Das Wichtigste in Kürze
- Nach Angaben des österreichischen Wirtschaftsministeriums enthielten bei den ersten beiden Fördercalls 2026 rund 48 Prozent der eingereichten PV-Förderanträge mindestens eine Komponente aus europäischer Fertigung. Getragen wird dieser Wert von den Wechselrichtern mit 46 Prozent; bei den Photovoltaikmodulen liegt er in beiden Calls unverändert bei 16 Prozent.
- Gezählt werden eingereichte Anträge. Ob eine europäische Komponente tatsächlich verbaut wird, prüft die EAG-Förderabwicklungsstelle nach ihren eigenen Angaben erst bei der Endabrechnung anhand der Rechnungen und der Whitelist.
- Im zweiten Fördercall standen 12 Millionen Euro bereit. Von fast 28.000 Anträgen konnten nach Angaben der Abwicklungsstelle knapp 3.000 berücksichtigt werden.
Das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus hat an diesem Mittwoch um 7 Uhr früh eine Zwischenbilanz zum sogenannten Made-in-Europe-Bonus veröffentlicht. Nach der Aussendung des Ministeriums wurde bei den ersten beiden Fördercalls des Jahres 2026 „fast jeder zweite Antrag mit zumindest einer technischen Komponente aus europäischer Wertschöpfung eingereicht“. Beim ersten Call vom 23. April bis 11. Mai waren es demnach 47,8 Prozent, beim zweiten vom 16. bis 30. Juni 48 Prozent. Insgesamt spricht das Ministerium von mehr als 27.000 Anträgen mit einer solchen Komponente.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer wird in der Aussendung mit den Worten zitiert: „Der Made-in-Europe-Bonus wirkt: Bereits jeder zweite Antrag setzt auf zumindest eine europäische Komponente. Das zeigt: Die Menschen sind bereit, auf europäische Qualität zu setzen, wenn wir dafür die richtigen Anreize schaffen.“ Der Bonus soll nach den Plänen des Ministeriums zum Vorbild für die österreichische Industriestrategie werden – öffentliche Aufträge im Volumen von jährlich rund 67 Milliarden Euro sollen künftig stärker nach europäischer Wertschöpfung vergeben werden.
Die Zahlen selbst sind unstrittig. Interessant wird es dort, wo man genauer hinsieht, was gezählt wurde – und welche der drei geförderten Komponenten den Wert nach oben zieht.
Gezählt werden Anträge, nicht eingebaute Komponenten
Der Bonus ist ein Zuschlag auf den Investitionszuschuss nach dem österreichischen Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz. Für Photovoltaikanlagen erhöht er die Förderung um bis zu 20 Prozent, für Stromspeicher um 10 Prozent – je zehn Prozentpunkte für Module, Wechselrichter und Speicher, sofern die vorgeschriebenen Fertigungsschritte im Europäischen Wirtschaftsraum oder in der Schweiz erfolgt sind. Bei Modulen müssen sämtliche genannten Fertigungsschritte dort stattfinden, beim Wechselrichter die Bestückung der Leiterplatten und die Endfertigung, beim Speicher genügt ein einziger Fertigungsschritt.
Entscheidend für die Einordnung der 48 Prozent ist der Zeitpunkt der Prüfung. Im Infoblatt der EAG-Förderabwicklungsstelle heißt es dazu: „Erst nach der Förderzusage ist bei der Endabrechnung anzuführen, für welche Komponenten sich der Förderwerber letztendlich entschieden hat.“ Auf ihrer Website ergänzt die Stelle: Ist eine geplante Komponente zum Zeitpunkt des Antrags noch nicht gelistet, ist eine Beantragung trotzdem möglich – spätestens bei der Endabrechnung muss die Listung vorliegen.
Der gemeldete Anteil beschreibt damit, was im Antrag angegeben wurde – nicht, was am Ende auf dem Dach liegt. Wie viele der geförderten Anlagen tatsächlich mit europäischen Modulen, Wechselrichtern oder Speichern abgerechnet wurden, geht aus der Aussendung nicht hervor.
Der Wert hängt am Wechselrichter
Die drei Komponenten entwickeln sich sehr unterschiedlich. Nach den Angaben des Ministeriums enthielten in beiden Calls jeweils 46 Prozent der Anträge einen Wechselrichter aus europäischer Fertigung. Bei Stromspeichern stieg der Anteil von 20 auf 21 Prozent. Bei den Photovoltaikmodulen blieb er in beiden Calls bei 16 Prozent.
| Komponente | 1. Fördercall | 2. Fördercall | Gelistete Hersteller |
|---|---|---|---|
| Wechselrichter | 46 % | 46 % | 11 |
| Stromspeicher | 20 % | 21 % | 11 |
| Photovoltaikmodule | 16 % | 16 % | 21 |
| Anträge mit mindestens einer Komponente | 47,8 % | 48 % | – |
Anders gesagt: Der Wert, den das Ministerium in den Titel seiner Aussendung schreibt, beruht ganz überwiegend auf einer einzigen der drei Komponenten – rechnerisch entfallen von den 48 Prozentpunkten des zweiten Calls höchstens zwei auf Anträge ohne europäischen Wechselrichter. Bei den Modulen – jenem Teil der Wertschöpfungskette, um den die europäische Industriedebatte seit Jahren kreist – bewegte sich zwischen dem Frühjahrs- und dem Sommercall nichts.
An der Zahl gelisteter Hersteller liegt es nicht
Naheliegend wäre die Erklärung, dass es schlicht zu wenige europäische Module gibt. Die Listen der Abwicklungsstelle stützen das nicht. In der Whitelist für Photovoltaikmodule mit Stand 20. August 2026 sind nach eigener Auszählung 21 Hersteller mit qualifizierten Produkten eingetragen. Bei den Wechselrichtern sind es elf, bei den Speichern ebenfalls elf.
Die Auswahl an gelisteten Modulen ist also größer als die an gelisteten Wechselrichtern – der Anteil in den Anträgen aber nicht einmal halb so hoch. Warum das so ist, sagt die Aussendung des Ministeriums nicht. Denkbar sind mehrere Gründe, vom Preisabstand zu Importmodulen über die Angebotspraxis der Installationsbetriebe bis zur Frage, ob zehn Prozent Zuschlag den Unterschied überhaupt ausgleichen. Belegt ist keiner davon; die Zahlen selbst geben darüber keine Auskunft.
Im zweiten Fördercall reichte das Geld für gut jeden zehnten Antrag
Ein zweiter Punkt gehört zur Einordnung, weil er die Reichweite der 48 Prozent begrenzt: Ein Antrag ist noch keine Förderung. Für den ersten Fördercall waren nach Angaben des Ministeriums ursprünglich 40 Millionen Euro vorgesehen, nachgefragt wurden rund 135 Millionen Euro; aus Restmitteln wurden 30 Millionen Euro nachgeschossen, womit der Call auf 70 Millionen Euro aufgestockt wurde. Für den zweiten Call standen laut Mitteilung vom 14. Juni 2026 noch 12 Millionen Euro bereit.
Die EAG-Förderabwicklungsstelle, die das Verfahren im Auftrag des Ministeriums abwickelt, hat die Ergebnisse veröffentlicht: Beim ersten Call wurden fast 29.000 Anträge eingereicht, über 12.500 konnten bedeckt werden. Beim zweiten Call waren es fast 28.000 Anträge, von denen nach Angaben der Stelle „nur knapp 3000 Förderanträge berücksichtigt werden“ konnten.
Über beide Calls hinweg bekam damit nach Berechnung von NETZ-TRENDS auf Basis dieser Angaben gut ein Viertel der Anträge eine Zusage, im zweiten Call gut jeder zehnte. Die mehr als 27.000 Anträge mit europäischer Komponente, die das Ministerium nennt, sind vor diesem Hintergrund vor allem eine Aussage über die Absicht von Haushalten und Betrieben – nicht über die Zahl geförderter Anlagen. Über die Finanzierung angekündigter Hilfen wird in Österreich derzeit auch an anderer Stelle gestritten, etwa beim Hilfspaket für die Landwirtschaft nach der Dürre.

Was der Bonus einem Haushalt bringt
Wie viel der Zuschlag im Einzelfall wert ist, rechnet die Abwicklungsstelle selbst vor. Die Beispiele stammen aus dem Infoblatt mit Stand 5. März 2026.
Rechenbeispiel der Förderstelle
- Anlage mit 10 kWp, Kategorie A: Basisfördersatz 150 Euro je kWp. Mit dem Bonus für einen europäischen Wechselrichter sind es 165 Euro je kWp – 1.650 statt 1.500 Euro, also 150 Euro mehr.
- Anlage mit 15 kWp, Kategorie B: Basisfördersatz 140 Euro je kWp. Mit dem Bonus für Module und Wechselrichter sind es 168 Euro je kWp – 2.520 statt 2.100 Euro, also 420 Euro mehr.
Quelle: EAG-Förderabwicklungsstelle, Infoblatt Made-in-Europe-Bonus, Stand 5. März 2026.
Für die Modulkomponente allein bedeutet das im Beispiel der Kategorie A einen Aufschlag von 15 Euro je kWp. Ob dieser Betrag den Preisabstand zwischen einem europäisch und einem außereuropäisch gefertigten Modul deckt, hängt vom jeweiligen Angebot ab; die Aussendung des Ministeriums nennt dazu keine Zahlen.
Was die Aussendung offenlässt
Drei Fragen bleiben nach der Lektüre offen, und alle drei ließen sich mit Daten beantworten, die bei der Abwicklungsstelle vorliegen:
- Wie hoch ist der Anteil europäischer Komponenten unter den geförderten Anträgen – und wie hoch nach der Endabrechnung, wenn die Rechnungen geprüft sind?
- Wie haben sich die Anteile gegenüber dem zweiten Fördercall 2025 entwickelt, in dem der Bonus erstmals galt? Ein Vergleich mit dem Vorjahr steht in der Aussendung nicht.
- Was kostet der Bonus? Da er den Zuschuss je Anlage erhöht, das Budget je Call aber gedeckelt ist, verteilt er dasselbe Geld auf tendenziell weniger Anlagen. Wie sich das auf die Zahl der Zusagen auswirkt, wird nicht beziffert.
Die veröffentlichten Werte selbst sind damit nicht in Frage gestellt. Die Aussendung nennt die Anteile unter den eingereichten Anträgen; Angaben, an denen sich die Wirkung des Bonus messen ließe – geförderte Anlagen, geprüfte Endabrechnungen, Vorjahresvergleich –, enthält sie nicht.
Was als Nächstes ansteht
Der dritte Fördercall des Jahres ist nach Angaben der Abwicklungsstelle für Oktober 2026 vorgesehen. Für 2027 kündigt das Ministerium eine Neuausrichtung der EAG-Förderung an: Das Prinzip „first come, first serve“ – bisher zieht ein Ticket zur festgelegten Startzeit, wer eine Chance auf Förderung haben will – soll enden, die Förderung stärker auf Energiemanagementsysteme, Speicher und die Nachrüstung bestehender Anlagen ausgerichtet werden. Europäische Wertschöpfung soll dabei weiter berücksichtigt werden.
Für Haushalte in Österreich, die in diesem Jahr noch eine Anlage planen, ändert die Bilanz zunächst nichts an der Ausgangslage: Der Bonus erhöht den Zuschuss, wenn die Komponente auf der Whitelist steht und das bei der Endabrechnung belegt ist. Ob überhaupt Geld fließt, entscheidet sich vorher – daran, wie schnell der Antrag im Fördercall platziert wird. Der Bonus ist damit nicht die einzige befristete Stellschraube der österreichischen Energiepolitik in diesem Jahr; Ende August wurde etwa auch die Spritpreisbremse um einen Monat verlängert.
Wie beurteilen Sie einen Herkunftsbonus in der Photovoltaik-Förderung – sinnvoller Anreiz für europäische Produktion oder zu klein, um etwas zu bewegen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (Österreich): Aussendung „Made in Europe wirkt“ vom 2. September 2026, 7:00 Uhr (OTS0003)
- Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (Österreich): Pressemeldung zum zweiten EAG-Fördercall vom 14. Juni 2026, mit den Zahlen zum ersten Fördercall
- Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (Österreich): FAQ zum Made-in-Europe-Bonus, abgerufen am 2. September 2026
- EAG-Förderabwicklungsstelle: Mitteilung zum Abschluss des 1. Fördercalls 2026 vom 9. Juni 2026
- EAG-Förderabwicklungsstelle: Mitteilung zum Abschluss des 2. Fördercalls 2026 vom 9. Juli 2026
- EAG-Förderabwicklungsstelle: Made-in-Europe-Bonus, Infoblatt (Stand 5. März 2026) und Whitelists für Module (Stand 20. August 2026), Wechselrichter (10. Juli 2026) und Stromspeicher (28. Juli 2026)
- Eigene Auszählung von NETZ-TRENDS: Zahl der in den Whitelists eingetragenen Hersteller, Abruf am 2. September 2026
Transparenzhinweis: Bei Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die verwendeten Quellen sind im Artikel aufgeführt. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe.