhof den Medizin-Nobelpreis. Das wurde soeben bekannt. Das Nobelpreis-Komitee würdigt damit höchste wissenschaftliche Leistungen im Bereich Physiologie oder Medizin.

Thomas Südhof ist am 22. Dezember 1955 in Göttingen geboren worden und studierte an der RWTH Aachen sowie an der Harvard University und der Universität Göttingen Medizin. Anschließend habe er am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen promoviert. Seit 2008 lehrt er als Professor für Molekulare und Zelluläre Physiologie, Psychiatrie und Neurologie an der renommierten und weltbekannten Universität Stanford in Kalifornien. Sie war vor über 100 Jahren von einem Eisenbahn-Magnaten in Erinnerung an seinen sehr früh verstorbenen Sohn gestiftet worden. Aus der Universität sind viele renommierte Personen, auch Unternehmer, hervorgegangen - so zum Beispiel die beiden Google-Gründer.

Im jetzt gewürdigten deutlichen medizinischen Fortschritt würdigt der Nobelpreis für Medizin unterschiedliche Akzente, die die drei Wissenschaftler gesetzt haben. So hatte beispielsweise Randy Schekman eine Gruppe von Genen ausgemacht, welche für den Vesikel-Transport notwendig seien. James Rothman habe erkannt, wie Proteine agieren und wiederum den Vesikeln es ermöglichten, mit ihren Zielen sich zu vereinen, damit ihre Ladung abgegeben werden kann.

Der Deutsche Medizin-Nobelpreisträger Thomas Südhof wiederum habe entschlüsselt, wie die Vesikel über ausgemachte Signale dirigiert würden.

Konkret schreibt die Nobelstiftung, wonach jede Zelle "wie eine kleine Fabrik" sei, in der "Moleküle hergestellt und exportiert" würden. So werde beispielsweise Insulin produziert, ins Blut ergossen und hierüber chemische Signale - bekannt als Neurotransmitter - von einer Nervenzelle zur anderen geschickt.

Der Medizinnobelpreis ist mit 920.000 Euro ausgezeichnet und wird am 10. Dezember, dem Todestag des schwedischen Unternehmers Alfred Nobel übergeben. Zum ersten Mal verliehen worden war der Medizinnobelpreis im Jahr 1901 und zwar auch an einen Deutschen: An Adolf von Behring für die Entdeckung der Serumtherapie gegen Diphtherie. Zuletzt hatte im Jahr 2008 ein Deutscher den Nobelpreis für Medizin erhalten und zwar Harald zur Hausen. Er hatte die Papilloma-Viren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen, entdeckt.

Im gleichen Jahr waren auch die beiden Franzosen Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier für die Entdeckung des Aidserregers HIV mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet worden. Ohne die Entdeckung des HIV-Virus wären zahlreiche therapeutische Ansätze heute nicht möglich. So können moderne Medikamente - eine Tablette pro Tag - das HIV-Virus bereits unter die Nachweisgrenze drücken, was eine Ansteckung von anderen Personen fast nicht mehr möglich macht. Dennoch wird nach wie vor zu Safe Sex mit Kondomen geraten - auch da andere Geschlechtskrankheiten durch die Grenzöffnungen Richtung Osteuropa in Deutschland auf dem Vormarsch sind. Allerdings sind die Medikamente nach wie vor sehr teuer und kosten bis zu 2.000 Euro im Monat.

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