Das Wichtigste in Kürze
- Nach der Auswertung des deutschen Vergleichsportals Stromauskunft.de stieg der bundesweite Mittelwert des jeweils günstigsten Stromtarifs für Neuverträge von 23,47 Cent je Kilowattstunde im Juni auf 30,11 Cent am 23. September 2026 – ein Plus von 28,3 Prozent.
- Unabhängig davon zeigen die Großhandelsdaten der Bundesnetzagentur dieselbe Richtung: Das Monatsmittel im Day-Ahead-Handel für Deutschland und Luxemburg lag im Juni bei 109,52 Euro je Megawattstunde, vom 1. bis 25. September bei 143,26 Euro – 30,8 Prozent mehr.
- Für einen deutschen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch entspricht der Aufschlag von 6,64 Cent rechnerisch 232,40 Euro im Jahr. Betroffen sind zunächst nur Neuverträge, nicht laufende Verträge innerhalb ihrer Preisgarantie.
Strom für Neuverträge ist in Deutschland seit dem Sommer deutlich teurer geworden. Das deutsche Vergleichsportal Stromauskunft.de, nach eigenen Angaben betrieben von der EnergieAuskunft GmbH in Münster, hat am Freitagmorgen um 7.00 Uhr eine Mitteilung veröffentlicht, wonach der bundesweite Mittelwert des jeweils günstigsten verfügbaren Tarifs von 23,47 Cent je Kilowattstunde im Juni auf 30,11 Cent am 23. September 2026 gestiegen ist. Das sind 6,64 Cent oder 28,3 Prozent mehr binnen rund drei Monaten. Denselben Wert von 30,11 Cent weist das Portal auch auf seiner öffentlichen Preisübersicht aus.
Eine Pressemitteilung eines Vergleichsportals ist die Darstellung ihres Herausgebers und keine amtliche Statistik. NETZ-TRENDS hat deshalb geprüft, ob sich die Richtung der Zahlen unabhängig belegen lässt – und hat dazu die Großhandelspreise ausgewertet, die die Bundesnetzagentur täglich auf ihrer Plattform SMARD veröffentlicht. Sie bestätigen den Anstieg, wenn auch mit einer eigenen Größenordnung.
Vier Stichtage, 6,64 Cent Unterschied
Die Erhebung des Portals nennt für jeden Monat seit Juni einen eigenen Wert. Sie bezieht sich auf einen Modellhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch und rechnet Arbeitspreis, Grundpreis und Boni in einen Cent-Betrag je Kilowattstunde um. Aus diesem Betrag lassen sich die Jahreskosten eines solchen Haushalts direkt errechnen.
| Stichtag | Günstigster Tarif | Differenz zu Juni | Jahreskosten bei 3.500 kWh |
|---|---|---|---|
| Juni 2026 | 23,47 ct/kWh | – | 821,45 € |
| Juli 2026 | 25,10 ct/kWh | +1,63 ct | 878,50 € |
| August 2026 | 27,03 ct/kWh | +3,56 ct | 946,05 € |
| 23. September 2026 | 30,11 ct/kWh | +6,64 ct | 1.053,85 € |
Der Sprung fällt zwischen August und September am größten aus: 3,08 Cent je Kilowattstunde in einem einzigen Monat. Der Juni-Wert ist nach Darstellung des Portals zugleich das Jahrestief.
Die Daten der Bundesnetzagentur zeigen 30,8 Prozent – und eine extreme Spreizung
Der Stromhandel selbst liefert eine unabhängige Kontrollgröße. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht auf SMARD die täglichen Großhandelspreise im Day-Ahead-Handel für die gemeinsame Gebotszone Deutschland und Luxemburg. Eine eigene Auswertung dieser Tageswerte durch NETZ-TRENDS ergibt für den Juni 2026 ein Monatsmittel von 109,52 Euro je Megawattstunde und für den Zeitraum vom 1. bis 25. September 2026 ein Mittel von 143,26 Euro. Das ist ein Anstieg um 30,8 Prozent – annähernd die Größenordnung, die das Vergleichsportal für die Endkundentarife nennt.

Auffällig ist nicht nur das Niveau, sondern die Schwankungsbreite innerhalb weniger Tage. Am 14. September lag der Tagesmittelwert bei 256,55 Euro je Megawattstunde, am 20. September bei 21,75 Euro – ein Faktor von knapp zwölf binnen sechs Tagen. Für den 25. September weist SMARD 176,63 Euro aus. Ein einzelner Tageswert lässt sich nicht in einen Haushaltstarif umrechnen. Wie stark und wie schnell sich die Großhandelspreise in den Endkundentarifen niederschlagen, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.
Was das für einen Haushalt bedeutet
Rechenbeispiel: Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden in Deutschland
- Abschluss im Juni zum günstigsten Tarif: rechnerisch 821,45 Euro im Jahr.
- Abschluss am 23. September zum günstigsten Tarif: rechnerisch 1.053,85 Euro im Jahr.
- Differenz: 232,40 Euro im Jahr, rund 19,40 Euro im Monat.
Eigene Berechnung NETZ-TRENDS auf Basis der von Stromauskunft.de genannten Cent-Werte.
Wer im Juni abgeschlossen hat und eine zwölfmonatige Preisgarantie hält, zahlt vorerst weiter den alten Preis. Die Erhöhung trifft zuerst Neuverträge – also Haushalte, die umziehen, deren Vertrag ausläuft oder die gerade wechseln wollen. Genau das ist der Punkt, der in einer Prozentzahl untergeht: Der Anstieg wirkt nicht gleichmäßig, sondern trifft eine bestimmte Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Die Grundversorgung liegt bei 40,37 Cent
Deutlich teurer als jeder Neukundentarif ist nach den Angaben des Portals die Grundversorgung, also die Belieferung durch den örtlichen Grundversorger ohne gesondert abgeschlossenen Liefervertrag: bundesweit im Mittel 40,37 Cent je Kilowattstunde. Die Differenz zu den 30,11 Cent des günstigsten Tarifs beträgt 10,26 Cent – bei 3.500 Kilowattstunden rechnerisch 359,10 Euro im Jahr. Das deckt sich mit dem Einsparbetrag von rund 359 Euro, den das Portal in seiner Mitteilung nennt.
Regional geht die Spanne weit auseinander. Die Auswertung nennt als günstigsten Ort das bayerische Ringelai mit 25,54 Cent je Kilowattstunde und als teuersten das baden-württembergische Büsingen am Hochrhein mit 41,12 Cent. Zwischen beiden liegen rund 61 Prozent. Ein bundesweiter Durchschnitt beschreibt damit keinen Preis, den irgendein Haushalt tatsächlich zahlt.
Wer die Zahlen erhebt – und was die Auswertung offenlässt
Die Erhebung stammt nicht von einer Behörde, sondern aus dem Energy Price Data Lab des Portals selbst. Nach eigener Darstellung wertet es täglich Haushaltsstrompreise in mehr als 6.300 deutschen Städten aus und berücksichtigt nur Tarife mit einer Laufzeit von höchstens zwölf Monaten, zwölf Monaten Preisgarantie und einer Kündigungsfrist von sechs Wochen. Das ist eine nachvollziehbar beschriebene Methode – sie stammt aber von einem Portal, das auf derselben Website den Vergleich und den Wechsel des Stromanbieters anbietet. Die Kernaussage der Mitteilung, dass sich ein Wechsel um rund 359 Euro im Jahr rechnet, verweist damit zugleich auf das eigene Angebot des Herausgebers. Das entwertet die Zahlen nicht, gehört aber danebengestellt.
Drei Punkte lässt die Auswertung offen. Erstens rechnet sie Boni ein; wie sich der Preis nach Ablauf der zwölfmonatigen Preisgarantie entwickelt, geht aus den Angaben nicht hervor. Zweitens geht aus den Angaben nicht hervor, ob der jeweils günstigste Tarif eines Ortes für jeden Haushalt tatsächlich zugänglich ist. Drittens sagt der Vergleich nichts darüber, wie viele Haushalte in Deutschland überhaupt in der teuren Grundversorgung sind; eine solche Zahl nennt die Mitteilung nicht.
Der Börsenpreis ist nur ein Teil der Rechnung
Ein Haushaltsstrompreis besteht in Deutschland aus mehreren Bestandteilen: der Beschaffung am Markt, den Netzentgelten, Steuern, Abgaben und Umlagen. Die Bewegung, die sich derzeit in den Neukundentarifen zeigt, betrifft vor allem den ersten Teil. Die Netzentgelte werden davon unabhängig festgelegt und können die Richtung verstärken oder dämpfen. Über ihre künftige Ausgestaltung läuft in Deutschland ein eigenes Verfahren der Bundesnetzagentur; NETZ-TRENDS hat den Entwurf der Behörde am 18. September dargestellt.
Auch die amtliche Preisstatistik weist für Deutschland zuletzt wieder steigende Werte aus: Die Erzeugerpreise lagen im August 2026 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 4,6 Prozent über dem Vorjahresmonat.
Was noch offen ist
Eine unabhängige Einordnung der Erhebung durch die Bundesnetzagentur, einen Verbraucherverband oder den Branchenverband BDEW lag dieser Redaktion am Freitagvormittag nicht vor. Ebenso wenig lässt sich aus den vorliegenden Angaben ableiten, ob und wann bestehende Verträge angepasst werden.
Die genannten Werte gelten ausschließlich für den deutschen Strommarkt. In Österreich und in der Schweiz setzen sich Strompreise aus anderen Bestandteilen zusammen und werden von anderen Stellen erhoben; die Zahlen aus dieser Auswertung sind dorthin nicht übertragbar.
Wie beurteilen Sie diese Entwicklung – haben Sie in den vergangenen Wochen einen neuen Stromvertrag abgeschlossen und dabei höhere Preise erlebt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Stromauskunft.de (EnergieAuskunft GmbH, Münster): Pressemitteilung „Strompreise für Neukunden seit Juni um 28 Prozent gestiegen“ vom 25. September 2026, 7.00 Uhr
- Stromauskunft.de: Aktuelle Strompreise und Energy Price Data Lab, Abruf am 25. September 2026
- Bundesnetzagentur: SMARD – Großhandelspreise Day-Ahead, Deutschland/Luxemburg, Tageswerte Januar bis 25. September 2026, Abruf am 25. September 2026
- NETZ-TRENDS: Eckpunkte der Bundesnetzagentur zu den Netzentgelten, 18. September 2026
- NETZ-TRENDS: Erzeugerpreise August 2026, 18. September 2026
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