Auch bei Schaffhausen protestiert: Camp «KI kurzschliessen» richtete sich gegen ein Rechenzentrum von Stack Infrastructure
Das Wichtigste in Kürze
- Die niederländische Polizei meldet 150 bis 200 Festnahmen, nachdem Protestierende am 6. November 2026 die Baustelle eines geplanten Microsoft-Rechenzentrums in Amsterdam besetzt hatten.
- Parallel demonstrierten Gruppen der Kampagne «Stop Dirty Data Centres» in mindestens 15 Ländern – im Juli 2026 hatten Aktivistinnen und Aktivisten bereits ein Protestcamp bei einem Rechenzentrum in Beringen SH errichtet.
- Eine Kurzstudie des deutschen Öko-Instituts für Greenpeace rechnet damit, dass der Kühlwasserbedarf deutscher Rechenzentren von 13 Milliarden Litern (2025) auf bis zu 27 Milliarden Liter 2030 steigen könnte.
Am Freitag besetzten Hunderte Aktivistinnen und Aktivisten eine Microsoft-Baustelle in Amsterdam, die Polizei meldete 150 bis 200 Festnahmen. Auch in der Schweiz gab es in diesem Jahr bereits Protest gegen den Ausbau von Rechenzentren.
Die niederländische Polizei erklärte, die Festgenommenen würden des Hausfriedensbruchs verdächtigt. Microsoft teilte mit, man sei über die Demonstration informiert, respektiere das Recht auf friedliche Meinungsäusserung, dulde aber keine rechtswidrigen Handlungen oder Aktionen, die Menschen gefährden.
Der Protest war nach Angaben der Organisatoren der Auftakt zu einer zweitägigen, europaweiten Aktion gegen den schnellen Ausbau von Rechenzentren für Cloud- und KI-Dienste. Für Schweizer Leserinnen und Leser ist das Thema auch im eigenen Land angekommen: Erst im Sommer hatten Aktivistinnen und Aktivisten ein Protestcamp bei einem im Bau befindlichen Rechenzentrum in der Region Schaffhausen errichtet.
Besetzte Baustelle, Kran, Leuchtfackeln
Im Amsterdamer Stadtteil Sloterdijk drangen am Freitagnachmittag mehrere hundert Protestierende auf die Baustelle eines geplanten Microsoft-Rechenzentrums ein. Einige kletterten auf einen Baukran und zündeten Leuchtfackeln, es kam zu Zusammenstössen mit der Polizei. Am späten Nachmittag räumten Einsatzkräfte das Gelände.
Organisiert wurde die Aktion von der niederländischen Gruppe «Geef Tegengas» («Push Back»). Die Dachkampagne «Stop Dirty Data Centres» spricht von rund 100 beteiligten Organisationen in 15 Ländern, die an diesem Wochenende erstmals europaweit gemeinsam auftraten – unter anderem auch in London und Wien.
Beringen SH: Protestcamp «KI kurzschliessen»
Dass der Widerstand gegen Rechenzentren auch die Schweiz erreicht hat, zeigte sich bereits im Juli 2026: Die Gruppe «Aufstände der Allmende» errichtete in Benken ZH ein mehrtägiges Protestcamp unter dem Motto «KI kurzschliessen» und kritisierte von dort aus den Strom- und Wasserverbrauch eines im Bau befindlichen Rechenzentrums des US-Betreibers Stack Infrastructure in Beringen SH. Die Kantonspolizei Zürich forderte die Räumung des unbewilligten Camps, am 3. Juli 2026 traten die Aktivistinnen und Aktivisten bei einer Medienkonferenz oberhalb von Beringen vor die Presse.
Die Gruppe bezeichnete Rechenzentren als «Brandbeschleuniger für die Klimakrise» und warnte, die Region Schaffhausen entwickle sich zu einem Hotspot der Branche. Zu konkreten Verbrauchszahlen des Rechenzentrums in Beringen äusserte sich der Betreiber in den verfügbaren Berichten nicht.
«Das kann lokal durchaus desaströse Effekte haben.»
Linda Klapdor, Greenpeace-Expertin, zum Wasserverbrauch von Rechenzentren
Deutschland als Vergleich: 13 Milliarden Liter heute, bis zu 27 Milliarden 2030
Während die Schweiz noch wenige konkrete Verbrauchszahlen zu einzelnen Projekten veröffentlicht, hat das deutsche Öko-Institut im Auftrag von Greenpeace den Wasserbedarf beim südlichen Nachbarn beziffert. Laut der am 2. November 2026 veröffentlichten Kurzstudie verbrauchten deutsche Rechenzentren 2025 rund 13 Milliarden Liter Wasser zur Kühlung – das entspricht laut Studie dem Trinkwasserbedarf von rund 275 000 Menschen.
Bis 2030 könnte der Bedarf auf bis zu 27 Milliarden Liter pro Jahr steigen, rund doppelt so viel wie heute, weil der Stromverbrauch der Rechenzentren von 26 auf mindestens 55 Terawattstunden wachsen soll. Der deutsche Digitalverband Bitkom hält dagegen: Der Wasserverbrauch pro Kilowattstunde Anschlussleistung sei laut EU-Register von 0,55 (2023) auf 0,4 (2025) gesunken, 65 Prozent der deutschen Anlagen hätten einen «sehr geringen direkten Wasserverbrauch».
Worauf Anwohnerinnen und Anwohner bei einem geplanten Rechenzentrum achten können
- Welche Kühltechnik ist vorgesehen – und wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung samt Wassergutachten veröffentlicht?
- Welche Anschlussleistung in Megawatt ist geplant, und aus welcher Wasserquelle soll gekühlt werden?
- Gibt es ein öffentliches Mitwirkungsverfahren, und wann endet die Einsprachefrist?
- Was sagt der örtliche Energieversorger zu Kapazität und Netzanschluss in der Region?
Welche Rolle der Wasser- und Stromverbrauch von Rechenzentren bei der Standortwahl in Ihrer Region spielen sollte, können Sie uns gerne in den Kommentaren schreiben.
Häufige Fragen
Warum protestierten Aktivistinnen und Aktivisten gegen das Microsoft-Rechenzentrum in Amsterdam?
Die Protestierenden kritisieren den schnellen Ausbau von Rechenzentren für Cloud- und KI-Dienste, insbesondere deren Strom- und Wasserverbrauch sowie fehlende öffentliche Kontrolle. Die niederländische Polizei meldete 150 bis 200 Festnahmen wegen Hausfriedensbruchs.
Gab es auch in der Schweiz Protest gegen Rechenzentren?
Ja. Im Juli 2026 errichtete die Gruppe «Aufstände der Allmende» ein Protestcamp in Benken ZH und richtete sich von dort gegen ein im Bau befindliches Rechenzentrum des Betreibers Stack Infrastructure in Beringen SH.
Wie viel Wasser verbrauchen Rechenzentren in Deutschland?
Laut einer Kurzstudie des Öko-Instituts für Greenpeace waren es 2025 rund 13 Milliarden Liter Kühlwasser, bis 2030 könnten es bis zu 27 Milliarden Liter werden.
Sieht das die Branche auch so?
Nein. Der deutsche Digitalverband Bitkom verweist darauf, dass der Wasserverbrauch pro Rechenzentrum sinke und 65 Prozent der Anlagen bereits sehr wenig Wasser benötigten.
Quellen und Stand
- Öko-Institut für Greenpeace: Kurzstudie Wasserverbrauch deutscher Rechenzentren, Stand 11/2026 (in German)
- Bitkom: KI-Boom treibt Rechenzentren in Deutschland, Pressemitteilung vom 3. November 2026 (in German)
- Niederländische Polizei und Microsoft: Stellungnahmen vom 6. November 2026 zur Besetzung der Baustelle in Amsterdam-Sloterdijk
- Südostschweiz: Aktivisten räumen Camp und kritisieren Rechenzentrum in Beringen SH, 3. Juli 2026
Recherche- und Datenstand: 7. November 2026.
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe. Länderfassung auf Basis eines Artikels von NETZ-TRENDS.de, für die Schweiz recherchiert.
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