Das Wichtigste in Kürze

  • Der sechste Bundesweite Warntag in Deutschland war für den 10. September 2026 ab 11:00 Uhr angesetzt, die Entwarnung für etwa 11:45 Uhr. Die Online-Umfrage des deutschen Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) läuft sieben Tage, bis zum 17. September.
  • Die bekannte Erfolgszahl der Vorjahre stammt aus dieser freiwilligen Online-Umfrage: 2025 gaben 97 Prozent der Befragten an, mindestens eine Probewarnung erhalten zu haben, ausgewertet wurden 117.073 Fragebogen. In der parallel durchgeführten Repräsentativbefragung mit 1.014 Interviews nannten 41 Prozent Cell Broadcast und 56 Prozent Sirenensignale – in der Online-Umfrage waren es 73 und 65 Prozent.
  • Das BBK benennt eine mögliche Ursache in seinem eigenen Bericht: Der Umfragelink wird über die Warn-App NINA verschickt; deren Nutzende seien deshalb „in der Studie überrepräsentiert“. Ob die Daten künftig entsprechend gewichtet werden, „muss diskutiert werden“.

Um 11:00 Uhr an diesem Donnerstag hat in Deutschland der sechste Bundesweite Warntag begonnen. Nach dem Ablauf, den das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn vorab veröffentlicht hat, geht ab 11 Uhr eine Probewarnung an alle angeschlossenen Kanäle: Mobiltelefone, Warn-Apps, Radio- und Fernsehsender, Anzeigetafeln an Bahnhöfen, in teilnehmenden Kommunen zusätzlich Sirenen und Lautsprecherfahrzeuge. Gegen 11:45 Uhr ist die Entwarnung vorgesehen. Ob alle Kanäle ausgelöst haben, steht an diesem Mittag noch nicht fest – das wertet das Amt erst im Nachgang aus.

Der Aktionstag fällt in ein Jahr, in dem das BBK die eigene Erfolgszahl in seinem Auswertungsbericht selbst eingeschränkt hat.

Denn parallel zum Aktionstag läuft wie in den Vorjahren eine Befragung. Sie ist seit 11 Uhr unter warntag-umfrage.de freigeschaltet und sieben Tage lang aktiv, also bis zum 17. September 2026. Aus ihr entsteht die Zahl, die anschließend die Berichterstattung prägt. Der Bericht zum Vorjahr zeigt, wie belastbar diese Zahl ist – und wie belastbar sie nicht ist.

Was an diesem Vormittag technisch getestet wurde

Grundlage ist das Modulare Warnsystem des Bundes, kurz MoWaS. Über dieses System schickt das BBK einen Warntext an alle angeschlossenen Warnmultiplikatoren – Rundfunksender und App-Server –, die ihn zeitversetzt an die Endgeräte weiterreichen. Angesteuert werden nach Darstellung des Amtes Cell Broadcast, Warn-Apps wie NINA, Medienanstalten, Fahrgastinformationssysteme, digitale Stadtinformationstafeln und das Portal warnung.bund.de.

Wichtig für die Einordnung jeder Reichweitenzahl: Die Teilnahme der Kommunen ist freiwillig. Sirenen, Lautsprecherwagen und regionale Warn-Apps werden nur dort ausgelöst, wo die zuständige Katastrophenschutzbehörde sich beteiligt und wo die Technik vorhanden ist. Wer an diesem Donnerstag keine Sirene gehört hat, hat deshalb nicht zwingend eine Panne erlebt.

Cell Broadcast erreicht Mobiltelefone ohne installierte App, allerdings – so formuliert es das BBK selbst – nur „bei entsprechenden Einstellungen“. Die Technik wurde in Deutschland erstmals im Dezember 2022 erprobt; seit November 2025 überträgt sie nach Angaben des Amtes auch Entwarnungen. Welche Meldung ein Gerät annimmt, hängt an der Warnstufe.

Warnstufe Bezeichnung Definition nach BBK-Wortlaut
1 Extreme Gefahr Eine Gefahr, die sich „kurzfristig erheblich“ auf Gesundheit, Eigentum und/oder öffentliche Infrastruktur auswirken kann
2 Gefahr Eine Gefahr, die sich auf Gesundheit, Eigentum und/oder öffentliche Infrastruktur auswirken kann
3 Gefahreninformation Eine zu erwartende oder bereits eingetretene Beeinträchtigung des normalen Tagesablaufs oder eine besondere Beobachtung
Quelle: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Infografik „Warnstufen“ aus dem Medienkit zum Bundesweiten Warntag, abgerufen am 10. September 2026. Die Definitionen gelten für Deutschland.

Die 97 Prozent stammen aus einer Umfrage, die man erst einmal finden muss

Nach dem Warntag 2025 meldete das BBK, der Anteil der Befragten, die gewarnt wurden, liege „bei nahezu 100 Prozent“. Der zugehörige Bericht, im Impressum auf den Stand März 2026 datiert und am 20. April 2026 veröffentlicht, nennt den genauen Wert: 97 Prozent der Befragten hatten mindestens eine Probewarnung erhalten. Beteiligt hatten sich 119.386 Menschen, nach der Datenbereinigung gingen 117.073 Fragebogen in die Auswertung ein.

Das ist eine große Zahl, und sie sagt weniger, als sie zunächst nahelegt. Es handelt sich um eine offene Online-Umfrage: Teilnehmen kann, wer von ihr erfährt und den Link aufruft. Wer die Probewarnung verschlafen, überhört oder gar nicht erhalten hat, hat in aller Regel auch keinen Anlass, an einer Umfrage zum Warntag teilzunehmen.

Für dieses Problem hat das BBK eine zweite Erhebung angelegt. Vom 11. September bis zum 2. Oktober 2025 ließ das Amt zusätzlich eine repräsentative Bevölkerungsbefragung der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 16 Jahren durchführen, im Mixed-Mode aus Telefon- und Online-Interviews, mit 1.014 Interviews und einer Zufallsauswahl aus einem aktiv rekrutierten Online-Access-Panel. Der Bericht benennt das Ziel unmissverständlich: festzustellen, „inwieweit in der Online-Befragung gegebenenfalls ein Bias vorliegt“.

Balkendiagramm: Cell Broadcast erreichte 73 Prozent in der offenen Online-Umfrage und 41 Prozent in der Repräsentativbefragung, Sirenensignale 65 gegenüber 56 Prozent
Wahrgenommene Warnkanäle beim Bundesweiten Warntag 2025 in Deutschland, jeweils Anteil der Befragten. Grafik: NETZ-TRENDS. Datengrundlage: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, „Ergebnisse der Umfrage zum Bundesweiten Warntag 2025“, Stand März 2026.

Der Abstand ist erheblich. In der offenen Online-Umfrage nannten 73 Prozent Cell Broadcast, 67 Prozent Warn-Apps und 65 Prozent Sirenensignale. In der Repräsentativbefragung standen Sirenen mit 56 Prozent vorn, Cell Broadcast folgte mit 41 Prozent und die Warn-App NINA mit 20 Prozent. Umgekehrt nannten die repräsentativ Befragten häufiger Kanäle, die in der Online-Umfrage kaum eine Rolle spielten: das Radio mit 18 Prozent, eine persönliche Mitteilung mit 9 Prozent, soziale Medien mit 7 Prozent und Lautsprecherwagen mit 4 Prozent.

Warum die beiden Zahlenreihen nicht eins zu eins vergleichbar sind

Der BBK-Bericht weist selbst darauf hin, dass „einige Fragen und Antwortvorgaben unterschiedlich formuliert“ waren. Zur Repräsentativbefragung wurde die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 16 Jahren befragt, an der Online-Umfrage durften sich auch 12- bis 15-Jährige beteiligen. Der Abstand zwischen den Reihen ist damit nicht auf die Nachkommastelle belastbar – die Richtung ist es.

Das Amt benennt die Verzerrung selbst – und lässt die Konsequenz offen

Bemerkenswert ist, wie deutlich der Bericht wird. Die Teilnehmenden der offenen Online-Umfrage hätten „eine höhere Affinität zu Warn-Apps“, heißt es dort. Als mögliche Erklärung nennt das BBK den Verbreitungsweg der Umfrage selbst: „Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die 41% dieser Befragten über die Warn-App NINA auf die Online-Umfrage aufmerksam wurden.“ Das Versenden des Umfragelinks über NINA führe „offensichtlich zu einer hohen Teilnahmebereitschaft, da der Umfragelink auf dem Smartphone vorhanden ist und sofort genutzt werden kann“.

Der Schluss steht wörtlich im Bericht: „Damit sind Nutzende der Warn-App NINA in der Studie überrepräsentiert und beeinflussen das Ergebnis überproportional.“ Eine Gewichtung nach dem Kriterium App-Nutzung könne solche Verzerrungen ausgleichen. Ob sie erfolgen soll, sei allerdings offen – „muss diskutiert werden“, formuliert das Amt.

Damit ist die Ausgangslage für den Warntag 2026 dieselbe wie im Vorjahr: Die Umfrage, aus der die öffentlich zitierte Reichweitenzahl entsteht, wird zu einem erheblichen Teil über genau einen der Kanäle beworben, deren Reichweite sie messen soll. Das entwertet die Erhebung nicht – sie liefert regionale Verteilungen, Freitextantworten und Vergleichswerte über mehrere Jahre, die anders nicht zu bekommen wären. Es ändert aber, was die Spitzenzahl bedeutet.

Im Ausblick wird aus dem Anteil der Befragten der Anteil der Bevölkerung

An einer Stelle weicht die Formulierung des Berichts von seiner eigenen Datengrundlage ab. Im Ausblick auf 2026 heißt es unter der Überschrift „Reichweite von Cell Broadcast weiter erhöhen“, zuletzt seien „damit knapp drei Viertel der Bevölkerung erreicht“ worden. Die knapp drei Viertel sind die 73 Prozent aus der Online-Umfrage – und die beziehen sich im selben Dokument auf die Befragten, nicht auf die Bevölkerung. Der Wert aus der repräsentativen Erhebung, die genau für diese Frage angelegt wurde, liegt bei 41 Prozent.

Ob damit eine andere Grundgesamtheit gemeint ist oder die Formulierung verkürzt, geht aus dem Bericht nicht hervor; eine Erläuterung dazu enthalten die öffentlich zugänglichen Unterlagen des Amtes nicht. Offen bleibt ebenso, ob die Daten des Warntags 2026 nach App-Nutzung gewichtet werden – der Bericht hält dazu ausdrücklich fest, das müsse erst diskutiert werden.

Was die Befragten selbst kritisieren: die Sirenen

Aufschlussreicher als die Spitzenzahl sind die Freitextantworten. Auf die Frage, wie Warnungen schneller, verständlicher oder verlässlicher übermittelt werden könnten, bezogen sich 43 Prozent der Antworten auf Sirenen – „insbesondere darauf, dass diese nicht funktionierten oder zu leise waren“. 23 Prozent wiesen auf Probleme im Ablauf hin, etwa darauf, dass Warnung oder Entwarnung unvollständig, verzögert oder gar nicht ankamen. 8 Prozent brachten technische Punkte vor, darunter den Wunsch, auch dann gewarnt zu werden, wenn das Mobiltelefon stummgeschaltet oder im Flugmodus ist.

Dazu passt ein zweiter Befund: Nur der Hälfte der Befragten (50 Prozent) sind die Sirenensignale für Warnung und Entwarnung überhaupt bekannt. Ein Signal, das gehört, aber nicht verstanden wird, ist im Ernstfall nur die halbe Warnung. Rund ein Viertel der Befragten fühlte sich durch die Probewarnung 2025 zudem beunruhigt – ein Punkt, den das BBK in seinem Ausblick eigens aufführt.

Wie Österreich und die Schweiz denselben Test organisieren

Der deutsche Warntag ist keine Besonderheit, aber die drei deutschsprachigen Länder testen unterschiedlich – zu unterschiedlichen Terminen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten und in der Schweiz mit einem zweiten, wasserbezogenen Alarm.

Land Rhythmus Termin Getestete Kanäle
Deutschland jährlich, zweiter Donnerstag im September 10. September 2026, 11:00 Uhr Cell Broadcast, Warn-Apps, Radio und TV, Anzeigetafeln, kommunale Sirenen und Lautsprecherwagen
Österreich jährlich, Anfang Oktober 3. Oktober 2026, 12:00 bis 13:00 Uhr Sirenenprobe im ganzen Land, zusätzlich Auslösung von AT-Alert
Schweiz jährlich, erster Mittwoch im Februar 3. Februar 2027, 13:30 Uhr rund 7.200 stationäre und mobile Sirenen, ab 14:00 Uhr zusätzlich Wasseralarm unter Stauanlagen
Quellen: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (Deutschland); Bundesministerium für Inneres (Österreich); Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Schweiz). Angaben der jeweiligen Behörden, abgerufen am 10. September 2026.

Der Vergleich zeigt vor allem einen Unterschied im Zuschnitt. Der deutsche Warntag prüft ausdrücklich das Zusammenspiel vieler Kanäle, den vom BBK so genannten Warnmix, und misst anschließend per Umfrage nach. Der Schweizer Test ist enger gefasst und dafür präziser beschrieben: Um 13:30 Uhr läuft der „Allgemeine Alarm“ als einminütiger Heulton, geprüft werden nach Angaben des Schweizer Bundesamts für Bevölkerungsschutz rund 7.200 stationäre und mobile Sirenen. In Österreich löst das Innenministerium in Wien beim Probealarm neben der Sirenenprobe auch das Cell-Broadcast-System AT-Alert aus – ergänzt seit dem 7. September 2026 um die Zivilschutz-App ZIVA, über deren Start wir an dieser Stelle berichtet haben. Die deutsche Warn-App NINA kommt nach BBK-Angaben auf 14 Millionen Nutzende.

Was jetzt konkret ansteht

Die Online-Umfrage zum Warntag 2026 läuft bis zum 17. September 2026. Parallel führt das BBK nach eigener Ankündigung erneut eine Repräsentativbefragung einer zufällig ausgewählten Stichprobe durch – sie ist der Teil, an dem sich die tatsächliche Reichweite ablesen lässt. Wann die Ergebnisse vorliegen, ist offen; die beiden vorangegangenen Berichte erschienen am 29. April 2025 und am 20. April 2026, also jeweils gut sieben Monate nach dem Aktionstag.

Für Haushalte in Deutschland ist die praktische Konsequenz überschaubar, aber nicht null: Wer an diesem Vormittag keine Meldung auf dem Telefon hatte, findet den Grund nach Darstellung des BBK häufig im Gerät selbst – Cell Broadcast erreicht Mobiltelefone nur „bei entsprechenden Einstellungen“. Und wer die Signale gehört, aber nicht zuordnen konnte, steht damit nicht allein: Der Hälfte der 2025 Befragten waren die Sirenensignale für Warnung und Entwarnung nicht bekannt. Das ist der Teil des Warntags, den keine Technik erledigt.

Haben Sie die Probewarnung heute um 11 Uhr erhalten – und über welchen Kanal zuerst? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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