Yandex legt Kartellbeschwerde gegen Google vor / Russische Suchmaschine sieht sich bedroht

Deshalb legte nun Yandex in Russland eine umfangreiche Kartellamtsbeschwerde gegen Google vor und zwar bei dem "Föderalen Antimonopoldienst" (FAS). Konkret erbittet Yandex, wonach Google wegen Verletzung der russischen Antitrust-Gesetze überprüft werden solle:

Die 1997 gegründete russische Internetsuchmaschine Yandex sieht sich durch das Google-Monopol im Smartphone-Bereich durch Google Android gefährdet.

Die führende russische Internet-Suchmaschine, Yandex, bekommt immer stärker die weltweite Monopolstellung von Google im Smartphone-Bereich zu spüren und sieht sich und viele andere Digital-Anbieter zunehmend durch die Google Inc. gefährdet.

Von der Öffentlichkeit eher unbemerkt, ist es Fakt, dass Google nicht nur in Europa ein Monopol als Internetsuchmaschine hat (der Marktanteil liegt zwischen 90 und 97%), sondern zusätzlich im immer wichtiger werdenden Bereich der Smartphone-Kommunikation ein weltweites Monopol aufbaut: So nutzen bereits heute über 1 Milliarde Menschen Smartphones, auf welchen zwangsweise das letztlich recht geschlossene Betriebssystem Google Android vorinstalliert ist. Google will, dass schon in Kürze mindestens zwei Milliarden Menschen nur mit Google Android telefonieren.

Das bringt für Wettbewerber, wie Yandex, erhebliche Probleme mit sich. Konkret sieht sich Yandex durch die feste Integration von Googles eigenen Diensten in Google Android - wie Gmail, Google Play (App Store) oder Google Maps benachteiligt. Denn wo feste Programme bereits angeboten würden – ohne Alternativen – gebe es keinen Platz mehr für Wettbewerber.

Ein ähnliches Geschäftsverhalten legte Microsoft viele Jahre an den Tag. Ende der 1990er Jahre kam der Softwarekonzern deshalb in Konflikt mit den mächtigen Regulierungsbehörden der Europäischen Union (EU). Sie schrieben Microsoft nach einer jahrelangen Auseinandersetzung schließlich vor, das Monopol-Angebot von Microsofts Web-Browser - des Internet Explorers - auf dem Computer-Betriebssystem Windows zu beenden. Damit wollte man Wettbewerbern eine Chance geben. Erst so konnten dann Angebote wie Mozilla Firefox überhaupt zu den Verbrauchern gelangen.

Die Zwangs-Voreinstellungen von Google nerven Verbraucher, schaden Wettbewerbern

Entsprechend fordert nun die russische Suchmaschine Yandex, dass das russische Kartellamt die zahlreichen Zwangs-Voreinstellungen auf Google Android beenden solle. Besonders nervt Verbraucher -auch in der EU - dass beispielsweise auf jedem Android-Handy zwangsweise ein Google Gmail-Konto eröffnet werden muss, möchte man den einzigen Appstore auf Google Android-Handys – nämlich Google Play - nutzen.

Noch verfügt Yandex im russischen Internetsuchmaschinen-Markt über einen Marktanteil von 60 Prozent. Doch Google holt auf und liegt heute bei 33 Prozent. Wie dramatisch sich die Macht von Google auch auf den Smartphone-Bereich auswirkt, zeigt sich an schlichten Fakten: Im wachsenden Geschäftsfeld der mobilen Endgeräte - also Handys oder Tablets - verfügt Yandex im eigenen Heimatmarkt Russland nur noch über einen Marktanteil von 44 %, Google aber über deutlich mehr.

Das liegt daran, dass immerhin 86 % aller in Russland verkauften Handys mit Googles Handy-Betriebssystem Android und den dort vorinstallierten weiteren Google-Angeboten zwangsweise ausgestattet sind. Das ist der perfekte Nährboden, um den Wettbewerb klein zu halten.

Yandex äußerte sich wie folgt zu der nun eingereichten Kartellamtsbeschwerde gegen den amerikanischen Wettbewerber Google:

"Viele halten Android für eine offene Plattform". Doch sei dieses "falsch". Richtig sei, dass "Hersteller von Android-basierten Geräten in den proprietären Google Play App Store und zur Nutzung geschlossener Programmierschnittstellen gezwungen" würden.

Google Android ist keine offene Plattform

Weiter erklärte Yandex, wonach die Handy-Gerätehersteller von Google gezwungen würden als Appstore nur Google Play zu installieren. Wer dieses nicht tue, der dürfe auch das Betriebssystem Google Android nicht auf einem Smartphone installieren. Da es derzeit aber kaum andere Betriebssysteme gibt, sitzen auch die Handy-Hersteller in der Monopol-Falle.

Doch damit nicht genug: Die Handy-Hersteller müssen sich gegenüber Google angeblich verpflichten, in zahlreichen anderen Handy-Services keine Konkurrenz-Produkte von Google anzubieten. Dazu gehört wohl auch, dass natürlich nur Google als Standard-Suchmaschine auf den russischen Android-Handys vorinstalliert ist.

Wie mächtig eine solche Vorinstallierung ist, zeigte sich vor Jahren am Beispiel Windows und Internet Explorer und seit 2008 am Google Web-Browser Google Chrome. Aus dem Stand heraus konnte dieser – da permanent eingeblendet auf der Google-Suchmaske und ebenfalls vorinstalliert auf Android-Geräten – zu dem weltweit am weitesten verbreiten Web-Browser aufsteigen.

"Produzenten sollten die Wahl haben"

Ochir Mandzhikova, Leiter der Yandex Öffentlichkeitsarbeit, sagte, wonach Google es bekannt sei, dass ohne einen App Store niemand mehr Smartphones verkaufen könne. Deshalb sei die Vorgehensweise von Google, von den Herstellern zu verlangen, nur und ausschließlich Google Play als Tor zur Welt der Apps auf den Handys zu installieren, eine erhebliche Einschränkung des Wettbewerbs.

Yandex kündigte ferner an, wonach man das in der EU anhängige Kartellverfahren gegen Google unterstützte. Das EU-Verfahren gegen die Google Inc. wurde Anfang 2015 von der EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager neu gestartet.

Doch auch dieser Überzeugung ist Yandex: Dass eine kartellrechtliche Zwangs-Öffnung von Google Android zahlreichen anderen Produzenten zu Gute komme. "Wir sind der Meinung, dass die Produzenten selber die Wahl haben sollten", erklärt Yandex:

Derzeit versucht Yandex durch die Etablierung eines eigenen Handy-Betriebssystems wieder etwas Boden gut zu machen - mit Yandex.Kit. Einen ähnlichen Weg gehen die neuen Ubuntu-Handys, die erstmals mit einem komplett freien und offenen Betriebssystem Apples iOS und Googles Android Konkurrenz machen wollen. Ubuntu-Handys basieren auf der mobilen Variante von Linux.

Durch das Google-Monopol gefährdet sehen sich aber nicht nur Suchmaschinen wie "Yandex", sondern auch andere wichtige Entwickler oder Dienstleister bis hin zu Geräteherstellern.

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