Vorläufige Werte nach Verivox: Bundeszuschuss sinkt auf 5,525 Milliarden Euro, Gasnetz in Berlin 8 Prozent teurer
Das Wichtigste in Kürze
- Die Stromnetzentgelte steigen 2027 im Bundesschnitt um 1,9 Prozent, für den Musterhaushalt sind das rund 8 Euro brutto mehr im Jahr.
- Die Gasnetzentgelte legen um 3 Prozent zu, für ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden rund 19 Euro brutto.
- Regional gibt es große Unterschiede: Beim Strom reicht die Spanne von 335 Euro in Mecklenburg-Vorpommern bis 613 Euro in Hamburg.
- Alle Werte sind vorläufig; die Übertragungsnetzentgelte stehen unter dem Vorbehalt eines noch nicht verabschiedeten Gesetzes.
Die Netzentgelte für Strom steigen 2027 nach vorläufigen Berechnungen des Vergleichsportals Verivox im Schnitt um 1,9 Prozent, die für Gas um 3 Prozent. Je nach Wohnort liegt die Stromnetzgebühr zwischen 335 und 613 Euro im Jahr.
Netzentgelte sind die Gebühren für die Nutzung der Strom- und Gasleitungen. Sie sind in jedem Tarif enthalten und machen laut Verivox etwa ein Viertel des Strompreises und ein Fünftel des Gaspreises aus.
Verivox hat die vorläufigen Preisblätter der Netzbetreiber ausgewertet, die ab Mitte Oktober erscheinen. Die Auswertung deckt nach Angaben des Portals 84 Prozent der Haushalte beim Strom und 81 Prozent beim Gas ab (Verivox, Stand 19. Oktober 2026).
Strom: 8 Euro mehr, aber große Spannen
Im Bundesdurchschnitt steigt die Netzgebühr für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch von 428 auf 436 Euro brutto. Das sind rund 8 Euro mehr, ein Plus von 1,9 Prozent.
Deutlich größer ist der Abstand zwischen den Regionen. In den alten Ländern steigt die Gebühr laut Verivox um etwa 10 Euro auf rund 445 Euro, in den neuen Ländern sinkt sie um etwa 3 Euro auf rund 386 Euro.
| Bundesland | Änderung 2027 | Euro pro Jahr |
|---|---|---|
| Hamburg | +9 % | +52 € |
| Saarland | +8 % | +38 € |
| Berlin | +8 % | +33 € |
| Bremen | +8 % | +29 € |
| Nordrhein-Westfalen | −1 % | −5 € |
| Thüringen | −3 % | −11 € |
Absolut am teuersten bleibt Hamburg mit 613 Euro im Jahr, danach folgt das Saarland mit 530 Euro. Am günstigsten ist Mecklenburg-Vorpommern mit 335 Euro. Der Abstand zwischen dem teuersten und dem günstigsten Bundesland beträgt damit rund 278 Euro.
„Der staatliche Milliardenzuschuss verhindert einen deutlich stärkeren Anstieg der Stromnetzgebühren.“
Thorsten Storck, Energieexperte beim Vergleichsportal Verivox
Der Satz stammt aus der Verivox-Auswertung und bezieht sich auf den Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten. Was dahintersteckt, zeigt der Abschnitt zum Zuschuss weiter unten.
Gas: Berlin und Hamburg vorn
Beim Gas steigt die Netzgebühr im Bundesschnitt um 3 Prozent. Für ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch nennt Verivox rund 19 Euro brutto mehr.
Am stärksten legen die Gasnetzentgelte in Berlin zu (plus 8 Prozent, rund 38 Euro) und in Hamburg (plus 7 Prozent, rund 35 Euro). In Rheinland-Pfalz und Brandenburg sind es jeweils 4,4 Prozent, also rund 27 Euro beziehungsweise 23 Euro. In Sachsen sinken sie um 0,7 Prozent (rund 5 Euro), in Thüringen um 0,5 Prozent (rund 3 Euro).
Als Grund nennt Verivox den gesunkenen Gasverbrauch. Seit dem Wegfall des russischen Pipeline-Gases im Jahr 2022 verteilen sich die festen Netzkosten auf weniger Kilowattstunden, dadurch steigt das Entgelt je Einheit tendenziell.
Die Netzgebühr ist beim Gas allerdings nicht der große Posten. Verivox erwartet zum Jahreswechsel flächendeckende Preiserhöhungen der Versorger um 10 bis 20 Prozent, bei einem Einfamilienhaus bis zu 500 Euro Mehrkosten. Laut Verivox sind die Großhandelspreise seit Februar 2025 um rund 5 Cent netto je Kilowattstunde gestiegen, ein Plus von etwa 140 Prozent.
Warum der Bundeszuschuss zählt
Auf der Stromseite wirkt vor allem ein Zuschuss des Bundes zu den Übertragungsnetzkosten. Er sinkt von 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 5,525 Milliarden Euro im Jahr 2027, also um 15 Prozent. Das schreibt Verivox; der Verbraucherzentrale Bundesverband nennt in einer Stellungnahme vom 13. August 2026 dieselben Beträge für den Gesetzentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE) und für die Jahre 2027 bis 2029.
Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW veröffentlichen die vorläufigen Entgelte 2027 unter einem Vorbehalt. Der Zuschuss soll in einem neuen Paragrafen 24d des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) verankert werden, das Gesetz ist noch nicht verabschiedet. Fehlt die Rechtssicherheit bis zum 7. Dezember 2026, erwarten die Netzbetreiber höhere endgültige Entgelte.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband hält den Zuschuss für nicht ausreichend wirksam. In einer eigenen Untersuchung lag die Ersparnis im Schnitt bei 56 Euro im Jahr, das Ziel der Bundesregierung seien 100 Euro, heißt es in der Stellungnahme. Der Verband fordert, die Mittel stattdessen für niedrigere Umlagen einzusetzen, und verlangt Mechanismen, die die Weitergabe an Haushalte sichern.
Modellrechnung für Strom und Gas
Modellrechnung: Haushalt mit Strom und Gas
- Strom (4.000 kWh): 428 Euro auf 436 Euro, also +8 Euro brutto im Jahr
- Gas (20.000 kWh): rund +19 Euro brutto im Jahr
- Summe: rund +27 Euro brutto im Jahr durch höhere Netzentgelte
Rechenweg: Summe der beiden von Verivox genannten Musterwerte, keine Prognose für einen einzelnen Haushalt. Die tatsächliche Änderung hängt vom Netzgebiet und vom Verbrauch ab.
Die 27 Euro sind nur der Netzanteil. Preisanpassungen der Versorger kommen hinzu und können laut Verivox beim Gas deutlich höher ausfallen.
Was Haushalte jetzt prüfen können
Checkliste für Strom- und Gaskunden
- Preisanpassungsschreiben des Versorgers abwarten und die Angaben zu den Netzentgelten mit dem bisherigen Preisblatt vergleichen.
- Den eigenen Jahresverbrauch aus der letzten Abrechnung heraussuchen, denn die Musterwerte von Verivox gelten für 4.000 Kilowattstunden Strom und 20.000 Kilowattstunden Gas.
- Prüfen, ob eine Preisänderung mindestens einen Monat vorher mitgeteilt wurde und wie die Kündigungsmöglichkeit aussieht (Hintergrund bei NETZ-TRENDS).
- Vor einem Wechsel Gesamtpreis, Preisgarantie und Vertragslaufzeit vergleichen, nicht nur den Arbeitspreis.
Verivox bezeichnet seine Werte ausdrücklich als vorläufig. Bis die Netzbetreiber ihre Preisblätter abschließen, sind die Zahlen eine Momentaufnahme.
Häufige Fragen
Was sind Netzentgelte?
Netzentgelte sind Gebühren für die Nutzung der Strom- und Gasnetze. Sie stecken im Preis jedes Tarifs und machen laut Verivox etwa ein Viertel des Strompreises und ein Fünftel des Gaspreises aus.
Wie stark steigen die Netzentgelte 2027?
Beim Strom im Bundesschnitt um 1,9 Prozent (rund 8 Euro brutto im Jahr für den Musterhaushalt), beim Gas um 3 Prozent (rund 19 Euro für ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden).
Warum sind die Werte noch vorläufig?
Verivox wertet die vorläufigen Preisblätter aus, die Netzbetreiber ab Mitte Oktober veröffentlichen. Bei den Übertragungsnetzentgelten gilt zudem der Vorbehalt, dass das Gesetz zum Bundeszuschuss noch nicht verabschiedet ist.
Wo wird Strom 2027 bei den Netzentgelten günstiger?
Laut Verivox sinken sie in Thüringen um 3 Prozent (rund 11 Euro) und in Nordrhein-Westfalen um 1 Prozent (rund 5 Euro).
Wie hoch war die Netzgebühr auf Ihrer letzten Strom- oder Gasabrechnung, und haben Sie sie schon einmal gezielt mit anderen Netzgebieten verglichen?
Quellen
- Verivox: Netzentgelte für Strom und Gas steigen 2027 leicht an – große regionale Unterschiede, 19. Oktober 2026 (Auswertung des Vergleichsportals, vorläufige Werte)
- Netztransparenz.de: Netzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber, vorläufige Entgelte 2027 (Preisblatt der Betreiber 50Hertz, Amprion, TenneT, TransnetBW)
- Verbraucherzentrale Bundesverband: Kurzstellungnahme zum Gesetzentwurf des BMWE zum Zuschuss für Übertragungsnetzentgelte, 13. August 2026
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.