Das Wichtigste in Kürze

  • Beim australischen Mobilfunkanbieter Optus fiel am Freitagnachmittag Ortszeit gut eine Stunde lang die Sprachverbindung in vier Landesteilen aus. 41 Anrufe bei der australischen Notrufnummer 000 leitete das Unternehmen nach Darstellung des Senders ABC anschließend zur Nachkontrolle an die Polizei des Bundesstaates Victoria weiter.
  • Nach Angaben der Gesundheitsministerin des Bundesstaates Victoria ist es der dritte Ausfall bei einem australischen Netzbetreiber binnen zwölf Monaten. Wegen des Ausfalls vom 18. September 2025 klagt die australische Medien- und Kommunikationsaufsicht ACMA bereits vor dem Bundesgericht – sie wirft Optus Mobile 1.005 einzelne Verstöße vor, jeder mit bis zu 250.000 australischen Dollar Höchststrafe bewehrt.
  • In Deutschland verlangt § 164 des Telekommunikationsgesetzes, dass Notrufverbindungen „jederzeit unverzüglich“ hergestellt werden. Zugleich schalten die deutschen Netzbetreiber ihre 2G-Netze bis Ende 2028 ab. Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist danach der automatische Fahrzeugnotruf eCall auf 2G-Basis „nicht mehr möglich“; betroffen sind auch Notruf-Funkmodule in Aufzügen.

Die Polizei des australischen Bundesstaates Victoria hat am Samstagvormittag Ortszeit ihre Nachkontrollen nach dem jüngsten Netzausfall beim Mobilfunkanbieter Optus abgeschlossen. Rund 40 Anrufende, deren Notruf während der Störung nicht durchkam, wurden aufgesucht; „keine nachteiligen Folgen oder nennenswerten Vorkommnisse“ habe es dabei gegeben, zitiert der australische öffentlich-rechtliche Sender ABC die Behörde. Optus selbst hatte demnach 41 Anrufe an die Polizei übergeben.

Damit endet ein Vorfall, der in Australien seit Freitagnachmittag für Aufregung sorgt – und der eine Frage aufwirft, die sich auch im deutschsprachigen Raum stellt: Was passiert eigentlich mit dem Notruf, wenn das Mobilfunknetz ausfällt?

Gut eine Stunde ohne verlässliche Sprachverbindung in vier Landesteilen

Die Störung begann nach ABC-Angaben am Freitag gegen 13:30 Uhr australischer Ostküstenzeit und war gegen 15:00 Uhr behoben. Betroffen waren der Bundesstaat Victoria, Südaustralien, Tasmanien und das Northern Territory; Gespräche brachen dort zeitweise ab oder kamen nicht zustande.

Optus erklärte laut ABC, das Problem sei „innerhalb von Minuten“ über die eigene Netzüberwachung erkannt und sofort an technische Teams übergeben worden. Eine eigene Mitteilung zu dem Ausfall stand am Samstagvormittag deutscher Zeit nicht im Medienbereich des Unternehmens; die jüngsten dort veröffentlichten Mitteilungen stammen aus dem August. Die Angaben des Unternehmens sind damit bislang nur über australische Medien überliefert. Eine Ursache hat Optus nach den vorliegenden Berichten noch nicht genannt.

Auch die Zahl der betroffenen Notrufe ist nicht einheitlich überliefert: Australische Berichte nennen teils „mehr als 39“ Anrufende mit Verbindungsproblemen, ABC nennt 41 an die Polizei weitergegebene Anrufe und rund 40 abgeschlossene Kontrollen. Eine amtlich bestätigte Zahl lag am Samstagvormittag nicht vor.

Victorias Gesundheitsministerin zählt den dritten Ausfall binnen zwölf Monaten

Die australische Gesundheitsministerin des Bundesstaates Victoria, Ingrid Stitt, nannte den Vorfall nach ABC-Angaben „außerordentlich enttäuschend und inakzeptabel“ – es sei „das dritte Mal, dass wir in den vergangenen zwölf Monaten einen Ausfall entweder von Optus oder von Telstra hatten“ (Übersetzung der Redaktion).

Die Reihe, auf die sie sich bezieht, sieht nach den Angaben des Senders so aus:

Vorfall Anbieter Dauer Notrufe laut Angaben
18. September 2025 Optus rund 14 Stunden 605
Juli 2026 Telstra k. A. 604
11. September 2026 Optus gut eine Stunde 41
Quelle: Angaben des australischen Senders ABC, abgerufen am 12. September 2026. Vom Ausfall im September 2025 scheiterten nach diesen Angaben rund 75 Prozent der 605 Notrufversuche; für den Vorfall vom 11. September 2026 ist 41 die Zahl der von Optus an die Polizei übergebenen Anrufe. Die Werte stammen von den Unternehmen und australischen Behörden und sind nicht von NETZ-TRENDS unabhängig geprüft.

Der Ausfall vom 18. September 2025 beschäftigt in Australien bis heute Aufsicht und Parlament. Optus hat dazu im November 2025 eine im eigenen Medienbereich aufgeführte Stellungnahme an den zuständigen Senatsausschuss des australischen Parlaments abgegeben; australische Medien haben den Vorfall zudem mit Todesfällen in Verbindung gebracht; die Angaben dazu gehen auseinander, eine behördliche Feststellung dazu lag NETZ-TRENDS nicht vor.

Die australische Aufsicht klagt bereits – 1.005 vorgeworfene Verstöße

Belastbar ist dagegen, was die australische Medien- und Kommunikationsaufsicht ACMA im Juli 2026 mitgeteilt hat: Sie hat gegen Optus Mobile ein Verfahren vor dem australischen Bundesgericht eingeleitet. Der Vorwurf lautet, das Unternehmen habe bei dem Ausfall vom September 2025 in 1.005 einzelnen Fällen gegen seine Pflichten verstoßen – indem es weder den Zugang zum Notrufdienst sicherstellte noch die Anrufe an die richtige Stelle weiterleitete. Je Verstoß sieht das australische Recht nach ACMA-Angaben bis zu 250.000 australische Dollar vor.

ACMA-Vorsitzende Nerida O’Loughlin wird in der Mitteilung mit dem Satz zitiert, der Zugang zum Notrufdienst sei „nicht optional, sondern eine grundlegende gesetzliche Pflicht“ (Übersetzung der Redaktion). Nach einem früheren Ausfall im November 2023 hatten Optus-Gesellschaften nach ACMA-Angaben bereits mehr als zwölf Millionen australische Dollar gezahlt. Ein Urteil im laufenden Verfahren steht aus; bis dahin handelt es sich um Vorwürfe, nicht um festgestellte Verstöße.

Was das für Deutschland bedeutet: „jederzeit unverzüglich“

Der Sachverhalt ist australisch, die zugrunde liegende Abhängigkeit nicht. Auch in Deutschland läuft der Notruf über dieselben kommerziellen Mobilfunknetze, über die alles andere läuft. Das deutsche Telekommunikationsgesetz formuliert die Pflicht dazu eindeutig: Nach § 164 TKG müssen Anbieter und Netzbetreiber sicherstellen, „dass Notrufverbindungen jederzeit unverzüglich zu der örtlich zuständigen Notrufabfragestelle hergestellt werden“. Der Gesetzestext ordnet Notrufe außerdem ausdrücklich vorrangig vor anderen Verbindungen ein.

Eine Garantie ist das nicht, sondern eine Pflicht mit Aufsicht dahinter: Zuständig ist in Deutschland die Bundesnetzagentur, die technischen Anforderungen stehen in der Notrufverordnung und der Technischen Richtlinie Notrufverbindungen. Wie belastbar diese Kette im Störungsfall ist, zeigt sich erst, wenn ein Netz tatsächlich wegbricht – so wie zuletzt in Australien. Wie es um die Erreichbarkeit der Bevölkerung in die andere Richtung steht, war in Deutschland zuletzt beim Bundesweiten Warntag am 10. September Thema, bei dem die Probewarnung unter anderem über Cell Broadcast und damit über dieselben Mobilfunknetze lief.

Bis Ende 2028 verlieren Notruf-Funkmodule in Deutschland ihre technische Grundlage

Deutschland steht dabei vor einem eigenen Umbau, der bislang wenig Aufmerksamkeit bekommt. Die deutschen Netzbetreiber schalten ihre 2G-Netze ab – nach Angaben der Bundesnetzagentur die Deutsche Telekom bis Ende Juni 2028, Vodafone bis Ende September 2028 und Telefónica bis Ende 2028. Für Kundschaft von 1&1 gilt zunächst das Vodafone-Datum, weil 1&1 dort über nationales Roaming mitfunkt. Vodafone will sein Netz nach denselben Angaben in Ausnahmefällen kritischer IoT-Anwendungen bis Ende 2030 weiterbetreiben.

Für den Notruf hat das zwei konkrete Folgen, die die Behörde selbst benennt. Erstens der automatische Fahrzeugnotruf: „Wenn alle 2G-Netze abgeschaltet sind, ist ein automatischer Notruf nicht mehr möglich“, heißt es zum EU-weit vorgeschriebenen eCall. Einzelne Fahrzeughersteller betreiben demnach eigene Notruf-Callcenter, die über 4G oder 5G erreichbar sind – eine Auskunft dazu gebe es beim Hersteller. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt hat laut derselben Seite mitgeteilt, ein dann nicht mehr funktionierender eCall stelle keine Nichtkonformität des Fahrzeugs dar und werde bei der Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO nicht bemängelt.

Zweitens ältere Mobiltelefone: Geräte ohne Voice over LTE fallen für Sprache bisher ins 2G-Netz zurück. Die Bundesnetzagentur schreibt dazu, „Sprachtelefonie und Notrufe würden in diesen Fällen nach einer 2G-Abschaltung nicht mehr funktionieren“. Ausdrücklich genannt werden außerdem Notruf-Funkmodule in Aufzügen, Alarmanlagen und Kartenzahlungsterminals.

Praxishinweis: drei Punkte, die sich jetzt prüfen lassen

  • Mobiltelefon: Beherrscht das Gerät Voice over LTE, und ist die Funktion in den Einstellungen aktiv? Bei älteren 4G-Geräten ist beides nicht selbstverständlich. Auskunft geben Hersteller und Mobilfunkanbieter.
  • Fahrzeug: Auf welcher Mobilfunkgeneration arbeitet das verbaute Notrufmodul? Die Frage gehört an den Fahrzeughersteller, nicht an die Werkstatt an der Ecke.
  • Gebäude: Wer eine Eigentumswohnung besitzt oder eine Anlage verwaltet, kann beim Aufzugs- oder Alarmanlagenwartungsvertrag nachfragen, ob das Notrufmodul noch über 2G funkt.

Die Schweiz ist diesen Weg schon gegangen

Ein Blick in die Schweiz zeigt, dass der Umstieg machbar ist – und wo er hakt. Das schweizerische Bundesamt für Kommunikation BAKOM hält auf seiner Seite zur Abschaltung von 3G und 2G fest, dass die 2G-Netze in der Schweiz bereits deaktiviert sind; Swisscom und Sunrise haben demnach angekündigt, auch ihre 3G-Netze bis Ende 2025 außer Betrieb zu nehmen, Salt hat dafür nach BAKOM-Angaben noch keinen Termin genannt. Ob die 3G-Abschaltung inzwischen vollständig vollzogen ist, geht aus der Seite nicht hervor.

Dieselbe Behörde benennt dabei genau die Geräte, die in Deutschland erst ab 2028 zum Thema werden: „Aufzugnotrufsysteme, Alarmanlagen, Brandmelde- und Überwachungssysteme können bei fehlender Umrüstung nicht mehr zuverlässig kommunizieren.“ Auch eCall in Fahrzeugen führt das BAKOM als umrüstungsbedürftig auf. Deutschland hat damit noch gut zwei Jahre Zeit für einen Schritt, den die Schweiz beim 2G-Netz bereits hinter sich hat.

Was offen bleibt

Drei Punkte sind nach dem Wochenende ungeklärt. Erstens die Ursache des australischen Ausfalls: Optus hat sie bislang nicht öffentlich benannt, und ohne sie lässt sich nicht beurteilen, ob es sich um dieselbe Fehlerklasse handelt wie 2025. Zweitens die genaue Zahl der betroffenen Notrufe, die zwischen den australischen Darstellungen schwankt. Drittens die Frage, ob die australische Aufsicht ACMA auch zu diesem Vorfall ein Verfahren eröffnet – eine Mitteilung dazu lag am Samstagvormittag deutscher Zeit nicht vor.

Für Deutschland steht der nächste Termin dagegen fest im Kalender: Der Rückbau der 2G-Netze beginnt mit dem Abschaltdatum der Deutschen Telekom Ende Juni 2028. Wie viele Notrufmodule in Fahrzeugen und Aufzügen bis dahin umgerüstet sind, veröffentlicht bislang niemand. Dass die Verletzlichkeit der Versorgungsnetze in Deutschland keine theoretische Größe ist, zeigte zuletzt der Fall der angegriffenen Umspannanlagen in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg, bei dem rund 3.000 Megawatt vom Netz gingen.

Wie zuverlässig erreichen Sie in Ihrer Region den Notruf über das Mobilfunknetz – und wissen Sie, auf welcher Technik das Notrufmodul in Ihrem Auto funkt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Quellen

Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.

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