Rund 50 Mrd. Euro hat der Hurrikane Sandy in den USA an Sachschäden verursacht. Das ist die rein finanzielle Bilanz der Naturkatastrophe. Hinzu kommen Hunderttausende menschliche Tragödien in den USA aber auch auf Kuba, einer Region die ebenfalls dramatisch von Sandy getroffen wurde. Jetzt denken Millionen Amerikaner über zusätzliche Versicherungen nach, die sie in Naturkatastrophen absichern. Doch das ist nicht einfach.
Wie schon beim Elbhochwasser in Ost-Deutschland, so gilt auch in den USA: Die meisten Versicherungen decken Flutschäden und Sturmschäden nicht ohne weiteres ab. Doch gerade die vom Hurrikane nach sich ziehende Flut hat in Kuba oder New York, auch in New Jersey, Schäden in Milliarden-Höhe an Häusern und Wohnungen, auch Gärten oder Parkplätzen, angerichtet.
Hunderttausende stehen vor dem Nichts. In den USA sind die Bürger gut beraten zusätzlich zu sonstigen Hausversicherungen eine separate Naturkatastrophen-Versicherung abzuschließen. In den USA greift hier der Staat den Bürgern mit seinem „National Flood Insurance Program“ unter die Arme.
Derzeit besitzen rund 18 Prozent der Amerikaner eine Flutversicherung („flood insurance“). Mit 25 Prozent stellen nach Angaben des Insurance Information Institute die ärmeren Haushalte einen relativ hohen Anteil jener Haushalte dar, die in Regionen leben, die besonders von Naturkatastrophen in Form von Flut betroffen sein könnten. Grund: Reichere bauen in der Regel etwas besser gesicherte Anwesen. Doch gerade die Ärmeren haben häufig kein Geld in den USA um neben Immobilien-Pflichtversicherungen auch noch Katastrophenversicherungen abzuschließen.
Besonders Immobilien-Käufer stehen immer häufiger vor der Tatsache, dass Banken es zur Kreditbedingung machen, dass auch eine Flut-Katastrophen-Versicherung oder eine Sturmversicherung abgeschlossen wird. Andernfalls sind sie in Risikogebieten nicht mehr bereit Häuser oder Wohnungen zu finanzieren.
Ein Problem sind aber nicht nur die immer stärker und häufiger auftretenden Hurrikans oder Tornados in den USA, sondern auch viel heftigere und länger anhaltende Regenschauer. Auch das kann zu drastischen Überflutungen privaten oder gewerblichen Immobilien-Sitzes mit entsprechend teuren Schäden führen. Ohne Versicherung ist man da aufgeschmissen.
Ganz abgesehen von der Tatsache, dass es in den USA – wie auch in Deutschland, der Schweiz oder Österreich – gar nicht so einfach ist, eine Naturkatastrophen-Versicherung zu bekommen, bleiben doch zahlreiche Umstände, die es schwierig machen können, im Falle eines Schadens auch wirklich diesen von der Versicherung ersetzt zu bekommen.
Beispiel: Hat ein Hauseigner auf seinem Grundstück einen Baum, der schon etwas kränkelt oder gar in Teilen morsch ist und auf Grund von heftigen Regenschauern oder Hurrikans aufs Haus oder das Auto fällt – so bezahlen auch in den USA die Naturkatastrophen-Versicherungen in der Regel nicht. Allerdings gibt es in den Vereinigten Staaten Kfz-Versicherungen, die hier möglicherweise in solchen Fällen bereit sind, die Schäden finanziell zu begleichen (auto insurance claims).
Genau definiert sind in den U.S.-Versicherungen in der Regel die Unterschiede, ob Schäden an einer Immobilie durch einen Sturm verursacht wurden (die fast immer von den Versicherungen übernommen werden), oder durch einen Hurricane oder Tornado. Dabei wird sogar die Windgeschwindigkeit gemessen. Erreichen die Stürme die Grenze von 74 Meilen pro Stunde wird nicht mehr von einem normalen Sturm ausgegangen, sondern von einer ungewöhnlichen Naturkatastrophe die folglich nicht mehr ohne weiteres versichert ist. Wichtig ist auch zu klären, wie hoch der Selbstbehalt in einer US-Versicherungspolice ist („hurricane deductible“).
+Naturkatastrophen: Tipps vom Staat
Fakt ist aber: Wer einen Selbstbehalt hat, auf den kommen leicht 20.000 US-Dollar Kosten im Fall von Schäden durch einen Hurricane oder eine Flutkatastrophe zu. Dabei ist der Selbstbehalt abhängig vom Wert des Hauses. Dennoch plädiert beispielsweise der Gouverneur von New York, Andrew M. Cuomo, dafür, dass die Bürger im Falle von Sandy in keinem Fall einen Selbstbehalt übernehmen sollten, da es sich um eine außergewöhnliche Naturkatastrophe handele (Quelle: governor.ny.gov/press/10312012Hurricane-Deductibles).
Auch versuchen mehrere Offizielle in New Jersey, New York oder Connecticut, dass die Versicherungen auch in Fällen die Kosten übernehmen, wo die Windgeschwindigkeiten von Sandy möglicherweise doch bereits Hurricane-Geschwindigkeiten hatten aber der Betroffene keine Katastrophen-Versicherung vorweisen kann, sondern nur eine normale Sturm-Versicherung.
Grundsätzlich läuft es n den USA derzeit darauf hinaus, dass die Versicherungen künftig eine breitere Bandbreite von Naturschäden übernehmen sollten, als bislang.
Dass die Naturkatastrophen in den USA Jahr für Jahr zu einem immer größeren Problem werden, zeigt sich daran, dass es auch immer mehr offizielle Webseiten der US-Bundesstaaten gibt, die Tipps geben. Dazu gehört beispielsweise die Webseite http://www.floodsmart.gov. Hier werden zahlreiche Tipps rund um Versicherungen, aber auch Vorkehrungen im Falle von Naturkatastrophen gegeben. Eine weitere Anlaufstelle ist die offizielle Webseite DisasterAssistance.gov.
In der Regel übernehmen bislang die Versicherungen Schäden am Haus oder der Wohnung von bis zu 250.000 Dollar. Alles was über diesem Satz ist, müssen zumindest die privaten Immobilien-Besitzer in der Regel selbst übernehmen. Umschlossen sind meist Schäden am Haus, aber auch an der Stromversorgung oder der Wasserversorgung. Weitere mögliche Dinge, die versichert werden können, sind Schäden an Kleidern, der Einrichtung oder der sonstigen Hauselektronik.
In den USA sind jedoch zahlreiche Punkte nicht versichert im Falle einer Naturkatastrophe oder eines Sturms. Meist gehört hierzu der private Swimmingpool (ist gerade in New York beispielsweise auf Long Island weit verbreitet), auch Obst-Plantagen oder Schäden an Umzäunungen („fences“) sind ausgeschlossen.
Genau abgewogen wird auch, in welcher Höhe eine Etage eines Hauses liegt. Hier muss dann abgeklärt werden – ab oder bis zu welcher Höhe werden Schäden im Haus übernommen. Fragen, ob eine Etage eines Hauses auf „Street Level“, also Straßenlevel („basement“) ist, oder darüber hinaus ragt, können letztlich entscheidend sein, ob eine Versicherung bei Flutschäden zahlt und wenn ja in welchem Umfang.
Im Schnitt kostet derzeit eine Flutversicherung in den USA um die 640 Dollar jährlich. Es ist davon auszugehen, dass diese Kosten steigen werden – auf um die 1000 Dollar. Grund: Die Schäden der Naturkatastrophen werden immer drastischer.