In der Schweiz nimmt die Anzahl ausländischer Mediziner und Ärzte weiter zu. Mittlerweile ist bereits jeder vierte Arzt in der Schweiz ein Ausländer – rund 25 Prozent. Tendenz: Weiter steigend, berichtet nun die „SonntagsZeitung“. Die hohe Anzahl ausländischer Ärzte in der Schweiz bringt auch Probleme mit sich. So kommen die Ärzte immer häufiger nicht aus den Nachbarländern Deutschland, Norditalien, Österreich, Lichtenstein oder dem deutsch sprechenden Frankreich, sondern auch aus Polen, Rumänien oder Bulgarien. Viele sprechen kein gutes Deutsch. Die Anzahl an Behandlungsfehlern steigt entsprechend, da sie vieles nicht verstehen. Entsprechend sollen nun die Zulassungsvoraussetzungen für Ärzte aus dem Ausland in der Schweiz steigen.
Nach Angaben des Schweizer Ärzteverbandes würden mittlerweile rund 26 Prozent der in der Schweiz tätigen Ärzte ihr Diplom als Mediziner im Ausland erworben haben. Die Schweiz verfügt über umfangreiche akademische Verträge auf internationaler Ebene und ist deshalb verpflichtet Diplome und Doktor-Titel aus vielen anderen EU-Staaten anzuerkennen. Umgekehrt werden dafür in den EU-Staaten die Schweizer akademischen Titel ebenfalls anerkannt.
Dennoch ist man in der Schweiz nicht mit allen EU-Diplomen und anderen akademischen Titeln aus der EU glücklich. In zu vielen EU-Ländern sei das Bildungsniveau der Mediziner schlechter als in der Schweiz, wird in der „SonntagsZeitung“ moniert – beispielsweise vom Präsidenten der Schweizer Gesellschaft für Chirurgie, Ralph Schmid. Das führe zu schlechteren Behandlungsergebnissen.
Etwas merkwürdig wird es allerdings, wenn sogar die hohen medizinischen Ausbildungsstandards in Deutschland gegenüber jenen in der Schweiz qualitativ in Frage gestellt werden. So würde in Deutschland ein Thorax-Chirurg „nur“ in sechs Jahren ausgebildet, in der Schweiz hingegen in acht bis zehn Jahren. Ob die längere Ausbildung aber tatsächlich das Behandlungsergebnis der Patienten erhöht, darüber gibt es bislang keine validen Untersuchungen.
+Ärztemangel Schweiz: Künftig erst drei Jahre Dienst im Krankenhaus?
Wie auch immer: In der Schweiz herrscht jedenfalls ein akuter Ärztemangel, welcher dazu führt, dass immer mehr ausländische Ärzte sich um eine Arbeitserlaubnis in Schweizer Krankenhäusern, Spitäler oder Schweizer Arztpraxen bemühen. Derzeit gibt es aber wohl noch nicht ausreichende Prüfkriterien in Bezug auf die in der Schweiz erforderlichen Sprachkenntnisse – besonders gefragt sind Deutsch, aber auch Italienisch oder Französisch.
Neben der Diskussion um obligatorische Sprachkurse wird auch immer mehr diskutiert, ob Ärzte nicht erst mindestens drei Jahre in einem Spital arbeiten müssten, ehe sie eine eigene Praxis in der Schweiz eröffnen dürften. Wobei bislang ungeklärt ist, ob das wirklich primär dem qualitativen Standard der Schweizer Ärzteschaft dient oder nicht vielmehr dem Umstand, dass in Schweizer Krankenhäusern und Spitälern, ähnlich wie in Deutschland, ein noch größerer Ärztemangel herrscht als im Bereich der Privatpraxen (insbesondere auf dem Land).
Bei ausländischen Ärzten ist die Schweiz besonders wegen dem höheren Einkommen beliebt. Selbst Hotel-Portiers verdienen in Zürich gut 4.000 Franken brutto (3.300 Euro), wovon rund 3.300 Franken (2.750 Euro) übrig bleiben. Davon müssten – sollte etwas außerhalb beispielsweise am Flughafen Zürich gewohnt werden – rund 800 Franken für Miete abgezogen werden (60 Quadratmeter) sowie 500 Franken für die Krankenkasse. Vom Bruttogehalt wurde bereits ein Teil für die Altersvorsorge abgezogen, die anteilig vom Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer finanziert wird. Allerdings lässt es sich mit 3.300 Franken brutto in Zürich trotz allem nur recht sparsam leben.