Während der Bankensektor in Europa nach wie vor unter der dramatischen Schuldenkrise einiger Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal, Irland, leidet, geht es den Lebensversicherern – wie der Allianz-Gruppe oder der ERGO-Gruppe, auch Versicherungen wie der Alten Leipziger etc. – verhältnismäßig gut. So gut, dass die US-Ratingagentur Fitch zumindest das Segment der Lebensversicherungen nun auch für die nächsten zwölf bis 24 Monate als stabil bezeichnet hat.

Fitch sagte in seinem nun veröffentlichten Reporting für die deutschen Lebensversicherungen, der Markt sei recht stabil auch in der näheren Zukunft. Die Versicherungen seien gut vorbereitet auf weitere mögliche Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Positiv bewertet Fitch, dass die Lebensversicherer in Deutschland eher niedrige Zinssätze derzeit auf die angelegten Gelder einspielten, das aber dafür stabil („low interest rate environment“). Gute Finanzperformances gelten aber nicht für alle Versicherer in Deutschland mit Altersvorsorge-Produkten.

Beispielsweise gibt es beim vom Finanzdienstleister MLP vermittelten private Altersvorsorge-Versicherungen, wie die Rürup Rente (Wealthmaster Basisrente von Clerical Medical) durchaus auch überaus schlechte Performances. Das gilt auch für Altersvorsorge-Produkte der Heidelberger Leben, einer Versicherung die in einem Zusammenhang mit MLP steht.

Heidelberger Leben von MLP vermittelt in der Kritik bei Anleger

Beim Check seiner von MLP vermittelten Versicherungen hatte unlängst ein Versicherter bestürzt festgestellt, dass von seinen in fast 15 Jahren überwiesenen rund 110.000 Euro das von MLP vermittelte Altersvorsorge-Produkt (drei fondsgebundene Lebensversicherungen bei der Heidelberger Leben) gerade einmal rund 80.000 Euro in seinem Altersvorsorge-Topf noch übrig waren. „Das ist eine solch schlechte Anlage, dass selbst das Sparen in Omas Strumpf die bessere Alternative gewesen wäre“, so der Anleger zu netz-trends.de. Deshalb habe er alle seine MLP-Versicherungen gekündigt. Ähnliches tat unlängst der Geschäftsführer eines großen Preisvergleichs-Portals.

Doch es gibt eben auch nach wie vor verhältnismäßig gute und sichere private Altersvorsorge-Versicherungen. Besonders freut Fitch, dass die Investoren, die in deutsche Lebensversicherer investiert haben, davon ausgehen können, dass sie ihr Geld wieder zurückbekommen. Sehr gut sei, kommt Fitch zum Urteil, dass die meisten Lebensversicherungen in Deutschland auf jeden Fall ihre garantierte Ablaufleistung zu Rentenbeginn auch einhalten könnten gegenüber den Versicherten, teilte ein Senior Director von Fitch, Dr. Stephan Kalb, in Frankfurt a.M. mit. UNTEN KLICKEN UND ARTIKEL SEITE ZWEI LESEN

+Sollte Deutschland in die Rezession schliddern, wird das Rating verändert

Ebenfalls für Lob sorgt, dass die deutschen Lebensversicherungen überwiegend ein ausgewogenes Anlage-Portfolio haben und eher das Risiko scheuen – im Gegensatz zu Britischen Lebensversicherern wie der Clerical Medical, die höhere Verzinsung verprach aber das nach Berichten von MLP-Kunden „häufig nicht eingehalten habe in den vergangenen Jahren“. Sie wurde jahrelang von MLP vermittelt.

Nun haben die großen Lebensversicherer, beispielsweise die Allianz aus München, ihr Portfolio von riskanten Anlageformen nahezu komplett gesäubert. Das kommt jetzt Versicherern wie der Allianz (ohne dass sie namentlich erwähnt worden wäre von Fitch im Lebensversicherungs-Report) zu Gute. Aber auch andere große deutsche Versicherungen haben ihr Portfolio von zu riskanten Anlageformen gesäubert.

Obendrein haben die großen Versicherungskonzerne in Deutschland insgesamt genommen weniger als drei Prozent ihres Anlageportfolios in den Risikoländern der Eurozone – also Griechenland, Irland, Portugal, Italien oder Spanien investiert – heißt es zumindest. Doch gibt es durchaus Großbanken in Deutschland, die Milliarden beispielsweise in Griechenland investiert haben und riesige Euro-Summen nun wohl abschreiben müssen. Das heißt: Weniger Gewinne, weniger Steuern an Deutschland. Indirekt übernehmen also die deutschen Steuerzahler bei Abschreibungen einen Großteil nicht zurückgezahlter Verbindlichkeiten aus Ländern wie Griechenland.

Doch für Deutschland gilt: Fitch geht für die nächsten zwei Jahre von einem gedrosselten Wirtschaftswachstum hierzulande aus, aber von keinem weiteren Abflachen des Zinsniveaus. Einschränkend gab jedoch die Ratingagentur bekannt, dass man jederzeit bereit sei die Bewertung zu verändern, sollte Deutschland beispielsweise in eine Rezession abgleiten.

Kommentar schreiben