Das Wichtigste in Kürze
- Eine gemeldete Stelle in einem deutschen Handwerksberuf blieb im Jahresdurchschnitt 2025 nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit 242 Tage unbesetzt. Über alle Berufe hinweg waren es 167 Tage.
- Gleichzeitig schrumpft der Bereich: Im Juni 2025 arbeiteten 3,36 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Handwerksberufen, ein Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Gemeldet waren 123.000 offene Stellen – sechs Prozent weniger als 2024.
- Den einzigen Zuwachs trugen Beschäftigte aus Drittstaaten mit einem Plus von 24.000. Die Zahl der deutschen Beschäftigten in Handwerksberufen sank im selben Zeitraum laut Bericht um 54.000.
Fünf Tage vor dem Tag des Handwerks hat die deutsche Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Montagvormittag ihre Arbeitsmarktzahlen für den Bereich vorgelegt. Die Zahl, die in der Mitteilung Nr. 34 vom 14. September 2026 in der Überschrift steht, lautet 242: So viele Tage vergingen im Jahresdurchschnitt 2025 zwischen dem Tag, an dem ein Betrieb eine Stelle bei der Arbeitsagentur meldete, und dem Tag, an dem sie besetzt war. Über alle Berufe hinweg lag dieser Wert bei 167 Tagen.
Interessanter als die Kennzahl selbst ist der Zusammenhang, in dem sie steht. Denn die Nachfrage nach Fachkräften im deutschen Handwerk geht zurück – und die Besetzungsdauer steigt trotzdem.
Weniger gemeldete Stellen, längere Vakanzzeiten
Im Jahresdurchschnitt 2025 waren nach dem BA-Bericht „Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Handwerk“ vom August 2026 bundesweit 123.000 Stellen für Handwerksberufe gemeldet, sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Über alle Berufe hinweg fiel der Rückgang mit neun Prozent noch stärker aus. Im Mai 2026 lag der Bestand ebenfalls bei 123.000 Stellen – gegenüber Mai 2019 ein Minus von 24 Prozent.
Als Grund nennt die Bundesagentur die „anhaltende wirtschaftliche Stagnation“. Die Behörde hält zugleich fest, dass die Besetzungsprobleme trotz rückläufiger Stellenmeldungen überdurchschnittlich hoch bleiben: Knapp die Hälfte aller bundesweiten Engpassberufe auf Fachkraftebene entfällt auf das Handwerk, konkret 39 von 84. Genannt werden vor allem die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, die Energietechnik, Bau- und Ausbauberufe sowie Mechatronik und Elektronik.
| Kennzahl | Handwerksberufe | Vergleichswert |
|---|---|---|
| Vakanzzeit gemeldeter Stellen 2025 | 242 Tage | 167 Tage |
| Beschäftigte, Juni 2025 | 3,36 Mio. | knapp 35 Mio. |
| Veränderung Juni 2019 bis Juni 2025 | −5 % | +4 % |
| Anteil der 15- bis unter 25-Jährigen | 17 % | 9 % |
| Unbesetzte Ausbildungsstellen, September 2025 | 17 % | 12 % |
| Medianentgelt Vollzeit, Dezember 2025 | 3.781 € | 4.236 € |
Seit 2019 sinkt die Beschäftigung in jedem Jahr
Die Bundesagentur zählte im Juni 2025 exakt 3.358.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Handwerksberufen. Das sind 0,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor – und das siebte Minus in Folge. Der Höchststand der Reihe liegt im Juni 2018 bei 3.550.000. Bezogen auf die vergangenen fünf Jahre nennt die Pressemitteilung einen Rückgang von vier Prozent, während die Beschäftigung insgesamt um fünf Prozent gestiegen sei; der zugrunde liegende Bericht rechnet ab Juni 2019 und kommt für denselben Bereich auf minus fünf Prozent gegenüber plus vier Prozent insgesamt. Beide Angaben stammen aus derselben Statistik, sie unterscheiden sich nur im Startjahr.

Parallel dazu verliert das Handwerk an Gewicht im gesamten deutschen Arbeitsmarkt: Der Anteil der Handwerksberufe an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank laut Bericht zwischen 2015 und 2025 von 11,4 auf 9,6 Prozent. Rückgänge verzeichnet die Statistik in allen Bundesländern. Zur längerfristigen Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts hat NETZ-TRENDS die Zahl der Vollzeitstellen seit 1995 ausgewertet.
157.000 Arbeitslose stehen 123.000 offenen Stellen gegenüber
Eine Zahl aus dem Bericht taucht in der Pressemitteilung nicht auf: Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 157.000 Menschen arbeitslos gemeldet, die eine Tätigkeit in einem Handwerksberuf aufnehmen wollten – vier Prozent mehr als im Vorjahr. Im Mai 2026 waren es 153.000. Rechnerisch stehen damit mehr Arbeitsuchende als gemeldete Stellen im Bereich. Erfasst sind dabei allerdings nur jene Stellen, die Betriebe der Arbeitsagentur überhaupt melden; das gesamte Stellenangebot liegt höher.
Auf die Struktur dieser Gruppe verweist die Bundesagentur, wenn sie die „Herausforderungen bei der Deckung des Fachkräftebedarfs“ beschreibt: Etwa ein Drittel war langzeitarbeitslos, ein Fünftel 55 Jahre oder älter, ein Drittel hatte eine ausländische Staatsangehörigkeit. Für die Vermittlung, schreibt die Behörde, könnten „insbesondere Sprachkenntnisse und die Anerkennung beruflicher Qualifikationen von Bedeutung“ sein. Eine Aussage darüber, wie viele der offenen Stellen aus fachlichen, regionalen oder tariflichen Gründen unbesetzt bleiben, enthält der Bericht nicht.
Den Zuwachs tragen Beschäftigte aus Drittstaaten allein
Im Juni 2025 arbeiteten 576.000 ausländische Beschäftigte sozialversicherungspflichtig in Handwerksberufen, ein Anteil von 17 Prozent. Innerhalb von zehn Jahren hat er sich nach Angaben der Bundesagentur nahezu verdoppelt.
Aufgeschlüsselt nach Herkunft ergibt sich ein eindeutiges Bild. Die Zahl der deutschen Beschäftigten in Handwerksberufen sank nach den Jahreswerten des Berichts gegenüber Juni 2024 um 54.000. Bei Staatsangehörigen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz – zusammen knapp 280.000 – stagnierte sie mit einem Minus von 1.000. Gewachsen ist allein die Gruppe aus Drittstaaten: 296.000 Beschäftigte, ein Plus von 24.000. Mehr als die Hälfte dieses Zuwachses entfiel auf Staatsangehörige der Ukraine (26.000, plus 9.000) und der acht wichtigsten Asylherkunftsländer (69.000, plus 4.000), die die Statistik als Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien benennt.
Die Bundesagentur formuliert daraus einen Kernsatz ihres Berichts: Die Fachkräftesicherung stütze sich zunehmend auf Zuwanderung aus Drittstaaten. Rund 718.000 Beschäftigte in Handwerksberufen sind derzeit zwischen 55 und unter 65 Jahre alt und stehen in den kommenden zehn Jahren vor dem Übergang in den Ruhestand. Über dieselbe demografische Frage aus österreichischer Sicht – das tatsächliche Pensionsantrittsalter – hat NETZ-TRENDS am Sonntag berichtet.
Warum die Behörde 3,36 Millionen zählt und der Zentralverband rund sechs Millionen
Wer die Zahlen mit denen des deutschen Handwerks selbst vergleicht, stößt auf eine Differenz von rund 2,6 Millionen Menschen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) weist in seinen Kennzahlen für 2025 1.038.126 eingetragene Betriebe, rund sechs Millionen Beschäftigte, etwa 346.000 Auszubildende und einen Umsatz von rund 783,2 Milliarden Euro ohne Mehrwertsteuer aus. Eine Stellungnahme des Verbands zu den an diesem Montag veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur lag bis Redaktionsschluss nicht vor.
Zwei Zählweisen, zwei Zahlen
Der ZDH rechnet betriebsbezogen: Grundlage sind nach eigener Darstellung die Betriebe, die in die Handwerksrollen und in das Verzeichnis des handwerksähnlichen Gewerbes eingetragen sind. Die Bundesagentur rechnet berufsbezogen. In den Arbeitsmarktstatistiken gibt es nach eigener Darstellung „keine Zuordnung eines Berufs, einer Firma oder eines Beschäftigten zum Handwerk“; die Behörde bildet deshalb ein Aggregat typischer Handwerksberufe nach der Klassifikation der Berufe von 2010. Dieses Aggregat enthält ausschließlich Fachkraft- und Spezialistentätigkeiten – Helfer- und Expertentätigkeiten bleiben außen vor, und weil die Statistik nur sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erfasst, auch die selbstständige Betriebsführung nicht. Mischberufe, die auch in der Industrie ausgeübt werden – die Statistik nennt als Beispiele die elektrische Betriebstechnik und das Maurerhandwerk –, zählt sie mit. Die Bundesagentur nennt ihr Aggregat selbst eine „bestmögliche Annäherung“.
Was die Zahlen nicht beantworten
Drei Fragen, die sich beim Blick auf einen anstehenden Handwerksauftrag aufdrängen, lassen die Veröffentlichungen offen:
- Wartezeiten. Die Vakanzzeit misst, wie lange ein Betrieb auf Personal wartet – nicht, wie lange ein Haushalt auf einen Termin wartet. Eine Zahl dazu enthält der Bericht nicht.
- Preise. Ob und wie sich Engpässe auf Angebotspreise auswirken, ist nicht Gegenstand der Statistik. Ausgewiesen sind nur die Entgelte der Beschäftigten, die im Median von 2.236 Euro im Friseurgewerbe bis 5.960 Euro in der Luft- und Raumfahrttechnik reichen. Über die steuerliche Seite für private Haushalte – den Handwerkerbonus in der deutschen Einkommensteuerreform 2027 – hat NETZ-TRENDS Anfang September berichtet.
- Verbleib. Nach Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung wurden 37 Prozent der zwischen 2022 und 2024 im Zuständigkeitsbereich Handwerk geschlossenen Ausbildungsverträge wieder gelöst; bei den Industrie- und Handelskammern waren es 27 Prozent. Wohin diese jungen Menschen wechseln, geht aus der Statistik nicht hervor.
Vom Ausbildungsmarkt gehen nach Darstellung der Bundesagentur „derzeit keine Signale für eine nachhaltige Entspannung der Fachkräfteengpässe“ aus. Zwar stieg die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge im Handwerk 2025 leicht auf 136.000 (plus 0,4 Prozent), gegenüber 2019 bleibt aber ein Minus von fünf Prozent. Im September 2025 waren 16.000 von 96.000 gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen unbesetzt.
Was als Nächstes ansteht
Der Tag des Handwerks fällt in diesem Jahr auf den 19. September. Die nächsten Jahreswerte liefert die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur zum Stichtag Juni 2026; sie wird zeigen, ob der bislang siebenjährige Rückgang anhält. Für Österreich und die Schweiz sind die hier genannten Werte nicht übertragbar: Sie beruhen auf der deutschen Beschäftigungsstatistik und dem Berufsaggregat der Bundesagentur.
Wie lange mussten Sie zuletzt auf einen Handwerkstermin warten – und woran lag es nach Auskunft des Betriebs? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfte im Handwerk knapp: 242 Tage bis eine Stelle besetzt ist, BA-Presseinfo Nr. 34, Nürnberg, 14. September 2026, 10:00 Uhr, verbreitet über ots
- Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Handwerk, Nürnberg, August 2026, abgerufen am 14. September 2026
- Zentralverband des Deutschen Handwerks: Kennzahlen des Handwerks, Angaben für 2025, abgerufen am 14. September 2026
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