In eigener Sache Netz-Trends wird neu gebaut: neues Layout, neues Redaktionssystem — und ein offener Blick auf die eigenen Fehler

Fünfzehn Jahre Recherchen liegen in unserem Archiv. Eine vollständige technische Prüfung hat gezeigt, warum ein großer Teil davon bei Google bisher schwer zu finden war: Unsere Sitemap führte auf Schlagwortseiten statt auf Artikel, unser Nachrichten-Feed war seit Jahren funktionsunfähig.

KI-generiert.

Wir legen alle Befunde offen, wechseln das Redaktionssystem und geben Netz-Trends ein komplett neues Gesicht. Der Fahrplan steht.

Manchmal ist die beste Nachricht, dass ein Problem eine Ursache hat, die man selbst in der Hand hält.

Netz-Trends erscheint seit 2011 und ist seither in Google News für Deutschland, Österreich und die Schweiz als Nachrichtenangebot gelistet. In dieser Zeit ist ein Archiv entstanden, das von der Unister-Insolvenz über Verbraucherrecherchen zu Immobilienportalen und Telekommunikationsanbietern bis zu Praxistests aktueller KI-Systeme reicht. Was diesem Bestand fehlte, war ein technisches Fundament, das ihm gerecht wird.

Der gängige Sichtbarkeitsindex weist unserer Domain den Wert 0,03 zu. Das entspricht dem Niveau einer kleinen Firmenwebsite, nicht dem eines Nachrichtenangebots mit fünfzehn Jahrgängen. Wir haben deshalb die eigene Seite vollständig durchleuchten lassen — Konfigurationsdateien, Sitemap, Feeds, strukturierte Daten, Ladeverhalten, Bildauslieferung, Finanzierung — und mit vergleichbaren Angeboten im In- und Ausland verglichen.

Das Ergebnis ist erfreulich eindeutig: Die Schwächen liegen nicht in den Inhalten, sondern in der Zulieferung. Und Zulieferung lässt sich reparieren. Hier sind die Befunde, offen dokumentiert, damit sie jeder nachprüfen kann.

Der wichtigste Fund: eine Sitemap ohne Artikel

Eine Sitemap ist das Verzeichnis, mit dem eine Website Suchmaschinen mitteilt, was es bei ihr zu lesen gibt. Unsere enthält 500 Einträge. Nach der Startseite folgen /tag/Internet/, /tag/Technik/, und so setzt sich die Liste fort bis zu Einträgen wie /tag/Staatliche Hilfen Hochwasser/.

Es sind fast durchweg Schlagwortseiten. Die Artikel selbst — die Recherchen, die Tests, die Auswertungen aus fünfzehn Jahren — stehen dort so gut wie nicht drin. Wir haben Google über Jahre hinweg ein Inhaltsverzeichnis überreicht, in dem der Inhalt fehlt.

Dazu kommen drei weitere Mängel in derselben Datei. Sämtliche Adressen sind mit http:// eingetragen, obwohl die Seite ausschließlich über https:// läuft; für eine Suchmaschine sind das verschiedene Adressen. Es fehlt jede Angabe darüber, wann ein Beitrag zuletzt geändert wurde. Und eine gesonderte News-Sitemap, wie sie für tagesaktuelle Beiträge vorgesehen ist, existiert überhaupt nicht — der Aufruf endet mit einer Fehlermeldung.

Ein Nachrichten-Feed, der keine Nachrichten enthielt

Der zweite Befund wiegt schwerer. Unser RSS-Feed unter /index.rss ist 481 Zeichen lang und enthält keinen einzigen Artikel. Titel und Beschreibung des Kanals sind leer. Im XML steckt zudem ein HTML-Fragment, das dort technisch nicht hingehört und die Datei ungültig macht.

Über genau diesen Feed beziehen die Verteilkanäle ihre Inhalte: Google News, Microsoft Start und MSN, Apple News, Flipboard, Nachrichten-Apps, Newsletter-Systeme. Wer dort einen leeren, fehlerhaften Feed abholt, bekommt nichts — und liefert entsprechend nichts aus. Wir haben uns über Jahre selbst von der Verteilung abgeschnitten.

Die gesperrte Redaktionsseite

In der Datei robots.txt, mit der eine Website steuert, was Suchmaschinen lesen dürfen, steht bei uns die Zeile Disallow: /redaktion.*. Damit ist ausgerechnet die Seite gesperrt, auf der unsere Autorinnen und Autoren stehen. Ebenfalls ausgeschlossen: die Datenschutz- und die AGB-Seite.

Suchmaschinen bewerten journalistische Angebote unter anderem danach, ob nachvollziehbar ist, wer hinter den Texten steht und nach welchen Regeln gearbeitet wird. Wir haben diese Signale aktiv unterdrückt, weil einzelne Autoren nicht im Google-Index erscheinen wollten. Besser wäre gewesen zu differenzieren: Der oder die Autorin will mit Namen im Google Index erscheinen, der oder die nicht.

Kleinigkeiten mit großer Wirkung

Im Kopfbereich jeder Seite steht eine Anweisung zur Bildvorschau, die auf standard gesetzt ist — und obendrein in einer Schreibweise, die Google gar nicht auswertet. Wirksam wäre max-image-preview:large. Die Folge: Unsere Vorschaubilder erscheinen in Google News und Google Discover in Briefmarkengröße. Für eine Nachrichtenseite ist das ein erheblicher Nachteil im Kampf um Aufmerksamkeit.

In den strukturierten Daten, mit denen wir Google Autor, Rubrik und Erscheinungszeit mitteilen, steht das Veröffentlichungsdatum in der Form 2026-08-01 12:06:23 +02:00. Zwischen Datum und Uhrzeit fehlt der Buchstabe T. Damit entspricht die Angabe nicht dem internationalen Standard und ist für Maschinen unbrauchbar. Ein Änderungsdatum fehlt vollständig. Und im Autorenfeld steht pauschal „Netz-Trends", während in der sichtbaren Zeile darunter der tatsächliche Verfasser genannt wird — drei Wahrheiten, von denen keine maschinenlesbar zusammenpasst.

Die Startseite wiederum hat bis heute keine Beschreibung im Kopfbereich, eine leere Social-Media-Beschreibung und keine einzige Hauptüberschrift. Sämtliche Anrisstexte sind als Überschriften dritter Ordnung ausgezeichnet, ohne dass es eine zweite Ordnung darüber gäbe.

Technik aus einer anderen Zeit

Die bisherige Seite läuft auf einem Redaktionssystem namens FAD, das für unsere Zwecke nie ausgelegt war und dessen Schwächen wir zu lange hingenommen haben. Sie lädt sieben Stylesheets und zwölf JavaScript-Dateien. Darunter ist jQuery gleich zweimal in unterschiedlichen Fassungen, dazu jQuery UI in zwei Versionen, eine Masonry-Bibliothek für das Kachelraster und ein weiteres Skript, dessen einzige Aufgabe das Kürzen zu langer Überschriften ist. All das erledigen moderne Browser inzwischen von sich aus, ohne eine einzige Zeile nachgeladenen Code.

Bilder werden in fester Größe und in veralteten Formaten ausgeliefert, ohne Varianten für kleine Bildschirme und ohne verzögertes Nachladen. Wer die Seite auf dem Telefon aufruft, lädt dieselben Dateien wie am großen Monitor.

Und im Fuß jedes Artikels steht bis heute ein Teilen-Knopf für Google Plus. Der Dienst wurde 2019 abgeschaltet.

Und wir haben drei Jahre lang nichts gemessen

Die Reichweitenmessung läuft noch über Universal Analytics. Dieses System nimmt seit Juli 2023 keine Daten mehr entgegen. Wir konnten also gar nicht bemerken, dass etwas nicht stimmt, weil wir seit fast drei Jahren blind waren. Auch das gehört zu einer ehrlichen Aufstellung.

Warum wir keine Verschwörung daraus machen

Es liegt nahe, in einer solchen Lage nach einer äußeren Ursache zu suchen. Es wäre die bequemere Geschichte, und in unserem Themenfeld fände sie vermutlich Publikum.

Wir halten sie für falsch. Sämtliche Befunde liegen in unseren eigenen Dateien, sie sind über die genannten Adressen für jeden nachprüfbar, und sie erklären das Ergebnis vollständig. Wer eine Suchmaschine über Jahre mit einem leeren Inhaltsverzeichnis, einem defekten Feed und einer pauschal gesperrten Impressumsstruktur bedient (statt differenziert, die Zeile in den Google Inde, jene nicht) muss sich über schwache Sichtbarkeit nicht wundern. Das ist kein Eingriff von außen, sondern ein Handwerksfehler — und er ist unserer.

Über die Abhängigkeit von einem einzigen Verteiler lässt sich getrennt streiten, und wir werden das an anderer Stelle auch tun. Diese Debatte mit dem eigenen Konfigurationsfehler zu begründen, wäre unredlich.

Das neue Netz-Trends

Netz-Trends wechselt auf WordPress. Damit entfallen die genannten Probleme weitgehend systembedingt: vollständige Sitemaps, eine gesonderte News-Sitemap, ein gültiger RSS-Feed, saubere strukturierte Daten und echte Autorenseiten gehören dort zum Standard.

Gestalterisch geht die Seite einen eigenen Weg. Statt des üblichen Weiß-Rot arbeitet das neue Layout mit einem warmen, cremefarbenen Untergrund und einem tiefen Grün als Leitfarbe. Überschriften und Lauftext stehen in einer kontrastreichen Serifenschrift, die Textspalte wird deutlich schmaler und damit lesbarer — bisher standen rund 95 Zeichen in einer Zeile, etwa dreißig zu viel. Sämtliche Schriften werden auf unseren eigenen Servern gehostet; beim Laden einer Seite werden keine Daten an Dritte übertragen.

Beiträge erhalten auf Wunsch der Autoren eine individuell sichtbare Autorenzeile mit Verweis auf die jeweilige Autorenseite, ein klar gekennzeichnetes Ressort und einen nachvollziehbaren Änderungsstand. Über der Startseite läuft eine Leiste mit den jüngsten Meldungen, darunter folgt eine Aufmachergeschichte, die den Bildschirm auch wirklich beansprucht. Und es gibt endlich wieder einen Newsletter.

Zur Finanzierung gehört ebenfalls Klarheit: Die Seite war werblich bislang praktisch nicht erschlossen. Künftig setzen wir auf ausgewiesene Werbeflächen und auf Empfehlungen, an denen wir im Kauffall beteiligt sind. Solche Verweise werden bei uns eindeutig als solche gekennzeichnet, mit Datum der letzten Preisprüfung. Was empfohlen wird, entscheidet die Redaktion — nicht die Provision.

Der Fahrplan

Zuerst die Grundlagen: Sitemaps, Feed, Freigabe der Redaktions- und Rechtsseiten, korrekte Bildvorschau, zeitgemäße Reichweitenmessung. Anschließend der Umzug auf das neue System, bei dem jede bestehende Adresse einzeln auf ihr neues Ziel weitergeleitet wird — das Archiv aus fünfzehn Jahren bleibt vollständig erreichbar. Danach der sichtbare Relaunch mit dem neuen Layout.

Über die Ergebnisse berichten wir an dieser Stelle, einschließlich der Zahlen. Auch dann, wenn sie hinter unseren Erwartungen zurückbleiben.

Zur Entstehung dieses Textes

Die technische Prüfung, auf der dieser Beitrag beruht, haben wir mit Claude von Anthropic durchgeführt. Die KI hat unsere Konfigurationsdateien, die Sitemap, den Feed, die strukturierten Daten, die Bildauslieferung und den werblichen Aufbau ausgelesen und mit denen vergleichbarer Angebote in Deutschland, den USA, Großbritannien und Australien verglichen. Sämtliche hier genannten Befunde wurden von der Redaktion geprüft und sind öffentlich nachvollziehbar.

Wir schreiben regelmäßig darüber, was KI-Systeme leisten. Es wäre wenig glaubwürdig, sie nicht auch auf die eigene Seite anzuwenden — und das Ergebnis dann für sich zu behalten.

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