
Das Wichtigste in Kürze
- Nach einer Auswertung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, über die die Deutsche Presse-Agentur am frühen Sonntagmorgen berichtete, sank das operative Ergebnis von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW im ersten Halbjahr 2026 um 19,0 Prozent auf 13,0 Milliarden Euro. Für alle 19 untersuchten Konzerne weist EY ein Plus von 11,4 Prozent auf 43,7 Milliarden Euro aus.
- Den Umsatzteil der Auswertung hat NETZ-TRENDS an den Halbjahresberichten der drei Unternehmen nachgerechnet: 158,1 plus 63,7 plus 62,3 Milliarden Euro ergeben 284,0 Milliarden Euro und damit 2,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum – genau der Wert, den EY nennt.
- In den deutschen Betrieben der Branche arbeiteten Ende Juni nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 691.500 Menschen, 42.300 weniger als ein Jahr zuvor. Unter den großen Industriezweigen, die das Amt in derselben Mitteilung ausweist, verlor keiner anteilig so viele Stellen.
Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hat die Halbjahresbilanzen von 19 Autokonzernen verglichen. Das Ergebnis, über das die Deutsche Presse-Agentur am 20. September 2026 um 2:45 Uhr zuerst berichtete, fällt für die drei deutschen Hersteller deutlich schlechter aus als für die Branche insgesamt: Während der zusammengerechnete operative Gewinn aller untersuchten Unternehmen nach Darstellung von EY um 11,4 Prozent auf 43,7 Milliarden Euro stieg, sank er bei Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW um 19,0 Prozent auf 13,0 Milliarden Euro.
Beim Umsatzwachstum landen die drei deutschen Konzerne in der Auswertung nach Angaben der Agentur auf den Plätzen 16, 17 und 19 von 19. Die drei US-Hersteller Ford, General Motors und Tesla kamen zusammengenommen demnach auf ein Plus von 32,9 Prozent. Constantin Gall, Branchenexperte bei EY, wird in der Agenturmeldung mit der Einschätzung wiedergegeben, die deutschen Hersteller verlören nicht nur Marktanteile, sondern vor allem an Profitabilität; er verweise dabei auf strukturelle Kostennachteile.
Die Auswertung selbst war beim Abruf am Sonntagvormittag im Newsroom von EY Deutschland nicht auffindbar. Die im Folgenden genannten Kennzahlen der Analyse stammen deshalb aus der Agenturmeldung. Was sich unabhängig prüfen lässt, hat NETZ-TRENDS an den Originalberichten der drei Unternehmen nachgerechnet.
Nachgerechnet: Der Umsatzwert der Analyse lässt sich aus den Konzernberichten bestätigen
Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW haben ihre Halbjahreszahlen im Juli vorgelegt. Addiert man die dort ausgewiesenen Konzernumsätze, ergibt sich für das erste Halbjahr 2026 eine Summe von 284,0 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 292,5 Milliarden Euro. Der Rückgang beträgt damit 2,9 Prozent – exakt der Wert, den EY nennt. Die Auswertung ist an dieser Stelle also nachvollziehbar.

Auffällig ist, wie unterschiedlich sich der Rückgang auf die drei Unternehmen verteilt. Der Halbjahresfinanzbericht des Volkswagen-Konzerns weist einen nahezu unveränderten Umsatz von 158,1 Milliarden Euro aus, bei 4,125 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen – 6,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die operative Umsatzrendite des Konzerns lag bei 3,8 Prozent nach 4,2 Prozent im Vorjahreszeitraum. Bei der Mercedes-Benz Group sank der Umsatz auf 63,663 Milliarden Euro, bei der BMW Group auf 62,266 Milliarden Euro, ein Minus von 8,0 Prozent.
Beim Gewinn weisen die drei Konzerne unterschiedliche Größen aus
Bei der Ergebnisseite ist die Nachrechnung nicht ohne Weiteres möglich, und das ist keine Nebensächlichkeit: Die drei Unternehmen berichten nicht dieselbe Kennzahl. Volkswagen nennt ein „Operatives Ergebnis“ von 5,9 Milliarden Euro nach 6,7 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum, rechnerisch ein Minus von rund zwölf Prozent. Mercedes-Benz weist ein Konzern-EBIT von 3,451 Milliarden Euro aus, 3,1 Prozent weniger als im Vorjahr. BMW beziffert das EBIT des Segments Automobile auf 1,974 Milliarden Euro – 45,6 Prozent weniger – und das Konzernergebnis vor Steuern auf 4,045 Milliarden Euro, ein Minus von 29,4 Prozent.
| Konzern | Umsatz 1. Halbjahr 2026 | Veränderung | Ausgewiesene Ergebnisgröße | Wert | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|
| Volkswagen Konzern | 158,1 Mrd. € | −0,2 % | Operatives Ergebnis | 5,9 Mrd. € | rund −12 % |
| Mercedes-Benz Group | 63,7 Mrd. € | −4,1 % | Konzern-EBIT | 3,451 Mrd. € | −3,1 % |
| BMW Group | 62,3 Mrd. € | −8,0 % | EBIT Segment Automobile | 1,974 Mrd. € | −45,6 % |
| Summe der drei Konzerne | 284,0 Mrd. € | −2,9 % | operatives Ergebnis laut EY | 13,0 Mrd. € | −19,0 % |
Rechnerisch bleibt zwischen den einzeln berichteten Werten und der EY-Summe eine Lücke: Volkswagens operatives Ergebnis und das Mercedes-EBIT ergeben zusammen rund 9,4 Milliarden Euro. Die von EY genannten 13,0 Milliarden Euro setzen für BMW also einen Wert von rund 3,6 Milliarden Euro voraus – deutlich mehr als die 1,974 Milliarden Euro des Segments Automobile. Das deutet darauf hin, dass die Auswertung für BMW eine Konzerngröße verwendet, die über dieses Segment hinausgeht. Welche Abgrenzung EY im Einzelnen anwendet, geht aus der Agenturmeldung nicht hervor.
China: Der Anteil am Absatz der deutschen Hersteller fiel von 28,9 auf 23,5 Prozent
Als wichtigsten Grund für den Ergebnisrückgang nennt die Auswertung nach Darstellung der Agentur den chinesischen Markt. Der Absatz der deutschen Hersteller dort sei im ersten Halbjahr um 25 Prozent gesunken; der Anteil Chinas an ihrem weltweiten Absatz sei binnen eines Jahres von 28,9 auf 23,5 Prozent gefallen.
Die Größenordnung deckt sich mit dem, was Volkswagen selbst berichtet. Nach dem Halbjahresfinanzbericht des Konzerns lieferte die Gruppe in China im ersten Halbjahr 971.150 Fahrzeuge aus – 26,0 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum; als Grund nennt der Bericht die hohe Wettbewerbsintensität. Bei den batterieelektrischen Fahrzeugen fiel der Rückgang in der Region mit 47,9 Prozent auf 30.917 Auslieferungen noch deutlicher aus. Auch die Mercedes-Benz Group verweist in ihrem Zwischenbericht auf den intensiven Wettbewerb und eine zurückhaltende Konsumstimmung in China.
Was die Auswertung offenlässt
- Welche 19 Konzerne EY untersucht hat und nach welchen Kriterien sie ausgewählt wurden.
- Welche Ergebnisgröße für die Summenbildung verwendet wurde und wie sie über unterschiedliche Rechnungslegungen hinweg vereinheitlicht wurde.
- Wie die Währungsumrechnung erfolgte – ein erheblicher Teil des Branchenumsatzes fällt in US-Dollar, Yen und Yuan an.
- Ob die genannten China-Zahlen Auslieferungen an Endkunden oder Auslieferungen an den Handel erfassen.
In Deutschland arbeiten 691.500 Menschen in der Autoindustrie – 42.300 weniger als ein Jahr zuvor
Für die Beschäftigten in Deutschland lässt sich die Entwicklung anhand amtlicher Zahlen unabhängig von jeder Unternehmensbilanz beschreiben. Nach der Pressemitteilung Nr. N057 des Statistischen Bundesamtes vom 14. August 2026 waren in der deutschen Automobilindustrie zum Ende des ersten Halbjahres 2026 rund 691.500 Menschen beschäftigt. Das sind 42.300 weniger als ein Jahr zuvor, ein Rückgang von 5,8 Prozent und nach Angaben der Behörde der niedrigste Stand seit 2005.
Innerhalb der Branche verteilt sich das ungleich: Bei den Herstellern von Kraftwagen und Kraftwagenmotoren zählte die Behörde 429.200 Beschäftigte (minus 6,1 Prozent), bei den Zulieferern von Teilen und Zubehör 219.500 (minus 7,6 Prozent). Nur bei den Herstellern von Karosserien, Aufbauten und Anhängern stieg die Zahl auf 42.800 – ein Plus von 10,0 Prozent.

Im Vergleich der Industriezweige steht die Autoindustrie damit allein. Das verarbeitende Gewerbe in Deutschland insgesamt zählte 5,29 Millionen Beschäftigte und verlor 144.100 Stellen oder 2,7 Prozent. Im Maschinenbau (905.900 Beschäftigte) lag der Rückgang ebenfalls bei 2,7 Prozent, bei den Metallerzeugnissen (471.700) bei 3,8 Prozent, in der chemischen Industrie (312.000) bei 3,6 Prozent und im Ernährungsgewerbe (503.400) bei 1,3 Prozent. Auf die Autoindustrie entfiel damit nach eigener Berechnung knapp ein Drittel des gesamten Stellenrückgangs im verarbeitenden Gewerbe, obwohl sie nur rund 13 Prozent von dessen Beschäftigten stellt.
Eine zweite Auswertung kommt für dasselbe Halbjahr auf ein anderes Vorzeichen
Wer die Branchenzahlen einordnen will, sollte wissen, wie stark das Ergebnis von der Auswahl der Unternehmen abhängt. Das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach hat am 11. August 2026 eine eigene Auswertung für dasselbe Halbjahr veröffentlicht – allerdings für 15 statt 19 Hersteller. Danach fiel das zusammengerechnete EBIT dieser 15 Konzerne um 17,5 Prozent auf 35,6 Milliarden Euro, während der Umsatz nur um 1,4 Prozent nachgab. Der Gewinn je verkauftem Fahrzeug sank dieser Auswertung zufolge von 1.409 auf 1.187 Euro; für Mercedes-Benz weist das Institut 4.122 Euro aus, für BMW 3.142 Euro und für Stellantis 471 Euro.
Ein Plus von 11,4 Prozent bei EY und ein Minus von 17,5 Prozent beim CAM schließen einander nicht aus: Es sind unterschiedliche Stichproben, unterschiedliche Stichtage und – soweit erkennbar – unterschiedlich abgegrenzte Ergebnisgrößen. Ein belastbarer Satz über „die Branche“ lässt sich daraus nicht ableiten. Belastbar ist die Aussage über die drei deutschen Konzerne, denn deren Zahlen liegen einzeln und geprüft vor.
Volkswagen hat die eigene Prognose am Donnerstagabend gekappt
Dass die Halbjahreszahlen nicht das Ende der Entwicklung markieren, hat der größte der drei Konzerne zwei Tage vor der EY-Auswertung selbst mitgeteilt. In einer Ad-hoc-Mitteilung vom 18. September 2026, 17:17 Uhr, senkte die Volkswagen AG ihre Erwartung für die operative Umsatzrendite des laufenden Geschäftsjahres auf bis zu 1 Prozent. Zuvor hatte der Konzern 4,0 bis 5,5 Prozent in Aussicht gestellt; 2025 waren es 2,8 Prozent.
Grund sind nach der Mitteilung Sondereffekte von insgesamt rund 10 Milliarden Euro, von denen 0,9 Milliarden Euro bereits im ersten Halbjahr erfasst wurden. Darin enthalten ist eine nicht zahlungswirksame Abschreibung auf den Firmenwert des Segments Porsche von rund 6 Milliarden Euro, die im dritten Quartal 2026 verbucht wird. Den Konzernumsatz erwartet Volkswagen bei rund 315 Milliarden Euro nach 321,9 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Netto-Cashflow im Bereich Automobile bleibt mit 3 bis 6 Milliarden Euro unverändert prognostiziert.
Bei BMW steht in derselben Mitteilung, die die Halbjahreszahlen enthält, eine Einigung mit dem Betriebsrat über eine Anpassung der Personalstrukturen einschließlich eines freiwilligen Abfindungsprogramms. Eine Zahl betroffener Stellen nennt die Mitteilung nicht.
Was das für Deutschland bedeutet – und was als Nächstes belegbar ansteht
Die Autoindustrie gehört gemessen an der Beschäftigtenzahl zu den größten Industriezweigen in Deutschland – nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes liegt sie mit 691.500 Beschäftigten hinter dem Maschinenbau mit 905.900. Sinkende Ergebnisse sind deshalb nicht nur eine Frage der Aktienkurse: Sie entscheiden über Investitionsbudgets an deutschen Standorten, über die Auslastung der Zulieferbetriebe und über die Gewerbesteuereinnahmen der Standortkommunen. Die amtlichen Zahlen zeigen bereits eine Richtung, die sich nicht aus Prognosen, sondern aus abgerechneten Halbjahren ergibt.
Drei Punkte bleiben nachprüfbar offen: Die Zahlen für das dritte Quartal 2026 stehen bei allen drei Konzernen in den kommenden Wochen an – die Termine nennen die Finanzkalender der Unternehmen. Erst dort wird sichtbar, wie sich die von Volkswagen angekündigte Abschreibung von rund 6 Milliarden Euro tatsächlich auswirkt. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht seine Beschäftigtenzahlen fortlaufend; die nächste Fortschreibung für die Automobilindustrie wird zeigen, ob sich der Rückgang nach dem Halbjahr fortgesetzt hat. Und ob EY die zugrunde liegende Auswertung im Wortlaut veröffentlicht, bleibt abzuwarten – bis dahin bleiben die Abgrenzungsfragen offen.
NETZ-TRENDS hatte am 19. September über das Spritpreis-Entlastungspaket von Bund und Ländern berichtet und am 18. September über die Erzeugerpreise im August 2026, die die Preisentwicklung gewerblicher Produkte in Deutschland abbilden. Beide Themen berühren dieselbe Frage wie die Halbjahreszahlen: Wie viel Kostendruck lässt sich weitergeben – und an wen?
Wie nehmen Sie die Lage der deutschen Autoindustrie in Ihrem Umfeld wahr – und halten Sie den Rückgang für eine Konjunkturdelle oder für einen dauerhaften Strukturbruch? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- EY-Auswertung der Halbjahresbilanzen von 19 Autokonzernen, wiedergegeben in der Meldung „Analyse: Deutsche Autobauer verlieren weiter an Boden“ der Deutschen Presse-Agentur, veröffentlicht am 20. September 2026 um 2:45 Uhr. Die Auswertung selbst war am Sonntagvormittag nicht öffentlich abrufbar.
- Volkswagen AG: Halbjahresfinanzbericht Januar bis Juni 2026, veröffentlicht am 24. Juli 2026
- Mercedes-Benz Group AG: Zwischenbericht zum 30. Juni 2026, veröffentlicht am 28. Juli 2026
- BMW AG: Quartalsbericht zum 30. Juni 2026, veröffentlicht am 30. Juli 2026
- Volkswagen AG: Ad-hoc-Mitteilung „Volkswagen AG aktualisiert die Prognose für das Geschäftsjahr 2026“ vom 18. September 2026, 17:17 Uhr
- Statistisches Bundesamt: „Stellenabbau in der Automobilindustrie: 42 300 weniger Beschäftigte zum Ende des 1. Halbjahres 2026 als ein Jahr zuvor“, Pressemitteilung Nr. N057 vom 14. August 2026
- Center of Automotive Management: „Performance von 15 globalen Automobilherstellern im ersten Halbjahr 2026“, veröffentlicht am 11. August 2026
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